Ein besonderes Ereignis für Temeswar war die Aufführung des Oratoriums Elias von Felix Mendelssohn-Bartholdy unter der musikalischen Leitung von Martin J. Nováček. Über diese Aufführung schrieb die Temesvarer Zeitung unter anderem folgendes:
Der 5. April 1884, der Tag an welchen der Verein die große schwierige Aufführung des Oratoriums Elias in solch überraschend glänzender Weise löste, ist und wird bleiben ein Ehrentag in der Geschichte desselben und wir finden nicht genug Worte der Anerkennung dafür, dass der Philharmonische Verein nicht nur den Muth hatte sich an eine so große Aufgabe zu wagen, sondern sprechen unumwunden unsere Freude darüber aus, dass dieselbe in so ausgezeichneter Weise gelöst wurde. Das war mehr als eine Dilettanten-Vorstellung, das war Kunst“ und ferner: „Wer aber vor allem Andern rühmend hervorgehoben zu werden verdient, wer an erster Stelle genannt werden muss, will man der Wahrheit die Ehre geben, das ist der Chormeister des Vereins Herr Nováček, der sich das große Verdienst erworben, das schwierige Werk in verhältnismäßig kurzer Zeit in vortrefflicher Weise einzustudieren. Herrn Nováček sprechen wir hiefür unsere vollste Anerkennung, unser unumschränktes Lob aus.
In der Temesvarer Zeitung vom 5. März 1884 erscheint die Ankündigung des nächsten Konzertes mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium Elias:
Oratorium Elias
Der Philharmonische Verein in Temesvár beabsichtigt für eigene Zwecke in der Karwoche, Montag, den 7. April 1884 im städtischen großen Redoutensaale das große Oratorium Elias von Mendelssohn unter der Leitung des Chormeisters Herrn M. Nováček, aufzuführen, worauf wir jetzt schon die Musikfreunde aufmerksam machen, mit dem Bemerken, das bei dieser Gelegenheit ein aus den besten Kreisen Temesvárs zusammengestellter Elite-Damenchor die Freundlichkeit haben wird mitzuwirken.
Der im Jahre 1852 gegründete Lugoscher Gesang- und Musikverein wählte 1886 Martin J. Nováček zu seinem Ehrenmitglied. Es handelt sich dabei um einen der ältesten Gesangvereine des Banats, der auf Initiative des Kantorlehrers Conrad Paul Wusching ins Leben gerufen wurde. Zu seinen Ehrenmitgliedern zählten bedeutende Musikpersönlichkeiten jener Zeit, wie Franz Liszt, Franz Erkel, Vincens Maschek, Johann Herbeck, Franz Glöggl, Michael Mossonyi, u.v.a.
Martin Nováček und seine Söhne
Für seine Kinder war Martin Nováček nicht nur ein liebevoller Vater, sondern auch der wichtigste Wegbereiter für den musikalischen Beruf. Bis jeder seine eigenen Wege auf der Künstlerlaufbahn ging, hatten alle vier Söhne sich nicht nur gründliche Theoriekenntnisse angeeignet, sondern auch Violin- und Bratsche-, Cello- und Klavierunterricht erhalten.
Mit seinen ersten drei Söhnen gründete er 1877 ein Streichquartett unter dem Namen „Kammermusikvereinigung Familie Nováček“ und unternahm im Jahre 1878, – als die Söhne 18, 12 und 10 Jahre alt waren, – eine Konzerttournee durch verschiedene Städte Böhmens und Ungarns. Sie traten in České Budejovicé / Budweis (13. Juli), im Geburtsort von Martin J. Nováček, Horaždóvicé (14. Juli), Marianské Lázne / Marienbad (17. Juli) und in Karlovy Vary / Karlsbad (23. Juli) auf. Bei der Rückfahrt konzertierten sie auch auf der Margareteninsel in Budapest. Die damalige Presse fand nur lobende Worte für sie. Selbst der Pester-Lloyd berichtete über den großen Erfolg der Familie Nováček. Das Neue Pester Journal schreibt: „Die strebsame Künstlerfamilie, besonders aber ihr Oberhaupt, der wackere Domorganist von Temeswar, fand für ihr sorgfältig ausgebildetes Zusammenspiel und für den korrekten und warmen Vortrag die freundlichste, ehrende Anerkennung.“
In ihrer Ausgabe vom 7. September 1881 brachte die Temesvarer Zeitung die Ankündigung eines „Nováček-Konzertes“, in dessen Mittelpunkt die beiden Brüder Karl und Ottokar standen. Zwei Tage nach diesem Ereignis brachte die Temesvarer Zeitung in ihrer Ausgabe vom 13. September 1881 einen umfangreichen Bericht darüber:
Konzert Nováček
Das am 10. September 1881 im großen Redoutensaale von der Künstlerfamilie Nováček, unter Mitwirkung des Frl. Ida Scheint und des Militärkapellmeisters Herrn J. N. Hock veranstaltete Konzert wurde unser heranbrechenden Konzertsaison zum Vorläufer, wie ein solcher nobler und gelungener kaum gewünscht werden kann: ein nach verschiedenen Richtungen interessantes Programm, treffliche Aufführungen und das nicht Nebensache ist, ein Auditorium, wie es der verfeinerten Natur der Kammermusik entspricht. Induktiv wirkten diese Faktoren aufeinander und erzielten ein vollbefriedigendes Resultat. A. Dvoraks Streichquartett Op. 51, hier zum ersten male öffentlich gehört, ward durch gediegenes Zusammenspiel in all seinen schönen, überaus feinempfundenen Details klargelegt.
Herr Kapellmeister Hock zeigte sich darin als Quartettspieler, der der Interpretation des Höchsten fähig ist und so auch hier es verstand, den an die Noten gebundenen Geist zu objektiver Wahrnehmung zu bringen. Über diese herrliche Komposition Dvoraks ließe sich gar viel sagen, was der verdienten Würdigung des Werkes dienen könnte, doch gestattet uns der Raum derlei Exkursionen leider nicht. Nach dem Quartett folgten drei Solovorträge, deren jeder einzeln dankbare Gelegenheit zur Entfaltung konzertanter Technik bot. Herr Karl Nováček spielte Goltermanns h-Moll Konzert (Violoncello), hierauf Frl. Ida Scheint eine Rhapsodie von Liszt und Herr Ottokar Nováček die 2. Polonaise von Wieniawsky (Violine). Frl. Scheint ist dem hiesigen Konzertpublikum durch bravouröses Spiel bereits sehr vortheilhaft bekannt. Die beiden Jünglinge Karl und Ottokar Nováček haben aber verrathen, daß sie sehr fleißig gewesen sind, seit wir sie zuletzt gehört hatten, denn beiderseits dokumentierte sich ein erfreulicher Fortschritt, der in Ottokar Nováček ein muthig strebendes Talent, in dem bereits älteren Karl Nováček aber entschiedene Kraft, welcher eine sehr respektable Technik zu Gebote steht, anerkennen heißt. Das schließlich gebrachte a-Moll Klavierquintett von Saint-Saens (Frl. Scheint und die Herren J. N. Hock, M. Nováček (Vater), Ottokar Nováček und Karl Nováček) war gleichfalls gelungen aufgeführt, dürfte aber vermöge seiner nach Originalität ringenden Tendenz in manchem Hörer hie und da doch den Gedanken geweckt haben: „Wir können es bewundern, verstehen aber nicht.“ (R.)
Das Konzert Martin J. Nováčeks mit seinen Söhnen Karl, Ottokar und Victor am 3. Oktober 1882 unter der Mitwirkung von Eugenie Fischl im städtischen Redoutensaal zu Temeswar wurde vom Temeswarer Publikum mit Begeisterung erwartet. Im Programm standen folgende Werke: Josef Haydn: Streichquartett, op. 76; Georg Goltermann: Concert für Violoncello, op. 14 (Karl Nováček); Felix Mendelssohn-Bartholdy: Klaviertrio, op. 49., Eugenie Fischl, Ottokar und Karl Nováček; Josef Joachim: Romance aus dem Violinkonzert in ungarischer Weise (Ottokar Nováček); Ferdinand Laub: Polonaise; Anton Dvorak: Bagatellen für zwei Violinen, Violoncello und Harmonium, op. 47.
Der Temeswarer Philharmonische Verein
In der von Ignaz Kugel in Wien herausgegebenen Musikzeitung „Wiener Signale“ (1. Juni 1886, Nr. 11) erscheinen Berichte über den Temeswarer Philharmonischen Verein, wobei auch das neue Werk von Rudolf Nováček Erwähnung findet:
Hier und dort
Der Philharmonische Verein in Temesvar veranstaltet bekanntlich jedes Jahr einige Matineen, in welchen hervorragendere Kammermusik-Werke zu Gehör gebracht werden. Heuer fand die erste Matinee der neuen Serie am 9. v. M. statt. Zur Aufführung gelangten: Streichquartett Es-Dur von Dittersdorf, Sonate für Cello und Klavier (F-Dur) von Rudolf Nováček und ein Septett von Saint-Saens. Alle drei Compositionen wurden in eminenter Weise executirt. Die Sonate von Nováček gefiel sehr, und mit Recht. Sie ist sorgfältig und originell gearbeitet und enthält eine Fülle melodiöser Gedanken.
Martin Josef Nováček als Organist
Die Temeswarer Millenniumsorgel, das stolzeste und schönste Werk Temeswarer Tüchtigkeit, zugleich ein hehres Wahrzeichen der Opferwilligkeit unserer Stadtkommune und des gottgefälligen Eifers des Stadtpfarrers Josef Brandt, wurde heute Vormittag (3. März 1896) in Anwesenheit eines vornehmen Auditoriums einer öffentlichen Probe unterzogen und sodann von den Vertretern der Stadt übernommen. Die Orgel ist von imposanten Dimensionen, bis zum Giebel etwa 10 m hoch und nicht nur vermöge ihrer kolossalen, jedoch durch stylvolle Form gefällig wirkende Dimensionen, sondern durch ihre musikalisch und technische Konstruktion ein Unikum. Als Haupt-Instrument der großen Festhalle in der Milleniums-Ausstellung, wird diese Orgel dem Namen ihres Meisters, des Temeswarer Orgelbauers Herrn Leopold Wegenstein glänzende Ehren einbringen und den Ruhm der Temeswarer Kunstindustrie laut verkünden.
Fast eine ganze Seite widmete die Temesvarer Zeitung vom 4. März 1896 diesem wichtigen Ereignis. Es war die erste dreimanualige Orgel der Banater Metropole und zugleich auch das erste große Instrument des Temeswarer Orgelbauers Carl Leopold Wegenstein (1858-1937). Dieser stammte aus Klein-Hadersdorf (Niederösterreich) und erlernte seinen Beruf in Wien. Seine Lehrjahre führten ihn durch mehrere damals bereits bekannte Werkstätten: Ludwigsburg (Walcker), Dresden (Jähmlich), Berlin (Dinze), Stuttgart (Weigle), Erfurt (Hickmann), Luzern (Goll), Dresden (Kaufmann), Göttingen (Giesecke) und Weikersheim (Laukhuff). 1880 ließ sich Wegenstein in Temeswar nieder und heiratete die Tochter des dortigen Orgelbauers Joseph Hromadka (1826-1896). Nachdem Wegenstein und Hromadka in den ersten Jahren als Konkurrenten auftraten, wird er nach Hromadkas Tod auch dessen Werkstatt übernehmen.
Im Herbst des Jahres 1896 wurde die Millenniumsorgel zurück nach Temeswar gebracht und auf die viel zu kleine Empore aufgestellt. Am 28. November 1897 fand die endgültige Abnahme der Orgel statt. Bürgermeister Dr. Telbisz Károly ließ dafür Einladungen in ungarischer und deutscher Sprache drucken, die auch das musikalische Programm beinhalteten. Regenschori und Organist Martin Nováček stellte sämtliche Register und Registriermöglichkeiten vor, es folgten Triller, Staccatti, Arpeggii zur Demonstration der präzisen Ansprache, die freie Phantasie „Ein Sturm“ wie auch Werke für Gesang und Orgel von Richard Wagner, Bach-Gounod, Franz Liszt und Kremser. Bei diesem Konzert wirkte auch der Chor des Temeswarer Philharmonischen Vereins mit.











