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Erinnerung und Entschädigung: Der Verein ehemaliger Bărăgan-Deportierter in Rumänien sucht Kontakte

Tiberiu Sarafolean bei seinem Vortrag in Ulm. Spontan bot sich Benjamin Neurohr als Simultan-Dolmetscher an. Foto: Nikolaus Dornstauder

Im Zusammenhang mit der Eröffnung der Ausstellung „Fünf Jahre von meinem Leben“ im Foyer der Donauhalle luden die Kuratoren den Temeswarer Rechtsanwalt Tiberiu Sarafolean (der aus Komlosch stammt) ein, um den Besuchern des Heimattags im Rahmen eines Vortrags den „Verein der ehemaligen Deportierten in den Bărăgan“ („Asociaţia Foştilor Deportaţi în Bărăgan“) vorzustellen, dessen Vorsitzender er seit der letzten Wahl im Jahr 2025 ist.

Viele interessierte Besucher fanden sich im Konferenzraum ein, obwohl der Vortrag in rumänischer Sprache angekündigt war. Spontan stellte sich jedoch Benjamin Neurohr, der im Saal anwesend war, zur besseren Verständlichkeit als Übersetzer zur Verfügung. Der Referent informierte darüber, dass der Verein seit 1990 besteht. Er hatte zunächst vor allem das Ziel, die Rechte der Menschen, die 1951-1956 in der Deportation gewesen waren, geltend zu machen. Gleichzeitig sollte durch den Zusammenschluss die Erinnerung an die Deportation in den Bărăgan bewahrt werden, um zu verhindern, „dass eines der größten Verbrechen des kommunistischen Regimes in Vergessenheit gerät“.

Der Verein hat seinen Sitz in Temeswar und vertritt die 12791 Familien (40320 Menschen) aus 258 Ortschaften, die im Juni 1951 aus den heutigen Kreisen Timiș, Caraș-Severin und Mehedinți deportiert worden sind. Die Satzung, mit der sich der Verein im März 1990 beim Temeswarer Amtsgericht registrieren ließ, wurde 1995 und dann noch einmal 1999 abgeändert. Eine wichtige Erweiterung besteht darin, dass nicht nur ehemalige Deportierte selbst, sondern auch deren Nachfolger Mitglieder des Vereins sein können. Tiberiu Sarafolean gehört selbst dazu, sein Vater war Gründungsmitglied und viele Jahre Vorsitzender des Vereins gewesen. 

Seit seiner Gründung konzentrierte sich der Verein auf zwei grundlegende Hauptthemen: erstens die Bewahrung der Erinnerung an die Deportation und ihre Vermittlung an die jüngere Generation, sowie zweitens die Durchsetzung der Rechte der deportierten Personen und ihrer Nachkommen. Der Verein stellt die Deportation in den Zusammenhang der Verbrechen und Gräueltaten, die vom totalitären kommunistischen Regime in Rumänien begangen wurden und sieht seine Arbeit auch als Beitrag zur Vermittlung der jüngeren Geschichte Rumäniens an die nachgeborene Generation.
 

Erinnern und Gedenken

Die Bewahrung der Erinnerung erfolgt hauptsächlich über Gedenkfeiern, die der Verein organisiert oder an denen seine Mitglieder teilnehmen, wenn sie von anderen Vereinen oder Stiftungen organisiert werden. So findet jedes Jahr am 18. Juni (der seit 2020 als „Tag der Opfer der Deportation“ ein gesetzlich festgelegter Gedenktag ist) eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Denkmal für die Deportierten im Temeswarer Justizpark statt, an der neben ehemaligen Deportierten und ihren Nachkommen, von befreundeten Vereinen sowie Vertretern der lokalen Politik in der Regel auch der orthodoxe Mitropolit des Banats teilnimmt. Eine enge Zusammenarbeit besteht diesbezüglich mit dem Verein ehemaliger politischer Häftlinge in Rumänien, der Bürgerakademie, dem Verein der ehemaligen Deportierten in die UdSSR, der Gesellschaft Timișoara, dem Verein „Memorial der Revolution“ und anderen mit ähnlichen Zielsetzungen.

Internationale Vernetzung

Seine europäische Vernetzung erlangte der Verein über die jährliche Teilnahme an der internationalen Konferenz „Brot des Friedens”, die jeweils in einem anderen Land des ehemaligen Ostblocks stattfindet. Die letzte fand im September 2025 in Szarvas in Ungarn statt, die vorletzte 2024 in Berlin und am Seddiner See. Ziel dieser Konferenz, die 2014 vom Verein „FriedensBrot” aus Deutschland ins Leben gerufen wurde, ist die Frage, wie Brot und damit die Landwirtschaft zum Verständnis zwischen den Nationen und zur Sicherung des Friedens beitragen können. Jedes Land wählt einen repräsentativen Ort aus, an dem ein Roggenfeld angelegt wird. In Rumänien wurde das Roggenfeld im Deportierten-Dorf Rubla im Bărăgan (Kreis Ialomița) angelegt. Während der Konferenzen gibt es aber auch Gelegenheit, über Deportationen und deren Auswirkungen zu sprechen, wozu auch der Verein der Deportierten aus dem Bărăgan beitragen konnte. Eine Delegation des Vereins „FriedensBrot” war schon zweimal zu Besuch in Temeswar, es gab dabei produktive Treffen im AMG-Haus. 
Der Verein der ehemaligen Deportierten aus dem Bărăgan ist auch aktives Mitglied der „Plattform für europäisches Gedächtnis und Gewissen“ mit Sitz in Prag, die sich für die Bewahrung der Erinnerung an die von den kommunistischen Regimes in Europa begangenen Verbrechen einsetzt.

Öffentlichkeitsarbeit

Ein wichtiges Anliegen des Vereins ist die Herausgabe von Publikationen zur Deportation. In den letzten zehn Jahren wurden 13 Bücher herausgebracht oder neu aufgelegt. Vier davon wurden auch ins Englische übersetzt und z.T. zweisprachig herausgegeben.

Der Verein ist seit 2025 mit einer neuen Webseite im Internet präsent, wo unter der Adresse www.afdb.ro Informationen über den Verein sowie Fotos und Materialien zur Deportation (die aus dem Bestand des Vereins noch ergänzt werden sollen) abgerufen werden können. 

Der Verein arbeitet diesbezüglich auch mit Prof. Smaranda Vultur von der Temeswarer Universität zusammen. Hier wurde an der Universitätsbibliothek eine „Gedenkbibliothek” mit einschlägiger Literatur eingerichtet. Digital ergänzt wird diese durch ein Medienarchiv, d.h. eine Datenbank, die unter der Adresse www.deportatinbaragan.ro erreicht werden kann. Dazu stellte der AFDB Materialien zur Deportation zur Verfügung und leistete finanzielle Unterstützung. An der Universität beteiligte sich der Verein auch an der Ausstellung „Lumi la intersecții. Schicksale aus dem Archiv“, wo auch von der Deportation in den Bărăgan die Rede ist. 

Die Dokumentation der Gedenkfeiern und aller anderer Aktivitäten in Film und Bild ist ein wichtiges Anliegen des Vereins. Seine Mitglieder stehen auch für Dokumentarfilme und als Interviewpartner zur Verfügung. Der Film „Die Rückkehr nach Hause“ von Iosif Costinaș wurde vom Verein produziert und verbreitet.

Recht auf Entschädigung

Neben der Erinnerungs- und Öffentlichkeitsarbeit verfolgte der Verein der ehemaligen Deportierten aus dem Bărăgan von Anfang an die Durchsetzung der Rechte der seinerzeit in den Bărăgan deportierten Personen. 
Außer der monatlich gewährten Entschädigungszahlung für die Deportierten gibt es mittlerweile auch die Entschädigung für die Nachkommen. Die in Rumänien lebenden ehemaligen Deportierten profitieren auch von weiteren Vergünstigungen wie der Befreiung von Steuern und lokalen Abgaben, der kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, von 12 kostenlosen Fahrten jährlich mit der Bahn, einer jährlichen kostenlosen Kurbehandlung, der Befreiung von Rundfunk- und Fernsehgebühren sowie der Gebühr für den Telefonanschluss und nicht zuletzt gebührt ihnen die kostenlose und vorrangige medizinische Versorgung.

Diese Entschädigungsleistungen gelten für alle Opfer der Zwangsmaßnahmen im Kommunismus und wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Rumänischen Dachverband der Vereine der ehemaligen politischen Gefangenen durchgesetzt. Viele Schritte und Eingaben waren dafür notwendig, zuletzt konnte auch die Auswirkung auf die Nachkommen erreicht werden. Für die rechtliche Aufklärung hat der Verein im Jahr 2023 die von Petru Mirciov verfasste Broschüre „Die Rechte der Begünstigten der Bestimmungen des Gesetzesdekrets 118/1990“ herausgegeben.

Tiberiu Sarafolean zeigte sich erfreut über die Aktivitäten der Banater Schwaben zur Aufklärung über die Deportation in den Bărăgan, über die Gedenkkultur und die Dokumentation in der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Der Verein der ehemaligen Bărăgan Deportierten in Temeswar wäre sehr froh, wenn sich aus den Reihen der Banater Schwaben Betroffene oder ihre Nachkommen melden würden, die an einer Mitgliedschaft oder einer Zusammenarbeit und dem Austausch von Erfahrungen interessiert wären. Kontakt über die Webseite des Vereins www.afdb.ro oder per E-Mail unter depbaragan@rdslink.ro