Beim Heimattag in Ulm am Sonntag, den 24. Mai um 12 Uhr wird die Vorsitzende des Arbeitskreises Donauschwäbischer Familienforscher Frau Dr. Hertha Schwarz aus München im Rahmen des Vortrags „Die Entstehung der Banater Ortsnamen. Beiträge der Familienforschung zur Geschichte des Banats“ nicht nur einen Überblick zum aktuellen Stand dieser Forschungen geben, sondern diese an zahlreichen Beispielen erläutern.
Ein Vortrag über das bewegte Leben der Brasilienauswanderer präsentiert Gerhard Temari während des Heimattages am Sonntag, dem 24. Mai um 13 Uhr.
Die Entstehung der Banater Ortsnamen
Die Frage, wie die deutschen Orte im Banat zu ihren Namen gekommen sind, ist schon unzählige Male gestellt worden. Warum heißt ein Ort zum Beispiel Jahrmarkt, Bruckenau, Semiklosch, Schanderhas, Emlek, Marienfeld oder Blumenthal? Manchmal – wie im Falle von Charlottenburg oder Lenauheim – erschließt sich der Name von selbst, in den meisten Fällen aber bleibt der tatsächliche Ursprung im Dunkeln. An die Stelle gesicherten Wissens treten dadurch Vermutung und Geraune, die in den Rang von Gewissheiten aufsteigen. In einer Region wie dem Banat, in dem immer schon unterschiedliche Ethnien und Gruppen nebeneinanderlebten, kommt noch hinzu, dass es für die meisten Orte mindestes zwei, für viele sogar drei oder – je nach geografischer Lage – gar vier Namen gibt. Das Beispiel der Hauptstadt zeigt das sehr anschaulich: Temesvár (ung., gesprochen Temeschwar), Temeswar und Temeschburg (dt.), Temišvar (serb., gesprochen Temischwar), Timişoara (rum.).
Da die offizielle Bezeichnung von Orten im Banat immer auch ein Politikum war, das in Zeiten nationalistischer Erregung besonders zutage trat, erlebten im Banat viele Orte mehrfache Umbenennungen. Auch wenn diese im deutschen Sprachgebrauch so gut wie ohne Wirkung blieben, führten sie doch zu intensiven Diskussionen über die Berechtigung der neuen Namensformen, die als willkürlich empfunden wurden. Das fehlende Wissen über die tatsächliche Entstehung der deutschen Ortsnamen führte auch zu manchem gravierenden Irrtum. So wurde Blumenthal nicht, wie es die Ortschronisten vermuten, nach einer blühenden Blumenwiese benannt, der Name hat einen ganz anderen Ursprung: Vielmehr gab es an der Bergsau vor dem deutschen Blumenthal, das in seiner Gründungsphase noch Maschlak hieß, gleich mehrere Orte dieses Namens - ein Befund, der unsere überlieferte Vorstellung von der Gründung deutscher Orte in seinen Grundfesten erschüttert.
Wie im Falle Blumenthals, hat das intensive Quellenstudium im Zuge der Familienforschung mittlerweile viele Erkenntnisse zur Vorgeschichte der Banater Orte wie auch deren Namen erbracht.
„Von Perjamosch nach Entre Rios“
Gerhard Temari wurde 1943 als dritter von vier Söhnen des Schuhmachers Jakob Temari (geboren 1908 in Temeswar) und seiner Ehefrau Elisabeth Temari, geborene Szenaschi (geboren 1912 in Petschka) in Perjamosch geboren. Die Mutter flüchtete im Herbst 1944 und ließ sich mit den Söhnen Josef, Georg und Gerhard in Sankt Martin im Innkreis nieder. Dort fand der aus russischer Kriegsgefangenschaft freigekommene Vater nach langem Suchen seine Familie wieder. Dank seines Könnens, seinem Erfindungsgeist und seiner Kreativität erwarb sich der Vater den Ruf als tüchtiger Schuhmachermeister. 1952 wagte die Familie einen weiteren Neuanfang und machte sich – mit Siedlern aus Slawonien, aus Syrmien, der Batschka und dem jugoslawischen und rumänischen Banat – auf den Weg nach Entre Rios. Der Anfang war bescheiden, dennoch brachte es der Vater zu einer eigenen Schusterwerkstatt. Nach zweijähriger Schuhmacherlehre im Geschäft seines Vaters wurde Gerhard Temari Bürogehilfe, später Buchhaltungsassistent bei der Genossenschaft Agrária. Im Alter von 18 Jahren wechselte er als Assistent in ein bekanntes Buchhaltungsbüro in Guarapuava. Fünf Jahre später übernahm er dessen neu eröffnete Niederlassung in Entre Rios, um sich dann – nachdem er den Sekundarstufenabschluss nachgeholt und den Abschluss als Buchhaltungstechniker absolviert hatte – selbständig zu machen. Neben seiner Arbeit als Buchhalter schuf er sich mit dem Kauf eines Bauernhofes und dem Aufbau eines landwirtschaftlichen Betriebs ein zweites Standbein. Auch privat fand Gerhard Temari Erfüllung: Er gründete eine Familie und bekam zwei Töchter.
Mit einem starken Verantwortungs- und Gemeinschaftssinn ausgestattet, übernahm Gerhard Temari im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Aufgaben und Funktionen in der Genossenschaft Agrária (unter anderem Vizepräsident und Vorsitzender des Aufsichtsrates), in der Semmelweis-Stiftung, im Sportclub Entre Rios usw. Er wirkte auch als Friedensrichter und unterrichtete technische Buchhaltung an der Imperatriz Dona-Leopoldina-Schule in Entre Rios.
Er hat die Entwicklung der Siedlung Entre Rios seit ihrer Gründung nicht nur miterlebt, sondern das Gemeinschaftsleben in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen auch aktiv mitgestaltet. Zum 70-jährigen Bestehen der Donauschwabensiedlung Entre Rios in Brasilien erschien neben dem zweibändigen „Heimatbuch Entre Rios“ ein weiteres Buch mit dem Titel: „Die Handwerker von Entre Rios. Eine Hommage an das Leben und [die] Arbeit der Meister, die Entre Rios kolonisierten“, geschrieben von Gerhard Temari.
Dieses Jahr feiert die Gemeinschaft das 75.-jährige Jubiläum sowohl ihrer Ansiedlung in Entre Rios als auch der Gründung der Genossenschaft „Agraria“.
Gerhard Temari nimmt – wie so oft in den letzten Jahren – den weiten Weg in Kauf, um beim Heimattag in Ulm (am 24. Mai, um 13 Uhr) im Konferenzraum über seine Familie und deren Weg nach Brasilien, sowie über die Geschichte der Ansiedlung von vor 75 Jahren der über 500 donauschwäbischen Familien in Entre Rios und deren erfolgreiches Wirtschaften, vor allem der Genossenschaft „Agraria“ sprechen.










