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Banater Post

Freikauf der Deutschen unter Ceauşescu

Der von Răzvan Georgescu realisierte Dokumentarfilm „Deutsche gegen Devisen – Ein Geschäft im Kalten Krieg“ des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) beleuchtet ein bisher wenig bekanntes Kapitel der Geschichte der kommunistischen Diktatur in Rumänien. Mehr als 20 Jahre lang gab es zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien einen geheimen Deal: Diktator Nicolae Ceauşescu ließ Rumäniendeutsche gegen die Zahlung eines Kopfgeldes nach Deutschland ausreisen. Die „Geheimsache Kanal“, wie sie in Bonn genannt wurde, kostete die Bundesrepublik Milliardenbeträge. Dem Regime in Bukarest halfen die Devisen, die Staatsschulden zu tilgen. Rund 250.000 Rumäniendeutsche verließen ihre Heimat.

Die bundesdeutsche Öffentlichkeit erfuhr vom größten Freikauf der Geschichte nichts. Ceauşescu hatte äußerste Geheimhaltung verlangt, die Welt sollte nicht erfahren, dass Rumänien einen Handel mit seinen Bürgern betrieb. Selbst im Bonner Innenministerium waren nur wenige über die Operation informiert. Alleiniger Verhandlungsführer im Auftrag der Bundesregierung war der Neusser Anwalt Dr. Heinz Günther Hüsch. Zwischen 1968 und 1989 reiste er mehrere hundert Male zu Treffen mit dem rumänischen Geheimdienst Securitate, oft mit Koffern voll Geld.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs öffnet Heinz Günther Hüsch für diese Dokumentation seine Archive und berichtet über die „Geheimsache Kanal“. Durch seine Unterlagen und Berichte kann ein weitgehend unbekanntes Kapitel des Kalten Krieges rekonstruiert werden. Politisch Verantwortliche von damals kommen in der Dokumentation ebenso zu Wort wie zahlreiche Rumäniendeutsche, die die Umstände ihrer Ausreise erzählen. Im Film wird auch der Fall Hansi Schmidt aufbereitet, er selbst kommt zu Wort.

Zur Voraufführung des Dokumentarfilms laden der MDR, die Bundesstiftung für Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Deutsche Gesellschaft e. V. am Mittwoch, dem 8. Januar, um 18 Uhr in den Veranstaltungssaal der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Kronenstraße 5 in 10117 Berlin-Mitte) ein. An der anschließenden Diskussion nehmen teil: Dr. Heinz Günther Hüsch, Răzvan Georgescu, Autor der TV-Dokumentation, und der aus dem Banat stammende Schriftsteller und Journalist Helmuth Frauendorfer.

Der Dokumentarfilm wird am 13. Januar 2014 um 23.30 Uhr erstmals im Programm der ARD ausgestrahlt.