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UTA und das achte Weltwunder! (Teil 4)

Sie schafften das Wunder von Arad (von links): Axente, Bíró, Brosovszky, Calinin, Fl. Dumitrescu, Domide, O. Dembrovsky, Pozsonyi, Leretter, Gornea und Petescu. Foto: Revista Sportul

Riesenfreude über das Weiterkommen! Torhüter Gornea hat noch Kraft für einen Salto. Foto: Eric Koch

UTA im Spiegel der internationalen Presse nach dem Erfolg gegen Feyenoord, veröffentlicht im „Neuer Weg“ vom 3. Oktober 1970.

Die großen Erfolge von UTA/50 Jahre seit der Riesensensation gegen Feyenoord Rotterdam

Gedenktag des Fußballs

Der bekannte Chefredakteur der Zeitschrift „Fotbal“ Aurel C. Neagu ließ es sich nicht nehmen, dem Spiel im Schwesterblatt „Sportul“ einige Zeilen zu widmen. Unter der Überschrift „Tag des Fußballs“ kommentierte er: „Wenn jemals ein Gedenktag des Fußballs gefeiert werden sollte, dann sollte es dieser 30. September sein, der Tag, an dem UTA Einzug gehalten hat in die Chronik des Weltfußballs. Gestern war der Tag, an dem der eiserne Wille, die Leidenschaft und Opferbereitschaft der wunderbaren Fußballer von UTA eine goldene Mannschaft niedergerungen hat. UTA bezwang eine stärkere, wertvollere Mannschaft mit unzweifelhaft besseren Spielern. Der gestern in Arad erlebte Tag ist einzigartig, unvergleichlich und unvergessen.“

Hans Frank kam am dritten Tag nach dem Spiel noch mal darauf zurück und veröffentlichte im „Neuer Weg“ Pressestimmen aus dem Ausland, von denen wir einige widergeben möchten. So schrieb der „Blick“ aus Zürich: „Feyenoords Ausscheiden war die größte Sensation der ersten Runde der Europapokalwettbewerbe. Die Provinzmannschaft, die den Arader Textilwerken angehört, hat sich nicht durch das 0:0, sondern durch das 1:1 auf holländischem Boden qualifiziert.“ Der „Sport“ aus Zürich stellte fest: „Die Holländer können zufrieden sein, dass sie vom Europapokal ohne Niederlage Abschied nehmen, obwohl sie die meiste Zeit im Angriff lagen. Wenn die Schüsse von Bíró und Sima ins Schwarze getroffen hätten, wäre Happels Team mit einer Niederlage heimgereist.“ Am interessantesten sind aber die Feststellungen der holländischen Zeitungen. „Algemeen Dagblad“ aus Rotterdam gab dem Bericht aus Arad die Überschrift: „UTA knockte Feyenoord aus“ und schrieb: „Während die Gäste immer nervöser wurden, strebte UTA ihrem Ziel immer sicherer zu. UTA glänzt zwar nicht durch besondere individuelle Technik, hat aber eine beispielhafte Selbstdisziplin und kann so auch gegen andere Mannschaften mit gutem Renommee ihren Zweck erreichen.“ Die Tageszeitung „De Telegraaf“ aus Amsterdem ist der Meinung, „dass Feyenoords Spieler vor dem Treffen Angst hatten. Das bestätigte sich während des Spiels. Sie griffen ständig an, dachten aber zu wenig.“ Die berühmte „La Gazzetta dello Sport“ aus Mailand, zweitälteste Sportzeitung der Welt, analysierte: „Eine bisher unbekannte Mannschaft hat, nachdem sie die Weltmeister ausgeschaltet hat, sich in Europa einen guten Ruf geschaffen.“

Hans Frank beendet die internationale Presseschau mit seinen eigenen Worten: „Und einen großen, treuen, unbezahlbaren Helfer hat UTA in ihrem Bemühen bestimmt: ihre Anhänger, ihre Drucker! Sie haben ihren Anteil am Erfolg von UTA gehabt, durch ihr treues Ausharren, ihre Ermunterungen während der schweren 90 Minuten. Und sie werden UTA, wie bisher in all den Jahren, auch in den kommenden Spielen die wichtigste moralische Stütze sein.“ Wohl dem, der solche Fans hat...

Gerne hätte ich den damaligen Schiedsrichter Ferdinand Biwersi nach seinen Eindrücken gefragt. Doch der Referee, der 121 Spiele in der Bundesliga gepfiffen hat, 16 Länderspiele und 26 Partien in den drei Europapokalen, verstarb 2013 im Alter von 79 Jahren im katalonischen Miami Platja, wo er die letzten sieben Jahre bis zu seinem Tod mit Ehefrau Sieglinde lebte. Er hätte bestimmt viel zu erzählen gehabt, denn das Rückspiel von UTA gegen Feyenoord gehörte neben dem Hinspiel des UEFA-Pokalfinales 1976 zwischen Liverpool und dem FC Brügge (3:2) zu den Höhepunkten seiner Laufbahn. Wie übrigens auch ein unvergessliches Bundesligaspiel. Am 29. April 1978 schlug Borussia Mönchengladbach am letzten Spieltag der Saison 1977/78 Borussia Dortmund mit 12:0 (!) und stellte damit den bis heute gültigen Rekord für den höchsten Sieg in der Bundesligageschichte auf. Beim legendären 0:0 gegen UTA hat Ferdinand Biwersi kein Tor pfeifen müssen, bei Gladbach gegen Dortmund gleich zwölf. So ist nun mal der Fußball – und das macht ihn auch so spannend und unberechenbar...

Die glorreichen Helden

Wer waren die Fußballer, die im Rückspiel gegen Feyenoord Rotterdam für die Riesensensation gesorgt haben und was ist aus ihnen geworden?

Gheorghe Gornea spielte von 1966 bis 1971 bei UTA, bestritt in dieser Zeit 127 Punktspiele. Er holte zweimal in Folge die Meisterschaft, absolvierte vier Länderspiele. Ebenfalls zweimal in Folge wurde er drittbester Torhüter der A-Liga: in der Saison 1967/68 mit 0,92 Gegentoren pro Spiel und 1968/69 mit 0,90 Gegentoren pro Spiel. Eine herausragende Quote! Nach Beendigung seiner aktiven Karriere war er als Schiedsrichter in der B-Liga tätig. Der Schlussmann starb 2005 im Alter von 60 Jahren in Sinaia, wo er die letzten Jahre vor seinem Tod verbrachte.

Gábor Bíró (75) kam 1965 zu UTA und blieb elf Jahre lang dort. Er errang zweimal die Meisterschaft. Der dynamische Außenverteidiger bestritt für die Arader 319 Meisterschaftsspiele (drei Tore). Er arbeitete vorübergehend als Techniker im Textilbetrieb, zu dem der UTA-Verein gehörte. Seine Laufbahn ließ er 1977 in der B-Liga bei Aurul Brad ausklingen. Anschließend war er zweimal Trainer bei Strungul Arad und dreimal bei UTA. Er lebt als Rentner in Arad.

Jenő Pozsonyi (78) galt als eisenharter Innenverteidiger. Der gelernte Schlosser kam 1967 zu UTA, blieb zehn Jahre und bestritt in dieser Zeit 227 Partien mit neun Toren für die Arader in der ersten rumänischen Liga, holte zweimal die Meisterschaft. Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn war er Trainer bei UTA, Metalul Bokschan, Minerul Orawitz, Metalurgistul Cugir und Avântul Regen. Gleich nach dem Umsturz in Rumänien wanderte er nach Ungarn aus. Dort versuchte er sich zunächst ebenfalls als Trainer, was ihm aber keinen Spaß machte. „Wenn ich sagte, jetzt müssen zehn Liegestützen gemacht werden, taten das nur die vorderen Spieler. Die im hinteren Teil lachten mich aus“, erklärt er seinen Verzicht auf den Trainerjob. Er wurde in einer Druckerei eingestellt, wo er bis zu seiner Pensionierung arbeitete. Pozsonyi lebt als Rentner in Budapest.

Josef Leretter wurde am 23. Juli dieses Jahres in Auenheim bei Kehl am Rhein 87 Jahre alt. Dort lebt der gebürtige Ferdinandsberger seit seiner Auswanderung gleich nach dem Umsturz in Rumänien. Der Banater Schwabe bestritt von 1967 bis 1973 insgesamt 178 Erstligaspiele für UTA, in denen er 23 Tore erzielte. Auch er wurde zweimal in Folge Landesmeister. „Loli“, so sein von Oma Karoline bekommener Spitzname, absolvierte für beide Banater Teams insgesamt 327 A-Ligaspiele in Abwehr, Mittelfeld sowie Angriff – und stellte gleich drei bemerkenswerte Rekorde auf. Er war der erste Fußballer in Rumänien mit 300 Spielen in der 1. Liga, in all seinen Punktspielen wurde er kein einziges Mal ausgewechselt und er sah in diesen Begegnungen keine einzige Gelbe Karte. Ein Gentleman des Fußballs vom Scheitel bis zur Sohle! Am 1. Oktober 1972 bestritt er bei der 2:4-Niederlage gegen Jiul Petroşani sein letztes Spiel für UTA – im Alter von 39 Jahren! Später war er als Maschinenbauingenieur in Temeswar tätig.

Ladislaus Brosovszky (separater Bericht folgt)

Mircea Petescu, der gebürtige Petschkaer, war 1959/60 und von 1967 bis 1973 bei UTA. Er bestritt 143 Punktspiele (20 Tore) im Mittelfeld für die Arader, mit denen er zweimal die Meisterschaft gewann. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Trainer und Manager in den Niederlanden, wo er die Teams von NEC Nijmegen, Telstar Velsen, Sparta Rotterdam, FC Dordrecht und Go Ahead Eagles Deventer betreute. Später war er als Spielerberater tätig. Als solcher wickelte er die Transfers vieler weltberühmter rumänischer Fußballer ab wie jene von Gheorghe Hagi zu Real Madrid, Ioan Ovidiu Sabău zu Feyenoord Rotterdam, Dorinel Munteanu zu Cercle Brügge sowie Gheorghe Popescu zum PSV Eindhoven und später zu Tottenham Hotspur. Er starb 2018 im Alter von 76 Jahren in einem Pflegeheim im belgischen Vosselaar an Alzheimer.

Dumitru Calinin wurde in Winga geboren und verbrachte einen Teil der Kindheit mit seinem späteren UTA-Kollegen Viorel Sima im Arader Stadtteil Bujac. Als Fußballer verschlug es „Charlie“, so sein Spitzname, zunächst nach Temeswar. Dort spielte er in der B-Liga beim Eisenbahnerverein CFR und wechselte 1969 mit mehreren Kollegen zum Lokalrivalen Poli, um in die 1. Liga aufzusteigen. Am Ende kam es genau umgekehrt. Denn: Nicht Poli, sondern CFR schaffte 1970 trotz des Aderlasses den Aufstieg! UTA-Trainer Coco Dumitrescu fiel Calinin auf, weil er ohne Komplexe gegen egal welchen Gegner antrat. Er war die emsige Arbeitsbiene im Mittelfeld. Deshalb holte Coco ihn 1970 zu UTA, wo er bis 1973 blieb und zweimal Meister wurde. Er starb im Jahr 2000 mit nur 56 Jahren in Orschowa, wo er als Krankenrentner jahrelang das Haus nicht mehr verlassen hatte.