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Banater Post

Freiburger Studienband über Heimatbriefe und Heimatblätter

Als Band 18 der Schriftenreihe des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa (IVDE), dem früheren Johannes Künzig-Institut mit sehr vielen Verbindungen zu Banatern beziehungsweise Donauschwaben, ist 2017 eine umfangreiche, 335 Seiten starke wissenschaftliche Dokumentation zu dem bisher vernachlässigten Thema „Heimatzeitschriften. Funktionen, Netzwerke, Quellenwert“ erschienen. Erstmals wird mit diesem Band, der ein Dutzend Beiträge zu dem Thema enthält, ein wissenschaftlicher, recherchierter Zugang zu dieser Art von vielfältigen und unterschiedlichen Publikationen eröffnet, zu ihrer Rolle und ihrem Quellenwert für die Forschung heute und in der Zukunft.

Das Buch umfasst fast ausschließlich Beiträge, die im Oktober 2016 auf einer internationalen wissenschaftlichen Tagung des Freiburger Instituts zum seinerzeit ausgeschriebenen Thema „Heimatbriefe der Deutschen aus dem östlichen Europa nach 1945“ vorgelegt wurden. Es entstand ein Dokumentationsband über die Anfänge dieser Art Heimatschreiben – von oft ephemeren Rundschreiben an einen engeren Kreis – bis hin zu gedruckten und teils umfangreichen Broschüren neuerer Zeit. Aufgezeigt wird die Vielschichtigkeit, Vielfalt und Komplexität solcher Schriften bis zu den gegenwärtigen Anzeichen des voraussehbaren Endes von Heimatzeitschriften aus Kreisen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler.

Die Banater Deutschen betreffend ist vorauszuschicken, dass dem Aufruf zur Erforschung und Präsentation derartiger Publikationen für die Tagung kein Referent Folge geleistet hatte, was sich in der Buchveröffentlichung widerspiegelt. Auch bei den Fallbeispielen ist keine Banater beziehungsweise donauschwäbische Schrift behandelt. Selbstverständlich gibt es einen Beitrag zu zwei einschlägigen Publikationen der Siebenbürger Sachsen in der Bundesrepublik Deutschland. Auch der einführende argumentative Beitrag und die meisten Grundsatzreferate beziehen sich fast ausschließlich – bis auf Literaturverweise indirekt – auf derartige Periodika aus Ost- beziehungsweise Ostmitteleuropa, kaum auf Südosteuropa. Das Referat zum Sathmarer Heimatblatt wurde nicht in den Band aufgenommen.

Dabei gab es bereits vor dem Erscheinen der ersten langlebigen Banater deutschen Nachkriegszeitung in der Bundesrepublik Deutschland, der „Banater Post“, das „Mitteilungsblatt“ der Landsmannschaft der Banater Schwaben von der Gründung der Landsmannschaft 1949/50 als Vorläufer sowie viele Heimatbriefe, Rundschreiben von Landes- oder Regionalverbänden oder Schriften zu Heimatortstreffen. Im Laufe der Jahre erschienen auch andersartige kleine Heimatblätter, die zum Teil vergessen sind. Interessenten an dem Thema beziehungsweise interessierte Leser finden jedoch in dem Buch viele indirekte Hinweise zu Banater weiterführenden Verbindungen und Periodika (Standorte), auch dank der reichen aufgeführten Literatur.

Für Forscher und sonstige Interessenten sehr wichtig sind die kurzen Vorstellungen der reichen Bestände an Heimatpressesammlungen in der Martin-Opitz-Bibliothek (mit Göttinger Arbeitskreis) in Herne und im Herder-Institut, vorwiegend zu Ostmitteleuropa. Die Sammlungen im Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen oder im Haus der Heimat in Stuttgart fanden keinen Eingang in den Band. Dies wird hoffentlich nachgeholt mit dem großen geförderten Projekt, das im letzten Beitrag des Bandes vorgestellt wird. Dieser zeigt zudem jetzt schon wichtige Querverbindungen auf über das „Online-Handbuch Heimatpresse“, ein aktualisiertes und ergänztes digitales Handbuch, das der heutigen Forschung neue Recherchemöglichkeiten öffnet, wo frühere Print-Handbücher meist nur Titel, Herausgeber, Erscheinungsorte und -jahre angaben.

Vielleicht wird noch eine Möglichkeit geschaffen, diese Art der Banater deutschen Veröffentlichungen, die es in München, Stuttgart, Ulm, Freiburg, Karlsruhe, Sindelfingen, Tübingen und an anderen Orten gibt, zu erfassen und zu bearbeiten.
  
Tilman Kasten, Elisabeth Fendl (Hrsg.): Heimatzeitschriften. Funktionen, Netzwerke, Quellenwert. Münster: Waxmann Verlag, 2017. 335 Seiten (Schriftenreihe des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa; Band 18). ISBN 978-3-8309-3774-6. Preis: 34.90 Euro