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Banater Post

Von Worten und Werten

Wahrnehmung der Korruption (durch stichprobenartige Meinungsumfragen unter der Bevölkerung) im internationalen Vergleich (Quelle: wikipedia und Transparency International, Stand: 2010)

Kürzlich hat die rumänische Europa-Abgeordnete Monica Macovei eine stattliche Liste mit Namen von rumänischen Abgeordneten vorgelegt. Gemeinsam hatten sie eines: Sie waren bereits wegen Korruption verurteilt oder die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie. Unter den Betroffenen befinden sich bekannte und weniger bekannte Namen mit verschiedenen Biographien. Günstlinge und Angehörige der ehemaligen Nomenklatura waren ebenso darunter wie Emporkömmlinge aus der Provinz, die vorgaben, die Anliegen ihrer Wähler zu vertreten und recht bald nur noch an den eigenen Profit dachten.

Das Thema Korruption war in Rumänien immer schon ein Thema; in den Zeiten der kommunistischen Mangelwirtschaft ebenso wie zur Zeit der Monarchie oder der Phanariotenherrschaft in den rumänischen Fürstentümern im späten Mittelalter. Von König Carol II. soll die Aussage stammen, dass er seinen um Gehaltserhöhung bittenden Beamten beschieden habe, er hoffe, doch so kluge Beamte zu haben, dass sie sich eine Gehaltserhöhung selbst besorgen könnten. Ob diese Aussage so stimmt, sei dahingestellt. Sie hat jedoch, Eingang in die heutige Gesellschaft gefunden und wurde zum Synonym für eine bestimmte Geisteshaltung: Klug, anerkannt, beneidenswert ist der, der unter Umgehung rechtlicher und moralischer Normen für sich persönliche Vorteile erreicht.

Nun ist dieses Phänomen nicht auf Rumänien beschränkt. Nein, es hat auch Eingang in Staaten gefunden, in denen dies nicht unbedingt zur Alltagskultur gehörte. Ich erinnere mich an den Rundbrief eines Landrates an die Mitarbeiter seines Amtes zu Beginn der achtziger Jahre, in dem er vor Anträgen von Aussiedlern warnte, denen gelegentlich ein Geldschein beigelegt sein könnte. Er drohte seinen Beamten mit drastischen Konsequenzen bei Geldannahme und entschuldigte das Verhalten der Aussiedler mit Hinweisen auf die Herkunftsländer der Aussiedler, in denen ein solches Verhalten üblich sei. Heute gehören diese Länder zur EU und haben sich für den gemeinsamen Rechte- und Wertekanon dieser Union entschieden. Ihre unterschiedlichen kulturellen Prägungen haben sie aber auch mit eingebracht. Es wird interessant sein, zu beobachten, welche Haltungen und Verhaltensweisen sich durchsetzen werden: die der Macoveis oder die der Nastases.

Und bei uns in Deutschland? Wir haben uns angewöhnt, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen.