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Banater Post

Erstes Ahnendenkmal im Banat enthüllt

Von Brunhilde Hinkel (rechts) ging die Initiative zur Errichtung des Ahnendenkmals in Tschanad aus, die HOG mit ihrer Vorsitzenden Pauline

Huschitt hat es realisiert. Es ist das erste Denkmal dieser Art im Banat.

Beim Fest in Tschanad: HOG-Vorsitzende Pauline Huschitt, Bürgermeister Nikolaus Crăciun, Pfarrer Peter Velciov und Vizekonsul Siegfried Geilhausen.

HOG Tschanad erinnert an den Beitrag der Deutschen zum Aufblühen ihrer Heimatgemeinde - Der 10. August 2014 war ein ganz besonderer Tag für die HOG und für die Gemeinde Tschanad, denn an diesem Tag wurde dort der erste
Ahnengedenkstein im Banat feierlich enthüllt. Ab 9 Uhr spielte die Rekascher Blaskapelle unter der Leitung von Mathias Henschl bekannte Melodien. Nach und nach trafen zahlreiche Medienvertreter aus Temeswar ein, was auf ein großes Interesse an diesem Ereignis schließen lässt (schon im Vorfeld hatten diverse Medien darüber berichtet), Vertreter anderer Heimatortsgemeinschaften, der deutschen Foren im Banat, des
öffentlichen Lebens, der Politik und der Wirtschaft sowie eine große Anzahl von Landsleuten aus anderen Banater Orten. Angelockt von dem Klang der Blasmusik, strömten zahlreiche Tschanader verschiedener Ethnien und Konfessionen zur römisch-katholischen Kirche, um an dem Festgottesdienst teilzunehmen.

Der Ahnengedenkstein wurde vor der römisch-katholischen Kirche errichtet und ist den 22.500 Deutschen gewidmet, die in der Gemeinde Tschanad seit dem Jahr 1764 gelebt und zu deren Erblühen beigetragen haben. Der Text auf dem Obelisk aus schwarzem Marmor ist in deutscher und rumänischer Sprache eingemeißelt. Die Idee zu diesem Gedenkstein hatte Brunhilde Hinkel. Nachdem sie das Ortssippenbuch der katholischen Pfarrgemeinde Tschanad
erstellt hatte, schien es ihr naheliegend, den Ahnen ein würdiges Denkmal zu setzen. Der Vorschlag wurde lange und zum Teil auch kontrovers diskutiert, bis es im Jahre 2013 innerhalb der HOG zu einer endgültigen Entscheidung kam. Von der Idee bis zur Umsetzung war es allerdings noch ein langer, mit viel logistischer Arbeit verbundener Weg. Dank der ausgezeichneten Kooperation mit den rumänischen Behörden und dem örtlichen Bürgermeisteramt konnte die Einweihung fristgerecht stattfinden. Das Denkmal ist ein Werk der Steinmetzfirma SC Prelis SRL (Inhaber Eugen Predescu) aus Tschanad.

Die Einweihungsfeier wurde von der Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, Dr. Swantje Volkmann, gefördert. Das Ereignis fand auch in der Bundesrepublik ein nachhaltiges Echo. So hatte das Auswärtige Amt die Denkmalenthüllung in seinem Terminkalender vermerkt, während Hartmut Koschyk MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, dem es aus Termingründen nicht möglich war, dem Festakt beizuwohnen, in einem Schreiben die Teilnahme an diesem Ereignis empfahl. Wie Koschky, lobte auch der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber, die Initiative der HOG Tschanad zur Errichtung des Ahnendenkmals.

Um 10 Uhr begann der feierliche Gottesdienst, zelebriert von Ortspfarrer Peter Velciov, dem Pfarrer Dan Groza aus Chişineu-Criş und Pfarrer Johann Ghinari aus Großsanktnikolaus assistierten. Der Gottesdienst war, wie in Tschanad nicht unüblich, dreisprachig (deutsch, rumänisch, ungarisch), und auch der Kirchenchor, an der Orgel von Hilde Hinkel und Bela Kercsko begleitet, sang in allen drei Sprachen. Die Fürbitten wurden von der Vorsitzenden der HOG Tschanad, Pauline Huschitt, vorgetragen. „Gott gebührt die höchste Ehre. Nach diesem Grundsatz haben unsere Vorfahren in Tschanad gelebt. Gib, Herr, dass unsere Landsleute diesem Grundsatz treu bleiben und ihr Leben an Gott ausrichten“, lautete eine der Fürbitten. Die Worte zum Totengedenken sprach Brunhilde Hinkel: „Dankbar wollen wir uns an alles erinnern, was unsere Ahnen uns als kostbares Erbe hinterlassen haben. Wir wollen uns erinnern, woher wir kommen; denn nur so begreifen wir, wer wir sind und wohin wir gehen sollen. Als gläubige Menschen gedenken wir unserer Toten, in der Hoffnung, dass sie Ruhe und Frieden und in Gott ihre ewige Vollendung gefunden haben.“ Eine besondere Note verliehen dem Gottesdienst und der anschließenden Festveranstaltung die Ehepaare Karl und Lieselotte Bender sowie Bela und Veronica Kercsko, die in Tschanader Tracht erschienen sind.

Gleich im Anschluss an den Gottesdienst fand die feierliche Enthüllung des Gedenksteins statt. Der Bürgermeister der Gemeinde Tschanad, Nikolaus Crăciun, begrüßte alle Anwesenden und die Ehrengäste, darunter den deutschen Vizekonsul in Temeswar, Siegfried Geilhausen, den Präfekten des Kreises Temesch, Eugen Dogariu, den aus Tschanad stammenden Historiker Dr. Ioan Haţegan, den Vertreter des Bundesvorstands der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Werner Gilde. Crăciun hob die hervorragende Zusammenarbeit mit der HOG Tschanad hervor und äußerte den Wunsch, dass in Zukunft kein Volk mehr in die Lage kommen soll, solche Denkmäler aufzustellen. „Ich wünsche, dass jedes Volk dort leben kann, wo es seine Heimat hat“, so der Tschanader Bürgermeister.

Die HOG-Vorsitzende Pauline Huschitt betonte in ihrer in deutscher und rumänischer Sprache gehaltenen Gedenkansprache unter anderem: „Die Verehrung der Toten ist ein Edelstein in der Perlenkette der menschlichen Seele, der den Glauben an die Unsterblichkeit widerspiegelt… Dieser Gedenkstein soll ein Beweis der Liebe und Anerkennung jener sein, die auch heute noch ihre Namen tragen.“ Die weiteren Redner fanden lobende Worte für das von der HOG Tschanad realisierte Projekt, die Deutschen in Tschanad durch das Denkmal zu ehren und zu würdigen. Besonderen Anklang fand die Ansprache von Dr. Ioan Haţegan, der sich in rumänischer Sprache und in Tschanader Dialekt an die Festgesellschaft wandte.

Die Rekascher Blaskapelle spielte sodann einen Trauermarsch, und das Denkmal wurde unter dem Applaus der Anwesenden enthüllt. Den Segen erteilte Pfarrer Peter Velciov.

Nach der Feier wurden die Festgäste in den großen Saal der Pension „Anca“ eingeladen. Hier konnten weitere Ehrengäste begrüßt werden: Richard Jäger (HOG Neupanat), Josef Koch (HOG Hatzfeld), Nikolaus Dornstauder (HOG Lenauheim), Josef Lutz (HOG Sanktanna), Dietmar Kirschenheuter (HOG Albrechtsflor), Helmut Kierer (HOG Lovrin), Dieter Jeck (KV Kempten), die Vertreter der Deutschen Foren aus Großsanktnikolaus (Dietlinde Huhn), Gottlob (Anneliese Wambach) und Billed (Adam Csonti) sowie Helmut Weinschrott, Direktor der Adam-Müller-Gutenbrunn-Stiftung. Anwesend waren des Weiteren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien sowie die Gemeinderäte von Tschanad mit ihrem Bürgermeister Nikolaus Crăciun. Die Gemeinde
Sackelhausen hatte extra zwei Gemeinderäte nach Tschanad entsandt. Man sei tief bewegt und sehr beeindruckt von der Veranstaltung und man trage sich mit dem Gedanken, diesem Beispiel zu folgen, berichteten sie. Adolf Wunder, Elisabeth Jung und Brunhilde Hinkel, Vorstandsmitglieder der HOG Tschanad, verteilten an alle Anwesenden kleine Souvenirs.

Am späten Nachmittag fand in kleinem Kreis eine Totengedenkfeier auf dem Tschanader Friedhof statt. Pfarrer Peter Velciov mahnte erneut, die Heimat und seine Wurzeln nicht zu vergessen.

Bereits im Vorfeld dieser Festlichkeiten hatte der Vorstand der HOG Tschanad den Ort Lenauheim besucht. Hier wurden die Renovierungsarbeiten an der römisch-katholischen Kirche begutachtet, das Lenaudenkmal besichtigt und das Lenau- und Heimatmuseum besucht. Die HOG übergab dem Museum drei neu eingekleidete Trachtenpuppen, nachdem die dort vorhandenen schon in die Jahre gekommen waren und eine Restaurierung dringend nötig erschien. Dank der hingebungsvollen Arbeit von Elisabeth und Anton Wolf aus Nürnberg stehen jetzt wieder schmucke Tschanader Trachten in dem Schaukasten. Neben den Trachtenpuppen überreichte die HOG ein gerahmtes Bild mit historischem Motiv.

Am Nachmittag des 9. August besuchten die Vorstandsmitglieder Adolf Wunder, Brunhilde Hinkel, Elisabeth Jung und Avram Jung alle 13 deutschen Familien bzw. Personen, die noch in Tschanad leben. Es handelt sich meist um alte, allein
lebende Landsleute. Alle erhielten ein Solidaritätsgeschenk, das dankend angenommen wurde.

Die Errichtung des Ahnengedenksteins und die damit verbundenen Festlichkeiten waren ein Akt der Nächstenliebe, der Anerkennung und Würdigung der Leistungen unserer Vorfahren. Sie werden noch lange im Gedächtnis jener bleiben, die dabei waren. Und es bleibt zu hoffen, dass auch andere Heimatortsgemeinschaften dem Tschanader Beispiel folgen werden. Denn einen Friedhof aus der Ferne zu erhalten wird auf Dauer nicht möglich sein; ein Gedenkstein wäre da eine gute Alternative.