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Beste Ergebnisse mit immer weniger Kindern: Deutscher Kindergarten und Grundschule in Perjamosch

Rita Erdelean ist Lehrerin an der deutschen Abteilung Foto: privat

Izabela Nariṭa leitet die deutsche Abteilung des Kindergartens. Foto: privat

Die Grundschule in Perjamosch ist die einzige dörfliche Schule im Banat, an der noch in deutscher Sprache unterrichtet wird. Auch einen deutschen Kindergarten gibt es dort noch. Die Perjamoscher Lehrerin Sigrid Kuhn gibt einen Überblick über die gegenwärtige Situation dieser beiden Institutionen.

Kindergarten und Schule gibt es in Perjamosch schon lange, dokumentiert bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Perjamosch zum regionalen Schulzentrum. Schon sehr früh, 1879, gab es hier auch den ersten Kindergarten, errichtet auf Veranlassung und finanziert von Bischof Alexander Bonnaz. Das Gebäude des ersten Kindergartens war das Vier-Klassen-Gebäude im Schulhof der alten Klosterschule, das heute leider aus Gründen der Nachlässigkeit nicht mehr steht. Hier wurde nach den Prinzipien des Pädagogen Fröhlich gearbeitet: die Welt durch Spiel kennenlernen und nicht durch Strenge. Lange hielt sich die deutsche Schule dank der zahlreichen kinderreichen deutschen Familien sehr gut. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit all seinen prekären politischen und gesellschaftlichen Folgen begann die Schülerzahl erst unmerklich, später spürbar, zurückzugehen. Das einzig Positive: Das neue Schulgesetz von 1948 räumte dem Unterricht der mitwohnenden Ethnien weitgehende Freiheiten ein, auch das Recht auf Lernen in der Muttersprache. Rumänien war das einzige Land des Ostblocks, das diese demokratische Freiheit gewährte.

Situation der deutschen Schule

Als ich 1980 nach Perjamosch kam, existierten zwar noch acht Klassen und ein gut-besuchter Kindergarten, aber zahlreiche Schüler der deutschen Abteilung, die aus der Umgebung kamen, hatten sich gerade in jenem Jahr zurückgezogen und waren meistens nach Warjasch abgewandert, weil in Perjamosch das Kinderheim neu gegründet worden war und die Eltern wegen des schlechten Rufes der neu hergebrachten Heimkinder Übergriffe befürchteten. 
Mitte der 80er Jahre wurden in den Klassen 1 bis 8 je zwei zum Simultanunterricht zusammengeschlossen. 1980 waren noch Lehrer wie Irmtraud Heinz, Maria Basting u. a. tätig, doch diese wanderten auch bald aus. Ab 1983 kam Rita Weiland (jetzt Weiland-Erdelean) frisch vom Hermannstädter Päda und unterrichtet seither ununterbrochen bis heute. Sie war zeitweilig im Tandem mit Elfriede Kirsch, zwischen 1984 - 1990 auch mit der Päda-Absolventin Sieglinde Stemper. Aber auch diese wanderte nach der Wende aus, so dass ab 1990 Rita Erdelean vorerst mit (meist unqualifizierten) Vertretungslehrern, die aber ihr Bestes gaben, zusammenarbeitete (Lidia Preduṭ, Ramona Mladin). Gegen Ende der 90er Jahre unterrichtete sie schließlich im Alleingang alle vier Klassen simultan, nach 2020 alle 5 (1 bis 4 und die Vorschulklasse) – und das mit sehr viel Kompetenz, mit jeder Menge Erfahrung und sehr zur Zufriedenheit der Eltern. Leider ist sie auch in ein paar Jahren im Rentenalter, und ob dann noch jemand kommt, sie zu ersetzen, steht in den Sternen. Wahrscheinlich wird dann die einzige dörfliche Grundschule mit deutscher Unterrichtssprache aus dem Westen Rumäniens aufgelöst. 
Die Schüler setzten sich nach 1990 zuerst aus deutschen und gemischten, rumänisch- / ungarisch- / serbisch-deutschen Familien zusammen. Heute kommen die meisten aus rumänischen Familien oder solchen, die eine Weile im Ausland gelebt haben und wünschen, dass ihre Kinder die deutsche Sprache nicht vergessen. Auch schwankt die Schülerzahl jährlich. Wenn es anfangs um die 20 herum waren, fiel ihre Zahl in den letzten Jahren immer mehr, mal 16, mal 14, dieses Schuljahr gibt es 12 Kinder in fünf Klassen.

Die deutsche Abteilung des Kindergartens

Die deutsche Abteilung des Kindergartens wird seit den 90er Jahren von Izabela Nariṭa geleitet, eine ausgebildete Erzieherin mit viel Herz für die Kinder. Sie unterrichtet in einem der am besten ausgestatteten Kindergärten der Umgebung, für die Perjamosch als eine Art „Vorzeigekindergarten“ gilt. Es liegt die gleiche Sachlage wie in der deutschen Grundschule vor: Die Erzieherin unterrichtet simultan alle drei Gruppen (kleine, mittlere und große). Mitte der 90er Jahre hatte sie noch über 30 Kinder, jetzt unterrichtet sie 16 Kinder in den drei Gruppen, die aus rumänischen, meist Intellektuellenfamilien stammen, die wenigsten aus gemischten oder gar deutschen Familien. 

Hinzu kommt noch das Problem, dass eine Kontinuität für die deutsche Grundschule nicht gewährleistet werden kann, weil manche Eltern nach Abschluss des deutschen Kindergartens ihr Kind in die rumänische Schule einschreiben. Nicht aus Misstrauen gegen die Lehrerin, sondern weil sie befürchten, ihrem Kind in Deutsch nicht helfen zu können. Oder aber auch aus dem Bewusstsein heraus, dass die Kinder dann ab der 5. Klasse entweder in Temeswar (Lenau-Lyzeum) oder als Pendler in Großsanktnikolaus ihre Schullaufbahn in deutscher Sprache fortsetzen müssten. Beide Möglichkeiten sind für ein 10 -11jähriges Kind nicht sehr angenehm. Aber es gibt auch jetzt noch Kinder, die den täglichen Weg nach Großsanktnikolaus nicht scheuen.

Beide Erzieherinnen unterrichten mit viel Freude am Lehren, Lernen und Erziehen, weil dies untrennbar miteinander verwobene Prozesse sind. Die Versorgung mit Lehrbüchern für die deutschen Klassen läuft gut: Kindergarten und Grundschule sind mit modernster Technik gut ausgestattet, laut den Aussagen der beiden Erzieherinnen können sie diesbezüglich mit Eliteschulen in der Stadt konkurrieren. Auch genießen Lehrer und Erzieher die volle Unterstützung der Schulleitung. Nach eigenen Aussagen wurde ihnen nie etwas verwehrt, wenn sie es beantragten, weil man an der Qualität des Unterrichtsprozesses interessiert ist. Es sind also alle Bedingungen gegeben, dass ein qualitativ guter Unterricht gewährt wird, und das geschieht auch. 
Was bleibt, ist die Frage nach dem Nachwuchs, auch angesichts der Tatsache, dass in letzter Zeit das Englische die Fremdsprachen im Unterricht dominiert und das Deutsche (zumindest aus den Schulen) zu verdrängen beginnt. Aber solange die Kinder sich bei der Erzieherin und der Lehrerin wohlfühlen – wie dies auch die Bilder zeigen – sollte man sich keine allzu großen Sorgen machen.