Das Dorf Lunga und seine Nachkriegsbewohner waren unmittelbare Zeugen des Eisernen Vorhangs, wie die meisten Banater Dörfer in Grenznähe. Lunga war ein „halbes” Schwabendorf, das als ganzer Ort nur aus einer Straße bestand – aber so breit angelegt wie die Paradestraßen mancher Großstadt. Alle Häuser waren ursprünglich gleich gebaute Lehmhäuser, weiß gekalkt (die der Deutschen) – rund hundert waren von Deutschen bewohnt – oder bunter getüncht die andere Hälfte.In der Mitte dieser sehr breiten Dorfallee stand und steht heute noch auf der rechten Seite (Richtung Ortsausfahrt nach Serbien gesehen) ein größeres Gedenkkreuz mit deutscher Inschrift, unweit daneben betont ein aus hellen Backsteinziegeln errichteter breiter Glockenstuhl mit zwei unterschiedlich großen Glocken die einst römisch-katholische Seite der Gemeinschaft, die keine eigene Kirche besaß.
So hat diese Ortschaft ihr eigenes „Gesicht” lange bewahrt, ihre unverwechselbare Geschichte zeigt aber ständigen Wandel. Leider ist diese, wie vielerorts im Banat, noch immer nicht geschrieben. Das gilt auch für das vor rund 200 Jahren entstandene kleine Kontraktualisten-Kleinhäuslerdorf Lunga, das seit Ende des Ersten Weltkrieges und bis heute an der Grenze zum neuen Nachbarland liegt, seit dem Zerfall von Titos Jugoslawien und gegenwärtig Serbien. Die Gründer beider Teile des Dorfes kamen aus allen Himmelsrichtungen des Banats, nicht nur aus den benachbarten Muttersiedlungen Großkomlosch und Nakofalva (Selesch) sowie aus Ortschaften der Umgebung, wie Ostern, Hatzfeld, Marienfeld oder Bogarosch.
In den Nachbardörfern hieß es im vergangenen Jahrhundert, dass die deutsche Gemeinschaft in Lunga – sie machte vom Ortsaufbau 1822-1826 angefangen und gut über ein Jahrhundert hindurch die Hälfte der Einwohnerschaft aus – durch festen Zusammenhalt und große Geselligkeit gekennzeichnet sei. Es waren Merkmale, die im Banat oft für kleinere schwäbische Orte bzw. Gemeinschaften hervorgehoben wurden und auch zutrafen.
Wenn für viele Banater der jüngeren Generation „die Lunga“ nur als kleineres, abgelegenes und weniger bekanntes Dorf gilt, so liegt das daran, dass die Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg die Gemeinde, die damals den Namen Constanzia bzw. Kunszöllös trug (von 1909 bis 1924), an den Rand des neuen Vaterlandes Großrumänien zwangsverlegt hatte. Die neue Landesgrenze hatte nicht nur die Felder und Wirtschaften entschädigungslos zerschnitten und zerstückelt, sondern manchen Bewohnern den Niemandsland-Streifen bis an die Hausgärten gesetzt. Das führte zu einem ständigen Rückgang der Bevölkerungszahl, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg verschärfte durch die vielen kommunistischen Restriktionen und Schikanen für die Bewohner der Grenzregionen, die im Personalausweis einen Stempel führen mussten, weil sie in der Sperrzone für Ortsfremde lebten. Neu war nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Art der streng bewachten Grenze, mit Wachtürmen, Stacheldraht, Grenzstreifen, Schießbefehl, Hundestaffeln etc. Der aus dem nahen Grenzort Tschanad stammende Lokalhistoriker Dusan Baiski bezeichnete die bedrückende Last der Dorflage nahe der Grenze über ein halbes Jahrhundert hindurch als Fluch (blestemul frontierei).
Seit 2016 ist hier an der alten Reichs-, jetzt asphaltierten Straße, ein offizieller, in den Jahren 2017 - 2019 modernisierter ständiger Grenzübergang nach Serbien eingerichtet (Drum National DN 59E, Lunga-Nakovo, für Pkw)), der die frühere Direktverbindung nach Kikinda wieder ermöglicht. Entlang der Straße wurde zudem ein Fahrradweg angelegt, der die ältere Generation an den sogenannten „kleinen Grenzverkehr“ erinnert, der ab 1970 zu Fuß und mit Fahrrädern möglich war. Heute ist er Teil einer international ausgezeichneten Fahrrad-Route.
Die Eingemeindung zu Großkomlosch 1951, die schlechte Verkehrsanbindung und schwache Infrastruktur fielen zusätzlich ins Gewicht bei der Rückentwicklung der deutschen Gemeinschaft. Hinzu kamen frühe Fluchtversuche über die Grenze nach Jugoslawien, die trotz einiger Misserfolge nie aufhörten. Ein 15jähriger aus dem Dorf machte angeblich den Anfang, was damals für viel Wirbel in der Gegend sorgte. Laut Zensus des Jahres 1992 lebten in Lunga rund 570 Einwohner, 14 davon hatten sich selbst als Deutsche bekannt. Bei der Volkszählung 2002 wurden 533 Bewohner gezählt, 2011 waren es noch rund 500.
Sekundär- und Mischsiedlung
Während Ioan Lotreanu in seinem Band Kurzchroniken aller Banater Dörfer 1935 vermerkte, dass man zur Ortsgeschichte von Lunga nichts Näheres weiß und die deutsche Gemeinschaft nicht einmal erwähnt, ist inzwischen bekannt, dass die erste handschriftlich erhaltene ethno-topographische Ortsbeschreibung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Budapester Nationalbibliothek liegt. Daten über die Gründung der Privatsiedlung auf den Gütern der Familie Nako/Nacu wurden daraus vor Jahrzehnten erstmals in der Temeswarer Neuen Banater Zeitung vom Autor dieses Beitrags veröffentlicht. Als Zweck der Ortsgründung entlang dieser damals wichtigen Landstraße („Reichsstraße“) – sie wurde durch die Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg total gekappt – bis zur Genehmigung des erwähnten sogenannten „Kleinen Grenzverkehrs“, ist nicht nur die Bindung der Arbeitskräfte an die herrschaftlichen Güter anzuführen, wie heute im rumänischen Internet über den Ort nachzulesen ist, sondern auch die Gewährleistung einer höhere Sicherheit in der Gegend und entlang der wichtigen Post- und Verkehrsstraße. Ein Jahr vor dem Erscheinen des Lotreanu-Bandes veröffentlichte der Großkomloscher orthodoxe Priester und Lokalhistoriker Gheorghe Cotoșman (1904-1977) in seiner Buchreihe: „Din trecutul Banatului“ 1934 das Bändchen „Comuna și bisericile din Comloșu Mare și Lunga“ („Die Gemeinde und die Kirchen in Großkomlosch und Lunga”.
Als „Constantzfalva“ erstmals in den Jahrbüchern des Tschanader Bistums als Filiale erwähnt (mit „Banat-Komlos“ zur katholischen Pfarrei Nakofalva gehörend), zählte das Dorf 633 Katholiken (Deutsche) und 592 orthodoxe Rumänen sowie vier Evangelische des Augsburger Bekenntnisses. Rund 60 Jahre später (1910) war das Verhältnis 590 Deutsche zu 753 Rumänen. Die rasche Entwicklung der Bevölkerung des Ortes zeigte sich auch daran, dass allein die Katholiken in der Gründerzeit 85 schulpflichtige Kinder hatten. Lehrer Franz Heil unterrichtete im Jahr 1854/1855 über 120 Kinder in einem Klassenraum, er hatte einen 100prozentigen Schulbesuch. Gesichert ist für den Anfang der deutschen Schule im Dorf als erster Lehrer (bis 1826) Peter Horwath. Die frühesten veröffentlichten statistischen Daten zur Schule der Deutschen in Constantia sind die für das Schuljahr 1827/1828 (laut Dr. Anton Peter Petri „Die katholische Normalschule…“, München, 1980): rund 100 Kinder (von 6 bis 12 war Schulpflicht), der regelmäßige Schulbesuch lag bei 81. Im Jahr 1835 hatten die 536 Katholiken 111 Schulkinder (Petri, Seite 143), 1843/44 gab es 102 die Schule besuchende Kinder (Petri, S. 113). Wie lange Andreas Altenbach Direktor der konfessionellen Schule war, ist nicht bekannt, 1909 - 1910 unterrichtete er an der 6-Klassen-Schule ungarisch und deutsch.
In der Zwischenkriegszeit fing hier der später bekannte und langjährige Übungsschule-Lehrer der Banatia und Fachautor Christoph Kintsch (Erwerb seines Lehrerdiploms 1923) „klein an“. Nach kurzem Wirken in der Stadt Mediasch hatte der Komloscher seine erste Stelle im Banat in Lunga, von wo er 1927 an die renommierte große Temeswarer Schulanstalt Banatia wechselte. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte u. a. als ausgebildeter Grundschullehrer Hans Harle (1938-2023). Er stammte aus Neudorf bei Lippa und begann seine ersprießliche Lehrerlaufbahn nach der Päda in Temeswar in Lunga, wo er 1957 Theresia Horn ehelichte. Zu seiner Zeit bestanden deutsche Theater-, Tanz- und Singgruppen, wurden von ihm Faschingsfeiern und Brauchtumsfeste organisiert. Im Jahr 1961 übersiedelte die Familie infolge seiner Versetzung nach Grabatz, wo er bis zur Ausreise 1985 erfolgreich tätig war.
Früheste über das Banat hinaus bekannte Persönlichkeit aus der deutschen Gemeinschaft des Ortes, die hier die deutsche und rumänische Grundschule besucht hatte, war Johann Deffert, Dichter, Fachautor und Journalist, gestorben 1938 in Budapest. Aus der rumänischen Gemeinschaft war es die Skandal- und spätere Romangestalt Ana Cumpanaș (1889 Lunga - 1947 Temeswar), die amerikanische Prostituierte, die dem FBI den Staatsfeind Nr. 1 ins Messer lieferte und dann nach Rumänien zurückkehren musste. Als Geburtsort wird meist fälschlicherweise Großkomlosch angegeben.
Landgemeinde Lunga
Dr. med. Erich Lammert, gebürtiger Mercydorfer (1912-1997), verdienstvoller Banater Heimatforscher, hat in seiner Dokumentationsmappe für fast alle Banater Orte mit deutscher Bevölkerung auch Lunga im Torontaler Komitat aufgenommen mit allen früheren Ortsnamen (Konstantia, Kunszöllös). Lammert vermerkt die Zugehörigkeit der „Sekundär- und Mischsiedlung mit 429 Deutschen“ zum römisch-katholischen Dechanat Großkikinda. Ab dem Jahr 1822 „gründete die Grundherrin Konstanze Nako-Sissany den Ort zur fast gleichen Hälfte mit Deutschen und Rumänen. Da die Ortschaft nur aus einer einzigen langen Gasse bestand, wurde sie später rumänisch Lunga benannt.“
Als Literatur gab Dr. Lammert Leo Hoffmanns „Geschichte deutscher Ansiedlungen“ an (Hatzfeld, 1926, Seite 8) sowie die Großkomloscher Monographien von Martin Kurzhals und Hans Diplich, sowie Tschanader Bistums-Jahrbücher an. Dr. Johann Wolf führte im Anhang seines Buches „Banater Deutsche Mundartenkunde“ (Bukarest 1987) ebenfalls 1822 als Beginn der Ortsbesiedlung an, die über einige Jahre dauerte. In den Gründungs-Pachtverträgen von 1824 wurde das Gelände noch als „Constance Straße“ bezeichnet.
In der Zwischenkriegszeit und bis 1951 hatte der Ort den offiziellen Status einer eigenständigen Landgemeinde im Verwaltungsgebiet Temesch-Torontal (rumänisch „comună rurală“). Im Jahr 1930 beispielsweise erreichte die Einwohnerzahl rund 1000 Seelen. Post, Telefon, Telegraph, Sparkasse und Bahn gab es für die Bewohner jedoch nur im vier Kilometer entfernten Comloşu Mare/ Großkomlosch (so die damaligen Entfernungs-Angaben, wohl bis ins Komloscher Ortszentrum). Außer dem Rathaus gegenüber der orthodoxen Kirche standen in der Ortsmitte von Lunga zwei Schulen, die staatliche rumänische Volksschule und die konfessionell-katholische deutsche beim Glockenstuhl, der unweit davor auf der Straße steht. In den Gottesdienst oder zu Requien, Maiandachten, zur Kommunion oder Firmungen usw. mussten die Katholiken jedoch in die jeweilige Mutterkirche gehen oder fahren, lange Zeit nach Selesch (Nakofalva), dann ab 1920 und bis zuletzt in die Pfarrkirche in Großkomlosch.
Gewerbe und Handel
Gewerbe und Handel betreffend war die eigenständige Gemeinde für die damalige Zeit relativ autark. Alle unbedingt nötigen Handwerker und später auch „Geschäfte“ gab es im Ort, die meisten Gewerbetreibenden mussten laut Steuerlisten jedoch dazu kleine Landwirtschaften betreiben, um existieren zu können. Als früheste namentlich bekannten neun Handwerker wirkten im Ort laut der ersten Steuerliste aus dem Jahr 1828 (der Vordruck für die Conscription ist lateinisch) folgende Gewerbetreibenden: Ludvig Markvi, lediger Tischlermeister, Franciscus Fridmanszki (Tischler/Schreinermeister, Arcularius), Josef Hordi (Schustermeister, „Magister“), Michael Hordi (Schuster/Schumachermeister, „Magister Cothunarius“, damals der einzige Meister mit einem Gehilfen) sowie Georg Karch als Müller und Mühlenbesitzer, dann Simeon Luka, Zsiwan (Jivan) Bellu, Ioan Dan und Mitru Ardelyean (alle Schuster- bzw. Tschismenmachermeister) in der rumänischen Gemeinschaft.
Im Jahrbuch der Arbeitskammer Rumäniens für 1928 sind aus diesen Bereichen u. a. folgende Handel- und Gewerbetreibende aufgeführt (nur die Steuer zahlenden):
Gemischtwarenhandlungen: Christof Kuschil, Johann Lengenfelder, Peter Szabo (dessen Tochter später nach Komlosch geheiratet hat) und Eufemie Töröky;
Gastwirte: Saveta Valcăneanțu und Franz Kahles. Der Sohn Peter Kahles führte später das große Wirtshaus weiter, bis er in den Krieg musste. Er hatte eine „Marjafelderin“ geheiratet, die die Wirtschaft noch kurze Zeit halten konnte. Nach dem Krieg verfiel das Anwesen, bis die Grenzer es in die Militärverwaltung übernahmen. Franz Kahles wird auch als Weinbauer genannt mit zweieinhalb Hektar Weingarten, die aber außerhalb der Gemarkung Lunga lagen. Auf den Fluren der flachen, tiefgelegenen Felder gab es keine größere Rebanlagen, laut frühesten Steuerlisten bis 1829 überhaupt keine Weingärten. Der Wein war aber später wichtig. Die verkehrsmäßige Abgelegenheit der Tochter-Binnensiedlung und die Grenzlage zu Serbien ermöglichten in der Zwischenkriegszeit regen Schmuggel durch Bestechung der Grenzer. Aber auch für die Existenz von etlichen „schwarzen“, versteckten Schankstuben war Wein wichtig.
Als gewerblich angemeldete Handwerker sind im angeführten Jahrbuch 1928 aufgelistet: Josef Laub und Michael Steinbach (unweit der Schule) als Schuster, Peter Kleer und Franz Höfler als Schmiede, Ioan Eremia, Ioan Gheorghevici, Emmerich Fraunhoffer und Franz Marqui als Friseure, Josef Eck als Wagner und Eufremiu Apostol als Gerber. Bemerkenswert, dass die relativ kleine und ursprünglich ärmere Kleinhäusler-Gemeinschaft, in der es bis 1829 keinen einzigen Knecht oder Magd gab, unter Schlosser Martin Haag und Compagnons schon 1927 eine Dreschmaschine angeschafft und betrieben wurde.
Die Liste der Handwerker ist aus verschiedenen Gründen (Steuer) nicht immer vollständig, es ist stets eine „Momentstatistik“, wie es Jahrbücher üblicherweise sind. So werden die „alten Lunga’mer“ in der Aufzählung weniger den bekannten Zmed-Schuster vermissen, sondern vor allen die in der ganzen Umgebung bis Nero und Marienfeld bekannten und geschätzten drei Küchel-Maurerbrüder: Peter (der älteste, war Baumeister), Johann und Franz. Der Jüngste war bis zum Zwangseintritt in die „Kollektivwerkstätten“ (LPG) als selbständiger Maurer bei der Gemeinde zugelassen. Die Tochter von Baumeister Peter wirkte als Lehrerin in Siebenbürgen, wo sie verheiratet war, der Sohn war als Ingenieur in der Bauwirtschaft tätig.
Chöre und Feuerwehr
Zum Vereinsleben sind in Nachschlagewerken ein rumänischer Chor und ein deutscher (katholischer) erwähnt, ethnisch gemischt war die Zusammensetzung des aktiven Feuerwehrvereins, der über Jahrzehnte existierte. Zu den Stätten für Geselligkeit zählten außer den recht großen Gasthäusern ab der Zwischenkriegszeit die Bühnenräume in den Schulen – in der katholischen Grundschule unter den Pfarrern Michael Buchecker, Neuarader, und Julius Krisztinicz (er stammte aus Busiasch) etwa fünf Jahre lang auch Bethaus dank der Unterstützung durch den Sankt Bonifatius-Verein, dem im Banat Prälat Josef Nischbach vorstand. Hinzu kam in der sozialistischen Zeit die Kegelbahn, errichtet auf dem Anwesen einer Ruine eines „amerikanischen“ Hauses bzw. dem früheren Rossmühle-Platz. Der Innenhof war ein guter Spielplatz für die Schulkinder. In deutscher Muttersprache gab es bis Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts immer Simultanunterricht für die vier Grundschulklassen, ähnlich an der rumänischen Grundschule.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach der entschädigungslosen Enteignung der deutschen Landwirte, ergriffen viele Männer einen handwerklichen Beruf oder mussten in die landwirtschaftliche Genossenschaft eintreten, wo sie Feldarbeiter oder als Kutscher (Nikolaus Kuschill) oder Lkw-Fahrer, wie Hans Eck jun., dessen Vater in der LPG als Maurer arbeitete. Mischko Martin und Peter Kuschill waren Schlosser bzw. Schmiede, mehrere erlernten das Maurerhandwerk, wie Hans Loser und Otto Biel, der Sohn des Bäckers Otto Biel sen., Franz Fuchs und sein Onkel Michael Fuchs, Peter Marqui, der erwähnte Nikolaus Wersching und Georg Popescu. Bäcker war in dieser Zeit Franz Kuschill. Hans Eck wirkte ehrenamtlich als Fahrer des Feuerwehr-Löschautos. Buchhalter wurden Franz Loser und Peter Lippet. Ebenso mussten nun Frauen Berufe ergreifen, wie die Schneiderinnen Maria Fuchs und Theresia Kuschill. Verkäuferinnen wurden die jungen Frauen Anna Wagner (später verheiratet mit Gymnasiallehrer Nikolaus Horn, geboren in Lenauheim), Susanna Fohs, Anna Bader und Anna Fohs. Weil aus der Erinnerung aufgeschrieben, kann die Aufzählung nicht vollständig sein. Bemerkenswert, dass die relativ kleine Gemeinschaft in Deutschland für zwei einst große schwäbische Gemeinden die Vorsitzenden der Ortsgemeinschaften stellte: Für die Tschanader HOG Lehrer Franz Kahles (geboren 1934, gestorben 2025 in Baden-Baden) und für die Grabatzer Johann Horn (1943-2013), der mit seiner aus Lenauheim stammenden Familie (eine Schwester und Bruder Nikolaus) nach der Rückkehr aus Österreich ins Banat eine Zeit in Lunga gelebt hatte.
Ortschronik für die „Secu“
Zusätzliche, ergänzende Daten zur Geschichte der ehemaligen schwäbischen Gemeinschaft finden Interessenten in der ersten veröffentlichten Dorfchronik der Gemeinde Großkomlosch von Lehrer Martin Kurzhals (1940) und der aktualisierten Dokumentation über diese Gemeinde aus dem Jahr 1983, herausgegeben vom Großkomloscher Schriftsteller und Dichter Hans Diplich, erarbeitet in Zusammenarbeit mit der Heimatgemeinschaft in Deutschland, sowie zuletzt eine geraffte Kurzfassung von Gymnasialprofessor Nikolaus Horn in dem Band über Banater „Städte und Dörfer“, herausgegeben von der Landsmannschaft der Banater Schwaben (München 2011, Lunga, S. 378-380, mit Fotos). Zu den wichtigen neueren Nachschlagewerken zählt für Lunga das Familienbuch der katholischen Pfarrei Nakodorf/Nakovo/ Selesch von Nikolaus Horn (2005). Wie erwähnt, gehörten die katholischen Bewohner des Dorfes bis zur Dreiteilung des Banats bzw. auch des alten Tschanader Bistums, zur Pfarrei Selesch. Zur Auswanderung nach Übersee finden sich auch für Lunga Angaben in der bekannten Dokumentation von David Dreyer (2000-2007, mit laufenden Ergänzungen), ebenso im Dreyer-Buch über Banater in österreichischen Heeresverbänden (2005, ergänzt 2006 und 2016). Die jüngste Buchveröffentlichung – rumänisch – zur Entwicklung der Gemeinde stammt aus dem Jahr 2008 von dem aus Lunga stammenden griechisch-katholischen Geistlichen Dr. Sergiu Șoica (geweiht 2017) mit einem Autorenteam.
Eine Besonderheit oder vielleicht sogar Einmaligkeit ist, – was die „Literatur“ zur Ortsgeschichte in Rumänisch betrifft – die für die Gemeinde Großkomlosch, also auch Lunga in nur einem Exemplar getippte, kurze „streng geheime“ Dorfchronik. Sie wurde 1974 von „kompetenten Fachleuten“ für die damalige Staatspolizei „Securitate“ verfasst (ähnlich wie bereits 1953, aber umfangreicher, für das Temeswarer römisch-katholische Bistum mit 17 Seiten!). Die Komlosch-Lunga-Schrift umfasst mehrere Seiten sowie Zeichnungen und geht auch auf Personen und örtliche Funktionäre ein, die in verschiedenen Tätigkeitsbereichen im Bedarfsfall zuverlässig eingesetzt werden könnten. Hauptgründe der Anforderung an die damalige Gemeinde bzw. Milizdienststelle waren die Grenznähe, die vielen illegalen Grenzübertritte im Raum Großkomlosch-Lunga-Ostern-Hatzfeld und der sogenannte „kleine Grenzverkehr“ nach Jugoslawien aufgrund der zwischenstaatlichen Konvention aus dem Jahr 1970.
Bilanz
Im Steuerjahr 1828 sind namentlich 396 erwachsene Personen (zwischen 18 und 60 einschließlich) in 193 Häusern angeführt, Kinder und Jugendliche sowie „Alte” (Betagte) wurden nicht gezählt (im Unterschied zu den kirchlichen „Seelenzusammenschreibungen”). Diese Angaben samt Vermögensverhältnissen der Familien bieten die Möglichkeit, wie in kaum einem anderen Banater Dorf, die Anfänge der sozialen, wirtschaftlichen und gesamten Dorfentwicklung und -struktur sowie der Rechtsverhältnisse nachzuvollziehen: von anfangs besitzmäßig fast gleichen landlosen Siedler-Pächter ohne Knechte und Mägde; die Chronik führt hin bis zu den Folgeentwicklungen in der Zeit der kommunistischen Enteignungen, Gleichschaltung und Schaffung von besitzlosen Dorfbewohnern.











