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Nachruf auf die Biologielehrerin Hildegard Ludwig Leidenschaft und Liebe zur Natur

Hilde Ludwig (1936 - 2025) beim Lenautreffen 2015 Foto: privat

Im Alter von 88 Jahren starb am 3. Juli 2025 Hildegard Ludwig, langjährige Biologielehrerin an der Temeswarer Lenauschule. Der Nachruf, den ihr Sohn Gerhard Bran an ihrem Grab hielt, gab preis, dass es von Anfang an ihr Wunsch gewesen war, pädagogisch tätig zu sein und den Kindern ihre Liebe zur Natur zu vermitteln. Das ist ihr im Laufe ihres Berufslebens vielfach gelungen.

Hildegard Gisela Ludwig wurde am 23. Oktober 1936 in der Temeswarer Elisabethstadt geboren. Dort hatten sich ihre Eltern ein Haus gebaut und betrieben ein Geschäft für Kolonialwaren. Nach der Grundschule bei den Notre-Dame-Schwestern in der Josefstadt besuchte sie das Lenau-Lyzeum und absolvierte dort im Jahr 1954. Neben der Schule pflegte sie auch beim Sport – Turnen und Rudern – soziale Kontakte.

In Klausenburg studierte sie nach dem Abitur Biologie und Geografie. Noch während des Studiums kam sie in Kontakt mit dem Banater Museum im ehemaligen Hunyadi-Schloss, das zu der Zeit eine große naturkundliche Abteilung besaß. Obwohl sie eigentlich ins Lehramt wollte, wurde das ihr erster Arbeitsplatz. Ihr Sendungsbewusstsein äußerte sich in zahlreichen Ausstellungen zu Natur und Umwelt, die sie kuratierte. In Führungen für Schulklassen machte sie die Heranwachsenden mit komplexen Zusammenhängen vertraut. Die Folgen menschlichen Handelns für die Umwelt waren bei ihr schon damals ein Thema.

Ihr Traumberuf Lehrerin sollte sich später dennoch erfüllen, sie kam zunächst an die deutsche Abteilung der Allgemeinschule Fratelia und ab 1975 ans Lenau-Lyzeum. Die Erfahrungen aus dem Museum kamen ihr zugute, Umwelterziehung war für sie auch im Unterricht stets ein Thema. Über das Pensum des Lehrplans hinaus bot sie Vorträge zu naturkundlichen Themen an.

In der von Erich Pfaff gegründeten „Diskuthek“ – einer Wochenendveranstaltung für Schüler, wo Themen aus allen Bereichen frei diskutiert wurden – bot sie mit guter Resonanz und gegen so manchen Widerstand aus dem Lehrerkollegium Themen zur Lebensorientierung und zur sexuellen Aufklärung an. „Kommunikation war für mich immer wichtig“, sagte sie im Rückblick.

Auch für Exkursionen in die Umgebung mit ihren Schülern war Hilde Ludwig immer zu haben. Darüber hinaus begleitete sie Erich Pfaff oder Walter Chef bereitwillig bei den großen Ausflügen in den Ferien, die diese für die Lenauschüler organisierten.
Mit dem Jugendkreis der Naturschutzstelle der Akademie in Temeswar stand Hilde Ludwig in regem Austausch. Hier wurden schulübergreifende Aktionen angeboten, die Schüler verschiedener Altersgruppen zu einem achtsamen Umgang mit der Natur motivieren sollten.

Ihre ehemalige Schülerin Solveig Tietz erinnerte sich in einem Beitrag zum 85. Geburtstag (abgedruckt in der Banater Post vom 20. Februar 2022): „Hilde Ludwigs kluge, erfrischende Art, mit Jugendlichen umzugehen, und ihr Sinn für Erlebnispädagogik machten aus Umweltprojekten ‚Events‘.“ Dabei kam auch das Abenteuer nicht zu kurz: Kochen im Forsthaus, Übernachten auf dem Heuboden usw. Die Erziehung zum achtsamen Umgang mit der Natur war für derlei Aktionen stets ihr Antrieb.
Doch neben ihrem Beruf pflegte sie auch kulturelle Interessen, unter anderem sang sie im Schubert-Chor und im Kirchenchor der Elisabethstädtler Kirche. Letzteres geschah auch aus der tiefen Frömmigkeit heraus, die sie bis zuletzt prägte.
Erst 1992 entschloss sie sich zur Auswanderung nach Deutschland. Im Alter von 56 Jahren konnte sie keine Anstellung im Lehramt erhoffen, doch sie gestaltete ihr neues Leben mit beachtlicher Energie. Im sehr ländlichen Vilsbiburg und später in Landshut brachte sie jungen Aussiedlern aus Russland die deutsche Sprache bei und machte sogar ihren Führerschein, um auf dem Land flexibler zu sein.

Als Rentnerin zog sie in den Münchner Stadtteil Kleinhadern, näher zu ihrem Sohn und dessen Familie. Ein kleiner Garten bot ihr ein vielseitiges Betätigungsfeld, doch damit begnügte sie sich nicht. Ihre stete Neugier trieb sie dazu, sich mit Begeisterung an Ausgrabungen im Nahen Osten zu beteiligen oder an Pilgerreisen nach Lourdes teilzunehmen. Mit Kenntnis und Detailreichtum erstellte sie in ruhigen Stunden dann auch noch eine Monografie ihrer Heimatstadt Temeswar. Nicht zuletzt galt ihre Aufmerksamkeit der Enkeltochter Helena, die von ihr regelmäßig betreut wurde.

Ihre Herzlichkeit, ihr Humor und ihr Fachwissen werden uns Lenauschülern stets in Erinnerung bleiben. Unser Mitgefühl gilt der zurückbleibenden Familie.