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Banater Post

Erinnerung stiftet Identität und gibt der Gegenwart Sinn

Dr. Swantje Volkmann, Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, führte in die Ausstellung „Das Banat – eine Reise nach Europa“ ein. Foto: Walter Tonţa

Ausstellung „Das Banat – eine Reise nach Europa“ im Foyer der Ulmer Donauhalle. Den ganzen Tag über verweilten Besucher des Heimattages in der Rotunde des Foyers der Ulmer Donauhalle, um sich die Ausstellung „Das Banat – eine Reise nach Europa“ anzuschauen. Die von Dr. Swantje Volkmann, Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, und Martin Rill konzipierte und aus 24 Displayelementen bestehende Wanderausstellung präsentiert einerseits die Geschichte des Banats vom Altertum bis zur Gegenwart in ihren Grundzügen, andererseits stellt sie wesentliche Aspekte des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens heraus. Die Ausstellung vermittelt ein eindrucksvolles Bild vom reichen Kulturerbe, den Menschen, der abwechslungsreichen Landschaft und den herausragenden architektonischen Zeugnissen dieser Region. Im Zentrum steht das Kulturerbe der Banater Schwaben, aber auch das der anderen hier lebenden Ethnien. Damit erscheint das Banat als ein Europa in Miniatur, in dem das multiethnische Zusammenleben über Jahrhunderte funktionierte. In die Ausstellung führte Dr. Swantje Volkmann ein. Im Folgenden veröffentlichen wir ihre kurze Ansprache im Wortlaut.

Der diesjährige Heimattag der Banater Schwaben steht unter dem Motto „Heimat erfahren und bewahren“. Ein Motto, das der Veranstalter, die Landsmannschaft, mit Bedacht und Überlegung gewählt hat, birgt es doch bereits die Erfahrung in sich, dass ein Teil der Banater Schwaben schon in Deutschland geboren wurde und die Region Banat nicht mehr als Heimat erlebt hat. Dass das Motto aber um die Aufforderung „bewahren“ ergänzt wurde, zeugt vom Anspruch der Gruppe, die Region Banat als Heimat und damit als Baustein der eigenen Identität zu bewahren. Der Historiker Étienne François sagte dazu: „Erinnerung hilft, die Gegenwart wahrzunehmen, gibt ihr Sinn und ordnet sie zwischen Vergangenheit und Zukunft ein; als solche produziert sie Identität. Nur durch sie kann die Wirklichkeit Gestalt annehmen.“ Vor diesem Hintergrund scheint die Präsentation einer Ausstellung zum Banat nicht nur legitim, sondern dringend notwendig.

Mit der Ausstellung versuchen wir, uns einer Region zu nähern, deren herausragendes Kennzeichen ihre Gegensätze sind. Das beginnt bei den geografischen Gegebenheiten, die von felshohen Bergen, über traumhaft schöne Flusslandschaften zu tagweiten Ebenen reichen, die dem Auge wohl tun und die Seele ruhen lassen. Zu diesen Gegensätzen gehören aber auch die diffizilen Abläufe historischer Geschehnisse. Im Banat reichen sie von der kurzen Anwesenheit antiker Zivilisationsprozesse über den Einfall verschiedener Wandervölker bis zur lang anhaltenden Gegenwart der Ungarn im Gebiet. Auch die Tatsache, dass das Banat eine grundsätzlich mehrsprachige Region ist, gehört zu den Banater Besonderheiten. Gesprochen wurde Rumänisch, Ungarisch, Deutsch, Serbisch, Jiddisch.

Die Mehrsprachigkeit der Provinz rührt daher, dass das Banat nach den Türkenkriegen im 18. Jahrhundert vorwiegend, aber nicht ausschließlich, von deutschen Bauern besiedelt wurde. Serbische, ungarische, slowakische, jüdische, tschechische, bulgarische, italienische und spanische Siedler kamen noch dazu, und selbstverständlich war auch die rumänische Sprache immer präsent. Die Siedlungsaktion bedeutete für die Menschen eine Loslösung von ihrer angestammten Tradition und eine sehr starke Konfrontation mit anderen Kulturen, Sprachen, Mentalitäten, was letzten Endes eine Offenheit
gegenüber fremden Erscheinungen, gegenüber fremden, unbekannten Sprachen und Kulturen hervorrief.

Und nicht nur dies. Transkulturelles Lernen gehört zu den ausgeprägten Charakteristika der Bewohner des Banats. Noch immer leben dort zahlreiche Ethnien neben- und miteinander. Die Fähigkeit, die Ausdrucksweise und die Perspektive des Anderen einzunehmen, ist Bewohnern einer vor allem monoethnischen und monokulturellen Heimat fremd. Die Geschichte und Kultur des Banats und der Banater Schwaben führt uns hingegen eine besondere Möglichkeit des Zusammenlebens vor Augen, aber auch die Bereitschaft, nicht nur mit, sondern auch in Differenzen leben zu wollen und zu können.
Trotz räumlicher Entfernung von der Herkunftsregion postulieren die Banater Schwaben, dass sie sich inhaltlich noch immer zu diesem Herkommen bekennen. Dazu zählen ihre Erinnerungen, ihre Überlieferungen. Dazu zählen aber auch Kenntnisse zur Region selbst, die Möglichkeit, Heimat zu erfahren. Die Überlieferungen sind kollektive Erinnerungen und im kulturellen Gedächtnis eingelagert, wo sie identitätsstiftend wirken.

Die besondere „kulturelle Alphabetisierung“ der Banater Schwaben
gehört zu den unersetzlichen Merkmalen eines Europas der Regionen. Kulturelle Identität und Heimatgefühl entstehen nicht im nationalen, sondern im regionalen Raum. Beide sind kein folkloristisches Beiwerk, sondern Kernelemente für das Zusammenleben, für gemeinsames Wirtschaften und soziales Handeln und bilden die Voraussetzung für die Vision von einem geeinten Europa, wie es die Gründungsväter der Europäischen Union einst erträumten.