In Weißkirchen eröffnete Nováček 1868 eine private Gesangschule, danach 1870 eine Musikschule für Kinder. Hier heiratete er Maria Hildebrand und ihnen wurden sechs Kinder geboren: vier Söhne und zwei Töchter. Alle vier Söhne werden Musiker: Rudolf (geb. 1860 in Weißkirchen), Ottokar Eugen (geb. 1866 in Weißkirchen), Karl (geb. 1868 in Weißkirchen) und Victor (geb. 1875 in Temeswar).
Am 11. November 1861 schenkte der Weißkirchner Männergesangverein seinem Dirigenten Martin Nováček einen Taktstock, der kunstvoll aus Silber gefertigt war. Auf dem Lederetui wurde folgender Text eingeprägt: „Der Weißkirchner Gesangverein seinem verehrten Chormeister M. Nováček, Weißkirchen d. 11. Novbr. 1861“. Dieser Taktstock wurde ihm vermutlich im Rahmen einer Serenade überreicht, die am Vorabend seines Namens- und Geburtstags stattgefunden hat. Die Namenstage hatten damals eine reiche Tradition und wurden regelmäßig mit einer Serenade und Chorgesang festlich begangen. Auch in seiner Zeit als Chorleiter des Temeswarer Philharmonischen Vereins wurde ihm am Vorabend des 11. Novembers (dem Tag des Hl. Martin und gleichzeitig sein Geburtstag) eine Serenade dargebracht.
Anlässlich der Fahnenweihe des im Jahre 1863 gegründeten Orawitzaer Musik- und Gesangvereins am 28. Mai 1871 erklangen beim Festkonzert auch kammermusikalische Werke, wie das Trio in c-Moll, op. 66, für Klavier, Violine und Violoncello von Mendelssohn-Bartholdy. Zu den Ausführenden zählte auch Martin Nováček aus Weißkirchen, der zukünftige Chormeister des Temeswarer Philharmonischen Vereins. Die Jury des Preis-Singens bestand aus folgenden Musikern: Franz Brajter, Josef Vrabetz (Orawitza), Ferdinand Koreck (Bogschan), Martin Nováček (Weißkirchen), Albert Strasser (Temeswar) als Obmann. Den Hauptpreis, einen silbernen Lorbeerkranz im Werte von 70 fl., erhielt der Lugoscher Gesang- und Musikverein unter der Leitung von Conrad Paul Wusching für die vorgetragenen Lieder „Leben und Lied“ in ungarischer und „Die Muttersprache von Engelsberg“ in deutscher Sprache.
Der Temeswarer Philharmonische Verein
Die Gründung des Philharmonischen Vereins in Temeswar am 21. Oktober 1871 und besonders die Perspektive der Eröffnung einer Musikschule in ihrem Rahmen, veranlassten Nováček in die Hauptstadt des Banats zu übersiedeln, aber auch die Tatsache, dass seine Kinder bald die Schule besuchen mussten und er für seine Musikausübungen größere Chancen sah. Ein so komplexer und vollkommener Musiker konnte hier mit Sicherheit bessere Bedingungen als in Weißkirchen finden. 1872 wird er Canto-, Klavier- und Violinprofessor der neu gegründeten Musikschule des Philharmonischen Vereins und 1873 Dirigent dieses Chors. 1873 übernahm er gemeinsam mit Wilhelm Franz Speer die musikalische Leitung des Philharmonischen Vereins. Nováček leitete den Chor und das Orchester in drei verschiedenen Etappen: 1873-1875, 1881-1882 und 1898-1905. Parallel dazu war er Organist an der Temeswarer Domkirche, später auch Domkapellmeister.
Im Januar 1872 wurde Martin J. Nováček protokollarisch in den Temeswarer Philharmonischen Verein aufgenommen und als Mitglied im Februar 1872 bestätigt. Viele Schriften, Dokumente, Plakate, Programme und Fotos aus dem Archiv des Philharmonischen Vereins sprechen von seiner Hingabe und seinem eifrigen Wirken im Rahmen dieser Institution. Zusammen mit seinen Söhnen bestritt er zahlreiche Konzerte und leitete bedeutende Aufführungen. Anhand dieses Archivs kann man sein Wirken bis zu seinem Tode 1906 verfolgen.
Konzerte und Auftritte in den Jahren 1874 - 1875
In den Jahren 1874 und 1875 veranstaltete er mehrere Konzerte, bei denen Werke von Palestrina (u.a. Missa Papae Marcelli), Allegri (Miserere), Johann Sebastian Bach, Philipp Emanuel Bach, Stradella (Gebet), Boccherini (Klavierquintett) und Brahms (Sextett) aufgeführt wurden. Er spielte dazwischen auf der Viola d‘amore eigene Kompositionen, es wirkte der Gesangverein aus Weißkirchen wie auch der Temeswarer Philharmonische Verein mit. Wie die meisten anderen Temeswarer Domkapellmeister komponierte auch er Gelegenheitswerke für seinen Domchor. So ist uns ein Graduale in festo B.M.V. Perpetuo sucursus. Tota formosa für gemischten Chor zu 4 Stimmen erhalten geblieben (das Manuskript ist datiert „M. Nováček, Temesvár 18. VI. 1903“) wie auch ein Libera für vierstimmigen Chor.
In einem seiner ersten Konzerte als Chormeister des Temeswarer Philharmonischen Vereins wirkte auch sein ehemaliger Weißkirchner Männergesangverein mit, dann die Pianistin Maria Pohle, Eduard Gerger und Wilhelm Franz Speer. Dieses Konzert wurde im Saal des Philharmonischen Vereins abgehalten, in welchem sich vermutlich auch eine Orgel befand. Bereits die Zusammenstellung des Programms war für das Temeswarer Publikum neu und setzte neue Akzente.
Neben seiner Tätigkeit als Pädagoge und Dirigent war Martin Nováček ein fleißiger und wertvoller Animateur der Kammermusikkonzerte. Schon ab 1875 organisierte er die sogenannten Matinee-Konzerte, die Kammermusikspielzeiten des Philharmonischen Vereins. Als ein ausgesprochenes Multitalent – er meisterte die Violine, die Bratsche, das Klavier, das Harmonium, die Orgel, das Cello und die Viola d‘amore – hat Martin Nováček einen wahren Wettstreit zwischen den Temeswarer Musikern ausgelöst. Ab 1. April 1875 veranstaltete er gemeinsam mit Ferdinand Prenner, Franz Sedlmayer, Max Weiß, Eduard Gerger und Wilhelm Franz Speer Kammermusikkonzerte.
Um 1870 gab es fast in jedem Stadtteil Temeswars wenigstens einen weltlichen Gesangverein neben den bereits seit langer Zeit bestehenden Chören in den römisch-katholischen, griechisch-katholischen, serbisch-orthodoxen, evangelischen und reformierten Kirchen wie auch in der innenstädtischen Synagoge. Nur wenige Jahre nach der Gründung des Temeswarer Philharmonischen Vereins (1871) wurde der Ungarische Gesangverein (Magyar Dalkör) gegründet, der Martin Nováček im Jahre 1876 zu seinem Dirigenten wählte.
Papa Nováček – wie er von seinen Kollegen genannt wurde – war nicht nur ein wertvoller Musiker, sondern auch ein geistreicher Mann mit Sinn für Humor, wie die Temesvarer Zeitung schrieb, der sich von seinen Idealen fürs Gute und Schöne leiten ließ. Er verdiente seinen Unterhalt als Domkapellmeister in Temeswar. Seine hiesige langjährige Tätigkeit verflocht er stets mit Projekten des Philharmonischen Vereins und hinterließ die Erinnerung an große Musikereignisse – die Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn wie auch der beiden großen Oratorien „Elias“ und „Paulus“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Es gab um 1880 in Temeswar fast kein Konzert, in dem Martin Nováček nicht mitgewirkt hat. Neben den zahlreichen Gesangvereinen und Kirchenchören gab es auch noch Wohltätigkeitsvereine, die damals im sozialen und kulturellen Leben eine große Rolle spielten. So beteiligte er sich 1883 an Wohltätigkeitskonzerten zugunsten des Lehrer-Waisenhauses, des Ungarischen Gesangvereins, des Josefstädter Sprach-Vereins, des israelitischen Frauenvereins, des Maria-Hilf-Vereins wie auch eines rumänischen Vereins.
In den neuen Räumen des Temeswarer Philharmonischen Vereins sollte eine Musikschule eröffnet werden, in der Jugendliche in Klavier, Violine und Gesang von den Chorleitern des Vereins Wilhelm Franz Speer und Martin Nováček unterrichtet wurden. Aus dieser Musikschule sollte später – so der Plan – eine Musikakademie werden. Da der Wahlausschuss die Lehrer dafür erst recht spät bestimmte, konnte die Musikschule erst am 7. Oktober 1872 eröffnet werden.
Bei der ersten Jahreshauptversammlung des Temeswarer Philharmonischen Vereins vom 12. Januar 1873 wurden laut den approbierten Satzungen Martin Josef Nováček und Wilhelm Franz Speer zu Chorleitern des Vereins gewählt und in der Jahreshauptversammlung von 1874 wurden beide als Chorleiter bestätigt.
Auch die Silvesterfeiern des Philharmonischen Vereins erwiesen sich als kunstvolle Konzertabende. Martin Josef Nováček spielte dabei das Cello oder am Harmonium. Am 31. Dezember 1873 wurden u.a. folgende Kammermusikwerke vorgetragen: Beethoven-Quartett; Mozart-Quartett (mit J. Prenner, Rudolf Nováček, Max Weisz, Martin Josef Nováček); Durand: Duett aus Faust, vorgetragen von Wilhelm Franz Speer (Klavier) und Martin Josef Nováček (Harmonium).
In der Liedertafel des Konzerts vom 13. März 1875, abgehalten in den neuen Redoutensälen der Stadt, erklangen neben mehreren Chorwerken auch Instrumentalwerke, so ein Klavierkonzert von Mozart, wobei das Orchester durch ein Streichquartett ersetzt wurde. Martin Nováček spielte dabei die 1. Violine, den Klavierpart spielte Wilhelm Franz Speer.
Am 14. Juni 1875 fand das Konzert aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums des Violinisten und Pädagogen Michael Jaborszkys statt, in welchem folgende Werke vorgetragen wurden: „(…) 6. Adagio molto, aus der IX. Symphonie v. Beethoven, für Harmonium und Klavier, bearb. v. Tutschel (Herren M. Nováček Harmonium, W. F. Speer Klavier)“
Am 18. Dezember 1875 beschloss der Verein sein Wirken für das Jahr 1875 mit einer Liedertafel mit folgendem Programm: „(…) 2. Ein Albumblatt, für Harmonium und Klavier v. Richard Wagner (Herren M. Nováček und J. Kárrász); (…) 4. Abendlied, für Bariton (August Pummer) mit Begleitung des Klaviers und Cellos (Herren M. Nováček Cello, J. Kárrász Klavier); (…) 6. Cavatine, für Violine, Klavier und Harmonium von J. Raff (Nováček Violine, A. Deschan Harmonium, Kárrász Klavier)“
In Temeswar wurde ein Gedenkkonzert für Robert Volkmann veranstaltet. Dieser ist am 29. Oktober 1883 in Budapest verstorben und war einer der bedeutendsten Komponisten Ungarns. Der Temeswarer Philharmonische Verein hatte in seinem Repertoire zahlreiche Kompositionen dieses Meisters. Volkmann wurde in Lommatzsch, Landkreis Meißen, am 6. April 1815 geboren, studierte in Leipzig und war mit Robert Schumann befreundet. Er wirkte in Prag, Wien und seit 1858 in Budapest als Akademieprofessor. In Temeswar kannte man von ihm seine Streicherserenaden, Chöre und Lieder.











