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Dr. Franz Metz zum 70. Geburtstag: Ein Leben im Dienst der Banater Musikkultur

An der Restaurierung der Orgel in Lenauheim war Dr. Franz Metz maßgeblich beteiligt. Foto: Archiv Diözese Temeswar

Dr. Franz Metz als Dirigent des Schubert-Chors beim Ion-Vidu-Festival in Lugosch am 20. Dezember 1984 Foto: Archiv Schubert-Chor

Beim Vortrag zum Leben und Werk von Otto Sykora vor der Erstaufführung der Sykora-Messe in der Pfarrei St. Willibald, München 2024 Foto: Karin Bohnenschuh

Der Organist, Dirigent und Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz, einer der bedeutendsten Forscher der südosteuropäischen Musikgeschichte, feiert am 24. Dezember 2025 seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass möchte ich seine außergewöhnliche Bedeutung für die musikalische Kultur des Banats und Südosteuropas und auch seinen Einfluss auf meinen eigenen künstlerischen und wissenschaftlichen Werdegang würdigen.

Franz Metz wurde in Darowa geboren und erhielt die ersten Klavierstunden von seinem Vater, dem Kirchenmusiker Martin Metz. Später setzte er seine Studien bei Dr. Josef Willer und Prof. Clara Peia fort.

Leidenschaft für die Kirchenmusik

Von 1974 bis 1978 studierte er Orgel an der Musikhochschule Bukarest. Hier lernte er den Domorganisten Joseph Gerstenengst kennen, den er regelmäßig an der Orgel der St.Josef-Kathedrale vertrat. Außerdem studierte er bei dem Organisten Franz Xaver Dressler in Hermannstadt. Bereits in seinen Studentenjahren debütierte Metz 1977 an der Walcker-Orgel des Bukarester Athenäums. In Temeswar gab er 1975 sein Debüt als Konzertorganist. Bis 1985 war er Organist an mehreren Kirchen in Temeswar und spielte an Orgeln im ganzen Land.

Die Liebe zur Orgel bedingte die intensive Beschäftigung mit der Banater Kirchenmusik, der er auch nach seiner Ausreise im Jahr 1985 nachging. Seine Dissertation zur Geschichte der Kirchenmusik der Banater Schwaben legte er im Jahr 1995 vor. Dazu recherchierte er zu den Kirchenorgeln im gesamten Banat, erfasste sie und prüfte ihren Zustand. 2017 erstellte er die Wanderausstellung „Banater Orgeln und Orgelbauer“, die bereits mehrfach international zu sehen war. 
Da ihm die Ausbildung der jungen Generation von Musikern stets ein wichtiges Anliegen war, gründete Metz 1990 in Temeswar einen internationalen Meisterkurs für junge Organisten.

Leiter von Chören und Orchestern

Schon in Rumänien war Metz als Dirigent mehrerer von ihm gegründeter Chor- und Instrumentalensembles aktiv. Zu den ersten zählte das Lugoscher Kammerorchester (1979).  In den letzten zwei Jahren vor seiner Auswanderung nach Deutschland übernahm Franz Metz die verwaiste Leitung des Schubert-Chors. 1987 gründete er in an seinem damaligen Wohnort in Hechingen, wo er als Kirchenmusiker wirkte, das Hechinger Kammerorchester und dazu das Banater Kammerorchester. 1995 entstand das Ensemble Musica Banatica, mit dem Metz 1996 eine Deutschland-Tournee unternahm. 

Im Jahr 2000 erhielt er eine Anstellung als Kirchenmusiker bei St. Pius München und gründete den Banater Chor München, 2005 folgte dort die Gründung des Ensembles Capella Bavarica. Hier wurde auch das Lehár-Ensemble aus der Taufe gehoben, mit dem Franz Metz seit Jahren bei landsmannschaftlichen Veranstaltungen (z.B. der Kulturtagung in Sindelfingen) zu Gast ist. Im Banat rief Franz Metz die Konzertreihe „Banater Sommerkonzerte“ ins Leben, in der häufig junge Musiker als Solisten mitwirken. Auch ich durfte hier mehrmals als Cellist in Erscheinung treten. 

Das Repertoire seiner Chöre und Ensembles hat immer auch einen Bezug zur Banater Musikgeschichte. Zahlreiche Uraufführungen von bis dahin verschollenen oder in Vergessenheit geratenen Werken Banater Komponisten wurden aufgeführt und teils auf Tonträgern eingespielt. 

Erforscher der Banater Musikgeschichte

Dieser Banat-Bezug ergibt sich durch die außerordentliche musikwissenschaftliche Tätigkeit von Franz Metz. Bereits in seinen Studienjahren hat er sich mit der Entdeckung, Einrichtung und Erstaufführung von Werken Banater deutscher Komponisten beschäftigt. Auf diese Weise wurden viele wertvolle Hinterlassenschaften der deutschen Komponisten aus dem Banat wiederentdeckt, digitalisiert und mittlerweile im eigenen Verlag „Edition Musik Südost“ in München veröffentlicht. Ebenso stellt das Südosteuropäische Musikarchiv, sein privates Archiv in München, einen wichtigen Bezugspunkt für Musikwissenschaftler dar, die sich für die Erforschung der deutschen Musik und ihrer Komponisten aus dem Banat und dem gesamten südosteuropäischen Raum interessieren. 

Metz hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche äußerst interessante Dokumente zusammengetragen, die für die reiche Musikkultur des Banats sowie für die kulturelle Vielfalt der gesamten südosteuropäischen Region Zeugnis ablegen. Dank seiner Arbeit konnten mehrere Komponisten wiederentdeckt und in die Konzertprogramme aufgenommen werden, darunter Franz Limmer, Wilhelm Franz Speer, Johann Michael Haydn, Vinzenz Maschek, Guido von Pogatschnigg, Wilhelm Ferch, Conrad Paul Wusching, Wilhelm Schwach, Richard Waldemar Oschanitzky und viele andere.

Stets war es ein Anliegen von Franz Metz, junge Musiker zu unterstützen ihr Interesse für „seinen“ Nischenbereich, die Geschichte der deutschen Musik im Banat, zu wecken. Das Feuer für diese Themen ist schwer zu entfachen, denn einerseits bedingt es ein Verständnis für die Region, andererseits bedarf es der musikalischen Vorbildung, um den Wert der hier entstandenen Musik zu erkennen. Mich persönlich hat Dr. Metz sofort für diese Forschungsreise gewonnen und ich bin sehr froh, diesen Weg mit seiner Unterstützung und ständigen Begleitung gegangen zu sein. Das Südostdeutsche Musikarchiv mit wertvollen Zeugnissen des südosteuropäischen Klangraums war für die Recherchen zu meiner Dissertation von entscheidender Bedeutung, genau wie die kompetente fachliche Unterstützung von Dr. Metz.

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa (GDMSE) ist Dr. Franz Metz einer der Initiatoren der „Musikwoche Löwenstein“, deren Hauptziel die Aufführung von wiederentdeckten Werken aus dem südosteuropäischen Raum ist. Als für das Projekt 2023 ein neuer Dirigent gesucht wurde, bot mir Dr. Metz die Gelegenheit dazu. Hier konnte ich mehrere solcher Werke in Erstaufführung präsentieren. Franz Metz führte mich auch auf die Spuren der Operette „Grüßt mein Banat!“ von Emmerich Bartzer, die ich in seinem Archiv als Klavierauszug fand und später für die Aufführung orchestriert und veröffentlicht habe. 

Herausgeber und Förderer junger Talente

Neben diesen praktischen Tätigkeiten machte sich Franz Metz auch als Autor zahlreicher Publikationen einen Namen, die den hohen Wert seiner Verdienste um die Musikforschung erkennen lassen. Bedeutende Namen von Musikern sowie zahlreiche musikalische Institutionen wie der Temeswarer Philharmonische Verein wurden durch seine Forschungen vor dem Vergessen bewahrt. Die von Dr. Franz Metz veröffentlichten Monografien und Biografien sind wichtige Quellen, aus denen junge Musiker wissenschaftlich schöpfen können. Nach seiner Aussage birgt das Archiv noch unerschlossene Dokumente für mehrere Forschergenerationen.

Würdigungen und Auszeichungen

Erfreulicherweise blieben die außerordentlich wichtigen Beiträge von Franz Metz zur Geschichte der deutschen Musik im Banat sowie seine ständige Unterstützung für die junge Generation von Musikern nicht unbeachtet. 2013 wurde ihm der Donauschwäbische Kulturpreis verliehen. Im Jahr 2021 erhielt er die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein unermüdliches Engagement für die Pflege und Erforschung der Kultur deutscher Minderheiten. 2023 wurde er für seine Verdienste um die Kirchenmusik mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens Ungarns ausgezeichnet, im selben Jahr erhielt er auch die Adam-Müller-Guttenbrunn-Medaille unserer Landsmannschaft. Im März 2025 wurde Dr. Franz Metz vom Präsidenten Rumäniens mit dem Orden für kulturelle Verdienste im Rang eines Kommandeurs ausgezeichnet. Der Preis „Punkt 12 der Proklamation von Temeswar“ wurde ihm im selben Jahr von der Temeswarer „Gesellschaft für die Förderung der Grundsätze der Proklamation in der Diaspora“ verliehen.

Ich verneige mich vor dem großartigen Lebenswerk von Dr. Franz Metz und bin dankbar für die Unterstützung, die ich als junger Dirigent und Musikwissenschaftler von ihm erfahren durfte. Zum 70. Geburtstag wünschen wir ihm im Namen aller Musikfreunde des Banats noch viele gesunde, aktive Jahre im Dienste der Banater Musik.