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Banater Post

Das Licht in die Finsternis hineintragen

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Amt!

In Christus geliebte Brüder und Schwestern!

In den meisten Häusern wird in dieser Zeit der Weihnachtsbaum geschmückt und wir alle kommen zusammen, rings um diesen grünen Baum, singen und beten dabei. Wir freuen uns, da diese Weihnachtstanne das Leben selbst symbolisiert, das wahre Licht, das unter uns gekommen ist. An Weihnachten wird unser Herz mit Freude erfüllt. Diese Freude kann unterschiedliche Gründe haben, aber als Christen ist unsere Freude geprägt von der Geburt Christi mitten unter uns. Sicherlich möchten wir diese Freude so lange wie möglich im Herzen behalten, nicht nur bis der Tannenbaum seine Nadeln abschüttelt oder bis er ganz abtrocknet. Aber gerade deswegen ist Er unter uns gekommen.

Der Heilige Evangelist Johannes – dessen Symbol der Adler ist, der in die Höhen fliegt – beginnt, wenn er uns die Geburt unseres Herrn und Heilands verkündet, das Ereignis zu beschreiben, indem er über das Wort Gottes spricht: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (....) In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. (Johannes 1, 1-4). Denken wir über diese Worte nach: In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Es geht nicht nur um einen hellglänzenden, wunderbaren Stern, der in Betlehem erschienen und nach kurzer Zeit verschwunden ist, sondern darum, dass das Wort Gottes das Leben war; in diesem Wort, das Gott auf die Erde gesandt hat, ist das Leben und dieses Leben ist das wahre Licht der Menschen.

Wann leuchtet dieses Licht für mich? Für mich persönlich leuchtet dieses Licht, wenn ich dieses Leben auch wahrhaftig lebe. Aber das Wort Gottes leuchtet auch wenn ich nicht dieses Leben Jesu lebe, aber dann leuchtet es für andere. Ich bleibe im Finstern, in mir wird dieses Licht nicht geboren. Denken wir, wie es mit dem Fahrrad ist: Solange ich in die Pedale trete, wird durch den Dynamo Licht geschaffen. Wenn ich stehen bleibe, dann bin ich im Dunkeln stehen geblieben. So ist es auch mit unserem christlichen Leben. Dieses Licht – ja die christliche Freude im Allgemeinen – ist nicht wie der Weihnachtsschmuck, von außen an den Tannenbaum gehängt, sondern dieses Licht und diese Freude kommen aus dem Inneren, aus der Tiefe unserer Seele. Dadurch, dass ich dieses Leben lebe, wird auch meine Existenz mit Licht erfüllt.

Wie schön kann doch das Leben jener Menschen sein, die sich nach dem Wort Gottes ausrichten! So wie das Leben einer jungen Frau, die mir im November begegnete und mir erzählte: Im Januar war ich bei Ihnen zur Beichte und Sie gaben mir den Rat, in der Heiligen Schrift zu lesen. Seitdem lese ich täglich aus der Bibel und mein Leben hat sich verändert. Sie strahlte vor Freude. Irgendwie hat die Liebe Gottes sie berührt und dieses Leben Jesu ist in ihr eigenes Leben eingetreten. So ergeht es uns, wenn das Licht aus dem Inneren kommt und nicht von äußeren Genugtuungen abhängig ist, davon, ob der Weihnachtsbaum groß genug ist, der Baumschmuck reich und schön ist oder ob alle beschenkt wurden. Unsere Freude wird nicht von unserem Erfolg bedingt sein, sondern das Leben, das Jesus Christus auf die Erde gebracht hat, wird auch in unser Leben eintreten. Und das wird uns mit Freude erfüllen. Wenn ich dieses Leben zu leben beginne, dann kann ich mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft sehen. Die Quelle meiner Hoffnung ist nämlich die Anwesenheit Gottes. Dann denke ich nicht mehr, dass es mir im Leben irgendwann mal gut gehen wird, sondern dass mein Leben bereits jetzt gut und schön ist. Weshalb? Weil Gott mit mir ist, weil ich sein Leben leben darf, weil sein Leben mein Leben erfüllt hat. Das macht das Gute und Schöne in meinem Leben aus.

„Und das Licht leuchtet in der Finsternis“ – sagt uns der Heilige Evangelist Johannes. Wir spüren die Finsternis um uns und wissen, wie bedrohend sie sein kann. Oft bereitet sie uns auch Sorgen. Deswegen ist es für einen jeden von uns sehr wichtig, uns unserer Mission bewusst zu werden: Der liebe Gott hat mir dieses Leben geschenkt, um zu leuchten, damit ich Licht werde und auch andere zu diesem Licht hinführe. Die Verinnerlichung dieser Berufung wird uns einen ganz tiefen Grund zur Freude schenken.

Meine Freude hat aber auch ein Geheimnis: die Begegnung. Diese Begegnung kann nicht vorprogrammiert werden, kann nicht erzwungen werden. Die Begegnung findet einfach statt. Das Geheimnis meines Glücks ist meine persönliche Begegnung mit Gott, daraus lebe ich. Weihnachten ist kein Höhepunkt, sondern ein lichtreicher Anfang. Jesus ist in unsere Mitte gekommen, um von nun an für immer unter uns zu bleiben. Deswegen bedeutet Weihnachten nicht, dass ich nun eine ganze Menge guter Taten vollbringe und dann damit aufhören kann, sobald das Fest vorbei ist. Ganz im Gegenteil: zu Weihnachten kann sich unser Leben so verändern, dass wir gar nicht mehr in unser vorheriges Leben zurück wollen.

Gott ist Fleisch geworden, er ist Mensch geworden. Und er lädt uns ein. Unsere Antwort kann nur die Liebe sein. Wenn wir aber wahrhaftig lieben, dann stürzt eine Mauer ein, rings um unser Herz und wir werden verletzlich; deswegen können wir sehr viel verlieren. Aber wenn wir dies nicht tun, dann bleiben wir weiterhin im Dunkeln, zwar wohl beschützt, aber kalt, müde, betrübt und verdüstert. Wenn wir aber lieben, so befreien wir uns aus diesem Zustand und ernähren jenes Leben, das uns Christus geschenkt hat.

Lasst uns dieses göttliche Leben in unserem Alltag entdecken, so dass wir das Licht in die Finsternis hineintragen. Amen.

Temeswar, Weihnachten 2018

† Josef Csaba Pál, Bischof von Temeswar