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Banater Post

Das Kreuz am Wegrand - Banater Kalender 2019

Das Titelbild des Banater Kalenders 2019 und der einführende Satz der Herausgeber verweisen auf die Schwerpunktthemen des zwölften Jahrbuchs, das der Banat Verlag Erding vor kurzem herausgebracht hat: „An der Straße Temeswar-Lippa, kurz vor Blumenthal, steht ein Flurkreuz im Acker, am Abend hebt es sich eindrucksvoll vom glühenden Himmel ab. So steht es auf dem Titelblatt unseres Jahrbuchs sinnbildlich für die unzähligen Opfer am Wegrand der Banater Geschichte im 20. Jahrhundert.“ Vor dem geschichtlichen Hintergrund, den der Historiker Josef Wolf in zwei grundlegenden Beiträgen ausbreitet (Das Banat und die Banater Schwaben am Ende des Ersten Weltkriegs sowie Der 23. August 1944 – Schicksalswende und Epochengrenze der rumänien- und banatdeutschen Geschichte), belegen umfassende Dokumentationen mit Selbstzeugnissen von über zwei Dutzend Landsleuten die tragischen Kapitel erlebter und erlittener Geschichte als Folge des Krieges: Flucht in den Westen vor der Roten Armee im Herbst 1944, die Russlanddeportation 1945-1949, die Enteignung des Feldbesitzes der Deutschen 1945, die Bărăgan-Deportation 1951-1956.

Georg Schmidt fasst die Flucht aus Semlak, Gertrude Adam die Russlanddeportation in ihrem Herkunftsort Orzydorf und Barbara Gaug die Enteignung der Deutschen und die Ansiedlung rumänischer Kolonisten zusammen; Gertrud Acker berichtet über die mutwillige Zerstörung und die Enteignung des Kurbades Kalatscha und Magdalena Parison über ihre Deportation in den Bărăgan. Wie tiefgreifend und nachhaltig der Frontwechsel Rumäniens am 23. August 1944, die Sowjetisierung des Landes und die damit verbundenen Nachkriegsereignisse nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens wie auch das Schicksal jeder einzelnen Familie verändert haben, klingt auch in den Beiträgen über die Notre-Dame-Schule in der Temeswarer Josefstadt (Anna Schreiber), über die Lebensgeschichte der Hochschullehrerin Dr. Maria Pechtol und ihrer Großfamilie (Radegunde Täuber) wie auch über den 1919 geborenen und im Gefängnis von Gherla verstorbenen Märtyrerpriester Pater Paulus/Anton Weinschrott (Walther Konschitzky) an. Das Ableben des letzten rumänischen Königs Michael I. (1921-2017) und der 30. Jahrestag seit der Erhebung in Temeswar im Dezember 1989 (Fabian Fischer / Uwe Detemple) sind weitere Themen zur Zeitgeschichte. Hans Fink stellt Betrachtungen über die Bedeutung familiengeschichtlicher Überlieferungen „als Teil unseres Welt- und Selbstverständnisses“ an.

Mehrere umfassende Berichte sind herausragenden aktuellen Ereignissen gewidmet: dem Heimattag der Banater Schwaben 2018 in Ulm, der Weihe des Domherrn József Csaba Pál zum neuen Diözesanbischof im Dom zu Temeswar, den Jubiläen 150 Jahre Mutter-Anna-Kirche in Sanktanna, 100 Jahre seit der Weihe der römisch-katholischen Kirche in Rekasch im letzten Kriegsjahr 1918 und der Temeswarer Elisabethstädter Kirche 1919. Beiträge zur Banater Kirchengeschichte zeichnen Heinrich Lay (300 Jahre Kirchengemeinde in Lugosch) und Hans Hausenstein Burger, der das monographische Werk Gerhard von Csanád – Gestalt eines Bischofs der frühen ungarischen Kirche von Bischof Martin Roos vorstellt und auf die Verehrung des hl. Gerhard, des Schutzpatrons der Banater katholischen Diözese, eingeht.

Einer Tradition des Jahrbuchs folgend werden auch diesmal Banater Kulturschaffende vorgestellt: der Schriftsteller Franz Heinz, die Maler und Grafiker Hans Stendl, Nora Schütz-Minorovics, Peter Schweg, Robert Schiff und Peter Kneipp, die Hochschullehrer und Forscher Prof. Dr. Rudolf Gräf, Prof. Dr. Franz Quint, Prof. hon. Dr. Helmuth Mojem und Prof. h.c. Josef Wolf. Dr. Walter Engel würdigt den Schriftsteller Otto Alscher, der vor 75 Jahren im Internierungslager von Târgu Jiu verstarb.

In ihren kulturgeschichtlich und ethnologisch aufschlussreichen Studien-Reihen untersuchen Dr. Hans Gehl ethnische Völkernamen in den donauschwäbischen Mundarten, der Musikethnologe Gottfried Habenicht aber eine Banater Variante der Ballade von der „wackeren Schwester“, die das Leben ihres Bruders rettet. Artikel zur Industriegeschichte des Banater Montangebiets haben Günther Friedmann (300 Jahre Industrie im Banater Bergland) und Helmut Kulhanek (Die Holzverkohlungsfabriken in Reschitz und im Minisch-Tal) bereitgestellt.

In einer Würdigung anlässlich seines 125. Geburtstags stellt Dr. Franz Metz den Musiker und Autor der ersten Banater Musikgeschichte Desiderius Braun vor, Dr. Lajos Kakucs anlässlich des 100. Todestages den aus dem Banat stammenden Forscher Max Herz, der das weltweit bekannte Museum für Islamische Kunst in Ägypten aufgebaut hat. Heinrich Lay erinnert an den 1927 in Lugosch geborenen Fußballer Josef/Jupp Posipal, der 1954 einer der Helden des „Wunders von Bern“ wurde, als die deutsche Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft gewann. Über den Banater Hypnotiseur Franz Neukomm und den ersten in der Geschichte der Medizin registrierten Tod während einer Hypnose vor 125 Jahren berichtet Horst Wichland. Abgeschlossen wird der Band mit Mundarttexten von Margarete Eipert, Johann Krepil, Rainer Kierer und Josef Titsch sowie einer umfassenden Übersicht über Gedenkanlässe und Jubiläen im Kalenderjahr 2019.

Mit dem neuen Kalender sind es nun ein Dutzend Ausgaben der Jahrbücher, die der Banat Verlag Erding seit 2007 herausbringt – eine Buchreihe, die von Aneta und Walther Konschitzky als Herausgeber mit dem erklärten Ziel gestartet wurde, die gegenwärtigen kulturellen Leistungen der Banater Schwaben in Deutschland und im Herkunftsgebiet sowie die Geschichte, Kultur und Volkskunde dieser Gruppe im Lichte neuer Erkenntnisse darzustellen.

Ob dies entlang der zwölf Jahrgänge, deren Titelseiten auf dem Rückdeckel des Kalenders abgebildet sind, durchgehalten werden konnte? Ein Vergleich der Inhalte dieser Veröffentlichungen, jede im Umfang von 312 Seiten, reich illustriert und gediegen ausgestattet, bejaht dies, obschon jeder Jahrgang eigene Schwerpunkte setzt und Themen angeht, die aktuelle Ereignisse ins Blickfeld rücken oder auf Gedenkanlässe des jeweiligen Kalenderjahres Bezug nehmen. So auch der vorliegende.

Banater Kalender 2019. Herausgeber: Aneta und Walther Konschitzky. Erding: Banat Verlag, 2018. 312 Seiten, davon 64 in Farbe, über 200 Illustrationen; Preis 22 Euro (zuzüglich Versand). Bestellung: Banat Verlag Erding, Zugspitzstraße 64, 85435 Erding, Tel. 08122 / 229 3422, E-Mail: banatverlag@gmx.de