Schreibe stolz ihre Namen
ehe die Nacht sie verschlingt
und deiner Ahnen Erbe
in die Vergessenheit sinkt!
Grete Burger-Jerbals
Im Januar 1945, als der Zweite Weltkrieg noch tobte, begann für die deutsche Bevölkerung in den von der Roten Armee überrollten Ländern ein grausamer Leidensweg mit der Deportation in die damalige Sowjetunion. Diese löste bei den Deportierten und den Zurückgebliebenen ein Kollektivtrauma aus, das fast ein halbes Jahrhundert lang als Tabuthema unverarbeitet blieb. Erst später in Deutschland, nicht selten durch Kleinigkeiten ausgelöst, wurde das Schweigen gebrochen. Die bis dahin verschlossenen Erinnerungen begannen immer öfter zu sprudeln. Bei meinem Vater wurden die Erinnerungen wach, als er die Russlanderinnerungen von Mathias J, Kandler las („Nr. 657 Im Donbass deportiert“). Weniger konnte er als ehemals Deportierter hingegen mit Herta Müllers „Atemschaukel“ anfangen. Als Irmgard Sedlers zutiefst beeindruckende Dokumentation „ … skoro damoi! Hoffnung und Verzweiflung“ erschien, weilte er bereits nicht mehr unter uns. Die einstigen Lager, Arbeitsplätze und Friedhöfe in den damaligen Deportationsgebieten existieren heute größtenteils nicht mehr, doch befinden sich nicht veröffentlichte oder ausgewertete Fotografien, Entlassungspapiere oder später verfasste schriftliche Berichte über die Sklavenzeit in den sowjetischen Arbeitslagern noch im Besitz so mancher Familien. Ähnlich wie bei Mathias Kandler beginnen die Erinnerungen meines Vaters mit dem schicksalsträchtigen Datum des 23. August des Jahres 1944 und den anschließenden Kampfhandlungen im Zuge der sich nähernden Frontlinie. Diese Erinnerungen möchte ich auch anderen Interessierten mit ähnlichen Familienerlebnissen zugänglich machen. (Walter Schneider)
Im Sommer des Jahres 1944 kamen immer schlechtere Nachrichten über das Kriegsgeschehen im Osten. Dann der folgenschwere Frontwechsel Rumäniens am 23. August 1944. Wir hatten ja kein Radio, aber der Kaufmann Andreas Totok, unser Nachbar in Großkomlosch, berichtete uns über die Kapitulation Rumäniens. Danach nahm das Schicksal seinen Lauf: Als erstes mussten alle Deutschen ihre Fahrräder und Radios im Gemeindehaus abliefern. Ihre Lage wurde immer ernster, viele Familien hatten doch Angehörige im deutschen Heer. In ganz Rumänien wurden die wenigen deutschen Heeresbestände gefangengenommen. Die Russen hatten ein leichtes Spiel mit der Besetzung Rumäniens.
Am 19. September 1944 wurde ein Teil des westlichen Banats von einer deutschen SS-Polizeidivision besetzt, um der deutschen Bevölkerung zur Flucht zu verhelfen. Die Russen rückten immer näher und es kam schon zu schweren Kämpfen bei Freidorf, Kleinbetschkerek, Perjamosch und Großsanktnikolaus. Am 6. Oktober kam es auch zu Kämpfen in Großkomlosch. Zwei SS-Soldaten hielten einen ganzen Heeresverband der Roten Armee in Schach. Vom Kirchturm der katholischen Kirche verteidigten sie die Front mit einem schweren Maschinengewehr, bis sie keine Patronen mehr hatten und sich ergaben. Am 7. Oktober 1944 wurde Großkomlosch von den Russen besetzt.
Meine Großeltern wohnten im ehemaligen Pfarrhaus in der Nähe der Kirche, die von den Russen schwer beschädigt wurde. Deshalb flüchteten wir zu Rumänen in den Keller. Zuhause blieben die Just- Oma und die Urgroßmutter. Kaum trauten wir uns nach Hause, da durchkämmten die Russen bereits das Dorf. Sie kamen auch zu uns und verlangten von mir: „Dawai ceas!“ Vorsichtshalber hatte ich meine Uhr, es war mein Firmstück, in der Westentasche versteckt, aber der Russe sah den Anhänger meiner teuren Füllfeder (Marke Luxor) und nahm sie mir mit dem Wort „Autokutschka“ ab – weg war sie für immer. Ansonsten nahmen sie nichts mit.
Vom 10. bis zum 14. Oktober 1944 mussten alle deutschen Männer zwischen 18 und 65 Jahren mit Proviant für vier Tage im Fußmarsch über Marienfeld nach Nero gehen. Wir mussten die Bahngleise abmontieren und verladen, denn die Russen benötigten die Schienen für eine Notbrücke über die Marosch. Ich war der Jüngste von den Komloschern und streifte in den Weingärten entlang der Bahnlinie Nero-Komlosch umher. Dort entdeckte ich einen toten rumänischen Soldaten. Ich sagte es nur meinem Vater, aus Angst, man könnte mich verdächtigen, ihn erschossen zu haben. Oktober, November und auch der Dezember vergingen. Man hörte aber von befreundeten Rumänen, die noch Radios hatten, dass man die jungen Deutschen zur Wiederaufbauarbeit nach Russland verschleppen würde.
Am 2. Januar 1945 kam die Behörde mit Polizeibegleitung zu uns. Wir mussten das Haus räumen. Mein Vater und ich brachten alles Tragbare, auch Möbel, zu meiner Godl Maria Bürger. Den Zweck der Räumung unseres Hauses und noch sechs anderer Häuser in der 3. Gasse wussten wir nicht. Erst als man uns aushob, erfuhren wir, dass es die Sammelstellen werden sollten. Es kam aber nicht mehr dazu, denn das Kloster räumte den ersten Stock. An dem Tag kam mein Jugendfreund Otto Aczel vorbei und lud mich zum täglichen Mittagessen bei seinen Eltern ein. Das waren unser Dorfarzt Georg Aczel und seine Frau Helene. Am Samstag, den 13. Januar 1945, war ich zum letzten Mal dort beim Mittagessen.
Der Beginn des Weges ins Ungewisse
Am 14. Januar 1945 klopfte es stürmisch an der Haustür. Rumänische Ortspolizisten und rumänische Soldaten verlangten Eintritt. Meine Schwester Hilda und ich sollten sofort unsere Sachen packen: Winter- und Sommerwäsche, gutes Schuhwerk, Wintermantel und Proviant für 14 Tage. Als alles soweit war, führten sie uns in die deutsche Knabenschule neben der Kirche. Dort trafen auch noch viele andere ein. Gegen Mittag wurden wir ins Kloster verlegt, wo wir bis zum Abtransport blieben und vom Kloster täglich mit Essen versorgt wurden. Es kam zur ärztlichen Visite vor einer Kommission mit Dr. Georg Aczel als Kreisarzt, einem russischen Arzt, russischen und rumänischen Offizieren und einem Gemeindevertreter. Verschont blieben nur solche mit ansteckenden Krankheiten, Schwangere und Frauen mit Kleinkindern. Alle Ausgehobenen des Kreises (Plasa) Großkomlosch waren im Kloster untergebracht, von Lunga, Wiseschdia, Ostern, Gottlob, Marienfeld und Kleintermin.
Am 16. Januar 1945 begann der Transport mit russischen LKW nach Hatzfeld. Am 20. Januar 1945 wurden die Komloscher am Hatzfelder Bahnhof verladen. Es waren die schwersten Augenblicke in unserem Leben, der Eltern, Großeltern und aller Betroffenen. Viehwaggons standen bereit, einer für 60 Personen, mit Stroh auf dem Boden, einem Loch zur Notdurft und einem eisernen Ofen ohne Brennmaterial. Die Bahnfahrt ging über Temeswar, Lugosch, Deva, Blaj, Mediasch, durch das Prahova-Tal nach Ploieşti, weiter nach Buzău, Râmnicu-Sărat, Adjud, Vaslui, Iaşi. Eine Begebenheit in Râmnicu Sărat: Aus jedem Waggon durfte eine Person mit Flaschen zum Brunnen gehen, dabei liefen zwei Verschleppte davon. Der Rotarmist wusste sich zu helfen. Da er für die Anzahl der Deportierten verantwortlich war, rief er zwei Eisenbahner zu sich und warf sie in den Waggon. Es half ihnen kein Jammern und kein Klagen, sie traten die Fahrt mit uns an und blieben bis zum Ende. Ich kannte sie persönlich.
Als unser Transport in Iaşi ankam, wurden wir ausgeladen und es ging zu Fuß weiter bis ins Cuza-Lyzeum, wo man uns unterbrachte. Die Tafel in der Klasse war nicht gewischt. (Man erinnere sich an Heinrich Böll, Wanderer kommst du nach Spa…)
Am 28. Januar 1945 herrschte eine eisige Kälte. Einige hatten schon leichte Erfrierungen an den Ohren und den Händen. Nun gab es eine heiße Suppe und Brot. Als am 2. Februar genug Breitspur-Waggons zur Verfügung standen, wurden wir einwaggoniert.
Die Ankunft im Lager Bolschewik Nr. 1403
Die Reise ging durch Bassarabien in die Ukraine bis zum Bahnhof Smakova. Dort hieß es: Männer aussteigen, denn sie kommen zuerst ins Bad. Die Männer stiegen aus, die Frauen fuhren jedoch weiter bis Dneproderjinsk, so auch meine Schwester. Ich sah sie erst in Großkomlosch im November 1949 wieder. Von Smakova mussten wir noch 4 km bei klirrender Kälte bis nach Dubovaja-Balka zu Fuß gehen, ins Lager Bolschewik Nr. 1403.
Wir kamen wieder zur ärztlichen Untersuchung, danach ging es zur Entlausung und ins Bad. Am selben Tag noch, dem 7. Februar 1945, wurde ich zu einer Arbeitsgruppe im grauen Steinbruch eingeteilt. Es gab auch einen roten Steinbruch. Man benötigte den grauen und roten Stein beim Bau. Das war für die Russen billiger, als eine Zementfabrik zu bauen. Mein erster Arbeitstag war am Freitag, dem 9. Februar 1945. Wir arbeiteten zehn Stunden. Nur die Handwerker arbeiteten acht Stunden, auch die im Schacht.
Die Unterkunft im Lager eines Kombinats war in drei Rotten eingeteilt: Im Erdgeschoss war Rotte eins unter Leutnant Bojedai. Im ersten Stockwerk war die Rotte 2, den Namen des russischen Offiziers habe ich vergessen. Im 2. Stockwerk war Rotte 3, in der auch ich zusammen mit Komloschern untergebracht war. Der russische Offizier war Leutnant Nichifor. Komloscher waren Nikolaus Kintsch, Franz Kindl, Peter Siller, Nikoalus Schäffer, Christof Bogner und ich.
In einem Nebengebäude waren die Frauen unter Oberleutnant Puschkinow untergebracht. Im Lager waren 240 Frauen und 770 Männer untergebracht, darunter auch acht Grabatzer: Johann Sattler, Josef Kirchner, Franz Haag, Josef Haag, Franz Findeisz, Nikolaus Manjet, Johann Dietrich und Jakob Gayer.
Die Arbeitsbrigaden waren aufgeteilt in: roter Steinbruch, grauer Steinbruch, Transportbrigade, Schachtarbeiter, Handwerker (Tischler, Schlosser, Dreher, Schmiede, Elektriker); zum Bau kamen die Maurer und Zimmerleute. Man nannte sie „Schwarzarbeiter“, auf Russisch „Ciornai–Rabotschi“ für „Erdarbeiter“.
Brigadier beim grauen Steinbruch war ein kriegsversehrter Russe. Weitere Arbeiter waren aus Albrechtsflor, Gottlob, Großkomlosch, Grabatz, Freidorf, Sackelhausen, Jahrmarkt, auch aus Lenauheim, Paratz, Bogarosch, Ketscha sowie Ferdinandsberg und Reschitza. Es waren auch viele Ungarndeutsche, aber nur Männer, und auch welche aus Pommern. Auch Reichsdeutsche, die man als Soldaten in Rumänien aufgriff, die aber ihre Zugehörigkeit zum deutschen Heer leugneten, waren mit uns in der Brigade. Sie waren in Rumänien in Gefängnisse geworfen und als deutsche Zivilisten nach Russland abgeschoben worden.
Unser erster Toter im Lager war Johann Huniar aus Lenauheim. Er fiel einem Arbeitsunfall zum Opfer. Im Frühjahr 1945 starb mein Landsmann Peter Siller. Er war schon als kranker Mann mit Magengeschwüren deportiert worden.
Als am 9. Mai die Sondermeldung kam, dass Deutschland kapituliert habe, hofften wir, es werde bald nach Hause gehen. Doch das russische „skoro“ („bald“) dauerte dann doch knapp fünf Jahre!
Das Leben und Überleben im Lager
Zum Essen gab es morgens 750 Gramm dunkles Brot, meistens aus Gerstenmehl, dazu eine blaue Gerstelsuppe, mittags Krautsuppe mit etwas Hirsebrei oder Gerstel. Tee, Krautsuppe und Gerstelsuppe wechselten sich ab. Dieses magere Essen zog sich drei Jahre bis Mitte Dezember 1947 hin, als die Währungsreform kam. Das schwache Essen und die schwere Arbeit schwächten die Menschen. Es begann ab 1945 bis 1947 das große Sterben mit 113 Todesfällen, das waren 10% der Internierten. Wir bestatteten Gerti Lippet und einen Landsmann aus Wiseschdia, Dominik Oberding. Der Friedhof war ungefähr einen Kilometer vom alten Lager weg und etwas näher zum neuen Lager. Ein Temeswarer wurde vom Lagerkommandanten erschossen. Er wollte den russischen Arzt mit einer Eisenstange umbringen, weil er nicht auf der Krankenliste für Heimkehrer war.
Unser deutscher Lagerarzt war Dr. Hans Schneider aus Bogarosch. Ihm gebührt Dank und Ehre für sein mustergültiges und hilfsbereites Leiten der Krankenstation. Er überwachte persönlich die periodisch anfallenden Schutzimpfungen gegen Cholera, Ruhr und Typhus. Später traf ich ihn noch einige Male in Temeswar. Er war ein anerkannter Pathologe und übersiedelte schon früh nach Deutschland.
Für Ordnung sorgten unsere deutschen Lagerleiter Hans Sturm, Nikolaus Lutz, Hans Zikeli, Josef Petrischka und Bela Eichert. Bei den Frauen waren es die Schwestern Gußnecker aus Kischoda. Lagerkommandant war Major Fedorjak. Weitere Offiziere waren die Oberleutnants Puschkariov und Rischkov, die Leutnants Bojedaj, Nichifor sowie Postelciu als Verantwortlicher für Küche und Verpflegung. Unser russischer Arzt war der Oberfeldwebel Valoschin. Im Jahre 1945 und 1946 hatten wir eine jüdische Dolmetscherin.
Um den Schikanen zu entgehen, meldete ich mich im Herbst 1947 freiwillig als Bauarbeiter, oft nachts beim Holzausladen, einer sehr schweren und gefährlichen Arbeit, sowie zur Arbeit als Erzschaufler im Schacht (siehe: Herta Müller, Atemschaukel, Von der Herzschaufel). Es war im Winter dort angenehm warm und nur acht Stunden Arbeit. Auch arbeitete ich eine Zeit lang als „Prohodschik“, d.h. Bohrer bei der Vertiefung des sechsten Schachts. Bei dieser schweren Arbeit, oft bis zu 50 cm im kalten Wasser stehend, dauerte eine Schicht nur sechs Stunden und die Zusatzversorgung bestand aus 1 kg Brot und einer größeren Portionen Zuspeise.
Während meiner Russland-Zeit hatte ich mehrere Arbeitsplätze: als Steinbrecher im grauen Steinbruch, Arbeiter im Sägewerk, Grundarbeiter, beim Fundamente graben, dem Transport von Materialien (z.B. Baumstämmen für den Schacht), Betoneisen-Bieger, Schachtarbeiter (Schaufler, Bohrer, Schienenleger, Verlader von Material für den Schacht wie Holz, Schienen, Sand oder Zement). In den Jahren 1945-1947 wurde der Transport unter Tage noch durch Pferde bewältigt, welche nicht gut gepflegt wurden. Es war eine kleine Pferderasse.
Viel zu schaffen machte uns der tägliche Appell („Preverka“), morgens und abends bis 1947, danach nur noch abends um 18 Uhr. Bei jedem Wetter mussten wir uns in Viererreihen aufstellen. Das ewige Durchzählen dauerte manchmal Stunden, bis der wachhabende russische Offizier alle zusammen hatte, und ermüdete uns zusätzlich.
Durch die Überbelegung an Internierten, wie man uns nannte, dauerte es nicht lange, bis das Lager verlaust war. Bis Anfang 1946 führte man uns alle 14 Tage zum Bad und zur Entlausung der Kleider. Im Frühjahr 1946 wurde das Lagergebäude nach dem Umbau wieder dem Schacht zum Durchgang der Schachtarbeiter übergeben. Wir (auch die Russen) gingen mit reinen Kleidern in dieses Kombinat und zogen Arbeitskleidung an, die vom roten Gestein und dem Eisenerz rot war. Nach der Schicht ging es ins Bad, dann bekamen wir die reine Kleidung wieder zurück.
1946 und 1947 waren extreme Dürrejahre, so war auch das Essen immer knapp und mager. Nach der Währungsreform im Dezember 1947 wurde es besser. Am Lagerzaun entstand ein kleiner Markt, eine Art Basar. Wenn man Geld hatte, konnte man einkaufen oder Kleidung gegen Lebensmittel tauschen. Da verkaufte ich mein letztes Hemd für 18 Palatschinken. Wenigstens einmal satt sein! Ab der Währungsreform mussten wir uns mit dem bei der Arbeit verdienten Geld selbst verköstigen. Im Speisesaal wurde abends das Menü für den nächsten Tag mit Preistafel ausgehängt.
Am 14. Dezember hatte ich Nachtschicht und hörte die ganze Nacht über LKW hin- und herfahren. Ich befürchtete, es sei wieder Krieg, doch sie brachten Waren, besonders Lebensmittel, in die Warenhäuser. Das Markensystem wurde aufgegeben. Wir bekamen gleich morgens einen Vorschuss auf unsere geleistete Arbeit ausbezahlt. So konnten wir gleich im Speisesaal („Stalova“) einkaufen. Mein erster Einkauf war ein Laib Brot, 1 kg Zucker und ein Liter Sonnenblumenöl. All das verzehrte ich noch an diesem Tag!
Anfang des Jahres 1948 wurde der Karzer abgeschafft. Dahin kam man, wenn man sich bei kleineren Vergehen, wie z.B. Mundraub, erwischen ließ. Der Kleinterminer Franz Rebholz arbeitete als Fuhrmann beim Bau, wo er beim Stehlen einer Fuhre Bretter erwischt wurde. Dafür wurde er zu 20 Jahren Straflager verurteilt. Seither fehlt jede Spur von ihm. Auch ich persönlich ließ ihn durch den Suchdienst des Roten Kreuzes in München suchen. Aber vergebens, es fehlten alle Daten.
Ich selbst entging der Festnahme sogar mehrere Male. Die Vergehen bestanden im Entwenden von Holz als Heizmaterial. Die Russen durften sich den Baustellen und dem Schacht nicht nähern und waren auf uns angewiesen. Doch die Bewachung der sogenannten „Ohrana“ war schlimm.
Einmal begegnete ich auf dem Weg zu meiner Arbeit unter einer schmalen Brücke, auf der das Eisenerz mit kleinen Loren vom kleinen Schacht aus befördert wurde, einem gewissen Sepp Lenhardt aus Kleintermin, Brigadier beim Bau. Wir erzählten über zuhause. Wie immer war die Hauptfrage: Wann werden die Russen uns entlassen? Es war ein gefährlicher Platz, denn ständig fielen in dieser Biegung von der Brücke Steine herab. Ich fragte ihn, ob er denn keine Angst hätte, dass auch eine Lore runterfallen könnte. Er verneinte, da es ja noch nie einen Unfall gab. Kaum war ich auf meinem Arbeitsplatz beim Fundament ausheben, hörten wir von einer tödlichen Verletzung. Über der Stelle, wo wir noch vor einer Weile standen, war eine Lore entgleist und hatte Sepp Lenhardt zerschmettert. Also war mein Schutzengel auf dem Posten.
(Fortsetzung folgt)










