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Urkundenverleihung: Neujahrslied-Singen gehört zum immateriellen UNESCO-Welterbe

Initiatoren und Unterstützer des in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommenen „Neujahrslied-Singen der Banater Schwaben“ mit Politprominenz bei der Urkundenverleihung. Foto: Nikolaus Dornstauder

Am 24. Juni verlieh der Bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker die Urkunden für die Neuaufnahmen in die Bayerische Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Unter den 21 Neuaufnahmen war auch das „Neujahrslied-Singen der Banater Schwaben“ als „gutes Praxisbeispiel“. Die Banater Post berichtete bereits darüber. (BP Nr. 10 vom 20. April 2026)

Bei der Entgegennahme der Urkunde im festlichen Ambiente der Münchner Allerheiligen-Hofkirche war auch eine Gruppe Banater Schwaben vertreten, darunter vor allem diejenigen, die sich über fünf lange Jahre intensiv und hartnäckig mit dem Thema befasst, die Unterlagen für die Bewerbung eingereicht und immer wieder neu aufbereitet hatten. Dazu gehörte der Bayerische Landesvorsitzende Harald Schlapansky, der Musikwissenschaftler Franz Metz und der Musikarchivar Anton Bleiziffer. Ihnen gelang der Nachweis, dass das gemeinschaftliche Singen des Neujahrslieds aus Sanktanna „eine wichtige identitätsstiftende Bedeutung“ hat.

Bei der Ehrung anwesend waren vom Landesvorstand auch Nikolaus Dornstauder (der die Verleihung in Bild und Ton festhielt) sowie Ramona Sobotta. Neben der Vorsitzenden der HOG Sanktanna Theresia Teichert nahm auch der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber am Festakt teil. Als Vertreter der jüngsten Generation waren die DBJT-Mitglieder Johanna Wischar von der Tanzgruppe München und Luis Kling von der Tanzgruppe Nürnberg zugegen.

Die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Vertriebene und Aussiedler Petra Loibl nutzte die Gelegenheit, den Banater Schwaben ihre Glückwünsche zu überbringen. Sie hatte die Bewerbung, welche bereits von ihrer Vorgängerin Sylvia Stierstorfer in Gang gesetzt worden war, mit großem Einsatz unterstützt. 

In seiner Laudatio betonte der Volkskundler und Kulturwissenschaftler Dr. Daniel Dracsek die Bedeutung des gemeinsamen Singens. „Das in Variationen gesungene Neujahrslied bildet einen festen Bestandteil des geistlich geprägten Liedgutes der Banater Schwaben, das mittlerweile nicht mehr nur um Neujahr, sondern bei verschiedensten Anlässen im In- und Ausland gesungen wird. Bei solchen Veranstaltungen werden zugleich auch Musik, Tanz, Bräuche und andere überlieferte kulturelle Ausdrucksformen gepflegt.“ Er erwähnte die doppelte Wanderschaft des Neujahrslieds, das um 1770 in der Schweiz belegt ist, von dort in den Kraichgau gelangte und über die „Schwabenzüge“ ins Banat kam. In Sanktanna und einigen anderen Ortschaften sei es bewahrt und gepflegt worden, um mit der Rückwanderung der Banater Schwaben wieder nach Deutschland zu gelangen. Hier werde es weiter gesungen, bei Treffen der Heimatortsgemeinschaft Sanktanna, aber auch von mehreren Chören und Singgruppen der Landsmannschaft in Deutschland und von Gruppen der Banater Schwaben in Rumänien.

„Das gemeinschaftliche Singen des Neujahrsliedes steht stellvertretend für die pflegerischen Bemühungen, eine identitätspolitische und kulturelle Verbindung zu den früheren Siedlungsgebieten herzustellen“, hob der Laudator hervor. Die Besonderheit des Sanktannaer Neujahrslieds liege weniger in seinem Text oder seiner Melodie, sondern vor allem „in seiner historischen Bedeutung“: Die Pflege dieser Liedtradition sei lebendiger Ausdruck einer „länderübergreifenden Brückenbauerfunktion.“

Die Singgruppe der anwesenden Banater Schwaben sang anschließend mit Akkordeonbegleitung von Toni Bleiziffer das Sanktannaer Neujahrslied, das mittlerweile, wie Johanna der Moderatorin bestätigte, bei den Brauchtumsseminaren der DBJT immer wieder gesungen wird. „Es ist etwas Mitgenommenes und Zurückgebrachtes“, bekräftigte Toni Bleiziffer, der selbst aus Sanktanna stammt und dieses Lied von Kindheit an kennt.