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Das Geschenk der leeren Hände: Gespräch zur Biografie Annemarie Ackermanns im HDO

Ria Schneider, Dr. Gudrun Hackenberg, Dr. Lilia Antipow und der Verleger Thomas Zehender im Haus des Deutschen Ostens bei der Präsentation der Biografie Annemarie Ackermanns Foto: Siegrun Jäger

Am 8. Juli fand im Haus des Deutschen Ostens in München ein Buchgespräch mit Dr. Gudrun Hackenberg, der Autorin der Biografie der donauschwäbischen Politikerin Annemarie Ackermann „Das Geschenk der leeren Hände“ statt. Die Autorin ist promovierte Philosophin, ihr Hauptschwerpunkt liegt in der Erwachsenenbildung.

Das Gespräch führte Dr. Lilia Antipow, die Leiterin des Sachgebiets Öffentlichkeits-, Medien- und Pressearbeit sowie der Bibliothek im HDO. Eingangs begrüßte Prof. Dr. Andreas Otto Weber die zahlreich erschienen Gäste, besonders die Tochter Ackermanns Ria Schneider, die mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter zugegen war, sowie den Verleger des danube books Verlages Thomas Zehender, der aus Ulm angereist war.

Als erstes fragte Lilia Antipow die Autorin, was für sie Ausschlag gebend war, sich mit diesem Thema zu befassen und dieses Buch zu schreiben. Gudrun Hackenberg erläuterte, dass sie auf einer Reise des IKGS durch die ehemaligen Siedlungsgebiete der Donauschwaben die älteste Tochter Annemarie Ackermanns, Ria Schneider kennenglernt habe. Sie sei von deren Erzählungen über ihre Mutter sehr beeindruckt gewesen. Auch ihre Eltern waren Vertriebene, – ihr Mutter stammt aus dem Banat – Flucht, Vertreibung und Neuanfang seien allerdings nie Thema in ihrer Familie gewesen. Umso mehr fühlte sie nun das Bedürfnis, sich damit auseinander zu setzen. Dabei war Ria Schneider ihr sehr behilflich und stellte ihr Tagebücher, Privataufzeichnungen, Briefe, Zeitungsartikel und Tonbandaufnahmen aus ihrem Familienarchiv zur Verfügung. Dazu kamen zahlreiche Gespräche mit ihr sowie das Studium von Quellen im Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen, im Bundestags- und Bundespressearchiv sowie im Institut für Zeitgeschichte München.

Lilia Antipow fragte nach Annemarie Ackermanns Haltung dem Nationalsozialismus, der sich in den 30er Jahren auch in der Batschka verbreitete. Gudrun Hackenberg antwortete, dass sie dazu in ihrer Forschung keine schriftliche Stellungnahme gefunden habe. Ackermann habe sich im Schwäbisch-Deutschen Kulturbund, einem Verein zur Pflege deutscher Kultur und Repräsentation der deutschen Minderheit im Königreich Jugoslawien, betätigt. Bekannt sei, dass sich Frauen in der patriarchalen donauschwäbischen Gesellschaft selten mit Politik beschäftigten. Zur Sprache kamen auch die Erfahrungen der Frauen auf der Flucht: Annemarie Ackermann flüchtete mit ihren Kindern und ihrer Großmutter 1944 aus Jugoslawien. Ihr jüngster Sohn wurde auf der Flucht geboren. Die Gesprächsführerin lenkte anschließend die Aufmerksamkeit auf Annemarie Ackermanns Leben in der Bundesrepublik. Sie habe sich lange fremd gefühlt, erzählt die Autorin und bezüglich ihrer politischen Betätigungen zitierte sie Annemarie Ackermanns oft wiederholten Satz, dass sie dazu gekommen sei „wie die Jungfrau zum Kind“. Unbestreitbar sei, dass sie sich in ihrer Zeit im Bundestag (1953 – 1961) tatkräftig für die Belange der Vertriebenen einsetzte. Sie war Mitglied in drei parlamentarischen Ausschüssen: dem Lastenausgleichs-, Vertriebenen- und Verteidigungsausschuss. Es sei schade, dass darüber so wenig bekannt sei. Weniger erfolgreich war sie als Bundesvorsitzende der Donauschwaben.

Während des Gespräches illustrierte Gudrun Hackenberg ihre Antworten mit Auszügen aus der vorliegenden Biografie. Mit dieser lesenswerten Biografie hat sie das Leben einer beeindruckenden und inspirierenden Frau nachgezeichnet und es ist begrüßenswert, dass das Haus des Deutschen Ostens ein Forum geboten hat, diese einem breiten Publikum vorzustellen.