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Banater Post

„300 Jahre Banater Schwaben – Wir schreiben unsere Geschichte fort“

Peter-Dietmar Leber - Bundesvorsitzender

Die Adventszeit galt in Bayern früher als „staade Zeit". Die Ernte war eingebracht, die Felder vorbereitet, die Tage waren kürzer geworden, man saß in der Stube zusammen und konnte sich auf Weihnachten einstimmen. Im Banat war es ähnlich, aber viele von uns, vor allem aus der jungen Generation, kennen dieses Gefühl nicht mehr. Sie haben es persönlich nicht mehr erfahren oder die Erinnerungen sind verblasst, mit Erfahrungen aus dem heutigen Leben vermengt. Und trotzdem drängt sich gerade in der Adventszeit mit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest ein Rückblick auf. Der kann sich auf das zu Ende gehende Jahr beschränken, aber genauso auch auf unsere Zeit im Banat ausweiten. Und weil wir Banater Schwaben sind, denen gerne die Liebe zur Arbeit nachgesagt wird, können wir guten Gewissens auf unser Wirken in unserem Verband als bewusster Ausdruck unserer Gemeinschaft zurückschauen. In diesem Jahr ist viel, ist sehr viel geleistet worden, wofür Ihnen an dieser Stelle gedankt sei. Leider hat vieles davon nicht den Weg in unsere Verbandszeitung gefunden. Dabei ist es so wichtig, dass nicht nur etwas für diese Gemeinschaft getan wird, sondern dass darüber auch geschrieben und geredet wird. Es sind Bausteine unserer Geschichte, die wir fortschreiben.

Schwerpunkte wurden im Banat gesetzt und in Deutschland. In Temeswar errichteten unsere Landsleute im Deutschen Forum ein Denkmal für die Opfer der Russlanddeportation und organisierten zahlreiche öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen. In Sackelhausen, Neudorf, Sanktanna, Nitzkydorf, Billed wurde mit großen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen an unsere Geschichte im Banat erinnert, wurden mögliche Wege aufgezeigt, um Gestern mit Heute zu verbinden. Heimatortsgemeinschaften bereisten als organsierte Gruppen das Banat. Der Innenminister unseres Patenlandes BadenWürttemberg, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bundes- und Landtagsabgeordnete machten sich auf den Weg in das Banat - auch weil wir in Deutschland als Gemeinschaft auftreten und agieren sowie eine tragfähige Brücke zu den Deutschen im Banat bilden und zu allen, die dort willens sind, unsere 300-jährige Geschichte entsprechend einzuordnen. Dies wird wahrgenommen und findet darin Anerkennung. Mit der Wiederweihe der Basilika Maria Radna nach grundlegender- Restaurierung mit EU-Förderung und dem damit verbundenen neuen Konzept für das ehemalige Kloster ist ein neues Kapitel in der Wahrnehmung und Annahme dieser Wallfahrtsstätte aufgeschlagen worden. Wer in Zukunft mehr über unser Leben als Werte- und Glaubensgemeinschaft im Banat erfahren will, wird auch über Maria Radna mit dem neuen Museum, der großen Bibliothek, einen solchen Zugang finden.

Aber auch in Deutschland schreiben wir überall unsere Geschichte fort, wo wir als Banater Schwaben
auftreten und wirken. Das war bei den großen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen der
Landesverbände Baden-Württemberg und Bayern der Fall, beim Empfang im Bayerischen Landtag, in den Rathäusern in Göppingen und München, bei unseren Trachtenfestzügen durch die Zentren deutscher Großstädte, bei vielen Veranstaltungen der Kreisverbände, der Heimatortsgemeinschaften, des Hilfswerks der Banater Schwaben, der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen, der
Chöre und Blaskapellen, der Musiker, Künstler, Wissenschaftler, Schriftsteller und Publizisten, die, wie es Nobelpreisträger Prof. Dr. Stefan Hell so schön formulierte, nur mit der im Banat erhaltenen Prägung richtig verstanden werden können. Sie haben es alle verstanden, ihre Herkunft als Teil ihrer Identität, als etwas Wertvolles anzunehmen und zur Quelle schöpferischen Gestaltens und Schaffens werden zu
lassen. Und auch hier gilt: Es ist viel entstanden und vermittelt worden in diesem Jahr, jeder von Ihnen, jeder aus Ihrem Vorstand hat dazu beigetragen, erfreulicherweise vermehrt auch bei Veranstaltungen des BdV oder in Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Kulturreferat für Südosteuropa, den Häusern der Heimat in Karlsruhe, München, Nürnberg und Stuttgart, dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, dem Donauschwäbischen Zentralmuseum und dem Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Südosteuropa.

Wir werden im kommenden Jahr 2016 unseren Weg weiter verfolgen und eigene Akzente setzen, hier wie im Banat. Der Heimattag an Pfingsten in Ulm, der 300. Jahrestag der Befreiung Temeswars von der osmanischen Herrschaft und damit verbunden der Beginn unserer Geschichte im Banat, die Seminare unseres Jugendverbandes und Tagungen der Landesverbände, um nur wenige wichtige Daten zu nennen, bieten uns Möglichkeiten zur Darstellung und Vermittlung unseres historischen und kulturellen Erbes.

Zum Jahresende erreichte uns auch die Nachricht über die durch den Deutschen Bundestag beschlossene Entschädigung ehemaliger deutscher Zwangsarbeiter. Es ist ein Zeichen, das von den Betroffenen, sofern sie noch leben, als solches verstanden werden sollte. Ein Zeichen der Anerkennung, der Versöhnung mit einem schlimmen Teil deutscher Geschichte. Es ist bezeichnend, dass dies erst der Enkel-Generation im Deutschen Bundestag gelungen ist.

Banater Schwaben sind Deutsche und als solche machen sie sich Sorgen um den Zustand unseres Gemeinwesens aufgrund großer Migrationsströme und offener Grenzen, während Nachbarstaaten diese schließen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass ein gutes Zusammenleben verschiedener Völker an Regeln gebunden sein muss, die für alle zu gelten haben. Sie wissen, dass nur bei einer Übereinstimmung grundlegender Normen und Werte eine Integration der Millionen Zuwanderer möglich ist und sie möchten in dieser Frage auch keine deutschen Sonderwege. Sie vermissen einen offenen gesellschaftlichen Diskurs über die derzeitige Entwicklung und wollen mit ihren Bedenken nicht gleich in eine, in die sogenannte rechte Ecke geschoben werden. Sie haben oft Opfer erbracht, um ihre Identität als Deutsche zu erhalten und möchten diese auch bei ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln erhalten sehen.

Deshalb ist es heute wichtiger denn je, dass wir als Banater Schwaben und Deutsche für unsere Werte und Kultur einstehen, dass uns klar ist, dass wir deren Träger sind und uns einzubringen haben, wenn uns unsere Gemeinschaft im engeren wie im weiteren Sinne wichtig ist. Ihnen, die Sie Verantwortung in unserem Verband übernommen haben, ist sie wichtig.

In landsmannschaftlicher Verbundenheit

Peter-Dietmar Leber
Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.