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Banater Post

Ein Hatzfelder Athlet im Schottenrock gekürt

Christian Estermann freut sich über seine Medaillen. Foto: privat

Zwei Tage lang befand sich das Waldheim Lindental in Stuttgart-Weilimdorf im Ausnahmezustand, als am 8. und 9. September 2018 rund 100 Athletinnen und Athleten aus vier Kontinenten und 13 Ländern angereist waren, um an den „Highland Games“-Weltmeisterschaften teilzunehmen und sich im Kilt, dem traditionellen Schottenrock, in 16 verschiedenen Altersklassen in den Disziplinen des schottischen Fünfkampfs miteinander zu messen.

Ihre Ursprünge haben die „Highland Games“ im 11. Jahrhundert in Schottland. Sie waren ein Bestandteil der Treffen der schottischen Clans, den sogenannten Gatherings. Bei den Wettkämpfen wurden die stärksten und schnellsten Männer ermittelt, die dann oft für die Könige Schottlands als Leibwächter oder Boten tätig waren. Um ihre Bindung zur alten Heimat und deren Traditionen aufrechtzuerhalten, haben weltweit ausgewanderte Schotten die zu ihrem Volkssport gewordenen „Highland Games“ auch in ihrer neuen Wahlheimat fortgeführt. Beispielsweise fanden die ersten traditionellen schottischen Wettkämpfe in New York bereits 1836 statt. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Highland Games ihren Siegeszug rund um den Globus angetreten, und werden mittlerweile von den Vereinigten Staaten bis Neuseeland, von Island bis Japan ausgetragen.

In Baden-Württemberg gibt es vier Vereine mit „Highland Games“-Abteilungen, die dem Württembergischen Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband (WRTV) angehören. Der WRTV und der ASV Ludwigsburg-Oßweil, der als Rasenkraftsport-Traditionsverein schon seit 2005 eine „Highland Games“-Abteilung hat, richteten gemeinsam die Weltmeisterschaften 2018 in Stuttgart aus, die zum ersten Mal auf deutschem Boden und überhaupt auf europäischem Festland ausgetragen wurden.

Bei den jährlich stattfindenden Masters World Championships der Highland Games handelt es sich um eine Amateur-Weltmeisterschaft der Masters. Das sind die erfahrenen Sportlerinnen und Sportler über vierzig Jahre, die in den Disziplinen des schottischen Fünfkampfs ihre Kraft und ihr Geschick unter Beweis stellen müssen.

Steinstoßen, Hammerwerfen und Gewichtweitwurf werden jeweils mit leichten und schweren Geräten vollzogen. Beim Steinstoßen (Putting the Stone) geht es wie beim Kugelstoßen darum, einen Naturstein so weit wie möglich zu schleudern. Der schottische Hammer (The Scottish Hammer) wird, anders als beim olympischen Hammer, immer aus dem Stand geworfen. Er besteht aus einer Metallkugel, die an einem Stiel befestigt ist. Der Gewichtsweitwurf (Weight for Distance) wird mit einer Kugel, welche an einer Eisenkette hängt, vollzogen, wobei verschiedene Techniken möglich sind. Eine der spektakulärsten Disziplinen ist der Gewichtshochwurf. Beim Weight for High muss ein Gewicht aus dem Stand mit nur einer Hand über eine Stange geworfen werden. Die Königsdisziplin der Highland Games ist das Baumstammwerfen. Beim Tossing the Caber geht es darum, den Baumstamm durch Hochreißen der Arme so zu „werfen“, dass er sich überschlägt und mit dem Athleten in einer Linie, 12 Uhr, liegen bleibt.

Sämtliche Disziplinen erfordern von den Sportlerinnen und Sportlern, neben einem großen Kraftaufwand und viel Geschick, auch immer volle Konzentration. Bis zu ihrer Teilnahme an Weltmeisterschaften müssen sich die Highland-Athleten jahrelang darauf vorbereiten. Nur wenigen gelingt es, sich gleich bei der ersten Teilnahme an den „Masters World Championships“ bis an die Spitze vorzukämpfen.

Dies geschafft hat der aus Hatzfeld stammende Ausnahmeathlet Christian Estermann, besser bekannt als Sorin Ciubuc (den Namen Estermann hat er nach der Eheschließung mit Maria Estermann angenommen). In der Alterskategorie 65-74 Jahre sicherte er sich mit einer Bronzemedaille einen Platz auf dem Siegerpodest. Die beiden vorderen Plätze belegten zwei weitaus erfahrenere Mitstreiter aus den USA. Über seine Platzierung unter den Weltbesten freute sich nicht nur Christian Estermann, sondern mit ihm auch seine Freunde vom Athletik- Sportverein Ludwigsburg-Oßweil, Mitorganisator der Weltmeisterschaften in Stuttgart.

Bereits im Jugendalter war der damalige Schüler Sorin Ciubuc vom Athletik-Sport begeistert. Für die Förderung seiner sportlichen Begabung findet er heute nur Lobesworte für seine ehemaligen Lehrer und Trainer Josef Koch und Hans Mitschang, die ihn auf die Teilnahme an Schülerwettbewerben vorbereitet und begleitet haben. Der Sport hat Christian Estermann sein Leben lang begleitet. „Früher habe ich diverse andere Sportarten getätigt: Tennis, Judo, Surfen, Drachenfliegen. Jetzt bin ich bei den Highlandern gelandet“ – so stellte er sich im Programmheft der Weltmeisterschaften vor. Und fügte hinzu: „Dies ist mein erster internationaler Wettkampf.“ Umso erfreulicher, dass es ein äußerst erfolgreicher Wettkampf wurde.

Auch heute gibt es für den 67-jährigen Rentner kaum einen Tag, an dem er sich nicht sportlich betätigt. „Ob bei Waldläufen, beim Gewichtstemmen oder beim Training im Fitnessclub, ich will meine sportlichen Fähigkeiten so lang wie möglich beibehalten“, sagt Christian Estermann. Schließlich will er in diesem Jahr, wenn die „Masters World Championships“ in Irland stattfinden, auch wieder einen Spitzenplatz belegen.