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Banater Post

Im Bann der Vorfahren

Lenchen Demuth, Bronzeplastik von Kurt Tassotti in Sankt Wendel Foto: Edwin Kleemann

Wendalinusbasilika in Sankt Wendel Quelle: Wikipedia

Alles fing mit dem Ariernachweis eines Großonkels an. Dieser Nachweis ging zurück bis ins Jahr 1828 und endete mit einer Ortschaft, die mir nicht bekannt war. Das machte mich neugierig, ich wollte mehr wissen. Es brauchte wirklich nicht viel, und mein Interesse in Sachen Ahnenforschung war geweckt. Nun sind es schon mehr als zehn Jahre her, und die Begeisterung, meine Familiengeschichte zu erforschen, lässt mich bis heute nicht los.

Inzwischen haben sich zwar sehr viele Namen in meiner Datenbank angesammelt, ich habe mich aber entschieden, hier über meine Demuth-Vorfahren zu berichten, da ich dazu die meisten Daten herausfand.

St. Wendel ist ein kleines beschauliches Städtchen im Saarland, das ich bis vor kurzem nicht kannte, das aber eine große Rolle hinsichtlich der Herkunft meiner Vorfahren spielt. Der Name Demuth taucht erstmals im Jahre 1462 in St. Wendel auf, als ein gewisser Clais (heutzutage Nikolaus) Demuth, geboren 1440, zuwanderte. Er stammte aus Schaffhausen-Wadgassen- im Landkreis Saarlouis. Laut Internetrecherchen wird die Familie schon im Jahre 1385 im Register von Wadgassen (Nr. 628 S. 245/6) erwähnt: „Else und Enshel Demuth mit ihrem Sohn Peter“. Dieser Clais Demuth heiratete die Tochter des wohlhabenden Kürschners und Schultheiß Wilhelm Kneyffgen zu St. Wendel. Bald darauf wird Clais selbst als Schultheiß und Kirchenmeister erwähnt. Und 1498 taucht in den Zunftlisten des Kürschnerhandwerks ein „Herre Nycolaus Demut von Sant Wendelyn“ auf.

Clais Demuth und seiner Frau wurde unter anderen Kindern 1480 der Sohn Conrad geboren, der es bis zum Bürgermeister von St. Wendel brachte. Aus dessen Ehe mit Agnes Knuchgins ging der gemeinsame Sohn Niclas (geboren 1520) hervor, der 1545 in Saarwellingen eine gewisse Saffey (Sophie) Blick von Lichtenberg (geboren 1525) ehelichte, deren Stammbaum sehr, sehr weit zurückgeht. Dies ist aber eine andere Geschichte wert und würde hier den Rahmen sprengen. In der weiteren Generationenfolge zu verzeichnen sind Nikolaus Demuth (geboren 1545) mit Margarethe Schank und Sohn Johann Demuth (geboren 1575), der wiederum mit Katharina Kirren (geboren 1590) verheiratet war. Aus deren Ehe ging Sohn Adam Demuth (geboren 1630) hervor, der seinerseits einen Sohn namens Mathias (geboren 1684) hatte. Mathias Demuth heiratete Anna Maria Kuhn (geboren 1690) aus Fürth-Ottweiler bei St. Wendel. Die beiden bekamen einen Sohn Mathias, der am 7. März 1728 in Fürth geboren wurde.

Auf den Internetseiten von Roland Geiger, Heimatforscher aus St. Wendel, findet dieser Mathias Demuth anlässlich der 200-Jahr-Feier der Gemeinde Perjamosch am 15. August 1922 als Auswanderer aus dem Saarland ins Banat Erwähnung. Demzufolge war er Müller von Beruf. Er siedelte sich wohl zwischen 1752 und 1755 mit seiner Frau Anna Bredemus (geboren 1732 in Oberlinksweiler, St. Wendel) in Perjamosch an. Zusammen hatten sie acht Kinder. Inzwischen war durch Zuzug die Bevölkerung in Perjamosch so gewachsen, dass viele Familien in andere Ortschaften zogen, zum Beispiel nach Großsanktpeter. So zog es 1796 auch Jakob Demuth (geboren am 6. März 1769 in Perjamosch) mit Frau Maria Anna Giehl (geboren am 5. Januar 1769 in Perjamosch) und andere 29 junge Paare ins Nachbardorf. Aber auch hier in Großsanktpeter war es wohl zu eng für all die Menschen geworden und so zog es eine Generation später Friedrich Demuth (geboren am 19. Dezember 1792 in Perjamosch) mit seiner Frau Margarethe Niesz (geboren am 8. Februar 1794 in Perjamosch) und Sohn Franz Demuth (geboren am 8. November 1829 in Großsanktpeter) gegen Mitte des 19. Jahrhunderts nach Lenauheim. Franz heiratete hier 1852 Susanna Allar (geboren am 30. November 1834 in Lenauheim) und sie hatten zusammen acht Kinder. Es folgten Enkel, Urenkel usw. Unter diesen war auch meine Großmutter Anna (Nani), eine geborene Demuth. Ich bin somit ein Ur-Ur-Ur-Urenkel von Friedrich Demuth. Meine Töchter Johanna und Barbara können nun auf 16 Generationen Demuthscher Familiengeschichte zurückblicken.

Laut Heimatforscher Roland Geiger ist der Name Demuth in St. Wendel und Umgebung ausgestorben, genauso wie in Lenauheim.

Karl Marx und Helena „Lenchen“ Demuth

Im Frühjahr 2019 unternahm ich mit meiner Frau und meiner Mutter einen kleinen Familienurlaub. Es ging nach St. Wendel, wir begaben uns sozusagen auf die Spuren der Vorfahren. Dort trafen wir den Familien- und Heimatforscher Roland Geiger, mit dem ich schon vorher per E-Mail in Kontakt getreten war. Nachdem er uns in das Stadtarchiv blicken ließ, machten wir zusammen einen Stadtrundgang, bei dem wir einiges von ihm erfuhren. So erwähnte er beispielsweise, dass auch er mit der Familie Demuth verwandt sei, und zeigte uns Häuser rund um die Wendalinusbasilika, in denen die Demuths damals wohnten.

Unser Streifzug durch das kleine Städtchen führte uns auch an einer Bronzestatue vorbei, die „Lenchen“ Demuth darstellt. Als Haushälterin von Karl Marx gelangte sie zu einiger Berühmtheit. Helena Demuth, am 31. Dezember 1820 in St. Wendel geboren, arbeitete schon als kleines Mädchen als Dienstmädchen in Trier. Um 1837 kam sie in den Haushalt der Familie von Westphalen. Sie freundete sich mit Jenny, der Tochter des Hauses, an. Als diese 1843 Karl Marx heiratete, wurde Lenchen Haushaltsgehilfin und darüber hinaus politische Gefährtin sowie enge Vertraute der Familie Marx. So begleitete sie die Familie in den Revolutionsjahren 1848/1849 bis nach London ins Exil. Hier teilte sie mit der Familie Freud und Leid, Erfolge und auch Niederlagen.

Wohl aber nicht nur das, denn am 23. Juni 1853 gebar Lenchen einen Sohn: Henry Frederick Demuth. Er erlernte den Beruf des Büchsenmachers und lebte im Londoner Stadtteil Soho. Frederick starb kinderlos am 28. Januar 1929. Den Vater ihres Sohnes hat Lenchen nie preisgegeben, was Raum für Spekulationen ließ. Um den Frieden im Hause Marx zu bewahren, erkannte ein guter Freund der Familie, und zwar kein geringerer als Friedrich Engels, die Vaterschaft an. Nach dem Tod von Jenny und Karl Marx (1881 beziehungsweise 1883), die sie bis zuletzt pflegte, ging Lenchen Demuth noch als 63-Jährige als Haushälterin zu Friedrich Engels, mit dem zusammen sie den schriftlichen Nachlass von Karl Marx weiterhin verwaltete und ordnete. Sie starb am 4. November 1890 und wurde in London auf dem Highgate-Friedhof, in der Familiengruft der Familie Marx, beigesetzt – so wie von Jenny und Karl noch zu Lebzeiten verfügt.

Den gemeinsamen Vorfahren von Lenchen Demuth und mir habe ich ausfindig gemacht: Es ist Nikolaus Demuth (1545-1590). Ganz schön lange her.