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Banater Post

Beachtliches und solide gearbeitetes Werk

Hans Repp schließt mit seinem zweibändigen Familienbuch der Banater Gemeinde Ernsthausen eine große Lücke in der Reihe der Familienbücher der ehemals deutschen Gemeinden östlich von Großbetschkerek, heute Zrenjanin, in Serbien.

Ernsthausen (ungarisch Ernesztháza, später Ernőháza; serbisch Banatski Despotovac) war 1822 gegründet und nach dem Grundherrn des Ortes Ernst (Ernő) Kiss de Ellemér und Ittebe benannt worden. Kirchlich war die Gemeinde bis einschließlich 1828 Filiale der Gemeinde Deutsch-Sartscha (Német-Szárcsa). Hier finden sich die ersten kirchlichen Eintragungen der neuen Ansiedler der Gemeinde Ernsthausen. Als erster Eintrag in den Sartschaer Taufbüchern ist Anna Maria Morang dokumentiert, sie wird am 13. Mai 1822 in Sartscha als Tochter des in Charleville geborenen Ludwig Morang und seiner Ehefrau Margaretha, geborene Kaspar, getauft. Als Wohnort ist Ernesztháza genannt. Die Familie ist im Familienbuch auf Seite 674 unter der Nummer 3176 beschrieben. Daran lässt sich exemplarisch aufzeigen, wie aufwändig Hans Repp die Familien von Ernsthausen bearbeitet hat: Geburtsort beider Eltern ist Charleville, bis 1806 sind fünf Eintragungen von Taufen oder Sterbefällen in Charleville, eine Taufe in Kathreinfeld sowie sechs kirchliche Eintragungen aus Kiss Mária, der aufgelassenen Vorgängergemeinde von Ernsthausen, in den Kirchenbüchern von Pardan dokumentiert; ab 1822 folgen dann Eintragungen in Sartscha mit dem Verweis auf den Wohnort Ernesztháza.

Diese ausführliche Darstellung erleichtert dem Nutzer die Forschung auf vielfältige Weise. Einerseits ist sie verantwortlich für den Umfang der Publikation – die beiden Bände umfassen auf 1330 Seiten insgesamt 5157 Familien –, anderseits werden die Quellen akribisch vermerkt und, wenn möglich, sowohl die Taufpaten als auch die Trauzeugen ebenfalls dokumentiert. So lassen sich weitere soziale Zusammenhänge feststellen, die für die familiengeschichtliche Forschung heranzogen werden können.

Hans Repp hat sich zusammen mit seiner Frau Hannelore seit 2010 der Verkartung der Familiendaten von Ernsthausen trotz schwieriger Quellenlage gewidmet. Die Originale der Kirchenbücher waren bis auf ein Taufbuch ab 1880 nicht mehr vorhanden, so dass auf eine Transkription der im Staatsarchiv zu Novi Sad befindlichen Zweitschriften der Kirchenbücher, die ursprünglich von den Pfarreien an die Diözese abzuliefern waren, zurückgegriffen werden musste. Diese Daten wurden der Arbeitsgemeinschaft für Veröffentlichung Banater Familienbücher (AVBF) und Hans Repp in Form einer Excel-Tabelle von einer Forschergruppe um Amy Nichols aus den USA zur Verfügung gestellt. Aber auch sie weisen Lücken auf, die sich auf das Jahr 1831, die Zeitspanne Dezember 1846 bis Januar 1849, das Jahr 1853, den Zeitraum 1867 bis 1879 sowie 1916 bis 1918 beziehen. Infolgedessen musste der Autor familiäre Zusammenhänge aufgrund der Informationen aus den Heirats- und Sterberegistern herstellen, auch Geburtsjahre wurden so zum Teil errechnet. Diese abgeleiteten Daten sind deutlich gekennzeichnet.

Grundsätzlich hat Hans Repp die Schreibweise der Namen verallgemeinert. Dies gilt sowohl für Familiennamen als auch für Vornamen. Beispielsweise wurden die unterschiedlichen Eintragungen Keib, Kajp, Khaib, Keip zur gebräuchlichen Schreibweise Kaip zusammengeführt. Die bei frühen kirchlichen Eintragungen oft latinisierten und in späterer Zeit magyarisierten Vornamen wurden alle in die übliche deutsche Form übertragen.

Für den Anfang des 20. Jahrhunderts sind über 200 Auswanderungen aus Ernsthausen in die USA von Dave Dreyer aus San Mateo, Kalifornien, dokumentiert worden. Dabei handelt es sich zum Teil um ganze Familien, zum Teil um Einzelpersonen. Auch diese Abwanderungen hat Hans Repp eingearbeitet, teilweise sogar mit weiteren Informationen über Verbleib und Nachkommenschaft der Auswanderer in den USA versehen, sofern ihm diese zur Verfügung standen.

Die Einführung ist zweisprachig (deutsch-englisch) gehalten, was den englischsprachigen Nachkommen der Ernsthauser die Nutzung des Buches erleichtert. Das ausführliche Ortsverzeichnis, das für fundierte genealogische Arbeiten unerlässliche Verzeichnis der Ehefrauen, ein ausführliches Verzeichnis Banater Familienbücher und anderer familienkundlicher Quellen sowie die Gesamtliste der 205 Publikationen, die bisher vom Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher (AKdFF) und vom Schwesterverein AVBF herausgegebenen wurden, runden die Publikation ab.

Im Vorsatz des ersten Bandes ist eine Karte eingearbeitet, die eine Lokalisierung des Ortes Ernsthausen ermöglicht. Am Ende dieses Bandes ist ein dem Ernsthauser Heimatbuch entnommener Ortsplan eingesteckt, der die Haushalte mit den Hausbewohnern und den jeweiligen Hausnummern vor 1944 auflistet. Der Reproduktion des Planes kommt besondere Bedeutung zu, da das Heimatbuch Ernsthausen seit Jahren vergriffen ist.

Hans Repp hat sich mit seiner jahrelangen Arbeit in besonderer Weise um Ernsthausen, seine einstigen Bewohner und deren Nachkommen verdient gemacht. In vielen Fällen wird es nun möglich sein, die Ursprungsgemeinden im Banat ausfindig zu machen. Leider hat es Lisa Flassak im Heimatbuch versäumt, die Über- oder Hausnamen der Familien, die oft Rückschlüsse auf Herkunftsorte geben, zu dokumentieren. Repp hat viele dieser Rätsel nun lösen können.

Die AVBF als Herausgeber und Hans Repp als Autor haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass eines Tages weitere Quellen auftauchen könnten. Daher führt Hans Repp die Datei weiter, Ergänzungen wie auch Berichtigungen werden von ihm kontinuierlich eingearbeitet. Seine Kontaktdaten sind im Buch zu finden.

Mit dem Familienbuch Ernsthausen liegt nun ein beachtliches und solide gearbeitetes Werk vor, auf das die Familienforscher lange gewartet haben.    

Hans Repp: Familienbuch der Gemeinde Ernsthausen (Ernöháza/Ernesztháza – Banatski Despotovac) im Banat 1822-1945. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Veröffentlichung Banater Familienbücher (AVBF). 2 Bände. St. Georgen 2018. 1330 Seiten. Preis: 65 Euro, zzgl. Versandkosten. Bezug: AVBF, Josef Michels, Spittelbergstraße 11, 78112 St. Georgen, Tel. 07724/7122, E-Mail JoMichels@gmx.de