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Banater Post

Schritt für Schritt auf Weihnachten zu

„Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11) Die Geburt Jesu in der Krippe zu Betlehem, dargestellt auf einer Malerei in der katholischen Kirche von Lippa. Foto: Adrian Gabriel Pășcălău-Kollár

Ein besonderer Blick auf die Krippe und die Menschen der biblischen Weihnachtserzählungen
Entgegen allen Trends werden an Weihnachten die Kirchen wieder voller sein als sonst. In manchen Gottesdiensten werden Menschen vielleicht um einen Platz kämpfen oder einfach wieder gehen, weil kein Platz mehr war. All das durfte ich schon erleben. Weihnachten ist eben etwas Besonderes. Mit Weihnachten verbinden sich vor allem Lebenserfahrungen und Erinnerungen aus der Kindheit mit Eltern, Großeltern und vielleicht sogar Urgroßeltern. In diesem besonderen Glaubensfest schwingen viele Emotionen mit und diese Emotionen wirken, wie auch die Erinnerungen, ein ganzes Leben lang.
Weihnachten berührt also immer noch. Der Kern aller Feiern und Gottesdienste sind die biblischen Weihnachtserzählungen und das kleine, verwundbare Kind in der Krippe. Ja, wie jedes Kind in unserer Welt ist auch dieses Kind verwundbar – Gott macht sich in ihm selbst verwundbar.

Mit diesem Blick auf die Krippe und die Menschen der biblischen Weihnachtserzählungen schauen wir tiefer, dürfen wir hinter das scheinbare Idyll von Kunst und Volkskunst blicken. Aus dieser Perspektive wird das Wort „Verwundbarkeit“ zu einem Schlüsselbegriff für die Weihnachtserzählungen: Es geht um Schwangerschaft und Geburt, Verfolgung und Flucht, Gleichgültigkeit und Mut, Gewalt und Engagement, Macht und Ohnmacht. Schon leuchtet das Weihnachtsfest in einem anderen Licht und wir können Fragen nachgehen, die uns gerade in dieser Zeit (auch politisch) immer wieder begegnen: Wo ist es notwendig, dass ich mich schütze? Wo ist es richtig, dass ich Hingabe wage?

Gerade weil wir Menschen um unsere Verwundbarkeit wissen und die damit verbundenen Schmerzen zu vermeiden suchen, versuchen wir Menschen uns zu schützen. Durch Häusermauern vor Wind und Wetter, mit Vorräten, um Hungersnöten vorzubeugen, oder mit Grenzen, um Fremde abzuhalten. Dafür haben die Menschen der Weihnachtserzählungen verschiedene Strategien.

Die Menschen in der Herberge schauen einfach weg – es ist kein Platz für eine Fremde und dazu noch Hochschwangere, die Probleme bereiten könnte. Was ich nicht sehe, das ist nicht da und beeinträchtigt mich nicht.

König Herodes verwundet lieber gleich ein ganzes Volk. Seine Machtposition und das nur diffuse Wissen führen zum kaltblütigen Rundumschlag, dem Kindermord von Betlehem.

Die Schriftgelehrten und Hohepriester, die als Ratgeber des Herodes fungieren, wissen zwar um den besonderen Ort der Geburt, ducken sich aber lieber weg und meiden ihn, um ihre gute gesellschaftliche Position nicht zu riskieren.

Drei unterschiedliche Wege also, sich vor dem Unbekannten zu schützen und nichts wagen zu müssen. Doch mit diesen Haltungen schließen sie sich alle von der Krippe und dem Heil, das in ihr liegt, aus.
Die anderen Menschen der Weihnachtserzählungen hingegen sind bereit, etwas zu riskieren. Sie nehmen das Risiko, verletzt zu werden, auf und sie setzen sich mit ihrem ganzen Leben ein. Das ist wahre Hingabe.

Aus der Dunkelheit treten die Hirten hervor, ihnen gilt die Botschaft der Engel. Sie lassen die Herden, die sie beschützen sollten, zurück und kommen zur Krippe. Die, die nur am Rand der Gesellschaft sind, werden als erstes erblickt und werden die ersten menschlichen Boten der Geburt Jesu – Sprachlose beginnen zu reden und werden gehört.

Die Sterndeuter haben sogar ihre Heimat verlassen, sind auf eine lange, risikoreiche Reise gegangen und gelangen trotz des Umwegs über den Palast des Herodes an ihr Ziel. Ihre Gaben kommen der Familie, die jetzt ohne Herberge ist und bald auf der Flucht sein wird, genau zur richtigen Zeit. Durch die Begegnung mit dem Kind in der Krippe reich beschenkt kehren sie wieder heim. Auch jetzt tragen sie noch ein Risiko – das Risiko, den von Herodes erteilten Auftrag nicht zu erfüllen und von seinen Schergen aufgegriffen zu werden.

Josef hätte jedes Recht gehabt, sich von seiner schwangeren Verlobten zu trennen, aber er bleibt nicht nur bei ihr, sondern er geht mit ihr durch alle Schwierigkeiten: vom beschwerlichen Weg zur Volkszählung über die Herbergssuche und die Geburt im Stall bis hin zur Flucht nach Ägypten. Er setzt sein ganzes Leben ein. Genauso wie Maria, deren Ja zum Leben den gesamten Prozess in Gang gesetzt hat. Bereits mit diesem Wort setzt sie mit voller Hingabe ihr ganzes Leben aufs Spiel und setzt sich so der Verwundbarkeit aus.

An der Krippe selbst bricht Gottes Reich an. Das Leben eines jeden Menschen an der Krippe erneuert sich entsprechend dem Lob Mariens: „Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“ (Lk 1,54) So wird die Geburt des verwundbaren Gottes in einer armseligen Krippe zu einem Ort voller Leben, der Liebe und Geborgenheit ausstrahlt. Und alle, die sich ihm hingeben, dürfen erfahren, wie selbst mitten in aller Ohnmacht Gottes Kraft und Macht, diese Welt zu verändern, erfahrbar wird.

Mit diesem besonderen Blick auf die Krippe und die Menschen, die uns in den Weihnachtserzählungen begegnen, wünsche ich Ihnen, liebe Landsleute, eine gesegnete Adventszeit, ein wunderbares Weihnachtsfest und Gottes reichen Segen für das Jahr 2020.