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Banater Post

»Wie einmal durchs Dorf gehen«

„Es war wie einmal durchs Dorf gehen“, hat eine ältere Besucherin des Heimattages es formuliert, als sie am Pfingstsonntag 1992 die Donauhalle in Ulm verließ und zum Bus eilte, der sie in die Stadt bringen sollte, in der sie nun lebte. Wir wissen nicht, ob sie heuer, zwanzig Jahre später, wieder nach Ulm kommen wird. Viele aus der Generation, die den Besuch des Heimattages mit einem Gang durch das Heimatdorf assoziiert haben – verbunden mit einigen Abstechern zu den ehemaligen Nachbardörfern –sind nicht mehr unter uns. Nichtsdestotrotz hat der Heimattag seine Attraktivität für tausende Banater Schwaben bewahrt, die hier gezielt Angebote suchen, die für sie und ihr Selbstverständnis als Banater Schwaben wichtig sind. Im Vordergrund steht sicher nach wie vor die Begegnung von Menschen mit einem ähnlichen Erfahrungshorizont, geprägt in der ehemaligen Gemeinschaft im Banat.

In den letzten Jahren hat jedoch vermehrt eine neue Generation den Heimattag für sich entdeckt, welche die ehemalige Gemeinschaft im Banat nur noch aus Erzählungen der Eltern oder Großeltern kennt. Diese Generation hat sich zu einer neuen Gemeinschaft entwickelt, die jetzt in diversen Foren und Netzwerken im Internet, in Gruppen der Banater Jugend- und Trachtengruppen oder in ehemaligen Schulgemeinschaften gepflegt wird. Das Banat und der Erfahrungshorizont der Eltern und Großeltern als Schwaben im Banat bilden dabei einen Rahmen; die inhaltlichen Schwerpunkte werden jedoch neu gesetzt, und sie erfolgen nach einer bewussten Entscheidung, dem Banater Teil der Familiengeschichte einen angemessenen Platz in der Biografie einzuräumen.

An Tagen wie dem Heimattag an Pfingsten zu Ulm sind wir alle gefordert, für die Angehörigen von vier Generationen, die sich dort treffen, ein Angebot bereitzuhalten, das vielfältigen Erwartungen gerecht wird. Im Mittelpunkt wird dabei die Begegnung von Menschen stehen, das Erlebnis der Gemeinschaft. In der ehemaligen Dorfgemeinschaft wird man das eine oder andere gesuchte Gesicht finden oder vermissen. Das virtuelle „Banater Dorf“ aus dem Internet hat die Chance, an diesem Tag sein Pendant in einer realen Gemeinschaft zu finden. Die vielen Banater facebook-Freunde können an diesem Tag ihre „Gefällt-mir-Hand“ einem echten Gegenüber reichen. Die Jugendgruppen können sich als neue Erlebnisgeneration präsentieren, deren Banater Gemeinschaftsleben aus der Teilnahme an gemeinsamen Gruppenstunden und Wochenendseminaren gespeist wird. Sie werden in die Messehallen gehen und dort die Angehörigen der ehemaligen Dorfgemeinschaften ihrer Eltern und Großeltern treffen. Auf diese Begegnungen darf man gespannt sein, auch wie Gemeinschaft danach definiert wird.