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Banater Post

Zehnte Deutsche Wallfahrt in Maria Radna unter Pandemiebedingungen

Das Pontifikalamt zur zehnten Deutschen Wallfahrt in Maria Radna wurde von Diözesanbischof Josef Csaba Pál zelebriert. Die Predigt hielt Pfarrer Martin Jäger (am Altar, links). Foto: Adrian Gabriel Păşcălău

Der 2. August ist seit Jahren ein festes Datum im Kalender der Banater Deutschen katholischen Glaubens von nah und fern. Dann findet nämlich alljährlich die Deutsche Wallfahrt nach Maria Radna statt. 2011 von Altbischof Martin Roos ins Leben gerufen, sollte die Deutsche Wallfahrt an die weit in die Vergangenheit zurückreichende Wallfahrtstradition der Banater Schwaben anknüpfen und diese wiederbeleben, aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den im Banat verbliebenen und den ausgewanderten deutschen Gläubigen stärken. Das ursprüngliche „Experiment“ erwies sich als erfolgreich: Jahr für Jahr beteiligten sich immer mehr Banater Schwaben an der „Deutschen Wallfahrt“, viele reisten aus Deutschland an, um in Maria Radna ein Stück alte Heimat wiederzufinden. Stets vertreten war die Landsmannschaft der Banater Schwaben durch Mitglieder des Bundesvorstandes und Vorsitzende von Heimatortsgemeinschaften, zum Teil mit Fahnenabordnungen.

Die diesjährige Deutsche Wallfahrt – es war bereits die zehnte – fand unter besonderen Bedingungen statt, die der weltweit grassierenden Corona-Pandemie geschuldet waren. Obwohl nur mit wenigen Pilgern aus dem Banat und auch nur mit vereinzelten Besuchern aus Deutschland zu rechnen war, war es der Diözese Temeswar dennoch ein Anliegen, die Wallfahrt zu veranstalten – in einem kleineren Rahmen und unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln. Um möglichst vielen Gläubigen die Möglichkeit zu geben, dem Wallfahrtsgottesdienst zumindest virtuell beizuwohnen, wurde dieser live im Internet auf der Facebook-Seite der Basilika Maria Radna übertragen.

Wie seit Jahren Tradition, begann das Programm der Deutschen Wallfahrt mit dem Rosenkranzgebet und dem Marienlieder-Singen in der Basilika im Vorfeld des Pontifikalamtes. Zelebriert wurde der Festgottesdienst vom römisch-katholischen Bischof von Temeswar Josef Csaba-Pál, dem Pfarrer Martin Jäger aus Steierdorf-Anina, Pfarrer Zoltán Toman aus Temeswar und Monsignore Mihai Vereş, pensionierter griechisch-katholischer Pfarrer von Uivar und nun in Radna wohnhaft, assistierten. Dem Pontifikalamt wohnte auch Domherr Andreas Reinholz, Pfarrer von Maria Radna, bei.

„Wir sind wenige, aber es ist gut, dass wir da sind, dass wir hier, bei der Mutter Gottes von Radna unsere Gebete verrichten dürfen, dass wir ihr unsere Nöte und Sorgen vorbringen und ihre Hilfe erbitten dürfen“, sagte Bischof Pál zur Begrüßung der Pilger in deutscher und rumänischer Sprache. Gerade in schwierigen Zeiten, wie wir sie derzeit erleben, sei es wichtig, den Glauben zu bezeugen, kirchliche Gemeinschaft zu erfahren, mit der Gottesmutter Maria in einen Dialog zu treten und Gott mit Hilfe ihrer Fürsprache um Beistand zu bitten. Der Bischof begrüßte die wenigen aus Deutschland angereisten Pilger und versicherte, dass man alle Menschen, die an diesem Tag so gerne in Radna gewesen wären, aber wegen der Pandemie oder aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein können, ins Gebet einschließen werde.

Die Lesungen wurden von Denise Kürschner aus Deutschland und Erwin Josef Țigla, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB), der mit einer kleinen Pilgergruppe und einer Fahnenabordnung aus Reschitza angereist war, vorgetragen. Die Verkündigung des Evangeliums übernahm Pfarrer Zoltán Toman, während die Fürbitten vom Diözesanarchivar Claudiu Călin vorgetragen wurden. Die Predigt hielt Pfarrer Martin Jäger, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Priesterjubiläum beging.

In den Mittelpunkt seiner Predigt rückte Pfarrer Jäger die Mutter Gottes. Sie sei „ein Fenster, das das Licht des Himmels hier auf Erden leuchten lässt“. Ihre Gegenwart sei besonders an Wallfahrtsorten wie Maria Radna spürbar, denn an solchen Orten würden die Menschen die Gnade Gottes durch die Fürsprache Mariens auf besondere Weise erfahren. Wallfahrtsorte würden als besondere „Gnadenorte“ erlebt, davon zeugten auch die vielen Votivbilder vor Ort, die als Dank für die erfahrene Hilfe der Gottesmutter von Radna gestiftet wurden. Es gebe viele Gebete und Lieder, die die Mutter Gottes loben und preisen, ihre Fürsprache und ihre Hilfe erbitten, so Pfarrer Martin Jäger weiter. Beispielhaft nannte er das Gebet „Jungfrau, Gottes Mutter mein“ und das Lied „Mensch hast du ein Leid zu tragen“.
In dem an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstandenen und seit der Zwischenkriegszeit auch im Banat verbreiteten Gebet „Jungfrau, Gottes Mutter mein“ bitte der Betende die Jungfrau Maria: „lass mich ganz dein eigen sein, / dein im Leben, dein im Tod, / dein in Unglück, Angst und Not, / dein in Kreuz und bittrem Leid, / dein für Zeit und Ewigkeit“. Er setze seine ganze Hoffnung und Zuversicht in die Mutter Gottes, zumal er überzeugt sei: „Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste! / Du willst mir ja helfen, o Gütigste! / Du musst mir nun helfen, o Treueste! / Du wirst mir auch helfen, Barmherzigste!“ In dieser Überzeugung rufe er voll Vertrauen: „Maria hilft immer, in jeglicher Not.“ Auch in dem Lied „Mensch hast du ein Leid zu tragen“, das man im Banat meist in Seelenämtern oder bei Beerdigungen gesungen habe und oft auch von den Russlandverschleppten gesungen worden sei, wende sich der leidgeprüfte Mensch der Mutter Gottes zu: „Zu dir wend’, zu dir wendet sich mein Flehen, / Jungfrau rein, Jungfrau Mutter Gottes mein. / Vor dir lieg ich auf den Knien, oh Maria mild und rein. / Mutter voller Leid und Pein, schließ mich in dein Herze ein.“ Pfarrer Jäger schloss seine Predigt mit der Bitte, die Mutter Gottes von Radna möge auch weiterhin den Segen Gottes vom Himmel herabflehen und uns in unseren Nöten beistehen.

Zum Schluss des Pontifikalamtes, das von der Organistin Andreea Bodroghi musikalisch gestaltet wurde, gratulierten Diözesanbischof Josef Csaba Pál und Erwin Josef Ţigla Pfarrer Martin Jäger zum silbernen Priesterjubiläum. Der Bischof überreichte ihm die Sankt-Gerhards-Medaille der Diözese in Silber, während der DFBB-Vorsitzende ihm eine Malerei des Reschitzaer Künstlers Gustav Hlinka schenkte, die die römisch-katholische Kirche aus Steierdorf darstellt.

Unter den Wallfahrern, die aus Deutschland angereist waren, befanden sich heuer Nikolaus Laub, aus Bogarosch stammend, mit seiner Enkelin Denise Kürschner und Nikolaus Lehrmann, gebürtiger Moritzfelder. Zugegen waren auch Caritas-Direktor Herbert Grün mit Familie sowie der evangelische Pfarrer aus Semlak, Walther Sinn.