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Banater Post

Auch heute noch eine Brücke

Kisten und Koffer: Ein Sinnbild für die Geschichte der Deutschen in Rumänien im 20. Jahrhundert. Fotos: Halrun Reinholz

Der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat Dr. Johann Fernbach erinnerte in seinem Grußwort an die Rolle der Deutschen bei der Gründung des Staates Rumänien 1918.

Die Deutschen in Rumänien – gibt es sie noch? Vor einigen Jahren hat das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien aus Anlass seines 25jährigen Bestehens eine Ausstellung zusammengestellt, die die Geschichte, aber auch die Gegenwart dieser Minderheit zum Thema hat. Eine Minderheit, die, wie wir wissen, aus mehreren recht unterschiedlichen Gruppen in den verschiedenen Regionen Rumäniens besteht. Die Ausstellung entstand auf Initiative des Temeswarer DFDR-Abgeordneten Ovidiu Gant unter dem Eindruck der Außenwahrnehmung dieser „Rumäniendeutschen“:  Investoren und Wirtschaftspartner, die sich nach der Wende im ehemaligen Ostblock umsahen, stießen auf die gut ausgebildeten deutsch sprechenden Kommunikationspartner in Rumänien, die ihnen Türen öffneten und bei der interkulturellen  Kommunikation behilflich waren. Die eben, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Brückenfunktion hatten. Bei der Eröffnung der Ausstellung in Hermannstadt war sowohl der deutsche Außenminister Steinmeier zugegen, als auch Hermannstadts Bürgermeister Klaus Johannis, der ja heute, wie um diese Brückenwirkung der Rumäniendeutschen zu bestätigen, als Siebenbürger Sachse Präsident Rumäniens ist.

Nun hat das Donauschwäbische Zentralmuseum die Ausstellung übernommen. Zwar stehen bei dieser Institution nicht nur die Rumäniendeutschen im Fokus, von denen einige (Banater Schwaben, Sathmarer Schwaben) auch zu den Donauschwaben gehören. Dennoch steht aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums der Entstehung von „Groß-Rumänien“ (wodurch die deutschen Minderheiten in diesem Land überhaupt erst entstanden sind) auch beim DZM in diesem Jahr Rumänien im Fokus der Aufmerksamkeit. Die Ausstellung hat das Museum allerdings nicht einfach nur übernommen: Die Tafeln aus Rumänien wurden, wie es sich für ein Museum gehört, von Museumsmitarbeiterin Leni Perencic mit Objekten aus dem eigenen Fundus ergänzt – Reisegepäck, Trachten. Arbeitsgeräte. So wird der Rundgang zu einer recht lebendigen Reise durch Geschichte und Gegenwart. Denn, wie Leni Perencevic bei der Ausstellungseröffnung erläuterte, es käme bei der Überlieferung auf Geschichten an, aus denen sich dann Geschichte ergibt.

Wobei der Schwerpunkt der Ausstellung auf der Gegenwart liegt. Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Ja, es gibt sie noch, die Deutschen in Rumänien. Trotz Massenexodus bekennen sich noch rund 40.000 Bürger in Rumänien zur deutschen Minderheit, 15.000 davon im Banat. Für diese Menschen gibt es immer noch eine Infrastruktur, wie der rumänische Konsul Dorel Schiopu in Vertretung der Generalkonsulin in München hervorhob: Nach wie vor bestehen muttersprachliche Schulen, Medien und sogar das Deutsche Theater in Temeswar. Die Temeswarer Lenauschule als weiterführende Bildungsanstalt in deutscher Sprache hat derzeit 1500 Schüler – was natürlich weniger der Größe der Minderheit zu verdanken ist, als vielmehr dem Vorteil der Zweisprachigkeit und der Möglichkeit, dadurch Brücke zu sein. Die Saat, die die Deutschen in Rumänien gesetzt haben, geht noch auf und wirkt fort – freilich unter ganz anderen Vorzeichen als in der Zeit vor deren Massenauswanderung.

Vorteile für beide Seiten

Unter diesem Eindruck der Brückenbildung stand auch die Eröffnung der Ausstellung in Ulm. Eine Stadt, die die Patenschaft über die Donauschwaben übernommen hat, von denen viele einst hier in die „Ulmer Schachteln“ gestiegen sind, um entlang der Donau ins entfernte Ungarland zu fahren. Iris Mann, Bürgermeisterin für Bildung, Soziales und Kultur und Vorstandsvorsitzende des Donauschwäbischen Zentralmuseums kennt die Geschichte. In ihrer Eröffnungsansprache lobte sie den guten Kontakt und die Rolle der Deutschen aus Rumänien als Teile der deutschen Gesellschaft. In dieses Horn stieß auch Julian Würtenberger, Ministerialdirektor im Baden-Württembergischen Innenministerium, indem er die Vorteile der Mehrsprachigkeit der Rumäniendeutschen hervorhob. Auch das Land Baden-Württemberg ist über seine Patenschaften Förderer der Gruppe der Donauschwaben und profitiert in dieser Rolle auch von den wirtschaftlichen Kontakten, die sich zwischen Deutschland und Rumänien über die Rumäniendeutschen ergeben. Nach dem rumänischen Konsul ergriff auch der Vorsitzende des Deutschen Forums im Banat Dr. Johann Fernbach das Wort. Er schlug einen kleinen Bogen in die Geschichte und erinnerte an die Rolle der Deutschen bei der Gründung des Staates Rumänien im Jahr 1918 und damit an die Tradition, die das Fortbestehen von Infrastruktur bis heute ermöglicht.

Parallel zur Ausstellung über die Deutschen in Rumänien wurde auch eine Kunstausstellung mit Werken des Sathmarer Schwaben Georg Haller eröffnet. Museumsleiter Christian Glass zeigte sich erfreut, dass eine nicht so prominente Gruppe der Rumäniendeutschen damit ein bisschen in den Vordergrund geholt wurde und die Bilder aus Familienbesitz in seinem Haus gezeigt werden können. Maria Haller war als Leihgeberin anwesend. Für das musikalische Rahmenprogramm der Eröffnung hatten die Veranstalter auch eine Sathmarer Schwäbin engagiert, die Sopranistin Esther Kretzinger, aus Großkarol stammend, aber in Günzburg aufgewachsen. Zusammen mit ihrem Begleiter an der Violine Georges-Emanuel Schneider bot sie ein außergewöhnliches Programm mit Werken von Kurtag bis Robert Stolz. Zur Eröffnung der Ausstellung kamen über 130 Gäste, darunter waren der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben Peter-Dietmar Leber, der Donauschwaben Hans Supritz und der Stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen Alfred Mrass. Vorstandsmitglieder des Kreisverbandes Ulm der Siebenbürger Sachsen waren in Tracht gekommen.

Die Ausstellung wird während des Heimattags der Banater Schwaben an Pfingsten noch im Ulmer Museum zu sehen sein. Voraussichtlich wird es eigens Führungen für die Teilnehmer am Heimattreffen geben. Zusätzlich wird die Künstlerin Sigrid Katharina Eismann kurz vor dem Heimattag ihre Installation „Nach dem Fest das Fest“ im Museum eröffnen, die das Thema der Deutschen in Rumänien passend flankiert.