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Banater Post

Lebendige Debatten, aktuelle Themen

Beim Empfang im Frankenthaler Rathaus (von links): Der stellvertretende Bundesvorsitzender Georg Ledig, Konsul Klaus Christian Olasz, der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber und Oberbürgermeister Theo Wieder.

Der Chor der Donaudeutschen Landsmannschaft Frankenthal. Im Vordergrund Mitglieder des Bundesvorstandes und Referenten der Tagung. (Fotos: Walter Wolf)

Am 24. und 25. März fand im Donauschwabenhaus in Frankenthal die traditionelle Tagung der Vorsitzenden der Landes- und Kreisverbände und der in der Landsmannschaft der Banater Schwaben tätigen Heimatortsgemeinschaften statt. Im Fokus des Arbeitstreffens standen auch diesmal aktuelle Fragen zur Gestaltung der Verbandstätigkeit, der Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen, Informationen zu neuesten Regelungen des Fremdrentenrechts und die Präsentation von Schwerpunkten der landsmannschaftlichen Arbeit in den einzelnen Untergliederungen. Ein Plus an Attraktivität brachte neben dem umfassenden Tagungsprogramm und den interessanten Referaten die Anwesenheit namhafter Gäste, unter ihnen der Leiter der Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Christian Olasz, der Leiter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Prof. Dr. Reinhard Johler, und Thomas Bausch, Verwaltungsdirektor bei der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern in Würzburg. Die Schwerpunkte am zweiten Tag des Frankenthaler Treffens lagen auf der landsmannschaftlichen Tätigkeit in den Verbandsuntergliederungen. Präsentationen über die konkrete Arbeit vor Ort lieferten die Heimatortsgemeinschaften Saderlach, Deutschbentschek und Ingolstadt sowie der Kreisverband Ingol­stadt. Der Bundesvorstand infor­mierte zu den Themen Vereins­führung, Wahlen im Verein, Eh­rungen und Jugendarbeit.

 

Die Eröffnung der Tagung der Vorsitzenden der Kreisverbände und der Heimatortsgemeinschaften fand in diesem Jahr in einem besonders feierlichen Rahmen statt: Der Oberbürgermeister der Stadt Frankenthal, Theo Wieder, hatte die Delegierten der Hauptversammlung der Landsmannschaft zu einem Empfang eingeladen. Im Prunksaal des Rathauses, in dem repräsentative Exponate der historischen Porzellanmanufaktur Frankenthal ausgestellt sind, begrüßte er die Gäste und gab seiner Freude Ausdruck, dass seine Stadt immer wieder auch Treffpunkt für die im Verband engagierten Landsleute ist. Weltoffenheit und Gastfreundschaft sind Begriffe, die auf Frankenthal voll zutreffen. Davon berichtete überzeugend der Oberbürgermeister in seinem spannend vorgetragenen historischen Exkurs zur Entwicklung dieser pfälzischen Siedlung. So konnte man erfahren, dass die Migration eine Konstante in der historischen Entwicklung der Stadt ist. Bereits im Jahre 1555 kamen infolge des Augsburger Religionsfriedens die ersten Migranten nach Frankenthal. Es war eine Gruppe flämischer Flüchtlinge, die ihre Heimat wegen ihres reformierten Glaubens hatten verlassen müssen. Unter diesen befanden sich zahlreiche Kaufleute, Gold- und Silberschmiede, Tuchweber, Gobelinwirker und Maler. Die Flüchtlinge belebten das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Siedlung und trugen maßgeblich dazu bei, dass Frankenthal bereits im Jahre 1577 zur Stadt erhoben wurde.

Die Zuwanderung von Siedlern aus anderen Gegenden sollte für Frankenthal auch in den folgenden Jahrhunderten von Vorteil sein. So ermöglichte der Kurfürst Karl Theodor in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einer Gruppe von Porzellanmachern, die im damaligen Königreich Frankreich verfolgt wurden, in Frankenthal eine neue Heimat zu finden, was letztendlich zur Gründung der Porzellanmanufaktur 1755 führte, einer Produktionsstätte, die in ihrer nur 45 Jahre währenden Existenz zu Weltruhm gelangt ist.

Weitere Zuwanderungen nach Frankenthal gab es nach dem deutsch-französischen Krieg 1871, nach dem Ersten Weltkrieg und besonders nach 1945. Alle Zuwanderungsepochen haben, so der Oberbürgermeister, dazu geführt, dass die Stadt nach der Aufnahme der Einwanderer „immer besser dastand als vorher“. Im Zusammenhang mit Zuwanderung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts würdigte der Redner besonders den Beitrag der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler bei der Entwicklung der Stadt, die um die Jahrtausendwende bereits über 50 000 Einwohner zählte. Bekanntlich haben in Frankenthal viele Donauschwaben – und unter ihnen zahlreiche Landsleute aus dem Banat – eine neue Heimat gefunden. Ihre Integration könne als gelungen betrachtet werden und ermutige die Stadt auch in Zukunft, das Miteinander der Kulturen zu fördern. Oberbürgermeister Wieder versicherte, dass die Stadt Frankenthal auch künftig ein fairer Partner der Banater Schwaben bleiben werde.

Anknüpfend an die Ausführungen des Bürgermeisters würdigte der Bundesvorsitzende unserer Landsmannschaft, Peter-Dietmar Leber, die vom Staat geschaffenen günstigen Rahmenbedingungen für die Integration der Zuwanderer und bekräftigte die Bereitschaft der Banater Schwaben, gestaltend am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Geschehen in der neuen Heimat mitzuwirken. Dabei wies er auf die „eigenen Bausteine der Identität“ hin, die es den Aussiedlern erleichtert haben, im neuen Umfeld ihren Platz zu finden.

Nach einer feierlichen Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch den Chor der Donaudeutschen Landsmannschaft Frankenthal (Dirigentin: Katharina Eicher-Müller) stellte Josef Koch, Sprecher der Heimatortsgemeinschaften und Moderator der Tagung, das Programm und die Gäste vor. Eine Grußbotschaft an die Tagungsteilnehmer richtete der Vorsitzende des Vereins Donauschwabenhaus, Johann Schmalz.