Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.

Trübe Zeiten: das Martyrium von Pfarrer Michael Kurth

Pfarrer Michael Kurth, zeitgenössische Zeichnung

Die der Himmelfahrt Mariens geweihte katholische Kirche in Altbeschenowa wurde um 1804 errichtet. Illustrationen: Diözese Temeswar

Grabstein von Pfarrer Michael Kurth auf dem Friedhof in der von katholischen Bulgaren bewohnten Gemeinde Altbeschenowa Foto: Miki Ciocan

In den Jahrzehnten, die seit den nachfolgend geschilderten tragischen Ereignissen verstrichen sind, ist die Erinnerung an Michael Kurth und Wenzeslaus Havlik, zwei Märtyrer-Priester der Diözese Temeswar, verblasst. Beide dienten als Seelsorger in bulgarischen katholischen Gemeinden des Banats: der eine in Altbeschenowa (rum. Dudeştii Vechi, früher Beşenova Veche, bulg. Stár Bišnov, ung. Óbesenyő), der andere in Winga (rum. Vinga,  ung. Vinga). Nicht nur die wie im Fluge vergehende Zeit, sondern auch das tragische Schicksal der beiden Priester mag dazu beigetragen haben, dass sie weitgehend in Vergessenheit gerieten. Doch ihr Martyrium, ihr standhafter Glaube in den lebendigen und wahren Gott, in Christus, den Auferstandenen, und in die Kraft des Heiligen Geistes wie auch ihre unerschütterliche Treue zu der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche sind gewichtige Gründe, diese beiden Priesterpersönlichkeiten niemals zu vergessen und die Erinnerung an sie in ihren Nachkommen im Glauben wachzuhalten. Beide Seelsorger sind, wahren christlichen Märtyrern gleich, eines gewaltsamen Todes gestorben.

Pfarrer Michael Kurth wurde am 10. Oktober in der Nähe der Gemeinde Altbeschenowa, am Rande des Weges nach Großsanktnikolaus, erschossen. Die Mörder kamen aus den Reihen der „glorreichen“ Roten Armee, die von der kommunistischen Propaganda in Rumänien als „Befreierin“ hochstilisiert werden sollte. Der Grund für den brutalen Mord: Vermutlich die deutsche Volkszugehörigkeit des Geistlichen und die Tatsache, dass er einen deutschen Soldaten sowie mehrere Bewohner der Gemeinde, die bei den Kämpfen in der Region ums Leben gekommen waren, christlich beerdigt hatte.

Pfarrer Wenzeslaus Havlik (geb. 1892 in Zlatiţa, ung. Néraaranyos, Kreis Karasch-Severin; Priesterweihe 1916), der seit 1922 die Seelsorge in der Pfarrei Winga versah, wurde 1949 von den lokalen kommunistischen Behörden des Pfarrhauses verwiesen, das nach ihrer Lesart nicht Besitz der Kirche, sondern der Gemeinde gewesen sein soll. Bereits seit 1947 war sowohl Pfarrer Havlik als auch sein Kaplan Theodor Katić (geb. 1921 in Karaschowa, rum. Caraşova, kroatisch Krašova, ung. Krassóvár, Kreis Karasch-Severin; Priesterweihe 1946; gest. 1993) in der pastoralen und karitativen Arbeit wie auch hinsichtlich der Auszahlung der Gehälter an die Angestellten der Pfarrei dauernden Schikanen ausgesetzt. Pfarrer Havlik wurde mehrfach bestialisch zusammengeschlagen und starb schließlich an den Folgen dieser „Behandlung“ am 16. Dezember 1951. Sein Schicksal soll in einer weiteren Studie thematisiert werden.

Im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrags steht Pfarrer Michael Kurth. Doch wer war dieser Pfarrer Kurth? Was wissen wir über seine Herkunft, seine Bildung, sein priesterliches Wirken und das Ende seines Erdendaseins?

Michael Kurth wurde am 16. Februar 1901 in der Ortschaft Walkan (ung. Valkány, rum. Valcani), einer Filiale der Pfarrei Altbeschenowa, geboren. Sein Vater Anton Kurth war Schmied, seine Mutter Magdalena war eine geborene Jung. Die Eltern wohnten auf der Puszta Kocsorhát und ließen das Kind am 19. Februar 1901 in Altbeschenowa taufen. Das Sakrament der Taufe spendete der dortige Kaplan Johann Telbisz. Den wenigen, im Archiv der Diözese Temeswar aufbewahrten Unterlagen über Pfarrer Kurth ist zu entnehmen, dass er das Piaristenlyzeum in Temeswar besucht und 1921 mit Bakkalaureatsdiplom absolviert hatte. Danach nahm er ebendort das Studium der Theologie an der
Römisch-Katholischen Theologischen Akademie auf, das er nach vier Jahren mit sehr guten Ergebnissen abschloss. Da Kurth des Banater Bulgarischen mächtig war, stand 1923, während seines zweiten Studienjahres, die Überlegung im Raum, ihn das dritte und vierte Studienjahr parallel besuchen zu lassen, um ihn schneller zum Priester weihen zu können. Doch dazu sollte es aus uns noch unbekannten Gründen nicht kommen. Michael Kurth beendete sein Studium regulär im Jahr 1925. Er war damals 24 Jahre alt und benötigte, da er noch nicht das vom Kirchenrecht für die Priesterweihe vorgeschriebene Mindestalter von 25 Jahren hatte, eine Dispens.

Die Priesterweihe fand in der Kathedrale zu Großwardein statt, da Temeswar zur damaligen Zeit keinen konsekrierten Bischof hatte, der die Weihe der Theologieabsolventen hätte vornehmen können. Bischof Julius Glattfelder hatte sich im Februar 1923 wegen Unstimmigkeiten mit den rumänischen Behörden nach Szeged zurückgezogen. Daraufhin richtete der Heilige Stuhl in dem Rumänien zugesprochenen Teil des alten Tschanader Bistums eine Apostolische Administratur ein und ernannte den Domherrn Augustin Pacha (1870-1954) zum Apostolischen Administrator. Pacha wurde erst 1927 zum Titularbischof von Lebedo ernannt und am 15. Mai desselben Jahres in der Temeswarer Domkirche konsekriert. Dreieinhalb Jahre später erfolgte seine Ernennung und Einführung als erster
Bischof der am 5. Juni 1930 errichteten Diözese Temeswar.

So kam es, dass Michael Kurth die Priesterweihe in Großwardein empfing. Gespendet wurde diese von Emmerich Bjelik (1860-1927), Titularbischof von Thasus und Apostolischer Administrator der Diözese Großwardein, letzter Militärbischof des k.u.k. Heeres. Am 28. März 1925 wurde der junge Theologe zum Subdiakon geweiht, am 5. April folgte seine Diakon- und Priesterweihe zugleich. Seine Primizmesse feierte Michael Kurth am 19. April 1925 in der Kirche von Altbeschenowa.

Zunächst diente Pfarrer Kurth als Kaplan in Bakowa, um am 1. Mai 1926 in gleicher Eigenschaft nach Winga versetzt zu werden. Dort blieb er bis 1928, weitere zwei Jahre war er dann Kaplan in Altbeschenowa. Am 1. Mai 1930 wurde er zum Kaplan in Glogowatz ernannt. Nächste Station seines Wirkens war dann von 1931 bis 1934 Reschitza, wo Pfarrer Kurth als Kaplan und Religionslehrer am Knabengymnasium tätig war. Am 1. Oktober 1934 übernahm er als Pfarradministrator die Pfarrei Clocotici (kroatisch Klokotič, ung. Krassócsörgő), einer von Kraschowanern bewohnte Gemeinde im Banater Bergland. Ausschlaggebend für seine Ernennung dürfte einerseits die Kenntnis einer südslawischen Sprache, andererseits die mittlerweile gesammelte pastorale Erfahrung gewesen sein.

Am 19. April 1940 wandte sich Pfarrer Kurth an Bischof Pacha mit der Bitte, ihn auf die vakante Pfarrstelle in Altbeschenowa zu versetzen (der dortige Pfarrer Franz Kristofcsák, Ehrendomherr und Erzdechant, war zehn Tage zuvor verstorben). Sein Ansuchen begründete er damit, dass er das Theologiestudium mit sehr guten Ergebnissen ab-geschlossen und er bereits 1929 die Prosynodalprüfungen ebenfalls mit sehr gutem Erfolg abgelegt hatte, dass er eine 15-jährige Erfahrung vorweisen könne und er die bulgarische Sprache beherrsche, was für die Seelsorge an den Gläubigen dieser Pfarrei unabdingbar sei. Auch die Kirchengemeinde und die Gläubigen in Altbeschenowa machten sich für Pfarrer Kurth stark. Der Kirchenausschuss richtete am 28. April 1940 ein Schreiben an Bischof Pacha, in dem er die Versetzung von Michael Kurth nach Altbeschenowa verlangte. Das Schreiben war von Rokus Velcsov, dem Vorsitzenden des Ausschusses, von dessen Notar, dem Lehrer und Kantor Ladislau Top-csiov, sowie von fünf Ausschussmitgliedern unterzeichnet. Diesem beigefügt waren zwei Listen mit Unterschriften der Gläubigen, eine mit 202, die andere mit 280 Namen.

Bischof Pacha trug dem Wunsch des Bewerbers und seiner Unterstützer Rechnung und ernannte Pfarrer Michael Kurth am 10. Juni 1940 zum Pfarrverweser von Altbeschenowa. Die Ernennung zum Pfarrer erfolgte am 12. Oktober 1942. Laut Schematismus der Diözese Temeswar von 1943 waren in der Pfarrei Altbeschenowa mit den Filialen Bulgarische Kolonie (rum. Colonia Bulgară, ung. Bolgártelep) und Walkan 7326 katholische Gläubige zu betreuen. Von den vorgesehenen zwei Kaplanstellen war nur eine besetzt. Pfarrer Kurth stand anfangs Josef Boldis (geb. 1912 in Turnu, Priesterweihe 1936) als Kaplan zur Seite, später war es Karol Kalapiš (geb. 1914 in Altbeschenowa, Priesterweihe 1943).

Obwohl Pfarrer Kurth seit seiner Jugend unter einer starken Sehschwäche litt, weswegen er eine Brille mit vielen Dioptrien trug und zum Teil von der Verpflichtung enthoben worden war, täglich das Brevier zu lesen, versah er seinen Dienst verantwortungsbewusst und durchaus mit Erfolg. Er reorganisierte den Rosenkranzverein, dessen Mitgliederzahl auf 520 stieg, und pflegte gute Beziehungen zu den Gemeindebehörden, den Lehrern und vor allem den Gläubigen. Gegen seine Amtsführung gab es keinerlei Beschwerden.

In den trüben Herbsttagen des Jahres 1944, nachdem Rumänien den Front- und Regimewechsel vollzogen und die Rote Armee das Land besetzt hatte, kam Pfarrer Kurth seiner Verpflichtung nach und begleitete zusammen mit Kaplan Karol Kalapiš und Kantor Ladislau Topcsiov mehrere Opfer der in der Nähe der Gemeinde ausgefochtenen Kämpfe auf ihrem letzten Weg. Es handelte sich um den deutschen Soldaten Alfred Lindemann, der am 15. September 1944 gefallen war, sowie drei Bewohner, die allesamt von sowjetischen Soldaten getötet worden waren: Lazar Kalapiš und Gheorghe Ronkov am 2. Oktober und der siebenjährige Ioan Kalčov am 7. Oktober. Diesen vier Opfern sollte Pfarrer Kurth selbst am 10. Oktober folgen, höchstwahrscheinlich, weil er sich des „Vergehens“ schuldig gemacht hatte, die genannten Toten zu beerdigen. In diesen unübersichtlichen, von Angst und Schrecken geprägten Tagen zeigte Kantor Ladislau Topcsiov Mut, indem er – da Pfarrer Kurth abtauchen musste und der interimistische Pfarradministrator Johann Wittmann (geb. 1906 in Kreuzstätten, Priesterweihe 1930, seit 1939 Pfarrverweser in Altbeba) noch verhindert war, seines Amtes zu walten – am 11. Oktober 1944 ganz allein den zwei Tage zuvor von den Sowjets erschossenen 20-jährigen Paul Sókai aus Albrechtsflor beerdigte.

Kantor Topcsiov war es auch, der in einer am 8. Februar 1945 in ungarischer Sprache verfassten Schilderung über die näheren Todesumstände von Pfarrer Michael Kurth berichtete. Am Nachmittag des 9. Oktober wurde Pfarrer Kurth von einer Ordonnanz ins Bürgermeisteramt einbestellt, wo sich die Führung der im Dorf befindlichen sowjetischen Truppen einquartiert hatte. Welche Anschuldigungen gegen ihn vorgebracht wurden, ist nicht bekannt, sicher ist aber, dass der Gemeindenotar Ioan Raica den Priester gebeten hatte, in den Abendstunden in das Haus des Arztes Bojin zu kommen. Auf dem Weg dahin, so berichtet Topcsiov weiter, ist er Pfarrer Kurth begegnet, der darum bat, ihn zu dem verabredeten Treffpunkt zu begleiten. Notar Raica riet sowohl Pfarrer Kurth als auch Kaplan Kalapiš, nicht im Pfarrhaus zu übernachten und sich zu verstecken. Kurth sagte daraufhin, er werde sich im Keller der Nachbarn von Doktor Bojin verstecken, keinesfalls bei Verwandten oder beim Kantor, da man ihn dort zuerst suchen würde und er diese Leute nicht in Gefahr bringen wolle. So kam es, dass sich Pfarrer Kurth zusammen mit Kaplan Kalapiš und Lehrer Orha in besagtem Keller versteckten. Kantor Topcsiov ging dann nach Hause.

Am nächsten Tag, frühmorgens, erkundigte er sich nach den drei Abgetauchten. Er traf bei Bojin nur den Kaplan an und erfuhr von diesem, dass Pfarrer Kurth am späten Abend das Kellerversteck verlassen hatte und zu einem gewissen Sitariu, einem bessarabischen Flüchtling („refugiat“) gegangen war, auf den er sich schon mehrfach verlassen hatte können. In dieser Situation schickte Topcsiov seinen Nachbarn Rafael Bobojcsov zu Sitariu, da er selbst sich nicht zu stark exponieren wollte.
Bobojcsov kehrte mit der Nachricht zurück, dass sich Pfarrer Kurth bei Sitariu in Sicherheit wähne und dass er Topcsiov bitte, seine Eltern zu beruhigen. Auch Lehrer Orha hatte erfahren, wo sich der Geistliche versteckt hielt und suchte ihn dort auf. Gegen 10 Uhr kam Orha zu Topcsiov, dem er das Anliegen von Pfarrer Kurth überbrachte, er solle zu dessen Eltern gehen und diese bitten, ihm Zivilkleidung vorbeizubringen.

Pfarrer Michael Kurth hatte in der Zwischenzeit das Versteck verlassen und sich ins Pfarrhaus begeben. Dort wurde er gegen 10.30 Uhr von vier bewaffneten sowjetischen Soldaten ausgehoben und in ein gelbes Auto verfrachtet. Topcsiov befand sich zu dieser Zeit in der Nähe des Pfarrhauses, weil er den Priester aufsuchen wollte. Als er jedoch im Haus russische Stimmen vernahm, entfernte er sich rasch, um sich in der Kirche in Sicherheit zu bringen. Dann sah er, wie der Pfarrer ins Auto befohlen wurde und wie nach wenigen Minuten zwei-drei weitere Personen, die er namentlich nicht nennt, von
denen er aber sagt, sie gehörten der Gemeindevorstehung an, aus dem Pfarrhaus kamen. Topcsiov fragte sie, was geschehen sei, und erfuhr, dass Pfarrer Kurth zum Verhör zur sowjetischen Kommandantur nach Großsanktnikolaus gebracht werde. Niemand wusste, was ihm zu Last gelegt wurde.

Nach einer halben Stunde, gegen 11 Uhr, kehrte das gelbe Auto mit den vier Soldaten, aber ohne Pfarrer Kurth zurück. Am Nachmittag machten sich die besorgten Angehörigen des Pfarrers – seine Eltern, sein Bruder und seine Schwäger – auf den Weg nach Großsanktnikolaus, um ihn zu suchen. Sie konnten jedoch nichts in Erfahrung bringen und kehrten heim. Am nächsten Tag, am 11. Oktober, fanden sie seinen Leichnam drei Kilometer vom Dorf entfernt, an der Straße gegen Großsanktnikolaus. An jener Stelle soll, so die Aussage von Pfarrer Johann Wittmann in einem Brief an Bischof Pacha vom 7. Dezember 1944, ein Kreuz gestanden haben.

Die Angehörigen brachten den Leichnam nach Hause und beerdigten ihn am 13. Oktober um 7 Uhr morgens. Zugegen waren nur die Eltern, der Bruder, die Schwestern und Schwäger des Verstorbenen. Kein Priester konnte ihm den letzten Segen geben, selbst Kantor Topcsiov hielt sich fern, da ihm geraten worden war, sich einige Tage nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Später haben die russischen Soldaten berichtet, wie die letzten Augenblicke des Lebens von Pfarrer Kurth verlaufen sind. Er sei zu der bereits genannten Stelle gebracht worden, wo er – ahnend, was ihn erwartete – die Soldaten gebeten habe, sich einige Minuten sammeln und besinnen zu dürfen. Nachdem die Zeit verstrichen war, habe er ihnen gesagt, er sei bereit. Daraufhin wurde er durch einen Kopfschuss hingerichtet.

Welches auch immer die Zeit- und Begleitumstände gewesen sein mögen – Pfarrer Michael Kurth wurde Opfer eines brutalen Mordes, der sich durch nichts rechtfertigen lässt. Auf dem vom Standesamt der Gemeinde Altbeschenowa ausgestellten Todesschein wird als Todesort vermerkt: „Auf der Weide der Gemeinde Altbeschenowa neben der Straße von Altbeschenowa nach Großsanktnikolaus“. Darauf steht auch: „Der Tod wird vom Standesbeamten am 13. Oktober 1944 bestätigt“, und unter „Bemerkungen“ ist zu lesen: „Erklärung abgegeben von Anton Kurth, 77 Jahre, von Beruf Schmied, wohnhaft in der Gemeinde Altbeschenowa Nr. 1070“. Die Sterbematrikel der Pfarrei wie auch die darauf basierende Beerdigungsbescheinigung offenbart weitere schmerzliche Wahrheiten: Pfarrer Kurth konnte nicht von einem Priester, nicht einmal vom Kantor beerdigt, sondern musste von seinen eigenen Eltern beigesetzt werden. Ursprünglich war seine Grabstätte nur durch ein kleines, namenloses Holzkreuz markiert. Obwohl es aus den Quellen nicht ausdrücklich hervorgeht, ist leicht vorstellbar, dass diese Umstände der sowjetischen Besatzung und den Umtrieben der serbischen Partisanen geschuldet waren, die überall Angst und Schrecken verbreiteten.

Auch ein Jahr nach dem Tod von Pfarrer Kurth hatte sich an dieser Situation nichts geändert, wie einem auf den 15. Oktober 1945 datierten Schreiben von Pfarrer Nikolaus Pflanzer (geb. 1908 in Denta, Priesterweihe 1932, seit 15. Juni 1945 Pfarrverweser in Altbeschenowa) an das Bischöfliche Ordinariat zu entnehmen ist. Der Gemeindenotar Petru Richiceanu, der die sterblichen Überreste seines an der Ostfront gefallenen Sohnes in seinem Heimatort Walkan wiederbestatten ließ, wollte den Hinterbliebenen von Pfarrer Kurth durch das Aufstellen eines größeren und schöneren Kreuzes auf dem Grab ihres Sohnes und Bruders Trost spenden. Nach seinem Wunsche sollte die Segnung des Kreuzes im Rahmen einer größeren, öffentlichen Feier zum Gedenken an den ermordeten Priester erfolgen. Pfarrer Pflanzer riet jedoch Richiceanu zur Mäßigung und Diskretion und infolgedessen zur Verschiebung der geplanten Aktion auf „friedlichere Zeiten, in denen es die Umstände zulassen“. So ließ der Gemeindenotar provisorisch ein einfacheres Holzkreuz in Gegenwart der Angehörigen von Pfarrer Kurth aufstellen.

Der gewaltsame Tod von Pfarrer Michael Kurth bleibt ein trauriges Ereignis im Leben der bulgarischen
katholischen Gemeinde in Altbeschenowa. Als traurig kann dieser Moment auch vom menschlichen, christlichen Standpunkt her eingestuft werden. Aber, ebenfalls aus christlicher Perspektive, bleibt das Beispiel von Pfarrer Kurth ein leuchtendes, würdiges und sogar heldenhaftes, denn dieser Priester hat sein Leben für den Glauben, für seine Gläubigen und Menschenwürde hingegeben. Es sind dies Werte, die über jedweder Ideologie oder Philosophie stehen.

Anmerkung: Dieser Beitrag ist erstmalig in rumänischer Fassung in der Zeitschrift für Kultur und Zivilisation der bulgarischen Minderheit in Rumänien „Literaturna miselj“ (Literarische Gedanken), Heft 3-4/2013 erschienen. Die Übersetzung ins Deutsche stammt von Walter Tonţa.