Am Sonntag, dem 6. Juli 2025, beging Pfr. Karl Zirmer mit einer festlichen Eucharistiefeier in der Herz-Jesu-Kirche in Gustavsburg bei Mainz sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Zahlreiche Gläubige aus der Pfarrgruppe Mainspitze, Freunde, Familie, Weggefährten und Landsleute aus ganz Deutschland nahmen an der Feier teil.
Karl Zirmer empfing am 23. Juni 1985 im Dom zu Karlsburg (Alba Iulia) durch Bischof Dr. Jakob Antal die Priesterweihe. Bereits am 30. Juni feierte er seine Primiz in der Heimatkirche St. Anna in Sanktanna. Sein seelsorgerischer Weg begann als Kaplan in der Fabrikstadt/Temeswar, später als Pfarrvikar bei den Minoriten in Arad, wo er deutschsprachige Gläubige betreute. Ab 1989 übernahm er zusätzlich die Pfarrei St. Wendelin Baumgarten (Livada) mit Filialgemeinde Sentlein – in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Umbrüche.
Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland wirkte er im Bistum Mainz: zunächst als Pfarrvikar in Großen-Buseck, ab 1994 als Pfarrer in Saulheim und Udenheim, wo er bis 2003 auch Dekan des Dekanats Alzey-Gau-Bickelheim war. Seit 2003 wirkt Pfr. Zirmer in Ginsheim und Gustavsburg, ab 2005 auch in Bischofsheim. Unter seiner Leitung entstand die Pfarrgruppe Mainspitze. Von 2015 bis 2022 war er zudem Dekan des Dekanats Rüsselsheim. Für seine langjährigen Verdienste in der Seelsorge wurde ihm im Jahr 2021 vom Bischof der Ehrentitel „Geistlicher Rat“ verliehen.
Im Zuge der pastoralen Neustrukturierung des Bistums leitet er seither den Pastoralraum AKK-Mainspitze. Ab 1. Januar 2028 soll aus den sechs Gemeinden Amöneburg, Kastel, Kostheim sowie Bischofsheim, Ginsheim und Gustavsburg die neue Pfarrei „St. Anna AKK-Mainspitze“ entstehen. Dass sich die Mehrheit der Gläubigen für die Patronin seiner Heimatgemeinde als Namensgeberin aussprach, erfüllt ihn mit Freude. „Von Sanktanna kommend bin ich auf dem Weg zur Pfarrei St. Anna AKK-Mainspitze", formuliert er es.
Pfr. Zirmer ist in der Mainspitze tief verankert. Biografische Verbindungen zu den Gemeinden, die er entdeckt hat, zeugen davon: Die Herz-Jesu-Kirche in Gustavsburg erinnert ihn an die gleichnamige Kirche in Altsanktanna, seine „zweite Heimatkirche“. Die Kirche St. Marien in Ginsheim wurde am 5. Dezember 1954 geweiht – genau fünf Jahre vor seinem Geburtstag. Und genau 70 Jahre vor Beginn seines Dienstes im Bistum Mainz (1.4.1993) wurde die Christkönig-Pfarrei Bischofsheim gegründet. „Kein Aprilscherz“, wie er augenzwinkernd anmerkt.
Sein Priesterjubiläum versteht Pfr. Zirmer als Feier der Danksagung – für seine Berufung, für das Geschenk des Glaubens und für die Menschen, die ihn auf seinem Lebensweg begleitet haben, aber auch für diejenigen, die ihm in der Seelsorge anvertraut wurden. Sein Primizspruch „Ich bin nicht gekommen, um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen“ prägt sein Wirken bis heute. Die Nähe zum liturgischen Hochfest der Geburt Johannes des Täufers, das seinem Weihedatum unmittelbar folgt, ist für ihn nicht zufällig: Die Berufung des Propheten Jeremia (Jer 1,4-10), auch die Lesung beim Jubiläumsgottesdienst, empfindet er dabei als Ausdruck seiner eigenen priesterlichen Lebensgeschichte. Pfr. Zirmers priesterliches Selbstverständnis wurzelt in der Theologie des Thomas von Aquin: „Christus allein ist wahrer Priester, alle anderen sind nur seine Diener.“ Dieses Leitbild bestimmt sein Tun – in Liturgie, Seelsorge, Verkündigung und Begleitung von Menschen.
Die Festpredigt hielt sein Landsmann und Wegbegleiter Adam Possmayer, der einen Bogen von der biblischen Zahl 40 zu den 40 Jahren priesterlichen Dienstes spannte. Unter den Mitfeiernden war auch Kurskollege Otto Barth – beide hatten im Juni 2025 mit Bischof Schönberger (ebenfalls Kurskollege) in Satu Mare einen Dankgottesdienst ihres Weihekurses gefeiert.
Auch seiner Heimatgemeinde Sanktanna ist Pfr. Zirmer eng verbunden: Bereits am 22. Juni hatte er einen Dankgottesdienst in der Mutter-Anna-Kirche gefeiert – als Zeichen der Verbundenheit und in Dankbarkeit für vielfältige Unterstützung.
Die Liste der mitfeiernden Mitbrüder beim Gottesdienst in Gustavsburg liest sich wie ein Querschnitt kirchlicher Weggemeinschaft: u.a. Domkapitular Dr. Josef Zerndl (Bayreuth), Pfr. Josef Belényesi, Pfr. Paul Kollar, Abbé Corneille, Pfr. Franz-Josef Jertz, Pfr. Bardo Maria Haus und Pfr. Gottfried Scholz, Pfr. Otto Barth und Diakon Walter Erdmann waren anwesend. Auch die evangelische Gemeinde mit Pfr. Marcus Bahnsen nahm teil, ebenso viele pastorale Mitarbeitende seiner Pfarreien, darunter der frühere Pastoralreferent Andreas Hoffmann, Gemeindereferentinnen Katja Napp und Edith Sans-Jakob sowie die Pfarrsekretärinnen. Für eine besondere Geste sorgten seine Nichte Natalie und sein Neffe Christopher, die gemeinsam mit Ministranten aus allen drei Mainspitz-Gemeinden am Altar dienten. Musikalisch gestaltet wurde der Festgottesdienst vom Christkönigchor Bischofsheim unter Leitung von Stefan Finkenauer, Gisela Heinz als Kantorin und Marc Wahler an der Orgel – ein Zusammenspiel, das die Liturgie in würdiger Weise trug und die Gemeinde aktiv einband.
Schon bei der Feier am Nachmittag wurde Pfr. Zirmer im Kreis seiner Gäste gewürdigt – und auch im Festgottesdienst setzten sich die Zeichen der Wertschätzung fort. Ehemalige Mitglieder der von ihm in den 1980er-Jahren gegründeten Jugendgruppe in Sanktanna ehrten ihn in einer von Maria Eberwein vorgetragenen Ansprache (verfasst von Johann Burger) als „Hirten mit offenen Augen und weitem Herzen“ sowie als „Leuchtturm des Glaubens“. Für viele war diese „Jüngerschule“ ein geistlicher Aufbruch inmitten kommunistischer Unterdrückung, prägend für den Glauben. Einige reisten eigens zum Jubiläum an, um persönlich Danke zu sagen. Katharina Schmidt würdigte Pfr. Zirmer im Namen der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Sanktanna als „glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums“ und erinnerte an seinen Mentor Msgr. Andreas Straub. Sie verband Psalm 36 mit seinem seelsorglichen Wirken: „Du hast vielen den Zugang zur Quelle des Lebens eröffnet.“ Für sein jahrzehntelanges seelsorgliches Wirken für die Heimatortsgemeinschaft Sanktanna wurde Pfr. Zirmer bereits im Rahmen des Heimattreffens am 24. Mai 2025 mit der Goldmedaille der HOG Sanktanna ausgezeichnet.
Ein besonderes Zeichen der Dankbarkeit setzte auch Pfr. Zirmer selbst: Er rief zu Spenden für die Renovierung der Mutter-Anna-Kirche in Sanktanna auf – jener Kirche, in der sein Berufungsweg begann. „Die heilige Mutter Anna wird dich künftig auch bei deinem Dienst in der neuen Pfarrei AKK-Mainspitze St. Anna begleiten“, so Schmidt abschließend.
In einer Meditation zum priesterlichen Lebensweg setzten Elisabeth Karzick-Bronder und Christa Witting unter dem Leitwort „Auf dem Weg“ symbolisch und geistlich Impulse zur Berufung Zirmers. Der Dank der Pfarrgemeinde wurde von Marc Buschmeyer, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Bischofsheim, ausgesprochen. Als Geschenk erhielt Pfr. Zirmer wegen seiner Leidenschaft für Bücher einen Gutschein der Buchhandlung Villa Herrmann sowie eine Spende für seine Heimatkirche.
Zum Abschluss der Messe betete die Gemeinde gemeinsam ein Segensgebet: „Der Herr segne deine Wege, die sicheren und die tastenden Schritte… Der ‚Ich-bin-da‘ lasse dich seine Nähe stets spüren.“
Der Abend endete mit einem Dämmerschoppen im Pfarrheim, bei dem viele Gemeindemitglieder durch Kuchenspenden und tatkräftige Hilfe zum Gelingen beitrugen. In Gesprächen, Rückblicken und Erinnerungen zeigte sich, was ein priesterliches Leben im Kern ausmacht: die verbindende Kraft des Glaubens. Pfr. Zirmer war am Ende sichtlich bewegt: „Es war für mich eine besondere Freude zu spüren, wie viele Menschen an meiner Freude Anteil genommen haben. Es tut gut zu wissen und zu erfahren, dass man von den Gemeindemitgliedern getragen und unterstützt wird.“
Ein herzliches Vergelt’s Gott, lieber Pfarrer Zirmer – und ad multos annos!
Festpredigt zum 40. Priesterjubiläum von Pfarrer Karl Zirmer
„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“
Die Festpredigt anlässlich des 40-jährigen Priesterjubiläums von Pfr. Zirmer hielt Adam Possmayer, ein langjähriger Wegbegleiter und früheres „Pfarrkind“ des Jubilars. In persönlichen Worten ließ Pfr. Possmayer Stationen des gemeinsamen Weges Revue passieren – vom ersten Kennenlernen 1974 am Gymnasium in Karlsburg über die Primizfeier in Sanktanna, bis hin zu gemeinsamen Seelsorgeeinsätzen in Arad und späteren Begegnungen in Deutschland, etwa bei regelmäßigen Priestertreffen oder im Rahmen des Südostdeutschen Priesterwerks e. V., dessen Vorsitzender Pfr. Zirmer ist.
Pfr. Zirmer blickt auf vier Jahrzehnte priesterlichen Wirkens zurück – eine beeindruckende Zeitspanne. Die Zahl 40, so der Prediger, habe in der Bibel eine besondere Symbolik: Sie steht für Wandlung, Reifung und Gottesbegegnung – wie bei Noah, Mose, Elija und schließlich bei Jesus selbst. So wurde das Jubiläum als geistlicher Meilenstein und „Gnadenzeit“ verstanden, in der das Wirken Gottes besonders erfahrbar wurde.
Pfr. Zirmer wurde als „Mitarbeiter der Freude“ beschrieben: Dankbar für Gottes Ruf habe er über Jahrzehnte Menschen durch Glaubenszeugnis, Sakramente und seelsorgliche Begleitung gestärkt. Besonders gewürdigt wurde sein unermüdliches Engagement für die Gemeinden, in denen er als Priester segensreich wirkte. Possmayer betonte: „Auch wenn Du keine Beweihräucherung wolltest, darfst Du heute auf Dein Wirken in Gottes Reich mit gutem Grund stolz sein.“ In Anlehnung an das Evangelium (Lk 10,1-24) des Festgottesdienstes, das von Aussendung der Jünger erzählt, wurde Pfr. Zirmer als einer jener „Gesandten“ bezeichnet, die das Reich Gottes glaubhaft und kraftvoll unter den Menschen verkündet haben.
Besondere Erwähnung fand die Gottesmutter Maria. Wenige Tage zuvor, am 2. Juli, wurde das Fest „Mariä Heimsuchung“ gefeiert: der Besuch Mariens bei Elisabeth, der im Magnifikat, ihrem Lobgesang, mündet – „Meine Seele preist die Größe des Herrn...“. Dieses Dank- und Loblied wurde als geistliches Vorbild für jede Berufung herausgestellt – insbesondere für die priesterliche. Seit dem Apostolischen Schreiben „Pastores dabo vobis“ von Papst Johannes Paul II. wird Maria auch offiziell als „Mutter der Priester“ angerufen. So wurde auch Pfr. Zirmer eingeladen, in das Danklied Mariens einzustimmen.
Zum Abschluss der Predigt verwies Pfr. Possmayer auf das Bild von Johannes dem Täufer, das den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald ziert und das Andenkenbild des Jubilars schmückt. Johannes zeigt auf Christus – ein Sinnbild priesterlichen Selbstverständnisses: Nicht auf sich, sondern auf Christus zu verweisen. Hinter der ausgestreckten Hand steht das Bibelzitat: „Illum oportet crescere, me autem minui“ - „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, Joh 3,30. Dieses Bibelwort kennzeichne Pfr. Zirmers priesterliche Haltung: dienend, bescheiden und Christus-zentriert. Vergelt’s Gott für 40 Jahre Dienst – und auf viele weitere gesegnete Jahre im Weinberg des Herrn.











