Das Orthodoxe Pfingstfest des Jahres 1951, auch „Rusaliile negre“ (Schwarze Pfingsten) genannt, war der wohl dunkelste Tag im Kalender der Banater Bevölkerung.
Bereits 1948 war es zwischen dem Diktator Stalin und dem Partisanenführer Tito wegen unterschiedlicher Auffassungen über den wirtschaftlichen und politischen Weg Jugoslawiens zum offenen Konflikt gekommen, danach verließ Tito die von den Sowjets beherrschte kommunistische Einheitsfront und suchte die Annäherung zum Westen. Dies führte zwischen den beiden Nachbarländern Rumänien und Jugoslawien zu Spannungen und Grenzkonflikten. So wurden entlang der Grenze zu Jugoslawien übergroße Plakate angebracht, die Tito als blutigen Schlächter der Deutschen darstellten, die andere Seite konterte mit einer Karikatur des Diktators Stalin.
Unter dem Vorwand der Bedrohung Rumäniens durch den abtrünnigen jugoslawischen Diktator Tito erfolgte von Beba-Veche bis Gruia in Mehedinţi in einem ca. 25 bis 30 km breiten Streifen aus über 200 Ortschaften die Deportation der „unzuverlässigen Elemente“. Die Operationen „Ungeziefer“ und „Kornblumen“ führten zeitgleich zu ähnlichen Deportationen in Ungarn und der DDR im Grenzgebiet zum Westen.
Mit der Bărăgan-Verbannung sollten „Klassenfeinde“, d.h. reiche Bauern, Industrielle und Antikommunisten unschädlich gemacht werden und der einsetzende Widerstand gegen die bevorstehende Kollektivierung gebrochen werden. Gleichzeitig brauchte man zur Besiedlung der unterentwickelten Gebiete des Bărăgans sowie zur Urbarmachung des ungenutzten Steppen-Bodens billige, aber fleißige und erfahrene Arbeitskräfte. Innenminister Teohari wollte ein neues Banat erschaffen lassen.
War die Russland-Deportation von 1945 noch eine nur gegen die deutsche Bevölkerung Rumäniens gerichtete Vergeltung, so betraf es jetzt mehrere Ethnien, hauptsächlich jedoch die Rumänen entlang der ca. 500 km langen Grenze Rumäniens zu Jugoslawien. Die multiethnische Bevölkerung des westlichen Banats im Gebiet der rumänisch-serbischen Grenze war von der rumänischen Regierung als Sicherheitsrisiko eingestuft worden.
Die 12791 verbannten Familien bildeten einen Bestand von 40320 Personen. Davon waren ca. 27000 Rumänen, 9413 Deutsche, die restlichen waren Serben, „Titoisten“, Ungarn und andere Minderheiten. Die traurige Bilanz der Verbannung: 1731 Verstorbene, davon 629 Deutsche und 175 Kinder!
Bei der Planung und Vorbereitung der Deportation ging die Securitate nach dem bewährten sowjetischen Muster der Russland-Deportation vor. Zuerst sicherte sich das Dej-Regime durch die Dekrete HCM 1154/1950 vom 26. Oktober 1950 und HCM 326/1951 die gesetzliche Grundlage für ihr geplantes Vorhaben. Anschließend wurden von den Personen, die man wegen ihres Vermögens oder der politischen Gesinnung deportieren wollte, Namenslisten erstellt.
In der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag, den 18. Juni 1951, kam der Geist der marxistischen Propheten über diese Menschen. Am orthodoxen Pfingstfest begann die Aushebung und der Abtransport, überwacht und abgesichert von über 10000 Angehörigen der Grenztruppen-Akademie aus Großwardein (Oradea) unter dem Kommando des Generalmajors Mihai Burca. Eingesetzt wurden dabei 2656 Eisenbahnwagen und 6211 Lastkraftwagen. Nach dem beschwerlichen Transport ins Ungewisse, Richtung Osten, wurden die Unglücklichen in der kargen, glühenden Bărăgan-Steppe ohne Obdach und Wasser unter freiem Himmel ausgesetzt.
Die Verzweifelten rückten in ihrer Not ihre mitgebrachten Habseligkeiten aneinander, überdeckten sie notdürftig, um vor der glühenden Sonne geschützt zu sein. Es begann ein Kampf um das tägliche Überleben. Das Herbeischaffen des täglichen Trinkwassers war und blieb während der ganzen Bărăgan-Zeit eine Herausforderung.
Die Deportierten durften sich nur in einem Umkreis von 15 km von ihrem Wohnort bewegen. In ihrem Personalausweis hatten sie den Vermerk „DO“ (domiciliu obligatoriu). Es war ein Zwangsaufenthalt in einem Gefängnis unter freiem Himmel. Für die Flucht oder einen Fluchtversuch sah das Gesetz Gefängnisstrafen von 15 bis 20 Jahre vor, für Arbeitsverweigerer 3-5 Jahre Gefängnis.
In den Kreisen Călărași, Ialomiţa, Brăila und Galaţi entstanden 18 neue rumänische Ortschaften mit Deportierten aus dem Banat.
Mit dem Tod des Generalissimus Stalin im März 1953 wäre ein Grund der Verbannung entfallen. Doch mit einer Rückkehr der ehemaligen Bauern in ihre Heimat, in ihre Häuser und auf ihre Äcker wäre die gerade mit Gewalt in Gang gesetzte Verstaatlichung der Landwirtschaft in Gefahr geraten, so dass der Zwangsaufenthalt weiterhin bestehen blieb.
Bereits 1946 hatte Rumänien einen Antrag auf Aufnahme in die Vereinten Nationen gestellt. Doch wegen der Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik Rumänien blieb der rumänische Antrag vorerst blockiert. Erst nachdem der Ministerrat am 7. Dezember 1955 den Bărăgan-Zwangsaufenthalt für den Großteil der Deportierten aufgehoben hatte, wurde die Volksrepublik Rumänien am 14. Dezember 1955 Mitglied der Vereinten Nationen, der UNO.
Die meisten Deportierten kehrten im Frühjahr 1956 nach fünf Jahren der Sklaverei aus der Verbannung wieder in ihre Heimatdörfer zurück.
Leider durften im Jahre 1956 nicht alle Deportierten ihren Verbannungsort verlassen. Wer heim durfte und wer bleiben musste, hing von den Eintragungen in der „fișa personală“, der Karteikarte, ab. Reiche Großbauern, mit ab ca. 15-30 Hektar Besitz, die auch landwirtschaftliche Maschinen besaßen oder gar ein Automobil und noch Knechte und Mägde beschäftigt hatten, wurden als „chiaburi“ eingestuft und bekamen in ihre Karteikarte den Eintrag „Rămâne DO“ (bleibt im Zwangsaufenthalt). Hinzu kamen noch jene, die den Eintrag „SS“ hatten, sowie jene, die sich besonders aktiv in der deutschen Volksgruppe hervorgetan hatten. Diese wurden mit einem „GEG“, d.h. Grupul Etnic German, gekennzeichnet und mussten weiterhin in der Verbannung ausharren.
Die letzten Deportierten durften den Bărăgan erst nach der Amnestie von 1964 verlassen, jedoch nicht allen war eine Rückkehr in ihren Heimatort gestattet.
Mit der Heimkehr kam auch die Akte mit zur Securitate nach Temeswar und sie wurde meistens bis zum Tod oder der Ausreise akribisch weitergeführt, auch noch danach, bis zum Verlust der Staatsbürgerschaft.
Die Erkenntnisse und Hintergründe zur Bărăgan-Deportation anhand der in den Archiven der Landesbehörde zur Verwaltung der Securitate-Akten (CNSAS) einsehbaren Karteikarten (http://cnsas.ro/fise_cartoteca.html) gewähren einen Einblick hinter die Kulissen des sich mit brutaler Gewalt etablierenden totalitären kommunistischen Systems der Nachkriegszeit.
In der rumänischen Öffentlichkeit war die Bărăgan-Verbannung bis 1990 ein Tabu-Thema! Wieder auf internationalen Druck wie 1955 durfte Rumänien erst am 29. Januar 1991 durch Petre Roman vor dem Europaparlament die Aufnahme Rumäniens thematisieren, nachdem man sich zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet hatte und das Gesetz 118/1990 zur Entschädigung politisch Verfolgter verabschiedet hatte.
Heute, 75 Jahre später, blühen keine Blumen auf den Gräbern der Bărăgan-Opfer. Es gibt sie nicht mehr! Heute droht der Bărăgan wieder zur Wüste Rumäniens zu werden, wo sich von Disteln durchzogene Felder über die einstigen Verbannungsorte und Friedhöfe ausbreiten.
Seit 1990 gibt es die Vereinigung der ehemaligen Bărăgan-Deportierten als gemeinnützigen Verein, die sich die wissenschaftliche Aufarbeitung der Bărăgan-Deportation durch die Erforschung der rumänischen Archive und Auswertung von Zeitzeugen zum Ziel gesetzt hat.
Zum Gedenken an die Zwangsumsiedlung in die Bărăgan-Steppe vor 75 Jahren haben die Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm Dr. Swantje Volkmann und Walter Tonţa, Betreuer des Kultur- und Dokumentationszentrums der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Ulm eine Ausstellung unter dem Titel „Des wore finef Johr vun meim Lewe!“ erarbeitet, die beim Heimattag in Ulm am 24. Mai 2026 zu sehen ist. Bei der Eröffnung wird der Rechtsanwalt Tiberiu Sarafolean, der Vorsitzende des Vereins der ehemaligen Bărăgan-Deportierten aus Temeswar einen Vortrag über den rumänischen Verein der ehemaligen Bărăgan-Deportierten halten











