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Banater Post

Zwanzig Jahre Freundeskreis Karlsruhe–Temeswar

„An die Freude“ – die Hymne der EU – gesungen vom Chor der Banater Schwaben Karlsruhe unter der Leitung von Hannelore Slavik in der Durlacher Karlsburg, erklang als stimmungsvoller Auftakt der Festveranstaltung anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Karlsruhe-Temeswar. Dazu eingeladen waren Oberbürgermeister Heinz Fenrich, Stadträte verschiedener Parteien, Vertreter der IHK, der Sparkasse, verschiedener Firmen, Werner Gilde (Vorsitzender des Kreisverbandes der Banater Schwaben Karlsruhe und Vorsitzender der HOG Billed). Im Rahmen der Veranstaltung wurde Wissens- und Merkenswertes über Wirtschaft und Politik in Rumänien sowie über die Stadtentwicklung Temeswars geboten, leider nichts über die Leistung der Banater Schwaben in dieser Stadt und im Banat.

Heinz Doll, Vorsitzender des gefeierten Freundeskreises, ging auf die Entstehung und Entwicklung der Freundschaft zwischen Karlsruhe und Temeswar ein. Daran erinnerte auch der ehemalige Karlsruher Stadtrat Günther Rüssel, der nach dem politischen Umbruch in Rumänien mit Hilfe der Landsmannschaft der Banater Schwaben Karlsruhe eine Städtefreundschaft mit Temeswar angeregt hat, die sich zu einer Städtepartnerschaft entwickelte. Aus anfänglichen karitativen Aktionen wurden umfangreiche Hilfslieferungen, bei denen auch die Chor- und Tanzgruppenmitglieder aktiv mitgewirkt haben. 54 Hilfstransporte gingen für die in vieler Hinsicht unterversorgten Menschen nach Temeswar. Unter den Hilfsgütern befanden sich technische Geräte, Medikamente, Lebensmittel für Kinderheime, Obdachlose und Krankenhäuser; Bekleidung, Gehhilfen, Schulmöbel und Lehrmittel. In den folgenden Jahren kam es zu mehreren wechselseitigen Besuchen. 1992 waren fünfzig Lenau-Schüler zu Gast im Rüppurrer Max-Planck-Gymnasium. Am ersten Bundestreffen der Temeswarer in Karlsruhe nahmen im Jahr 1993 Studenten-, Trachten- und Volkstanzgruppen, Orchester, Balletttänzer, Schauspieler und Sportler teil. Auch Universitätsrektoren tauschten sich aus. Das seit 1997 in Karlsruhe agierende deutsch-rumänische Wirtschaftsbüro knüpft immer wieder Kontakte zwischen hier und dort. Der 1994 geschlossene Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Städten sieht als seine Hauptzielsetzungen: Förderung des wissenschaftlich-kulturellen, kirchlichen und sportlichen Austausches sowie der Kontakte von Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie.

Nach der erfolgreichen ersten Bürgerreise in die Partnerstadt Temeswar plant man zur Zeit eine zweite für Ende September / Anfang Oktober, für die man sich noch anmelden kann. Erwähnenswert ist auch, dass über die Bemühungen dieses Freundeskreises bis hinauf in Regierungskreise das Weiterbestehen des Temeswarer deutschen Konsulats gesichert werden konnte.

In seiner Grußbotschaft unterstrich Bürgermeister Wolfram Jäger die Tatsache, dass Partnerschaft durch die Menschen gelebt wird, durch Begegnungen, Feste, die die Herzen erreichen, ganz gleich, ob es sich um die Leistung Einzelner handelt oder um die der Vereine.

Der Honorarkonsul Rumäniens in Baden-Württemberg, Dr. Manfred Schmitz-Kaiser, informierte weiter über Wirtschaft und Politik in Rumänien, wobei er unterstrich, dass zwischen dem Rumänien von vor zwanzig Jahren und dem heutigen Welten liegen. Sein Fazit: Rumänien hat kreditgesteuert schöne Erfolge verzeichnen können, die leider durch die Wirtschaftskrise abgebremst wurden. Die radikalen Sparmaßnahmen der Regierung – Vorbild für manche andere Länder der EU – schaffen langsam Abhilfe. Die noch existierende Korruption fand Dr. Schmitz-Kaiser kulturbedingt und nur schwer und langsam zu eliminieren, obgleich die Antikorruptions-Kommission seiner Meinung nach gut funktioniert, besser als die in Bulgarien. Wirtschaftswachstum gab es 2011 vor allem durch die Automobil- und die Zulieferer-Betriebe, wobei Baden-Württemberg in Rumänien sehr präsent ist. Bedauerlicherweise gehen viele hochqualifizierte IT-Fachkräfte aus Rumänien ins Ausland, weniger nach Deutschland. Verbesserungswürdig sei vor allem die Infrastruktur des Landes, wobei der Abruf der EU-Gelder wegen Fachleutemangels schwierig erscheint.

„Die Stadtentwicklung Temeswars gestern und heute“ präsentierte Martin Rill, Leiter des rumä-
nischen Verbindungsbüros der L-Bank, indem er weit ausgriff, bis zur ersten dokumentarischen Erwähnung 1154 durch einen arabischen Schriftsteller. Anhand von Kupferstichen und alten Stadtplänen veranschaulichte er die verschiedenen Entwicklungsetappen der Stadt, ging auf osmanische Besatzung und entsprechende Baudenkmäler ein, auf Festungsbau und Einführung des Grundbuchs 1773. Im Laufe der Zeit sei Temeswar stetig gewachsen, doch heute müsse die Stadt dringend saniert werden, und das erfolge schleppend.

Die Festveranstaltung in der Karlsburg Durlach bot dem Auditorium viel Information über Rumänien und Temeswar, doch auch künstlerischen Genuss, denn nicht nur die Chormitglieder und ihre Leiterin gaben ihr Bestes, auch die Solistinnen Irmgard Holzinger-Fröhr und Melitta Giel beeindruckten zutiefst mit ihren wundervollen Stimmen. Applaus und Blumen honorierten ihre Leistungen. Im Anschluss an den offiziellen Teil der Feier erquickten sich alle an einem kleinen Imbiss und verschiedenen Getränken, tauschten Meinungen aus und freuten sich, dabei gewesen zu sein.

Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete die offizielle Einweihung des Temeswar-Platzes beim Bürgerzentrum Südstadt. „Die Wahl des Ortes hat Symbolcharakter“, betonte Oberbürgermeister Heinz Fenrich und verwies auf die junge Partnerschaft und den jungen, aufstrebenden Stadtteil Südstadt-Ost. Auf Beschluss des Karlsruher Gemeinderates wird das Areal zwischen Elisabeth-Großwendt-, Henriette-Obermüller- und Philipp-Reis-Straße künftig den Namen Temeswar-Platz tragen. Städtepartnerschaften seien Bausteine für ein Zusammenwachsen Europas und gelebte Partnerschaften, betonte Oberbürgermeister Fenrich bei der Einweihungsfeier, und er gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass der neue Temeswar-Platz ein symbolischer Ort der Begnung werde. „Es ist ein schönes Geschenk an die Partnerstadt Temeswar”, bedankte sich der Oberbürgermeister von Temeswar, Gheorghe Ciuhandu, in perfektem Deutsch. Eine zweite Feier findet vom 14. bis 17. April in Temeswar statt. Für das Treffen in Temeswar kündigte der Oberbürgermeister ein Überraschungsgeschenk an.