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Banater Post

Im Banat auf Spurensuche nach der Zither

Nach dem Konzert im Temeswarer Kunstkolleg kam es zu einem Austausch zwischen deutschen und ungarischen Zitherspielern. Foto: Petra Uher

Erste Station der Konzertreise des Zitherorchesters München-Pasing war die Wallfahrtsbasilika Maria Radna. Foto: Stefan Eckmüller

Das Zitherorchester mit Solist Florian Schötz bei der Matinee in der Aula der „Eftimie Murgu“-Universität in Reschitza. Foto: Erwin Josef Ţigla

Auf Initiative von Bärbel Oßwald, deren Großmutter aus dem Banat stammt, unternahm das Zitherorchester München-Pasing unter der musikalischen Leitung von Robert Popp eine einwöchige Konzerteise ins Banat. Dokumente beweisen, dass es früher dort Zitherspieler und -ensembles gab. Während unserer Konzertreise begaben wir uns sozusagen auf Spurensuche nach dem
Zitherspiel im Banat. Zugleich wollten wir aber auch die Zither als facettenreiches Instrument vorstellen, ihren Klang in verschiedenen Musikepochen in mehreren Konzerten aufzeigen und mit Musikensembles vor Ort in freundschaftlich-musikalischen Kontakt treten.

Höhepunkte unserer musikalischen Reise waren die Teilnahme am Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in der Rumänischen Staatsoper von Temeswar und am Kulturfestival im Banater Bergland.

Unterstützt wurde das Zitherorchester München-Pasing von mehreren ausgezeichneten Instrumental-solisten: Florian Schötz (Violine), Primarius des Goldmund-Quartetts und Träger des Bayerischen Kunstförderpreises, Walter Brachtel (Cello), wie Árpád György (Kontrabass) langjähriges Mitglied des Münchner Rundfunkorchesters, der mehrfach ausgezeichnete Zitherkünstler Lothar Lägel sowie Franziska Popp (Blockflöte) und Magdalena Popp (Block- und Querflöte), letztere Mitglied des Jugendsinfonieorchesters Zürich und der Jungen Sinfoniker Basel. Mit von der Partie war auch die Sopranistin Adelheid Maria Thanner. Sie studierte Lied- und Oratoriengesang in München und war Mitglied im Konzertchor des Bayerischen Rundfunks. Seit 1986 gibt die Sopranistin Solo- und Ensemblekonzerte im In- und Ausland und ist als Gesangslehrerin tätig. Adelheid Maria Thanner wirkte bereits bei zahlreichen Aufnahmen und Konzerten des Zitherorchesters München-Pasing mit.

Die Instrumente und Zithertische wurden vorab mit einer Spedition nach Rumänien befördert, bevor alle Teilnehmer sich am 30. September am Münchner Flughafen einfanden und nach zwei Stunden Flug die Instrumente in Temeswar wieder in Empfang nehmen konnten.

Acht Konzerte in acht Tagen zu absolvieren, war eine musikalische wie touristische Herausforderung für das 26-köpfige Amateurorchester. Doch es gelang: Konzentration, Spielfreude und auch die Stimmung hielten über den gesamten Zeitraum und wurden nicht zuletzt durch ein begeistertes Publikum, aber auch durch wohlwollende Berichterstattung belohnt.

Das erste Konzert fand am 1. Oktober in der Wallfahrtskirche Maria Radna statt. Neben den Zithern erklangen bei dem Kirchenkonzert mit Werken von Vivaldi, Mendelssohn, Molter, Schubert, Telemann und Rubinstein auch die Flöten von Franziska und Magdalena Popp. Adelheid Maria Thanner sang zwei Händel-Arien mit Orchesterbegleitung und Lothar Lägel überzeugte wieder einmal als Zithersolist. Anschließend gab es eine Führung durch das Klostermuseum, das die Geschichte des ehemaligen Franziskanerklosters – mit EU- Unterstützung in den letzten Jahren grundlegend saniert – sowie des Wallfahrtsortes Maria Radna anschaulich präsentiert.

Bereits hier wurde uns ein wohlwollendes, freundliches Willkommen entgegengebracht. Da wir uns eine Woche lang auf den Spuren der Banater Schwaben bewegten, wurden wir allerorts sehr herzlich in deutscher Sprache begrüßt. Mit den Auswanderern kam im 18. Jahrhundert auch die Zither ins Banat, was wir nicht nur im Kultur- und Dokumentationszentrum der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Ulm feststellen durften, wohin wir uns im Vorfeld unserer Reise begeben hatten, sondern auch im Museum im Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus. Deutsche erzählten oftmals im Anschluss an unsere Konzerte von Verwandten und Bekannten, die in Rumänien Zither gespielt haben.

Am nächsten Tag reisten wir nach Arad, wo wir im Kunstkolleg „Sabin Drăgoi“ um 18 Uhr das zweite Konzert gaben. Davor trafen wir uns mit Michael Szellner, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Arad, zu einem kleinen Rundgang zum Rathaus mit geschichtlicher Einführung. Da bereits um 16 Uhr die Anspielprobe geplant war, erkundeten wir anschließend die Stadt an Bord des Busses, der uns während der Tour zur Verfügung stand.

Der Dienstag begann mit einer deutschsprachigen Führung durch Temeswar, in deren Verlauf wir auch die beeindruckende orthodoxe Kathedrale besichtigten und uns ein Bild machen konnten von der Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten. Die vielen schönen alten Bauten ließen den Glanz früherer, vorkommunistischer Zeiten erahnen. Wir erfuhren viel über das Schicksal der Deutschen im Banat nach dem Zweiten Weltkrieg und den Ereignissen in Temeswar im Dezember 1989, die das Ende der kommunistischen Diktatur in  Rumänien einläuteten.

Einen Höhepunkt unserer Konzertreise stellte am Abend die Mitwirkung am Galakonzert anlässlich des Festaktes zum Tag der Deutschen Einheit in der Nationaloper in Temeswar dar. Seit vielen Jahren bringt diese vom Deutschen Konsulat in Temeswar veranstaltete Feier Vertreter und Freunde der deutschen Minderheit sowie der Stadt- und Kreisverwaltung zusammen. Ausschnitte unseres Konzerts und ein Interview mit Robert Popp wurden einige Tage später im deutschen Regionalfernsehen ausgestrahlt. Nach der Vorstellung trafen wir Konsul Ralf Krautkrämer.

Der darauf folgende Tag (4. Oktober) stand im Zeichen des musikalischen Miteinanders und Austausches. Gelegenheit dazu bot das Konzert im Festsaal des Ion-Vidu-Kunstkollegs, dessen erster Teil von hervorragenden Schülern der Musikschule gestaltet wurde. Neben Klavier, Harfe, Gitarre und Streichquartett erklangen auch ungarische Zithern, gespielt von zwei Trachtengruppen der benachbarten Béla-Bartók-Schule. Dazu sangen deren Mitglieder mit großer Begeisterung ungarische Lieder. Der zweite Teil des Konzertes wurde vom Zitherorchester München-Pasing bestritten. Danach fand spontan ein intensiver Austausch zwischen den ungarischen und deutschen Zitherspielern statt. So erklärten uns die Kinder ihr Spiel auf der ungarischen Zither und waren auch sehr angetan von den Möglichkeiten unserer Diskantzithern. Der schöne gemeinsame Tag endete mit einem Abendessen in der Ion-Vidu-Schule.

Am 5. Oktober stand ein Konzert im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus auf dem Programm, zu dem das Demokratische Forum der Deutschen im Banat unter der Leitung von Dr. Johann Fernbach eingeladen hatte. Zu den Besuchern gehörten auch Bewohner des Seniorenheims. In einer sehr herzlichen Atmosphäre ergaben sich im Anschluss viele Gespräche über die deutsche Vergangenheit und auch über die Zithermusik im Banat. Das  Abendessen mit Schrammelmusik, gespielt von Lothar Lägel, Florian Schötz und Árpád György, bildete einen schönen Abschluss dieses gelungenen Konzertabends.

Zu einem weiteren musikalischen Höhepunkt gestaltete sich das Konzert am 6. Oktober in der Aula der „Eftimie Murgu“-Universität in Reschitza. Es war eingebettet in die alljährlich vom Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen unter der Leitung von Erwin Josef Ţigla veranstalteten Deutschen Kulturdekade im Banater Bergland. Nach einem gemeinsamen Essen aller teilnehmenden Musikgruppen begann das Konzert um 19 Uhr mit dem Auftritt einheimischer Chöre, die traditionelles deutsches Liedgut darboten. Das Zitherorchester überzeugte durch das sehr präzise Zusammenspiel, das sich im Laufe der Woche sogar noch steigerte, wie auch durch seine große Spielfreude. Adelheid Maria Thanner versetzte mit Unterstützung des Zitherorchesters und Florian Schötz auf der Violine die Zuhörer mit dem Lied „Armer Gigolo“ in das Berlin der 1920-er Jahre. Das total begeisterte Publikum, zum Großteil selbst aktive Sänger, wurde auf die Matinee des Zitherorchesters am gleichen Ort am nächsten Tag hingewiesen.

Neben der Matinee in Reschitza unternahmen wir am 7. Oktober einen musikalischen Ausflug nach Steierdorf, etwa eine Autostunde von Reschitza entfernt. In diesem schmucken Bergstädtchen begann um 16.30 Uhr ein Blasmusikfestival mit verschiedenen Kapellen aus Rumänien und Serbien, aber auch mit deutschen Chören aus dem Nordosten Rumäniens. Das Zitherorchester überzeugte wiederum und wurde, wie schon in Reschitza, mit einer Urkunde geehrt. In Steierdorf interviewte eine Reporterin der deutschsprachigen Sendung von Radio Temeswar einige Mitglieder des Zitherorchesters. Diese Interviews wie auch eine einstündige Sondersendung zur Konzertreise des Zitherorchesters München-Pasing wurden einige Tage später ausgestrahlt.

Abends fuhren wir wieder nach Reschitza zurück, wo wir unsere letzte Nacht in Rumänien verbrachten. Mit vielen schönen Impressionen traten wir am 8. Oktober den Heimflug nach München an. Zurück bleiben viele schöne Erinnerungen an ein Land, das uns durch die Begegnung mit deutschstämmigen und -sprechenden Menschen ein Stück Heimat geworden ist. Neben dieser Verbindung stellte die Musik als universelle Sprache eine große Nähe zu den Musikern in Rumänien, aber auch zu den Zuhörern her.