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Beitrittserklärung

Ich möchte die Zielsetzungen der Landsmannschaft der Banater Schwaben e. V. unterstützen und erklären meinen Beitritt.

Die Beitrittserklärung können Sie online hier ausfüllen!

Banater Trachten prägen das Bild in der Ulmer Innenstadt

Der Auftritt der Banater Trachtengruppen am Samstagvormittag in der Ulmer Fußgängerzone bildet traditionell den Auftakt zum großen Pfingsttreffen der Banater Schwaben. Diesmal kam den Trachtengruppen aus Nürnberg und Reutlingen sowie dem Jugendtrachtenverein „Banater Rosmarein“ aus Temeswar die Aufgabe zu, Trachten und Volkstänze der Banater Schwaben öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

Die Banater Trachtengruppe Nürnberg besteht seit 1980, die Kindertanzgruppe wurde 1993 gegründet. So trat die von Melanie Kling und Johann Burger geleitete Trachtengruppe, deren Tanzleiterin Sandra Hirsch ist,  in altersgemischter Formation an und zeigte damit, dass die Brauchtumspflege ein generationenübergreifendes Anliegen ist. Obwohl erst vor fünf Jahren gegründet, kann die Banater Trachtengruppe Reutlingen unter der Leitung von Christine Neu – für den tänzerischen Part ist Manfred Klotzbier zuständig – auf ein erfolgreiches Wirken verweisen. Der Jugendtrachtenverein „Banater Rosmarein“ aus Temeswar ist Dauergast bei den Banater Heimattagen und stellt jedes Mal sein Können auch in der Ulmer Fußgängerzone unter Beweis. Der 1992  gegründete Verein ist aus dem kulturellen Leben in der alten Heimat nicht mehr wegzudenken und tritt regelmäßig auch im Ausland auf. Die Gruppe wird seit über zwei Jahrzehnten von Edith Singer geleitet.

Das hochsommerliche Wetter sorgte einerseits für eine sehr belebte Fußgängerzone, verlangte aber andererseits den Trachtenträgern viel ab. Nichtsdestotrotz schlugen sie sich wacker und absolvierten ihre Tanzvorführungen ganz professionell, mit einer gehörigen Portion Leidenschaft und auch mit viel Stolz. Die von Blasmusik begleiteten Volkstanzvorführungen am Neuen Brunnen lockten nicht nur überraschend viele Banater Landsleute an, sondern auch zahlreiche Ulmer Bürger. Ob auf Einkaufstour durch die Läden der Innenstadt oder auf dem Wochenmarkt vor dem Ulmer Münster, ob beim Aufsuchen eines Straßencafés oder beim Flanieren durch die Fußgängerzone, hielten zahlreiche Ulmer inne und verfolgten interessiert die Darbietungen der Trachtentanzgruppen und lauschten  den Klängen der Blasmusik. Für ihre schönen Trachten und ihr tänzerisches Können ernteten die Gruppen aus Nürnberg, Reutlingen und Temeswar viel Beifall. Besonders imposant gestaltete sich ihr schwungvoller gemeinsamer Auftritt zum Schluss. Die DBJT-Gemeinschaftstänze „Kathiländler“, „Veilchenblaue Augen“ und „Mein Banater Land“ hinterließen bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck. Deren Begeisterung galt auch der stimmungsvollen Musik, dargeboten von den „Weinbergmusikanten“ unter der Leitung von Johann Wetzler und der kleinen Kapelle der Rosmareiner. Der Auftritt der Trachtengruppen in der Ulmer Fußgängerzone gestaltete sich zu einem glanzvollen Banater Volkstanzfest.

Viele neugierige Blicke zog auch der stattliche Trachtenumzug auf dem Weg zum Rathaus an, wohin Oberbürgermeister Ivo Gönner zum Empfang eingeladen hatte. Das Stadtoberhaupt begrüßte die Abordnung der Banater Schwaben – Mitglieder des Bundesvorstandes, Ehrengäste aus dem Banat und Trachtenpaare – und hieß alle Gäste des Heimattages von nah und fern herzlich willkommen. Dem Empfang wohnten auch die Stadträtinnen Helga Malischewski (Freie Wähler) und Birgit Schäfer-Oelmayer (Bündnis 90/Die Grünen) sowie der stellvertretende BdV-Landesvorsitzende von Baden-Württemberg, Joachim Wendt, bei.

Die seit nunmehr vier Jahrzehnten in Ulm stattfindenden Pfingsttreffen der Banater Schwaben seien ein Ausdruck der Verbundenheit mit der Donaustadt Ulm, in der ihre Geschichte begonnen hat, so Gönner. Mit der seit 1998 bestehenden Patenschaft über die Landsmannschaft der Banater Schwaben zeige die Stadt Ulm ihrerseits ihre tiefe Verbundenheit mit den Banater Schwaben sowie mit der langjährigen Tradition, die die Auswanderer bereits im 18. Jahrhundert begründet haben. Den Heimattagen in Ulm wünschte Gönner ein gutes Gelingen.

In seiner Erwiderung rief Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber den ersten Banater Heimattag in Ulm zu Pfingsten 1974 in Erinnerung. In seinem Grußwort habe der damalige Oberbürgermeister Dr. Hans Lorenser den Wunsch geäußert, die Banater Schwaben mögen doch ihren Heimattag jedes Mal in Ulm abhalten. „Wir haben diesem Wunsch entsprochen, und wenn man die letzten vierzig Jahre Revue passieren lässt, kann man feststellen: Wir sind sehr gut damit gefahren“, sagte Leber. Was alles seither entstanden ist, sei beeindruckend: zwanzig Banater Heimattreffen in Ulm, die Patenschaft der Stadt über die Landsmannschaft der Banater Schwaben, das Donauschwäbische Zentralmuseum sowie das Banater Kultur- und Dokumentationszentrum, dessen Arbeit von der Stadt gefördert wird. Ein Blick in die Zukunft stimme zuversichtlich, so Leber. Die junge Generation betrachte ihre Banater Herkunft als Teil ihrer Identität, sie pflege das heimatliche Brauchtum und übernehme eine aktive Rolle bei der Gestaltung der Heimattage. Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung werde es gewiss noch viele weitere Banater Heimattage in Ulm geben.

Nachdem die Trachtengruppen auch auf dem Rathausplatz einige Tänze vorführten, formierte sich der Festzug erneut und marschierte in Begleitung des Ulmer Oberbürgermeisters der Donau entlang zum Auswandererdenkmal.

Chorkonzert trifft den Geschmack des Publikums

Was macht einen guten Chor aus? Etwas laienhaft und verkürzt ausgedrückt, könnte man sagen: gute, geschulte Stimmen, die unter Anleitung eines fachkundigen Dirigenten zu einem homogenen Chorklang verschmelzen und das Wesen der Musikstücke in einer Weise präsentieren, die das Publikum bewegt und begeistert. Um es vorweg zu nehmen: Die Donauschwäbische Singgruppe Landshut bringt alle Eigenschaften mit sich, die einen guten, ja ausgezeichneten Chor ausmachen. Die Sängerinnen und Sänger und nicht minder ihr beherzter Dirigent Reinhard Scherer sprühen regelrecht vor Begeisterung für die Musik. Davon konnten sich die zahlreichen Besucher überzeugen, die am Vorabend des diesjährigen Heimattages in Ulm dem Konzert der Landshuter Singgruppe im Donauschwäbischen Zentralmuseum beiwohnten. Die Begeisterung der Chorsänger sprang auf das Publikum über, zumal die Singgruppe auch noch mit einem ansprechenden, abwechslungsreichen Repertoire aufwartete, das volkstümliche, klassische und moderne Stücke umfasste.

Mit dem Volkslied „Grüaß enk Gott“ begrüßte der Chor sein Publikum, wonach zwei wunderschöne, einfühlsam und ausdrucksvoll vorgetragene Stücke folgten: das schwäbische Volkslied „Da unten im Tale“ in einer von Johannes Brahms bearbeiteten Version sowie die englische Weise „Lang, lang ist’s her“, deren Melodie und Text von Thomas Haynes Bayly stammen.

Passend zum Motto des großen Pfingsttreffens „Heimat erfahren und bewahren“, legte der Chor im ersten Teil des Programms den Schwerpunkt auf Stücke aus dem reichen Banater Liederschatz – ein wichtiger Teil unseres kulturellen Erbes, den es zu pflegen und zu bewahren gilt. Zur Einstimmung trug Hildegard Grimm das Gedicht „Heimat“ von Wolfgang Federau vor. Mit den Versen des Danziger Dichters kann sich jeder identifizieren, der seine Heimat verloren hat: „So weit kannst du ja gar nicht gehen, / dass du sie einmal ganz vergisst. / Ihr Bild wird dir vor Augen stehen, / wo du auch immer weilst und bist. // So sehr kannst du ihr nicht entgleiten, / dass dieses letzte Band zerreißt. / Weil, wo auch immer du magst schreiten, / ein Pfeil steht, der ... zur Heimat weist.“

Das Instrumentalstück „Das Haus an der Kirche“, aus der Feder des
Reschitzaer Musikpädagogen und Komponisten Rolf Busch (1942-2011) stammend und virtuos von Beatrix Erndt (Klavier), Alexandra Scherer (Geige) und Edwin Schreiber (Klarinette) interpretiert, weist einen Bezug zu den Anfängen des heutigen Chors auf. Dieser entstand nämlich aus einer Gruppe von Wanderfreunden, die bei gemeinsamen Urlauben den Gesang pflegten. Eines der Urlaubsziele war das Bergdorf Gries im österreichischen Ötztal. Dort stehe auch das von Rolf Busch musikalisch verewigte Haus an der Kirche, verriet Moderator Roland Frick. Es könne als Keimzelle des heutigen Chors bezeichnet werden.

Die beiden folgenden Stücke,  „Mein Liebchen“ (Text: Hans Mokka, Melodie: Heinz Wenrich) und „Wenn mei Diandel“ (Volkslied, Satz: Franz Stürmer), beeindruckten – wie übrigens alle an diesem Abend dargebotenen Lieder – durch gesangliche Präzision und ausdrucksstarke Interpretation. Heinz Wenrich (1911-2007) wirkte als Lehrer für Blechblasinstrumente in Temeswar und Reschitza und wurde vor allem mit seiner „Pipatsch-Kapelle“ bekannt. Ebenfalls in Temeswar und Reschitza war Franz Stürmer (1913-1983) als Musiklehrer und verdienter Chorleiter tätig. Mit seinen Chören, die zahlreiche Auszeichnungen erhielten, trug er auch eigene Stücke und Volksliedbearbeitungen vor.

Großen Anklang beim Publikum fanden die beiden aus der Feder von Erich G. Gagesch stammenden Lieder „Dort driwe in dr Kleenheislergass“ und „Schwowetanz“ (Text: Hans Wolfram Hockl). Der heute in Singen lebende, hier und in der Schweiz als Organist und Chorleiter tätige Musiker (Jahrgang 1952) wuchs in Siebenbürgen und im Banat auf und wirkte von 1971 bis 1977 als Kirchenmusiker in Großsanktnikolaus. Vor allem das erste Lied erntete tosenden
Applaus, nicht zuletzt wegen des gefühlvollen Solos von Alexandra und Reinhard Scherer. Die Zuhörer forderten und bekamen eine Zugabe.

Für Abwechslung sorgten dann die beiden „Stickle“ in banatschwäbischer Mundart von Johann Szimits, vorgetragen von Heidi Hillebrand, und die flotte „Nisslalm Polka“, ein Instrumentalstück von Rolf Busch, dargeboten von dem Trio Erndt / Scherer / Schreiber. Mit dem Lied „’s Herz“ von Friedrich Silcher und dem von Emmerich Bartzer arrangierten Volkslied „Zwa Sterndlan“, das mit Instrumentalbegleitung vorgetragen wurde, endete der Banater Programmteil. Friedrich Silcher (1789-1860) war Musikdirektor in Tübingen und gilt als einer der wichtigsten Protagonisten des Chorgesangs. Diesem widmete sich auch der in Lovrin geborene und viele Jahre in Hatzfeld tätige Musikpädagoge, Dirigent und Komponist Emmerich Bartzer (1895-1961).

Im zweiten Teil des Konzertes setzte die Landshuter Singgruppe ihre musikalische Reise mit modernen Liedern fort. Das wunderschöne Lied „Weit, weit weg“ des Österreichers Hubert von Goisern wirkte auf das Publikum ebenso eindrucksvoll wie Tom Astors Hit „Freunde“, der mit Instrumentalbegleitung und Sologesang von Alexandra und Reinhard Scherer zu Gehör gebracht wurde, oder die alpenländische Pop-Ballade „Übern See“ von Lorenz Maierhofer. Große Begeisterung löste der Titel „Dies Lied ist für dich“ aus. Dem Song des erfolgreichen Texter- und Komponistenduos Joachim Horn-Bernges / Oliver Statz verhalf der britische Sänger Roger Whittaker zu hohem Bekanntheitsgrad. Für den Solopart des Chordirigenten gab es lang anhaltenden Beifall und Zugabe-Rufe.

Zum Schluss präsentierte der Chor das Lied „Überall auf der Welt scheint die Sonne“ nach dem berühmten „Gefangenenchor“ aus Giuseppe Verdis „Nabucco“, die Volksweise „Hopsa, Schwabenliesel“ (Satz: Walter Michael Klepper) und das von Johannes Brahms vertonte Volkslied „Erlaube mir, feins Mädchen“. Mit dem Lied „Pfiat enk Gott“ verabschiedete sich die Singgemeinschaft von ihrer dankbaren Hörerschaft. Dem Applaus sowie den Zugaberufen nach zu urteilen, hatte sie deren Geschmack getroffen. Das Konzert des Landshuter Chors war ein Glanzstück unter den Veranstaltungen beim diesjährigen Heimattag der Banater Schwaben.

Stunde der Erinnerung an die Vorfahren

Seit vierzig Jahren gehört die Gedenkfeier am Auswandererdenkmal zum festen Bestandteil des Banater Heimattages. Dieser historischen Stelle am Ulmer Donauufer kommt im Geschichtsbewusstsein der Banater Schwaben eine hohe symbolische Bedeutung zu, zumal hier vor fast 300 Jahren ihre Geschichte ihren Lauf nahm. Und an dieser Stelle gedenken sie ihrer Ahnen, die auf der Suche nach einer neuen Heimat und einer besseren Zukunft von hier aus entlang der Donau ins Banat aufgebrochen sind. Daran sowie an die schwierigen Anfänge und an die großartige Aufbauleistung der Auswanderer im Banat erinnerte auch Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner in einer kurzen Ansprache.

Zu dieser „Stunde der Erinnerung an die Vorfahren“, wie es Gönner formulierte, hatten sich neben den Trachtenpaaren, die sich in einem langen Zug vom Rathaus hierher begeben hatten, und Mitgliedern des Bundesvorstandes zahlreiche Landsleute eingefunden. Den religiösen Teil der von den „Weinbergmusikanten“ musikalisch umrahmten Gedenkfeier gestaltete Walther Sinn, evangelischer Pfarrer in Semlak. Nach einem Gebet und der Lesung aus dem Johannes-Evangelium sprach die versammelte Gemeinde das Glaubensbekenntnis.

Die Gedenkansprache hielt Dennis Schmidt, ein Vertreter der jungen Generation, die bereits in Deutschland geboren wurde und sich zu ihren Banater Wurzeln offen bekennt. Seine frei vorgetragene Rede beeindruckte durch rhetorische Geschliffenheit und Emotionalität, aber auch durch klare Gedankengänge. Die Donau werde noch fließen, „wenn keiner mehr unsere Mundart spricht, wenn keiner mehr ein banatschwäbisches Kirchweihfest feiert und unsere Trachten nur noch im Museum ausgestellt sind. Aber solange wir alle zwei Jahre hierherkommen, um unserer Ahnen zu gedenken und unser Brauchtum zu pflegen, wird das nicht passieren“, sagte der 21-jährige Student. Die Rede wird im Wortlaut in der Ausgabe vom 5. Juli veröffentlicht. Die Feierstunde endete mit einer Kranzniederlegung am Auswandererdenkmal und einer Gedenkminute für alle unsere Toten.

Vom Umgang mit unserem Erbe

Eine selbstbewusste Gemeinschaft, die um ihre Wurzeln weiß, aber fest in der deutschen Gesellschaft verankert ist. Eine Gemeinschaft, die ihre vielfältigen Ausprägungen in Vergangenheit und Gegenwart immer wieder neu entdecken will, aber gleichzeitig weltoffen und neugierig nach vorne schaut. So sehen sich Banater Schwaben gerne und an Pfingsten haben sie in Ulm den Beweis dafür geliefert, dass dies tatsächlich so sein kann. Junge Leute, in Deutschland geboren, stellen in szenischen Darstellungen Ereignisse unserer Geschichte im Banat nach und schreiben diese in gewissem Sinne hier fort. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und langjährige Verhandlungsführer für die Ausreise der Deutschen aus Rumänien, Dr. Heinz Günther Hüsch, tritt in einer emotionsgeladenen Atmosphäre ans Mikrofon und zweitausend Banater Schwaben erheben sich von ihren Sitzen, um ihm zu danken, respektvoll und ehrend. Drei rumänische Bürgermeister reisen aus dem Banat an, um ihre ehemaligen Ortsbewohner zu treffen und zu Besuchen in ihre ehemalige Heimat einzuladen. In der Banater Jugendtrachtengruppe Rosmarein aus Temeswar wirken rumänische Jugendliche, die es als wichtig erachten, Banater schwäbisches Brauchtum zu pflegen und zu vermitteln. Zwei Männer aus unseren Reihen, die sich mit ihren Frauen um kulturelle und soziale Belange der Verbliebenen kümmern, erfahren eine Würdigung. In der Pfingstmesse erinnert ein evangelischer Pastor aus dem Banat an die Nöte und Aufgaben dieser verbliebenen kleinen kirchlichen Minderheit im Banat und die katholischen Priester sprechen ihren Landsleuten weltweit Mut und Gottvertrauen zu. Während in den Messehallen die Blasmusikkapellen alte Dorfherrlichkeit aufleben lassen, versuchen Schriftsteller mit schlichten Worten und Bildern unter anderem die Banater schwäbische Seele auszuloten.

Bereits einen Tag zuvor stellte ein bereits in Deutschland geborener Banater Schwabe am Auswandererdenkmal das Motiv der Freiheit in den Mittelpunkt seiner Ansprache und des Seins unserer Gruppe. Es fand am Sonntag bei der Kundgebung seine Fortsetzung. Landtagspräsident Guido Wolf schaffte es, unserem historischen Werdegang eine aktuelle Konnotation zu verleihen, welche die Jungen aufhorchen und die Älteren zustimmen ließ. Es war nicht umsonst, es wird gebraucht, es soll eingebracht werden: das Erbe, das an diesem Pfingstsonntag, aber auch an so vielen anderen Tagen im Jahr von einer kleinen aber starken Schicht unseres Verbandes offen gelegt wird.

Hochachtung vor den Leistungen der Banater Schwaben

Festkundgebung und Pfingstmesse in der Donauhalle − Höhepunkte des Heimattages 2014. Am Pfingssonntagmorgen strömten tausende Banater Schwaben auf das Ulmer Messegelände. Bei herrlichem Sommerwetter kamen sie aus allen Himmelsrichtungen angereist, viele Kreisverbände hatten Busreisen nach Ulm organisiert. Auch diesmal kamen Besucher aus allen Teilen Deutschlands, aus Österreich, aus dem Banat und sogar aus Übersee. Vor der Halle, wo die Banater Blaskapelle Waldkraiburg unter der Leitung von Stefan Munding ein Platzkonzert gab, wurden die Besucher mit vertrauten heimatlichen Klängen empfangen. Im Foyer der Donauhalle lud die Ausstellung „Das Banat – eine Reise nach Europa“ zu einem Rundgang durch die eigene Geschichte ein und bot Einblicke in eine multiethnische und multikulturelle Region, an deren Gedeihen die Banater Schwaben wesentlichen Anteil hatten. Der Blick der
Besucher richtete sich sodann auf die vielen Bücher- und Informationsstände, die sich im Foyer dicht an dicht aneinanderreihten. Die meisten zog es aber gleich weiter in die Messehallen, an die für die jeweiligen Heimatorte reservierten Tische. Sie hielten Ausschau nach vertrauten Gesichtern und freuten sich über jedes Wieder-sehen mit Landsleuten, Freunden und Bekannten.

Langsam füllte sich auch die Donauhalle, wo die Festkundgebung mit anschließender Pfingstmesse um 10 Uhr begann. Die Bühne, auf der die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen und die Donauschwäbische Singgruppe Landshut Platz genommen hatten, zierte eine Reproduktion des Einwanderungstriptychons von Stefan Jäger und ein Transparent, auf dem das Motto des Heimattages 2014 stand: „Heimat erfahren und bewahren“. Ein Novum: Zum ersten Mal konnte das Geschehen auf der Bühne auch auf einer Großleinwand verfolgt werden.

Zu den Klängen des Prinz-Eugen-Marsches zogen die Fahnenabordnungen der Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften sowie Trachtenträger ein, die vor der Bühne Aufstellung nahmen. Nach dem Absingen der Banater Heimathymne eröffnete Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber die Festkundgebung, zu der er zahlreiche Ehrengäste begrüßte: Vertreter der Landes- und Kommunalpolitik aus Baden-Württemberg, der Botschaft Rumäniens in Berlin und des Rumänischen Generalkonsulats in München, Bürgermeister von Städten und Gemeinden aus dem Banat, Vertreter des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat und der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, des Donauschwäbischen Zentralmuseums Ulm und des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen, des Bundes der Vertriebenen und befreundeter Landsmannschaften. Herzlich willkommen hieß er die katholischen und evangelischen Geistlichen, die Vertreter der Verbände und Organisationen innerhalb der Landsmannschaft der Banater Schwaben sowie die Journalisten und Pressefotografen aus Ulm, Neu-Ulm und aus dem Banat. Bundesvorsitzender Leber dankte allen Mitwirkenden, den Mitarbeitern der Bundesgeschäftsstelle in München sowie den freiwilligen Helfern, die alle in die organisatorische Vorbereitung dieses Heimattages eingebunden und bestrebt waren, den Heimattag 2014 zu einem besonderen Erlebnis werden zu lassen. Gäste und Mitwirkende trügen dazu bei, dass der Heimattag das bleibt, was er immer war: „eine kleine Banater Welt, die wir uns für kurze Zeit schaffen“, so Leber.

Oberbürgermeister Ivo Gönner überbrachte die Willkommensgrüße des Gemeinderates der Stadt Ulm, der Patenstadt der Banater Schwaben, und der Ulmer Bürgerschaft. Das Stadtoberhaupt erinnerte an die vielen traurigen und freudigen Jubiläen des Jahres 2014: 100 Jahre seit Beginn des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre seit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, 65 Jahre Grundgesetz und 25 Jahre Mauerfall. Den Banater Schwaben, die ihren Heimattag nun schon zum 20. Mal hier in Ulm abhalten, dankte er, dass sie Ulm seit vier Jahrzenten die Treue halten, dass sie sich in Deutschland integriert haben und Teil einer aktiven demokratischen Gesellschaft sind. Ihr Engagement könne auch anderen als Vorbild dienen, so Gönner.

Höhepunkt der Kundgebung war die Festansprache des Präsidenten des Landtags von Baden-Württemberg, Guido Wolf. Der CDU-Politiker pflegt seit Jahren einen sehr guten Kontakt zu unseren Landsleuten im Landkreis Tuttlingen, dessen Landrat er von 2003 bis 2011 war, er kennt die
Geschichte und das Schicksal der Banater Schwaben und bringt ihrer Lebensleistung großen Respekt entgegen. Die Wertschätzung für die Leistungen der Banater Schwaben in der angestammten Heimat, für ihr Festhalten an der eigenen Identität und für ihre vorbildliche gesellschaftliche Integration in Deutschland durchzieht wie ein roter Faden die Ansprache von Landtagspräsident Wolf. „All das Schreckliche, das Sie (...) im 20. Jahrhundert erleiden mussten, all das Unrecht, das Ihnen angetan wurde – nichts und niemand konnte Ihnen Ihre Seele als Banater Schwaben rauben. Ihr Festhalten an der eigenen Identität und das Engagement, mit dem Sie Ihren kulturellen Schatz pflegen, waren und sind deswegen eine enorme menschliche und eine enorme politische Leistung. Ich habe großen Respekt vor dieser Lebensleistung und möchte Ihnen heute auch namens der Landespolitik von Herzen dafür danken“, sagte Guido Wolf. Die Leidensgeschichte der Banater Schwaben sei „eine kategorische Aufforderung, konsequent ein Europa zu schaffen, in dem die Völker und Volksgruppen ohne Furcht vor-einander harmonisch leben können und in dem das Recht auf Heimat als Menschenrecht uneingeschränkt akzeptiert ist“.

Rumänien zolle den Banater Schwaben Anerkennung und sei ihnen zu Dankbarkeit verpflichtet, so Dr. Lazăr Comănescu, der Botschafter dieses Landes in der Bundesrepublik Deutschland, in seinem Grußwort, das der Erste Sekretär der Botschaft, unser Temeswarer Landsmann Michael Fernbach überbrachte. Die Banater Schwaben hätten in ihren Siedlungsgebieten eine Kulturlandschaft geschaffen und zum wirtschaftlichen Aufschwung dieser Region beigetragen. Dass das Banat bis heute eine der am besten entwickelten Regionen Rumäniens ist, sei auch ihnen zu verdanken. Die Hochachtung für die Deutschen in der rumänischen Bevölkerung sei sehr groß, und dies stelle eine gute Basis für eine enge Zusammenarbeit auch in der Zukunft dar, betonte der Botschafter. Für das soziale und kulturelle Engagement der Banater Schwaben in der alten Heimat fand der rumänische Diplomat lobende Worte.

Im weiteren Verlauf der Festkundgebung ehrte die Landsmannschaft der Banater Schwaben verdienstvolle Persönlichkeiten in Anerkennung ihres Wirkens zum Wohle unserer Gemeinschaft. Sie verlieh ihre höchste Auszeichnung, die Prinz-Eugen-Nadel, Dr. Heinz Günther Hüsch, langjähriger Verhandlungsführer der Bundesrepublik Deutschland in Sachen Ausreise der Deutschen aus Rumänien. Damit würdigte die Landsmannschaft den unschätzbaren Dienst, den Dr. Hüsch den Banater Schwaben geleistet hat. Durch seinen Einsatz verhalf er 226.000 Deutschen aus Rumänien zur Ausreise und zu einem Leben in Freiheit in einem demokratischen und sozialen Rechtsstaat. Mit der Adam-Müller-Guttenbrunn-Medaille ausgezeichnet wurden Dr. Karl Singer, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, und Helmut Weinschrott, Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung im Banat. Die Ehrung erfolgte in Würdigung ihres unermüdlichen Einsatzes für die deutsche Gemeinschaft im Banat. Über diese Ehrungen wird gesondert berichtet.

Zum Schluss der Festkundgebung, die mit dem Deutschlandlied endete, zeigte Bundesvorsitzender Leber auf, welche Botschaft von diesem Heimattag 2014 ausgehe. Die Banater Schwaben hätten gezeigt, dass sie sich mit ihrer Geschichte versöhnt und den Banater Teil ihrer Geschichte in ihre Biografie eingebaut haben, dass sie hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und gemeinsam mit der heranwachsenden Jugend die Gemeinschaft weiterhin pflegen und diese Treffen auch in Zukunft feiern werden.

Gleich im Anschluss an die Festkundgebung wurde in der Donauhalle die Pfingstmesse gefeiert. Unter Glockengeläute zogen die Priester, Ministranten und Trachtenträger ein. Zelebriert wurde die heilige Messe von Pfarrer Peter Zillich, bischöflicher Beauftragter für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge in der Diözese Regensburg, Msgr. Andreas Straub, emeritierter Visitator der Donauschwaben und Deutschen aus Südosteuropa, und Pfarrer Walther Sinn, evangelischer Priester in Semlak. Den Ministrantendienst versahen Philipp und Benedikt Leber. Die Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen unter der Leitung von Johann Frühwald und die Donauschwäbische Singgruppe Landshut unter der Leitung von Reinhard Scherer begleiteten die Messe musikalisch. Das zu Beginn der Messe von Pfarrer Walther Sinn verlesene Grußwort veröffentlichen wir in Auszügen in der nächsten Ausgabe unserer Zeitung.

Die Treue zu den Kirchen in der alten Heimat ist für unsere Gemeinschaft nach wie vor bestimmend. Um dies unter Beweis zu stellen, traten die Vertreter der einzelnen Heimatortsgemeinschaften mit dem Bild ihrer Heimatkirche vor den Altar. Die Bilder wurden von Msgr. Andreas Straub gesegnet. Dies war nur einer von vielen emotionalen Momenten dieser Pfingstmesse.

Eine echte Herkunftskultur stiftet Zusammenhalt

Festrede von Guido Wolf, Präsident des Landtags von Baden-Württemberg

Sehr geehrter, lieber Herr Bundesvorsitzender Leber, lieber Herr Oberbürgermeister Gönner, liebe Frau Kollegin im Landtag Dr. Monika Stolz, Herr Ministerialdirigent Hellstern, liebe Festgäste, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Herzlichen Dank für beides: für die freundliche Einladung, die ich trotz der Kurzfristigkeit sehr gerne angenommen habe, und natürlich für die netten Worte zur Begrüßung.

Was für ein schöner Sonntag! Nicht bloß wegen des perfekten Sommerwetters. Frohe Pfingsten – auch gesellschaftlich und politisch! Bei Ihnen Gast zu sein – das allein ist schon ein berührendes Erlebnis. Ihr Selbstverständnis, Ihr Gerechtigkeitssinn, Ihre Vitalität, Ihre Unbeirrbarkeit, Ihre Tänze, Lieder und Fahnen, Ihre gelebte Liebe zum eigenen Herkommen und Ihr Zusammenhalt – sie begeistern.

Aber es gibt eine Steigerung. Und das ist hier oben zu stehen. Das bunte Bild, vor allem die Trachten in dieser Menge und Unterschiedlichkeit: ein wunderschöner Anblick. Er bewegt mich. Ich sage es deshalb bewusst als Imperativ: Das muss man als Politiker gesehen und erlebt haben, beziehungsweise andersherum: Politiker, die nicht zu Ihnen finden, haben ein politisches Navigationsgerät, das fehlerhaft funktioniert und vielleicht auch sonst in Sackgassen lotst.

Umso klarer unterstreiche ich: Wer eine echte Tracht anzieht, der verkleidet sich nicht, der will kein anderer sein. Er legt vielmehr ein sichtbares Bekenntnis ab, ein Bekenntnis zu sich und zu dem, was ihm wichtig und was ihm heilig ist. Mit einem Satz: Er legt seine Seele offen. Das ist so bei einer authentischen Tracht aus dem Hotzenwald in Baden-Württemberg, aus dem Isarwinkel in Bayern oder aus dem Altenburger Land in Thüringen. Ihre Trachten, meine Damen und Herren, die Sie bei all Ihren Begegnungen und Treffen immer wieder vorführen und zeigen, manifestieren freilich darüber hinaus eine ganz besondere Botschaft. Und die lautet: All das Schreckliche, das Sie, Ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern im 20. Jahrhundert erleiden mussten, all das Unrecht, das Ihnen angetan wurde – nichts und niemand konnte Ihnen Ihre Seele als Banater Schwaben rauben. Nicht Stalin, nicht Ceaușescu, nicht Tito. Nicht Vertreibung und Verschleppung, nicht Deportation zur Zwangsarbeit nach Russland, nicht Diskriminierung, Enteignung und staatliche Stigmatisierung in der angestammten Heimat bis 1989.

Das erhellt: Die Katastrophe für unseren Kontinent, die mit dem Kriegsausbruch im Sommer vor 100 Jahren begann, endete für Sie, meine Damen und Herren, erst 76 Jahre später. Ihr Festhalten an der eigenen Identität und das Engagement, mit dem Sie Ihren kulturellen Schatz pflegen, waren und sind deswegen eine enorme menschliche und eine enorme politische Leistung. Ich habe großen Respekt vor dieser Lebensleistung und möchte Ihnen heute auch namens der Landespolitik von Herzen dafür danken.

Dabei ist mir bewusst: Dass die Tragödie der Banater Schwaben vor einem Vierteljahrhundert endete, gilt natürlich nur äußerlich. Denn so sehr Sie sich, meine Damen und Herren, Mal um Mal auf diesen Heimattag als großes Familienfest freuen, so sehr ist er für Sie auch eine mentale Anstrengung. Weil das Erlittene automatisch wieder vor Augen tritt und Sie von neuem aufwühlt. Leid und Unrecht kann man nicht ungeschehen machen. Ein schlicht anmutender Satz. Sie, meine Damen und Herren, wissen, was er tatsächlich bedeutet.

Damit nicht genug: Je älter Sie werden, desto häufiger und desto intensiver kommt in Ihnen wieder und wieder hoch, was Sie durchmachen mussten. Das ist kein Revanchismus, das ist Realität! Sie reiten nicht auf Schlachtrössern der Donau entlang in Richtung Südosten. Jeder sollte Ihren Erzählungen genau zuhören, aus Respekt vor Ihrem Schicksal, aber auch um seiner selbst willen, um unseres Landes willen und um Europa willen. Denn die Leidensgeschichte der Banater Schwaben ist eine kategorische Aufforderung, konsequent ein Europa zu schaffen, in dem die Völker und Volksgruppen ohne Furcht voreinander harmonisch leben können und in dem das Recht auf Heimat als Menschenrecht uneingeschränkt akzeptiert ist. Wer Sie, meine Damen und Herren, und die individuellen Lebenswege Ihrer Familien sieht und richtig bewertet, der begreift, wie Europa aussehen muss!

Allgemeiner formuliert: „Der weiß nicht mehr, wo er herkommt“ – das war früher eine Abqualifizierung. Dann wurde dieser Spruch für viele Pseudo-Weltbürger eine positive Eigenschaft. Inzwischen gewinnt, gottlob, die Einsicht wieder an Boden, dass es eine Selbstamputation, eine Selbstverstümmelung ist, wenn man sich von seinen kulturellen Wurzeln löst oder wenn man gar seine landsmannschaftliche Herkunft verleugnet. Geschichtslosigkeit ist eine Form von Gesichtslosigkeit. Umso mehr als die Globalisierung unweigerlich Vereinheitlichung mit sich bringt. Flughäfen, Bahnhöfe, Hotelhallen, Einkaufszentren – sie erscheinen weltweit gleich. Unser Alltag internationalisiert sich. Soziologen sprechen von „McDonaldisierung“. Aber unsere menschlichen Seelen sind keine „Hamburger“ und dürfen auch nicht dazu gemacht werden!

Dafür gibt es inzwischen einen sehr schönen, eingängigen Begriff: „Herkunftskultur“. Ja, wir brauchen eine Herkunftskultur: ein kollektives, unzweideutiges Wertschätzen dessen, was uns ausmacht. Nur wer sich  selbst achtet, wird geachtet! Das gilt für Nationen genauso wie für Regionen und Städte, für Gruppen ebenso wie für einzelne Menschen. Eine echte Herkunftskultur stiftet Zusammenhalt, aber sie grenzt andere nicht aus. Oder inspiriert durch das tolle Bild, das sich mir von hier oben bietet: Eine Tracht zu tragen, ist eben immer auch eine Einladung zur Kommunikation, zur Kommunikation zwischen zivilisierten Menschen.

Sie, meine Damen und Herren, als Banater Schwaben sind idealtypische Gestalter einer konstruktiv verstandenen und vor allem konstruktiv praktizierten Herkunftskultur. Denn Sie vereinen das Wesentliche: die freiwillige Selbstbindung an Werte und den festen, redlichen Willen, aus der eigenen Kultur heraus einen spezifischen Beitrag zur gedeihlichen Entwicklung des Großen und Ganzen zu leisten.

Sie sind glücklich, Banater Schwaben zu sein. Und Sie wollen das kulturelle Erbe Ihrer Heimat erhalten und weitergeben, weil sich für Sie damit Tugenden wie Tatkraft, Gewissenhaftigkeit, Leistungsbereitschaft, Idealismus und Religiosität verbinden. Sie zeigen auf diese Weise exemplarisch: Kultur bedeutet seinem
lateinischen Wortstamm nach in gleicher Weise „bewohnen“, „bebauen“, „pflegen“ und „ehren“. Kultur ist also weit mehr als Kunst. Kultur meint im Kern die Art, wie wir unser Dasein gestalten, welche Prinzipien uns leiten, welche Ziele wir verfolgen, was für uns nicht „verhandelbar“ ist. Und solche Menschen braucht Baden-Württemberg, braucht Deutschland und braucht Europa!

Es beinhaltet für Sie, meine Damen und Herren, natürlich allenfalls nur eine minimale Genugtuung – aber was Ihnen angetan wurde, hat Ungarn,
Jugoslawien und Rumänien nicht genutzt. Im Gegenteil. Die Kommunisten dort haben sich selbst und ihren Ländern massiv geschadet, ökonomisch und kulturell. Die „Vertreiber“ waren nach der Vertreibung nicht reicher, sie waren erheblich ärmer. Umso mehr sollte es uns alle ermutigen, dass die jüngere Generation speziell der Rumänen begreift, was die deutschen Volksgruppen geleistet und dort in zwei Jahrhunderten erschaffen haben. Temeswar ist bekanntlich heute ausgesprochen stolz darauf, dass es als erste europäische Stadt seine Straßen elektrisch beleuchtet hat. Ein Banater Glanzlicht, ein Banater „Highlight – sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinn.

Nicht allein wir Deutsche sind einem grauenvollen Nationalismus erlegen. Auch andere müssen eingestehen, dass Schlimmstes möglich wird, wenn Hass und Willkür regieren. Ja, Hitler hatte die Menschenrechte barbarisch außer Kraft gesetzt. Trotzdem gilt auch für die Vertreibung der Deutschen: Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen, selbst wenn ihm ein anderes vorausging. Doch damit es keine Missverständnisse gibt: Erinnern darf nicht zu einem absurden Aufrechnen degenerieren! Gräuel gegen Gräuel, Entwürdigung gegen Entwürdigung zu stellen – das ist schlicht inhuman! Menschliches Leid kann nicht saldiert werden. Es kommt auf etwas völlig anderes an. Ich sage es in den Worten, mit denen der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel einst seine Grundsatzrede zur Aussöhnung Tschechiens mit Deutschland geschlossen hat. Sie lauten: „Ich glaube an die Macht der Wahrheit und des guten Willens als Hauptquellen unseres gegenseitigen Verständnisses.“

Ja, meine Damen und Herren, die Macht der Wahrheit und des guten Willens sind die Motoren für eine dauerhaft friedliche und gedeihliche Zukunft Europas. Und wir können Gott sei Dank feststellen: Im alten Banat wächst beides: die Wahrheit und der gute Wille, insbesondere von rumänischer Seite. Das ist eine riesige Chance für ganz Europa. Und wir sind dabei, diese Chance zu nutzen. Politisch prägend und in der Sache nachhaltig durch die EU-Donauraumstrategie, die von Baden-Württemberg federführend initiiert worden ist. Die Donau – der europäischste aller Ströme – soll wieder zu einem Entwicklungsstrang werden, der unseren Kontinent im Praktischen miteinander
voranbringt und das leider vorhan-dene ökonomische und soziale Gefälle abbaut. Die Donau wie ehedem zur Zeit der „Ulmer Schachteln“, so jetzt im 21. Jahrhundert eine „Achse des Guten“. Diese Idee treibt uns an.

EU-Donauraumstrategie heißt: Baden-Württemberg, Bayern und 36 weitere Regionen aus insgesamt acht EU-Staaten und sechs anderen Donau-Anrainern arbeiten zusammen. Es geht um Wirtschaft und Verkehr, Ökologie und Hochwasserschutz, Bildung, Wissenschaft und natürlich Kultur. Besonders die Sprachbarriere zwischen Ungarn und Deutschen täuscht: Die Donau war und ist ein großer Kulturraum mit 115 Millionen Menschen. Und zu dem gehören wir quasi mindestens dreifach: durch den Flusslauf, durch Ulm als „heimlicher Hauptstadt“ des Banats und durch Sie, meine Damen und Herren, weil Sie auch im Alltag, also wenn Sie keine Tracht anhaben, bekennende Banater Schwaben sind.

Ja, unsere EU-Donauraumstrategie hat weit zurückreichende, aber ganz solide Grundpfeiler: das Vorbild und die Pionierleistungen Ihrer Ahnen, meine Damen und Herren, im 18. Jahrhundert. Und ebenso die Verbundenheit, die Sie – trotz allem oder gerade wegen allem – in den letzten Jahrzehnten zu Ihrer angestammten Heimat bewahrt haben.

Sie, meine Damen und Herren, hat schon vor 1990 der allgegenwärtige Niedergang im Banat geschmerzt, angefangen vom Verfall der Kirchen, Bürgerhäuser und Höfe bis zum Ausmerzen der Sprache. Das hat Sie nicht ruhen lassen. Sie wussten, dass Sie auf der richtigen Seite der Geschichte standen. Sie glaubten deshalb auch an die Wiedervereinigung, und Sie glaubten unverdrossen an ein Europa ohne „Eisernen Vorhang“. An Ihnen kann man deshalb mustergültig sehen: Wer seine Heimat wirklich liebt, ist an deren Zukunft interessiert. Und für Sie hieß die Zukunft des Banats immer Europa. Ihre Hoffnung und Ihr kluges Kalkül war, dass die Freiheit irgendwann – in der modernen Internetsprache ausgedrückt – ein „Banat 2.0“ schafft. Und Sie dürfen sich bestätigt fühlen!

Wohlgemerkt: Diese europäische Perspektive war nichts Opportunistisches, sie gehört originär zu Ihrer Identität als Banater Schwaben, meine Damen und Herren. Zugleich sind Sie stets auch Patrioten in allerbestem Sinn gewesen. Heimatliebe, europäischer Geist und Patriotismus – Sie haben bewiesen, dass diese drei Haltungen schlüssig zusammengehen, ja, dass sie sich bedingen. Ob durch die Vertreibungswellen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ob durch den Freikauf aus den Fängen des Ceaușescu-Regimes: Sie, meine Damen und Herren und Ihre Familien, kamen als Deutsche zu Deutschen. Sie brachten die gemeinsame Sprache und gemeinsame Wertvorstellungen mit. Deshalb darf man Ihre Ankunft, Ihr Einleben, Ihr Aufbau einer Existenz, Ihren maßgeblichen Beitrag zum sogenannten Wirtschaftswunder nicht vergleichen mit dem, was wir heute unter dem Begriff „Integration“ diskutieren. Oft auch angesichts prekärer Phänomene leider diskutieren müssen.

Für Sie war es nie ein „Thema“, es war für Sie normal: Wer Mitbürger sein will, der muss Verantwortung übernehmen! Zunächst Verantwortung für sich selbst, für das eigene Dasein und Auskommen, dann Verantwortung für die Familie, Verwandten und Freunde und darüber hinaus Verantwortung in der Gemeinschaft: von der Nachbarschaft über die Kommune, das Land und die Nation bis eben hin zum Miteinander in Europa. Von Ihnen, meine Damen und Herren, können viele lernen, wie man Zusammenhalt schafft und trotzdem ein Gemeinwesen insgesamt positiv mitgestaltet. Ihre Landsmannschaft – wie auch die anderen Landsmannschaften – sind Urformen einer aktiven Bürgergesellschaft.

Auch für dieses Charakteristikum, das Sie, meine Damen und Herren, unüberbietbar auszeichnet, existiert ein wissenschaftlicher Begriff: „Staatsfreundschaft“. Mit „Staatsfreundschaft“ beschreibt man eine dem Gemeinwesen und dem Allgemeinwohl zugewandte Haltung der Rechtschaffenheit und des Optimismus. Diesen positiven Patriotismus kann man
natürlich nicht verordnen. Jeder Einzelne muss dazu die Einsicht, den Mut und die Kraft haben. Lediglich dann gelingt im Übrigen, ihn an junge Menschen weiterzugeben. Niemand weiß und praktiziert das besser als Sie, meine Damen und Herren!

Deshalb werden Sie verstehen, dass ich betone: Eine emotionale innere Bindung an das Gemeinwesen ist gerade in einer demokratischen Gesellschaft nicht bloß wünschenswert. Nein, sie ist in einer freiheitlichen Ordnung unabdingbar notwendig. Sonst gibt es weder einen reißfesten Zusammenhalt bei kollektiven Bewährungsproben, wie zum Beispiel nach Naturkatastrophen, noch den gemeinsamen Willen, miteinander an einer gedeihlichen Zukunft für alle zu arbeiten.

Darin liegt der entscheidende Unterschied einerseits zwischen „Multi-Kulti“ und andererseits jener Vielfalt, zu der Sie, meine Damen und Herren, so viel Substanzielles beitragen – und durch die Sie Deutschland stärken und bereichern. „Multikulturalität“ mag eine zutreffende Schilderung des Zustands, besonders in manchen Großstadtquartieren sein. Aber auch in der „Multikulturalität“ braucht es einen Grundkonsens, einen Mindestbestand an unbestrittenen Orientierungen.

Unser Grundgesetz, das vor zwei Wochen 65 Jahre alt geworden ist, ermöglicht diese „Vielfalt mit Grundkonsens“, aber unser Grundgesetz erwartet sie auch. Oder angelehnt an das Johannes-Evangelium gesprochen: An ihrem Willen zur gemeinsamen Zukunft sollt ihr sie erkennen! Die „Gretchenfrage“, die darin steckt, haben Sie als Banater Schwaben immer bewundernswert eindeutig beantwortet, verbal und vor allem durch Ihr Handeln. Daraus wiederum folgt: Wer zu Ihnen kommt und wer vorbehaltlos zu Ihnen steht, der verortet sich – menschlich und politisch – richtig!

Durch Ihre Geradlinigkeit, meine Damen und Herrren, und Ihr kulturelles Engagement leisten Sie unserem Land und unserem Kontinent einen unschätzbar kostbaren, weil auch wegweisenden Dienst. Dafür gebührt Ihnen ein Höchstmaß an Dank und Anerkennung. Das wollte ich an diesem schönen Pfingstsonntagmorgen zum Ausdruck bringen. Ich hoffe, es ist mir gelungen. Sodass Sie wie ich – auch politisch betrachtet – sagen: Was für ein schöner Sonntag!

Verdienstvolles Wirken gewürdigt

Landsmannschaft der Banater Schwaben verleiht Dr. Heinz Günther Hüsch die Prinz-Eugen-Nadel. Zwischen 1968 und 1989 sind nahezu eine Viertelmillion deutsche Aussiedler aus Rumänien in die Bundesrepublik Deutschland gekommen. Ihre Ausreise verdanken sie den geheimen Vereinbarungen, die der bundesdeutsche Rechtsanwalt und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Heinz Günther Hüsch mit der rumänischen Seite – vertreten durch Offiziere des Geheimdienstes Securitate – aushandelte. Dr. Hüsch hat diese heikle und nicht ungefährliche Mission im Auftrag der Bundesregierung mehr als zwei Jahrzehnte lang wahrgenommen – unter vier Bundeskanzlern und sechs Innenministern verschiedener politischer Couleur. Auf sein Verhandlungsgeschick, seine Unerschrockenheit und Standhaftigkeit sind die sechs vertraulichen Ausreisevereinbarungen zurückzuführen, die mit Rumänien während dieser Zeit geschlossen wurden. Wichtigste Bestimmungen aller Vereinbarungen waren, dass sich Rumänien verpflichtete, in einem bestimmten Zeitraum eine festgelegte Zahl von Deutschen ausreisen zu lassen, und dass sich die Bundesrepublik Deutschland im Gegenzug verpflichtete, für jeden Aussiedler einen genau festgelegten Ablösebetrag zu bezahlen. In Anlehnung an den Freikauf politischer Häftlinge aus der DDR wurden später auch die durch bundesdeutsche Zahlungen erreichte Ausreise der Rumäniendeutschen als „Freikauf“ bezeichnet, auch wenn die beiden Vorgänge nur bedingt miteinander vergleichbar sind.

Über den Freikauf der Rumäniendeutschen in den Jahren des Kommunismus war zwar viel gesprochen und geschrieben worden, doch die Aufklärung und Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels in der jüngsten Geschichte der Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen kam nur schleppend voran. Das hat sich in den letzten fünf Jahren grundlegend geändert. Weil über dieses Thema unzählige Gerüchte und falsche Darstellungen in Umlauf waren, entschied sich Dr. Heinz Günther Hüsch, mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Ernst Meinhardt, Redakteur der Deutschen Welle in Berlin, der 2004 mit seinen Recherchen zum Freikauf der Rumäniendeutschen begonnen hatte, war der erste Journalist überhaupt, dem Dr. Hüsch nach vierzigjährigem erzwungenem Schweigen im Herbst 2009 Auskunft gab. Die von dem ehemaligen deutschen Verhandlungsführer seither bereitgestellten Informationen sind von großer Tragweite und für die Beleuchtung der  näheren Umstände des Freikaufs von entscheidender Bedeutung.

In Anerkennung seines Wirkens und seiner außerodentlichen Verdienste um die Volksgruppe der Banater Schwaben beschloss der Bundesvorstand der Landsmannschaft, Dr. Heinz Günther Hüsch mit der Prinz-Eugen-Nadel, der höchsten Auszeichnung unseres Verbandes, zu ehren. Den feierlichen Rahmen für die Verleihung der Auszeichnung bot die Festkundgebung zum Heimattag der Banater Schwaben am Pfingstsonntag in der Ulmer Donauhalle. Dr. Hüsch war mit Gattin und Tochter angereist.

Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber hieß den Ehrengast herzlich willkommen und wies darauf hin, dass die Familienzusammenführung, die freie Ausreise unserer Landsleute aus Rumänien bis 1990 zentrale Themen der Heimattage in Ulm gewesen seien. Durch sein erfolgreiches Wirken als langjähriger Verhandlungsführer der Bundesregierung habe Dr. Hüsch unsere Geschichte maßgeblich beeinflusst und unseren Landsleuten in den düsteren Jahren der kommunistischen Diktatur zur Ausreise, zu einem Leben in Freiheit und Demokratie verholfen. Dadurch habe er sich außerordentliche Verdienste um unseren Verband und unsere Gemeinschaft erworben. Als Dank und Anerkennung verleihe die Landsmannschaft der Banater Schwaben Dr. Heinz Günther Hüsch die Prinz-Eugen-Nadel, so Leber.

Die Laudatio auf den Geehrten hielt Ernst Meinhardt. Der aus Temeswar stammende Rundfunkjournalist und langjährige Landesvorsitzende unseres Verbandes in Berlin und den Neuen Bundesländern, hat durch seine Recherchen und Veröffentlichungen einen wesentlichen Beitrag zur Aufhellung des Freikaufs der Deutschen aus dem kommunistischen Rumänien geleistet. Den Wortlaut der Laudatio veröffentlichen wir auf Seite 6.

Ein besonders bewegender Moment war die Überreichung der Prinz-
Eugen-Nadel und der Ehrenurkunde an Dr. Heinz Günther Hüsch. Es gab stehende Ovationen für den Geehrten, und viele unserer in der Donauhalle anwesenden Landsleute waren tief gerührt – in dem Bewusstsein, Dr. Hüsch viel zu verdanken. „22 Jahre lang dauerte dieser Kampf der Worte, der Argumente und auch des Geldes“, sagte Dr. Hüsch in seiner Dankesrede. „Das war die größte humanitäre Aktion, die die Geschichte kennt.“ Der Geehrte drückte seine Hochchtung davor aus, wie die Banater Schwaben ihr Schicksal gemeistert haben. „Ich wollte helfen, und auch heute stehe  ich dazu. Es war richtig, so zu handeln“, unterstrich Dr. Hüsch.

Die Präsenz und die Ehrung von Dr. Heinz Günther Hüsch verdeutliche die Versöhnung der Banater Schwaben mit ihrer eigenen Geschichte – das sei laut Bundesvorsitzendem Leber eine der Botschaften des Heimattages 2014.

Einsatz für die deutsche Gemeinschaft im Banat

Ehrung von Dr. Karl Singer und Helmut Weinschrott. Die meisten Banater Schwaben haben das Banat verlassen – aber nicht alle. Nach der letzten Volkszählung leben 15.000 Deutsche im Banat, die meisten davon ältere Leute. Es war nicht leicht, nach der Wende 1989 ein Gemeinschaftsleben, ein kulturelles Leben fortzuführen, aber es ist gelungen. Dafür haben sowohl die Bundesregierung als auch die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern Mittel aufgebracht, aber auch Rumänien selbst, und zwar in einem beträchtlichen Umfang. All diese Bemühungen sind jedoch nur dann von Erfolg gekrönt, wenn sich Landsleute finden, die bereit sind, mehr als das zu leisten, was jede Gemeinschaft benötigt, um als solche bestehen zu können. Für Verdienste um die Banater Schwaben wurden zwei von ihnen,  Dr. Karl Singer und Helmut Weinschrott, bei der Festkundgebung zum diesjährigen Heimattag mit der Adam-Müller-Guttenbrunn-Medaille ausgezeichnet.

Dr. Karl Singer wurde 1940 geboren, wuchs in Bakowa auf, besuchte die Deutsche Pädagogische Lehranstalt in Temeswar, studierte Wirtschaftskybernetik sowie Mathematik und Physik und lehrte von 1970 bis 2000 als Hochschullehrer in Temeswar. 1990 war er Gründungsmitglied des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, dessen Vorsitz er bis heute innehat. Seitdem setze er sich, wie Bundesvorsitzender Leber in seiner Laudatio hervorhob, „ununterbrochen für die deutsche Gemeinschaft im Banat ein, für ein deutsches Kulturleben, das längst nicht mehr nur von der deutschen Minderheit, sondern von einer interessierten Schicht von Bürgern getragen wird, die zunehmend der rumänischen Mehrheitsbevölkerung entstammen.“ Seine Gattin Edith leitet seit 1992 ununterbrochen den Jugendtrachtenverein „Banater Rosmarein“, der regelmäßig Gast des Heimattages ist, aber auch im Banat oder im Ausland traditionelles Brauchtum der Banater Schwaben vermittelt. Dr. Karl Singer habe sich um unsere Landsleute und um unser kulturelles Erbe im Banat verdient gemacht und werde deshalb auf einstimmigen Beschluss des Bundesvorstandes mit der Adam-Müller-Guttenbrunn-Medaille ausgezeichnet, so Leber.

Helmut Weinschrott stammt ebenfalls aus Bakowa, trotzdem steht in seinem Ausweis als Geburtsort ein fremd klingender Name. Er wurde 1949 in Chistyakovo in der Ukraine geboren, einem Ort, in den seine Eltern – wie 70.000 weitere Deutsche aus Rumänien – zur Zwangsarbeit deportiert waren. Auch darin widerspiegele sich Banater deutsche Geschichte, sagte Bundesvorsitzender Leber in seiner Laudatio. Obwohl seine Startbedingungen denkbar schwierig waren, ist es Helmut Weinschrott gelungen, sein Leben sehr gut zu meistern. 1992 übernahmen er die Leitung der sozialen Einrichtungen für unsere Landsleute im Banat: der deutschen Altenheime in Bakowa, Sanktanna und Temeswar sowie der Sozialstationen in Billed und Großsanktnikolaus.  „Diese Aufgaben meistern Sie hervorragend mit Ihrer Frau Anni und einem kleinen Team von Mitarbeitern auch unter schwieriger werdenden Bedingungen. Hunderte von Landsleuten erhalten täglich über diese Einrichtungen ein warmes Mittagessen, aber auch Ansprache und Fürsorge“, sagte Leber. Die Helmut Weinschrott heute überreichte Medaille trage den gleichen Namen wie das Zentrum der Deutschen im Banat, das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus.

Auf stimmungsvoller Zeitreise durch drei Jahrhunderte

Jugend- und Trachtengruppen der DBJT auf der Bühne der Ulmer Donauhalle

Gäste der Banater Heimattage kennen das Dilemma: Wohin zuerst? Selbst eingefleischte Besucher können da unsicher werden. Gleich am Eingang lenkt eine Ausstellung zur Geschichte des Banats die Blicke auf sich. Daneben reiht sich ein Verkaufsstand an den anderen. Das Bild erinnert ein wenig an die Devotionaliengeschäfte in den Wallfahrtsorten. Bücher beherrschen das Bild. Sind das wohl alles Schriften, die etwas mit dem Banat zu tun haben, denkt man und bahnt sich den Weg durch die Menge, vorbei an den großen Türen der Ausstellungshallen, aus denen in allen Tonlagen und mit tausendfacher Verstärkung die Begrüßungsfreude der Landsleute als ohrenbetäubendes Grollen herüberschwappt. Dagegen ist das erwartungsvolle Raunen der vielen Zuschauer in der Donauhalle eine akustische Wohltat. Hier zu verweilen lohnt sich gewiss, denkt man und blickt auf das Veranstaltungsprogramm: „DBJT-Zeitreise“. Lassen wir uns also auf eine Zeitreise der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen mitnehmen. Kaum sind die letzten Vorbereitungen auf der großen Bühne abgeschlossen, geht es auch schon los.

Ähnlich wie in einem Science-Fiction wurde der Zuschauer in das Jahr 1716 „gebeamt“. Plötzlich stand Prinz Eugen von Savoyen mit seinen Kriegern auf der Bühne und besiegte die osmanischen Belagerer. Mit viel Phantasie und einem Augenzwinkern der Regie gelang es der Münchner und Karlsruher Gruppe eine historische Begebenheit szenisch so darzustellen, dass sich historische Dokumentation und Unterhaltung begegneten. Mit Prinz Eugens Heldentaten wurde praktisch die Geburtsstunde der banatschwäbischen Geschichte eingeläutet.

In der nächsten Szene schien das bekannte Einwanderungsbild von Stefan Jäger lebendig geworden zu sein. Einwanderer aus Süddeutschland zogen ostwärts, mit den Ulmer Schachteln und zu Fuß, bis sie schließlich im „gelobten Land“ ankamen. Beachtenswert war die große Detailtreue, mit der die Gruppen aus Esslingen, Singen und Frankenthal ans Werk gingen. Die Trachten, die mitgeführten Accessoires sowie das Spiel der Akteure ergaben ein schlüssiges Bild der drei Schwabenzüge und des gelungenen Siedlungswerks. Es ist nur selbstverständlich, dass man sich bei der Konzeption des Programms  auf wesentliche Momente der Geschichte beschränken musste und so manche historische Ereignisse nur angedeutet werden konnten. Hilfreich bei der zeitlichen Einordnung der Geschehnisse waren die immer wieder über die Bühne getragenen Täfelchen mit den entsprechenden Jahreszahlen.

In einer folgenden Szene machte die Kindergruppe aus Karlsruhe auf die politische Situation des  Banats im 19. Jahrhundert (Österreichisch-ungarischer Ausgleich) aufmerksam. Hervorgehoben wurde die identitätsbedrohende Madjarisierungspolitik des damaligen ungarischen Staates durch die Trachtengruppe München.

Während der Erste Weltkrieg und die darauf folgende Dreiteilung des Banats von der Würzburger Gruppe nur angedeutet wurden, folgte anlässlich der 200-Jahr-Feier der Ansiedlung eine folkloristische Sondereinlage der Gastgruppe aus Temeswar, der „Rosmareiner“. In der von der Regie in großzügiger Weise zur Verfügung gestellten Aufführungszeit konnte diese Gruppe mit ihren Tänzen ein weiteres Mal zeigen, dass man in Temeswar großes Gewicht auf Authentizität legt, sowohl was die Trachten wie auch die Choreographie der Tänze betrifft.

Den Kriegsjahren und besonders der Zeit nach 1944 widmete sich die Gruppen aus Rheinstetten und Frankenthal. Die jungen Darsteller erinnerten an Enteignung und Deportation, an jene Ereignisse der jüngeren Geschichte, die bestimmend waren für das weitere Schicksal der Banater Schwaben. Die Problematik im Zusammenhang mit Flucht, Kriegsgefangenschaft, Familienzusammenführung und dem Neuanfang in Deutschland verdeutlichte die szenische Darstellung der Spaichinger Gruppe. Unter anderem wurde an die Gründung der Landsmannschaft der Banater Schwaben 1950 erinnert und an die Bemühungen der Landsleute, die Trennung durch den Eisernen Vorhang  zu überwinden. In gelungenen Szenetten wurden Situationen nachgestellt, die auf Lebensumstände aufmerksam machten, die aus heutiger Sicht grotesk anmuten, jedoch weitgehend der damaligen Wirklichkeit entsprachen, so zum Beispiel ein Verwandtenbesuch aus Deutschland.

Was als Familienzusammenführung begann, wurde letztendlich eine Massenauswanderung. Über die Bühne wurde ein Schildchen mit der Jahreszahl 1978 getragen. Dass die Zuschauer mit dieser Zahl was anzufangen wussten, verriet der kleine Zwischenapplaus. Die Jahreszahl erinnerte an das so genannte Handschlagabkommen zwischen dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem rumänischen Staatschef Nicolae Ceaușescu. Dieses Abkommen besagte, dass jährlich 11.000 Rumäniendeutschen die Ausreise gestattet werden sollte. In der Darstellung der Theatergruppe aus Crailsheim drehte sich alles um die „Großen Formulare“, ein weiteres Schlagwort, das für jeden Banater heute noch ein Begriff ist. Wer die „Großen“ hatte, der war seinem Ziel ganz nahe.

Bemerkenswert war der Beitrag der Nürnberger Jugendlichen zum Thema Ausreise. Dargestellt wurde die Ankunft einer Aussiedlerfamilie am Nürnberger Bahnhof. Die Szene gehörte insofern zu den gelungensten, da sie einen kritischen Blick hinter die Kulisssen erlaubte und das Bild von einer heilen Familie und einer idealen Welt zurechtrückte.

1989 war eine weitere Jahreszahl mit historischer Bedeutung: die politische Wende in Rumänien. Diese bewegten Ereignisse, die mit dem Sturz der kommunistischen Diktatur  endeten, ließ die Gruppe aus Karlsruhe Revue passieren. Erinnert wurde auch an die Solidaritätsbekundungen der Landsmannschaft der Banater Schwaben hier in Deutschland und an die Hilfsmaßnahmen für die im Banat verbliebenen Landsleute.

Im letzten Teil des Programms wurde der Fokus auf die Bemühungen der Verbände um die Integration der Landsleute in der neuen Heimat gerichtet. Mit dem „hier“ und „heute“, mit der Bereitschaft, sich den neuen Lebensumständen anzupassen, ohne jedoch Tradition und Brauchtum aus den Augen zu verlieren, setzten sich die Darsteller aus Reutlingen, Crailsheim und München auseinander. In diesem Zusammenhang wurde an wichtige Einrichtungen erinnert: an das Hilfswerk der Banater Schwaben, an das Banater Seniorenzentrum Ingolstadt, an die Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, an das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm, an die Vereinszeitung „Banater Post“, an die verschiedenen Veranstaltungen der landsmannschaftlichen Verbände und nicht zuletzt an die DBJT, den Verband der Banater Jugend- und Trachtengruppen.

Sportfeste, Zeltlager, Jugendseminare, Brauchtumsveranstaltungen und vieles mehr kann sich dieser Verband auf die Fahnen schreiben. Die vielen Jugendlichen und alle anderen jung gebliebenen Mitglieder entfalten seit Jahren ein attraktives Freizeitprogramm, das zum Mitmachen einlädt und den Zusammenhalt zwischen den Landsleuten fördert. Eine überzeugende Kostprobe davon lieferten die DBJT-ler in ihrem Festprogramm zum Heimattag. Was die Jugendgruppen darboten, war eine richtige Leistungsschau, die vom Publikum mit viel Applaus quittiert wurde.

Allen Mitwirkenden – es dürften mehrere Hundert gewesen sein – kann man für die gelungene Darstellung nur gratulieren. Einzelne Darsteller namentlich zu erwähnen, könnte zu weit führen, zumal Gesangs- und Instrumentalsolisten, Moderatoren und Darsteller hervorragende Einzelleistungen vollbrachten. Dass die überaus lehrreiche Reise auch zum stimmungsvollen Erlebnis wurde, dafür sorgten die Kapelle „Weinbergmusikanten“ und die DBJT-Band.

Die Zeitreise durch drei Jahrhunderte in drei Stunden endete mit einer Punktlandung in der Gegenwart. Auf der Landebahn – sprich Festbühne – versammelten sie sich dann alle, „Boden- und Flugpersonal“, zum großen Finale. Die Schlussworte der Moderatoren: „... und erzählen Sie es ruhig weiter, wenn es Ihnen gefallen hat“, gingen fast in tosendem Beifall unter. Dennoch, die Worte wurden gehört und gewiss weitergegeben.