Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.

Ein Denkmal als Inbegriff donauschwäbischer Identität (Teil 5)

Bundesversammlung und Einheitsverband

Am 8. und 9. August trat die so-genannte erste gesamtdonauschwäbische Bundesversammlung im Schuhhaussaal zusammen. Es lässt sich heute kaum noch feststellen, wie sich dieses Gremium zusammensetzte und wie dessen Mitglieder bestimmt worden waren, zumal der Beauftragte für die Bundesversammlung, Anton Bertl, am 10. Juli 1958 erklärt hatte, dass die Wahlen in der von der Wahlordnung vorgesehenen Form „aus rein technischen Gründen“ nicht mehr durchgeführt werden könnten, da die Zeitspanne zu kurz geworden sei. Aufgrund dessen fühle sich der Festausschuss an die diesbezüglich getroffenen Vereinbarungen nicht mehr gebunden, so dass der Beauftragte für die Bundesversammlung damit wieder jene Handlungsfreiheit erlange, die ihn dazu anhalten werde, die Gemeinschaft der Donauschwaben in organisatorischer Hinsicht zu verwirklichen.

Die Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft sprach der in Ulm tagenden Bundesversammlung die demokratische Legitimität ab, da die Delegierten willkürlich ausgewählt worden seien. Der in Ulm gegründete Verband der Donauschwaben wies die Vorwürfe der „separatistischen Trianon-Landsmannschaften“ entschieden zurück und stellte die Behauptung auf: „Die 141 Bundesdelegierten der ersten Bundesversammlung, die sich als eine Art verfassunggebende Konstituante in Ulm versammelt haben, waren durchwegs gewählte Beauftragte ihrer Orts- bzw. Kreisgemeinschaften aus dem ganzen Bundesgebiet.“ Hierzu stellte die DAG fest, dass sich die Bundesversammlung aus „nur knapp 90 sogenannten Delegierten“ zusammengesetzt habe, wovon Dreiviertel aus dem Landes-bezirksverband Südwürttemberg-Hohenzollern gekommen seien.

Ungeachtet dessen, dass sich die Vertreter der Landsmannschaften der Banater Schwaben, der Deutschen aus Ungarn und der Deutschen aus Jugoslawien in der Versammlung gegen eine einheitliche Bundeslandsmannschaft ausgesprochen hatten, wurde die Gründung einer solchen unter der Bezeichnung „Verband der Donauschwaben. Vereinigung der Deutschen aus Jugoslawien, Rumänien und Ungarn. Bundesverband“ vollzogen. Aufgrund der verabschiedeten Satzung wurden die Verbandsorgane gewählt: das Präsidium der Bundesversammlung mit Anton Bertl als Präsidenten und der Vorstand mit Dr. Georg Wanger an der Spitze. Der als einer von zwei stellvertretenden Vorsitzenden gewählte Jakob Wolf nahm die Wahl nicht an. Seine Entscheidung erklärte er später folgendermaßen: „Ich war selbst ein Initiator des einheitlichen Bundesverbandes der drei donauschwäbischen Gruppen. Als ich aber sah, dass dieser vorgegebene Zusammenschluss aus drei bestehenden gleich vier Landsmannschaften schaffen werde, hörte das Experiment für mich auf.“

Die drei Bundeslandsmannschaften sowie alle Landesverbände und Landesgruppen der Donauschwaben – mit einer einzigen Ausnahme – distanzierten sich von dieser Gründung, da der Verband der Donauschwaben nicht als echter Zusammenschluss der Donauschwaben angesehen werden könne und seine Gründung nicht zur Einigung der Stammesgruppe beitrage. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben erklärte: „Bei dem Verband der Donauschwaben und bei der donauschwäbischen Bundesversammlung handelt es sich um eine lokale Angelegenheit des Bezirksverbandes der Landsmannschaft der Donauschwaben von Südwürttemberg-Hohenzollern und um eine rein jugoslawiendeutsche Angelegenheit. Von der Gründung des Verbandes wird die Eigenständigkeit der Landsmannschaft der Banater Schwaben nicht berührt und außerdem waren Mitglieder der Landsmannschaft an der Gründung des Verbandes nicht beteiligt.“

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Der Kreisverband Ulm hatte von Anfang an ein ambitioniertes Programm verfolgt, das sich der 1958 gegründete Verband der Donauschwaben mit Sitz in Ulm zu eigen machte. Das Auswandererdenkmal sollte nur der erste Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung dieses so-genannten Ulmer Programms sein. So sollte die Stadt Ulm zum Zentrum des Donauschwabentums und zum Austragungsort der Tage der Donauschwaben werden, darüber hinaus sollte hier auch das Haus der Donauschwaben entstehen. Diese hochgesteckten Ziele ließen sich jedoch nicht verwirklichen. Dem Verband der Donauschwaben gelang es zwar, drei weitere „Tage der Donauschwaben“ in Ulm zu organisieren (1960, 1962 und 1964), doch das geplante Haus der Donauschwaben wurde letzten Endes in Sindelfingen – seit 1964 Patenstadt der Landsmannschaft der Deutschen aus Jugoslawien – errichtet und 1970 eröffnet.

Der Verband der Donauschwaben bestand bis 1966, als es nach jahrelangen Verhandlungen zu einer Einigung mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Jugoslawien kam. Aus dem Zusammenschluss der beiden Verbände ging die Landsmannschaft der Donauschwaben aus Jugoslawien, Bundesverband hervor. Die Einigung war Grundvoraussetzung für die faktische Verwirklichung der bereits 1954 vom Land Baden-Württemberg übernommenen Patenschaft über die Volksgruppe der Donauschwaben.
Obwohl der Verband der Donauschwaben seine Vorhaben bezüglich Ulm nicht verwirklichen konnte,  blieb die Donaustadt dank des Auswandererdenkmals zentraler Erinnerungsort aller Donauschwaben. Mit der Eröffnung des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm im Jahr 2000 gewann diese Stadt für die donauschwäbischen Gruppen noch mehr an Bedeutung.