Ende des letzten Jahres wandte sich Peter Irre an die Redaktion und fragte an, ob wir Interesse hätten, eine Biografie, die er über Johannes Blum, Salvatorianerpater und langjähriger Pfarrer in der Mehala, verfasst hat, zu veröffentlichen. Wir sagten gerne zu und er sandte sie uns. Danach blieben wir in Kontakt, klärten noch Details und vereinbarten, dass wir sie im Juli, zum 30. Todestag des Paters – voraussichtlich in zwei Teilen – veröffentlichen. Da erreichte uns die Nachricht, dass Peter Irre Mitte Mai plötzlich und unerwartet verstorben ist. Diese Biografie, für die er akribisch recherchiert hatte, war seine Herzensangelegenheit und wohl sein letztes Werk. Wir bedauern seinen Tod zutiefst und sprechen seiner Ehefrau, seiner Tochter und der gesamten Familie unser innigstes Beileid aus. Möge er in Frieden ruhen und diese Veröffentlichung auch eine ewige Erinnerung an ihn bleiben. Die Redaktion der Banater Post
Ordensmann und beliebter Seelsorger
Am 27. Juli jährte sich der Todestag von Pater Johannes Blum (1904- 1995) zum 30. Mal. Er war von 1952 bis 1991 zuerst Kaplan und danach Pfarrer und beliebter Seelsorger in der Marienkirche Mehala. Rund 40 Jahre lang verrichtete er mit großem Engagement seinen Dienst in dieser Seelsorgeeinheit. Darüber hinaus war er 43 Jahre lang Provinzial (Oberer) des Salvatorianerordens der Pro-Provinz Rumänien. In den schwierigen Zeiten des Kommunismus hielt er die Societas Divini Salvatoris (Gesellschaft des Göttlichen Heilandes) trotz Verbots am Leben. Pater Johannes hat Generationen von Mehalaern und Mehalaerinnen getauft, ihnen die Erste Heilige Kommunion gespendet und viele auch getraut. Ein Hauptanliegen war ihm die Kinder- und Jugendseelsorge und es gelang ihm, den Religionsunterricht, der in Schulen verboten war, in der Pfarrgemeinde fortzuführen. Vor allem für die Jugendlichen wurden die Mehalaer Marienkirche, der Kirchenhof und der Kirchenhofsaal der Dreh- und Angelpunkt ihrer schönsten Jahre. Die Kirchweihfeste in schwäbischer Tracht lockten Gäste aus dem ganzen Banat an. Pater Johannes erfüllte seine vielfältigen Aufgaben gewissenhaft und selbstlos und wurde zu einer bedeutenden Banater Persönlichkeit, der hiermit gedankt und derer gedacht werden soll. Peter Irre
Benedikt Blum wurde am 27. November 1904 in Großsanktnikolaus, im Torontál (heute Kreis Temesch) im damaligen Königreich Ungarn geboren. Sein Geburtshaus stand wahrscheinlich in der Nähe der heutigen Straßenkreuzung Cuza Vodă / 16. Decembrie in Großsanktnikolaus. Sein Vater war Metzgermeister und fiel im Ersten Weltkrieg. Nach der Teilung des Banats infolge des Versailler Vertrags zog die Witwe Blum mit ihren drei Kindern in die Banater Kreishauptstadt Temeswar in den Bezirk Blaschkovics / Mehala. Die Familie Blum wohnte in der B. P. Haşdeu-Str. 17 (in der Nähe des späteren CFR-Stadions).
Schlosserlehre und Jugend in der Mehala
1922 begann Benedikt Blum eine Ausbildung als Bau- und Kunstschlosser in der Firma des Sparherdherstellers Konrad Müller, Fröblgasse 34, in der Temeswarer Josefstadt. Seine Mutter musste das übliche Ausbildungsgeld für ihren Sohn aufbringen. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Mehalaer Katholischen Jünglingsvereins, welcher sich seit seiner Gründung im Jahre 1911 der – damals „Franzstadt“ genannten – Mehala befand. Benedikt Blum wirkte bei den Feierlichkeiten des Vereins aktiv mit. Bei der Osterfeier am 1. April 1921, die in der deutschen Schule neben der katholischen Kirche, der „Marienkirche“, stattfand, nahm er als Darsteller in einem Theaterstück teil. Am 4. September 1923 wurde das Vereinsheim des katholischen Kirchenrates Mehala eingeweiht. Dort residierten dann sowohl der katholische Jünglingsverein als auch die Marianische Jungfrauenkongregation. Laut Temeswarer Zeitung vom 4. September 1923 wirkte Blum beim Festprogramm erneut in einem „Gelegenheitsstück“ mit. Zum 25-jährigen Jubiläum des Römisch-Katholischen Jugendvereins im Jahre 1936 wurde eine Erinnerungscollage in Auftrag gegeben, auf der Benedikt Blum in seinen jungen Jahren – damals schon Brillenträger – zu sehen ist. Auch sein älterer Bruder Franz Blum ist darauf abgebildet, der 1943 gefallen ist.
Der Präses des Jünglingsvereins Mehala war in den Jahren 1920-1927 der aus Bad Waldsee-Hittelkofen in Deutschland stammende Salvatorianerpater Stephan Christ (1888-1960). Die Societas Divini Salvatoris (SDS), die Gesellschaft des Göttlichen Heilandes, hatte schon 1896 die Pfarrei in der Mehala übernommen. P. Stephan Christ war Superior der Mehalaer Pfarrei ab 1922. Er erkannte die Neigung und die Fähigkeiten des jungen Benedikt Blum, nahm dessen Berufswunsch, Priester zu werden, ernst und unterstützte ihn durch eine konsequente Förderung. So vermittelten er und Provinzial Pater Paulinus Wrobel ihn, mit Einverständnis seiner Mutter, an das Gymnasium der Salvatorianer im Kloster Steinfeld in der Eifel, wo seit dem 28. Mai 1924 ein SDS-Ausbildungskolleg mit Internat bestand.
Ordensgymnasium, Abitur, Noviziat und Studium
1925 begann Blum im Kloster Steinfeld das sechsjährige Studentat zur Erlangung der Matura. Mit 21 Jahren galt er im Ordensgymnasium als Spätberufener, der das jüngst mögliche Eintrittsalter von vierzehn Jahren deutlich überschritten hatte. Zwischen ihm und Pater Bonaventura Schweizer SDS (1893-1968), dem Superior des Kollegs in Steinfeld, bahnte sich ein inniges Vertrauensverhältnis an, das bis zu P. Bonaven turas Tode im Jahre 1968 andauern sollte.
Benedikt Blum verließ das Kloster Steinfeld 1931, wonach er sich ins Kloster Lochau am Bodensee begab, um die Reifeprüfung abzulegen. Das damalige Obergymnasium im Salvatorianer-Kolleg Lochau in Vorarlberg, Österreich, war seit 1927/28 befugt, ausländischen Abiturienten das deutsche Reifezeugnis zu verleihen. Im Juni 1932 legte Benedikt das Abitur erfolgreich ab.
1931 wurde die Deutsche Provinz der Salvatorianer in eine Nord- und eine Süddeutsche Provinz geteilt, da die Mitgliederzahl kräftig gewachsen war und immer neue Niederlassungen errichtet wurden. So funktionierte ab Januar 1931 in Heinzendorf, in Schlesien, eine ordenseigene Hochschule mit Philosophiestudium sowie ein Novizenkolleg unter der Leitung des Novizenmeisters P. Bonaventura Schweizer.
Benedikt Blum zog 1932 nach Heinzendorf, um sein einjähriges Noviziat zu absolvieren. Als Frater Johannes Blum war er einer von 30 Scholastikern. Er besuchte zwei Semester lang die Philosophievorlesungen, beendete im September 1933 sein Noviziat und legte seine erste Profess (das erste Ordensgelübde) in Heinzendorf ab. Danach setzte er sein Philosophie- und Theologiestudium an der Hochschule in Passau fort und wohnte dort im Salvatorianer-Kolleg am Klosterberg.
Mit der ersten Profess versprach Frater Johannes Blum, ein Jahr in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu leben. Diese zeitliche Profess erneuerte er Jahr für Jahr, fünf Jahre lang, bis zur Ewigen Profess auf Lebenszeit, die er im Jahre 1938 ablegte. Sein Scholastikat endete am 29. Juni 1938, als er im Dom zu Passau zum Priester geweiht wurde und den Ordensnamen Pater Johannes annahm. Anschließend kehrte er in seine Heimat nach Temeswar zurück.
Tätigkeit am SDS-Kolleg Elisabethstadt
Zusammen mit anderen Ordensbrüdern wohnte Pater Johannes ab Juli 1938 im Salvatorianer-Kolleg neben der Allerheiligsten-Herz-Jesu-Kirche in der Elisabethstadt und beteiligte sich als Kaplan am Pastorationsbetrieb der Kirche. Er wurde ein beliebter Seelsorger, Volksmissionar und Exerzitienbegleiter. Ende 1938 durfte er die Weihnachtsmesse in der Elisabethstadt zelebrieren und im Januar 1939 in der Marienkirche in der Mehala aushelfen, nachdem P. Stephan Christ erkrankt war.
Als am 15. August 1939 das SDS-Ordensnoviziat in Temeswar gegründet wurde, ernannte Provinzial Christ P. Johannes zum Studienpräfekten und Novizenmeister im Kolleg der Elisabethstadt. In der Einkleidemesse vom 16. August 1939 empfing P. Johannes Blum seinen ersten Novizen Vincentius Erdelyi. Beim anschließenden Silbernen Priesterjubiläum des Provinzials Stephan Christ assistierte der neue Priester P. Johannes Blum zusammen mit P. Lukas Jäger SDS (1914-1992) bei der Messe des Jubilars. Bis 1940 war Pater Johannes’ Wirken durch Maiandachten, Konferenz- und Trauerpredigten, Kreuzwegandachten und die Zelebrierung von Weihnachts- und Christmessen geprägt. Seine Stärke lag vor allem im Eingehen auf die Nöte der Menschen, in der Kinderseelsorge und im Beichtehören. Im September 1940 empfing P. Johannes eine Gruppe von drei Novizen, darunter Anton Weinschrott aus Bakowa, Absolvent der Banatia, den späteren P. Paulus Weinschrott (1919-1960).
Schwierige und unsichere Zeiten für den Orden
Im April 1942 mussten die Salvatorianer in der Elisabethstadt ernsthaft um ihre Existenz bangen. Die im November 1940 neu gegründete Deutsche Volksgruppe in Rumänien vollzog am 1. April 1942 die Trennung von Kirche und Schule, was zunächst die Einstellung der Tätigkeit der deutschen Bruder- und Schwesternschaften im Banat zur Folge gehabt hätte. In der Verhandlung vom 16. März 1941 gelang es jedoch Bischof Augustin Pacha (1870-1954), dem Volksgruppenführer Andreas Schmidt die Zustimmung zur Weiterführung des konfessionellen Ordenskollegs vertraglich abzutrotzen. Das Salvatorianer-Kolleg der Elisabethstadt blieb von der Unterstellung zur Volksgruppenführung ausgenommen. Der damalige Provinzial vermied es geschickt, einen Konflikt mit der lokalen NS-Bewegung in Temeswar zu führen. Doch die sowjetische Besatzung ab September 1944 gestaltete sich für die Salvatorianer viel bedrohlicher als die Nazi-Volksgruppe des Andreas Schmidt. P. Johannes Blum wurde am 14. Januar 1945 zusammen mit Bernhard (Ignaz) Fischer (*1926) und zwei anderen Priestern im Salvatorianer-Kolleg in der Elisabethstadt verhaftet, um zum Wiederaufbau in die Sowjetunion deportiert zu werden. Die Festgenommenen wurden vorab mit einem LKW in eines der vielen Sammelgebäude gebracht, um dort ihre Identität mit den Deportationslisten abzugleichen. P. Johannes wurde dank einer Vereinbarung des Bischofs Augustin Pacha mit den Behörden wieder freigelassen.
Zwischen 1945 und 1947 erlebte die Ordensgemeinschaft der Salvatorianer weiterhin schwierige Jahre, nicht nur wegen der behördlichen Schikanen und der Sowjetbesatzung, sondern auch wegen der massiven Geldentwertung. Trotzdem versuchte der Orden, den anvertrauten Pastoralbetrieb aufrecht zu erhalten und den Glauben ununterbrochen weiter zu verbreiten. P. Johannes erhielt im November 1946 vom Provinzial den Auftrag, in Neuarad Volksmissionen zur Glaubenserneuerung abzuhalten. Mit großer Motivation führte er in diesen herausfordernden Zeiten seine seelsorgerischen Pflichten durch. Zwischen dem 17. und 24. November 1946 zelebrierte er in acht Tagen 15 Messen und nahm die Beichte von 437 Frauen und 200 Männern ab. Im November 1947 übernahm er im Alter von 43 Jahren von P. Stephan Christ die SDS-Provinz Rumänien als Commissarius Provincialis (Bevollmächtigter des Provinzials). Der Provinzialwechsel in Temeswar erfolgte gerade noch rechtzeitig, bevor der russophile Minister Stanciu Stoian den Angriff auf die Banater Diözese einleitete. Durch den Ministerbeschluss vom 29. Juli 1949, Art. 1, wurde der Salvatorianerorden praktisch aufgelöst, der Ausbildungsbetrieb der Novizen verboten, das Ordensvermögen (Gebäude und Grundstücke) nationalisiert und die ausländischen Ordensbrüder zur Polizei gebeten, um ihren weiteren Aufenthalt in Rumänien zu klären, bzw. sie des Landes zu verweisen. P. Stephan Christ, dessen Geburtsort in Baden-Württemberg lag, war für die kommunistischen Behörden ein ausländischer Volksfeind, der im Auftrag des Vatikans die Temeswarer Gesellschaft ausspionierte. Es zählte nicht, dass er 1924 die rumänische Staatsbürgerschaft erlangt hatte. Die Ordensbrüder des Kollegs Elisabethstadt mussten bis zum 20. August 1949 das Kollegsgebäude räumen und dem Kultusministerium in Bukarest eine neue private Wohnanschrift mitteilen.
Provinzial der Pro-Provinz der Salvatorianer
Der neue Provinzial Johannes Blum entschied sich für seine Wahlheimat Mehala, wo er im Marienkolleg (Pfarrhaus) in den nächsten 42 Jahren wohnte und von dort die Provinz und die Pfarreien Mehala, Ronatz und Alt-Sanktanna leitete. 1949 erteilte das Generalat in Rom P. Johannes Blum die Vollmacht eines Provinzials, um ihn zu befähigen, schnell Entscheidungen treffen zu können. 1951 wurde das Kommissariat zur Pro-Provinz erhoben. In diesem Jahr gab es in Rumänien noch fünfundzwanzig Salvatorianer-Patres und etwa zwanzig Fratres. Die Zeit nach 1949 erwies sich für P. Johannes als besonders herausfordernd. In seiner Eigenschaft als Provinzial unterstützte er die ehemalige Priorin des Lioba Ordens München, Sr. Dr. Hildegardis Wulff (1896-1961), die durch die Auflösung des Ordens in Temeswar arbeitslos geworden war, und stellte sie bis zu ihrer Verhaftung im Jahre 1950 als Kantorin in der Marienkirche Mehala ein. Zusätzlich stellte er auch die ehemalige Notre-Dame-Priorin Sr. Gerda Kernweisz als Köchin im Marienkolleg ein. Am 4. Juni 1950 verlas Bischof Augustin Pacha den Hirtenbrief, den ihm die Apostolische Nuntiatur in Bukarest über Sr. Hildegardis Wulff zugeschickt hatte. Der Bischof wurde am 17. Juli 1950 kurzerhand verhaftet und am 18. August 1950 auch Sr. Hildegardis Wulff. Der Apostolische Vize-Nuntius Gerald Patrick O‘Hara wurde noch im Juli 1950 des Landes verwiesen. Am 27. März 1951 wurde auch Sr. Gerda Kernweisz festgenommen, wegen Spionage verurteilt und erst 1956 in die Freiheit entlassen.
Im Fadenkreuz der gefürchteten „Securitate“
Am 10. März 1951 wurde der Geheimbischof Dr. Adalbert Boros (1908-2003) und drei Tage später Dompropst Dr. Josef Waltner (1892-1986) verhaftet. Der noch in Freiheit verbliebene Ordinarius der Diözese Temeswar Konrad Kernweiss (1913-1981) ernannte 1952 P. Johannes Blum zum Kaplan der Mehala, nachdem P. Maternus Kimman SDS im August 1951 verstorben war. P. Johannes wirkte zusammen mit Kaplan P. Paulus Weinschrott, Blums ehemaligem
Novizen, in der Elisabethstadt.
Der im Frühjahr 1954 aus der Haft entlassene Bischof Dr. Augustin Pacha ernannte am 23. September 1954 P. Johannes Blum zum Synodal-Richter der Diözese Temeswar. Nur kurz später, am 8. November 1954, beteiligte sich Blum als Ehrendiakon am Begräbnis des Bischofs. 1956 wurde P. Johannes Blum von Ordinarius Konrad Kernweiss zum Diözesan-Priester der Pfarrei Mehala ernannt, gleichzeitig wirkte er als SDS-Superior. Die Beziehungen zu P. Paulus Weinschrott, Sr. Hildegardis Wulff und Sr. Gerda Kernweisz blieben dem lokalen Kreisinspektorat der Staatssicherheit nicht verborgen, sodass sie ab 1951 den Grund lieferten, umfangreiche Observationsmaßnahmen gegen P. Johannes und die Gemeinschaft der SDS-Ordensbrüder in der Mehala und Elisabethstadt einzuleiten.
P. Paulus Weinschrott war schon 1950 in die Aufmerksamkeit der „Securitate“ gelangt, als er in der Mehala als Kaplan wirkte. Er trat 1947 als Novizenmeister die Nachfolge von P. Johannes an und zeichnete sich auf zahlreichen Missionsreisen durch die Dörfer des Banats als besonders überzeugender Redner aus. Seine Missionspredikten enthielten angeblich einen reaktionären politischen Unterton, der vom Observierungsapparat nicht geduldet wurde. Nachdem P. Paulus im Januar 1958 verhaftet wurde, wandte sich P. Johannes mit einem Brief an den Kommandanten des Geheimdienstes von Temeswar. Die intensiven Bemühungen blieben leider erfolglos, signalisierten jedoch, dass der Provinzial das Vorgehen der Behörden gegen seinen Orden nicht duldete. Im April 1958 wurde P. Paulus zu sechzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Er starb am 3. Juni 1960 als Märtyrer im Gefängnis in Gherla (Siebenbürgen) im Alter von 41 Jahren. Die Diözese Temeswar hat das Seligsprechungsverfahren von P. Paulus eingeleitet. Tief betroffen erlebte P. Johannes auch den Tod von P. Stephan Christ am 20. August 1960 in Temeswar. Ab diesem Zeitpunkt wurde er in seiner Tätigkeit von dem zehn Jahre jüngeren P. Lukas Jäger unterstützt.
Hoher Besuch aus Rom in der Mehala
Nachdem sich der Gesundheitszustand des Diktators Gheorghe Gheorghiu-Dej ab Juli 1963 verschlechterte, lockerte die Securitate die Überwachungsmaßnahmen den Systemgegnern gegenüber. Als Folge davon durfte der Generalobere P. Bonaventura Schweizer aus Rom im Januar 1965 das Marienkolleg in der Mehala besuchen. Bei dieser Visitation entstand im Hof des Mehalaer Kollegs ein Gruppenfoto von historischem Wert. Es zeigt die versammelte SDS-Priesterschaft des in Rumänien verbotenen Ordens in der dunkelsten Zeit des Kommunismus, nur drei Monate vor der Machtergreifung Nicolae Ceauşescus. Sowohl das Zusammentreffen mehrerer Priester als auch die Begegnung mit einem Ausländer reichten als Tatbestand für eine schwere Straftat politischer Natur aus.
Erste Reise nach Rom zum Generalkapitel
Kurz nach der Diktator-Rochade (1965) erlaubte der rumänische Staatssicherheitsdienst die Reise von P. Johannes Blum und P. Lukas Jäger zum 10. SDS-Generalkapitel vom 1. Mai bis zum 5. Juni 1965 im Pallazo Cesi in der Via della Conciliazione in Rom, unweit des Vatikans. In dieser Zeit kam es zu einer Audienz bei Papst Paul VI. (1897-1978), bei der P. Johannes über die prekäre Lage der katholischen Kirche in Rumänien seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan im Juli 1948 berichtete. Unterstützt von P. Johannes gelang es Josef Weinschrott im März 1969, die Gebeine seines verstorbenen Bruders P. Paulus Weinschrott nach Temeswar zu überführen. P. Johannes, als Mitbruder und ehemaliger Novizenmeister, leitete die Exequien auf dem Elisabethstädter Friedhof vor der Salvatorianergruft und würdigte P. Paulus: „Als Schüler war er immer der Erste, im Gebet der Eifrigste und als Priester der Beste.“
Kirchenaufbau, Neubau und Kapellenumbau
1964 gelang es P. Johannes und P. Lukas gegen Schmiergeldzahlungen die Genehmigung für den Wiederaufbau der 1944 zerstörten Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit im Stadtteil Ronatz zu erwirken. Im Dezember wurde sie von Ordinarius Konrad Kernweiss konsekriert. Nach etlichen Finanzierungsproblemen und gegen den behördlichen Widerstand bei der Erteilung der Baugenehmigung kaufte die Provinz auf P. Johannes’ Anweisung im Februar 1971 ein Bauernhaus in der Temesch-Straße in Girok und richtete auf eigene Kosten eine Kapelle ein. Das Projekt dieses Kapellenbaus war schon 1955 entstanden, doch die Fertigstellung erfolgte erst im Jahre 1971 und schlug hohe Wellen im Kreisinspektorat der Securitate Temesch.
P. Johannes Blum ließ sich jedoch nicht einschüchtern und schritt konsequent weiter in Richtung des Neubaus einer katholischen Kirche in Neusentesch (Dumbrăviţa). Mit den Mitteln der Caritas Deutschland, der Osthilfe der Deutschen und der Österreichischen Bischofskonferenz (Europäischen Hilfsfonds in Wien) und dieses Mal mit der erforderlichen Baugenehmigung ließ er 1976 den Temeswarer Architekten Hans Fackelmann (1933-1979) die Kirche mit symbolisch zum Himmel gestreckten betenden Hände planen und später erbauen. Bedauerlicherweise ließen die Behörden den erforderlichen Glockenturm in der Straßenflucht nicht zu, weil sie fürchteten, dass der Diktator Ceauşescu den Turm sehen könnte, wenn er in der Nähe bei Bruckenau auf Fasanenjagd weilte. Der Turm wurde deswegen nicht an der Straßenseite, sondern etwa sechs Meter zurückgesetzt neben dem Pfarrhaus errichtet. Rechts neben dem Eingang wurde eine Gedenkplakette in ungarischer Sprache angebracht, die P. Johannes Blum ehrt. Am 7. Oktober 1979 weihte Konrad Kernweiss, Ordinarius Substitutus der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar, die Kirche feierlich ein. Zu all diesen Kirchenprojekten kamen noch etliche Restaurierungen der Gotteshäuser in der Elisabethstadt, in Alt-Sanktanna und der Mehala hinzu. Als gelernter Schlosser legte Pater Johannes auch gerne selbst Hand an.
Weitere Auslandsreisen und Jubiläen
Im Juli 1974 hatte Pater Johannes die Einladung des Wiener Kardinals Franz König (1905-2004) angenommen und reiste zu einer Audienz nach Wien. Wie schon bei der Audienz 1965 in Rom, wies P. Johannes erneut auf die prekäre Lage des verbotenen Ordens in Rumänien hin, denn ohne die Aufnahme neuer Salvatorianer bestünde keine Zukunftsperspektive. Zwei Jahre später erlaubte ihm die Securitate, sich mit Kardinal Luigi Poggi (1917-2010) in Temeswar zu treffen. Ebenfalls 1976 duldete sie die Visitation des Generaloberen Gerard Rogowski (1944-2020) in Temeswar. Im Herbst 1983 durfte P. Johannes länger in Rom verweilen und sein Goldenes Professjubiläum dort feiern.
Vier Jahre später folgte ein weiteres großes Jubiläum. Am 12. September 1887 war die Mehalaer Kirche der Seligen Jungfrau Maria geweiht worden. 1987 jährte sich diese Kirchenweihe zum hundertsten Mal. Die Feierlichkeiten begannen diesmal schon am Freitag mit einer Prozession zum Friedhof, wo die Toten geehrt wurden. Am Samstag wurde der Kerweihbaum aufgestellt und am Sonntag marschierten sechzig Trachtenpaare durch die Mehala. Beim Hochamt platzte die kleine Kirche aus allen Nähten. Danach folgte die Begrüßung der Gäste aus dem ganzen Banat. Das Highlight des Nachmittags war die Versteigerung des Rosmarinstraußes, des Hutes und Tuches. Gefeiert und getanzt wurde bis zum Montagmorgen. Am folgenden Samstag folgte die Nachkerweih.
1988 konnte P. Johannes in seiner „Heimatkirche“ sein 50-jähriges Priesterjubiläum feiern. Er ernannte Ignaz Fischer, einen ehemaligen Salvatorianer, zu seinem Sekretär, als Nachfolger von Fr. Hugo Totterer (1934-1995).
Exodus der Banater Schwaben
Über die Auswanderung der Landsleute in den 70er und 80er Jahren wurde schon viel geschrieben. Dass es sich dabei um einen Verkauf der deutschen Bevölkerung handelte, kam schon vor Jahrzehnten ans Tageslicht. Dank seines Netzwerks konnte P. Johannes vielen Ausreisewilligen helfen, was ihm im Nachhinein von seinen Kritikern angekreidet wurde. Trotzdem bleibt die überwiegende Mehrheit der Überzeugung, dass er immer gerne und selbstlos anderen helfen wollte und er oft „zu gut“ war. Beim Besuch des Generalsuperiors P. Malachy McBride (1927-2022) am 1. April 1989 in Temeswar ersuchte P. Johannes aus Altersgründen (85 Jahre) um seine Versetzung in den Ruhestand. McBride lehnte jedoch ab, bestätigte ihn als Provinzial für weitere drei Jahre und lud ihn zu einem Begegnungstag in die Apostelpfarre Wien am 11. Juni 1989 ein.
Temeswar, Schauplatz der Revolution in Rumänien
Nur ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr wurde Temeswar zum ersten Schauplatz des Umsturzes in Rumänien. Am 17. Dezember 1989 fand am Nachmittag im Mehalaer Kirchenhofsaal ein Krippenspiel statt. Nach dem Gruppenfoto mit P. Johannes konnte man Richtung Zentrum Hubschraubergeräusche hören. Zwischen der Oper und der orthodoxen Kathedrale war es zur ersten Großdemonstration gekommen, bei der zum ersten Mal „Nieder mit Ceauşescu“ skandiert wurde. Später fielen die ersten Schüsse.
Nach der politischen Wende gab es in der rumänischen Pro-Provinz nur noch vier Patres und zwei Fratres. P. Johannes erklärte im Juni 1990 im Alter von 86 seinen Verzicht auf das Amt des Provinzials. Im Februar 1991 beschloss das Generalat der Salvatorianer die Pro-Provinz Rumänien als eine Region der österreichischen Provinz weiterzuführen. Damit endete nach 42 Jahren die Amtszeit von P. Johannes als Oberer der Salvatorianer in Rumänien. Diözesanbischof Sebastian Kräuter entband ihn im April 1991 vom Amt des Pfarrers der Mehala. Das Klostergebäude in der Elisabethstadt wurde 1993 den Salvatorianern zurückgegeben und Pater Berno Rupp SDS (1935-2017) übernahm die Leitung.
Letzte Lebensjahre fern der Mehala
Sein weiterer Weg führte ihn im Dezember 1991 in das Salvatorianerkloster Gottesberg, Bad Wurzach in Baden-Württemberg. Er blieb jedoch nur drei Monate dort und zog im März 1992 in das Kloster Lochau (Vorarlberg, Österreich), wo er sechzig Jahre zuvor seine Reifeprüfung abgelegt hatte. Er starb am 24. Juli 1995 mit 91 Jahren an Altersschwäche, fern seiner Wahlheimat, fern seiner geliebten Mehala, deren Pfarre er fast vierzig Jahre lang betreute. Drei Tage später wurde er auf dem Klosterfriedhof Lochau-Hörbranz beigesetzt. In einem Nekrolog im Wiener Provinzarchiv der Salvatorianer heißt es, „dass P. Johannes nie vergrämt oder verbittert über die notvollen Jahre in Rumänien gesprochen hat. So hat er die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes in Jesus Christus nachgelebt, der gelehrt hat, auch die Feinde zu lieben.“











