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Banater Post

Unsere Geschichte und Kultur annehmen und einbringen

Peter-Dietmar Leber, der seit Februar das Amt des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft innehat, nahm ausführlich Stellung zu den Zielen der landsmannschaftlichen Arbeit in der Zukunft und formulierte eine Reihe von konkreten Vorhaben.

An der Tagung im Donauschwabenhaus am 27. und 28. März hatten die rund 130 Tagungsteilnehmer Gelegenheit, sich mit aktuellen Fragen des Verbandslebens auseinanderzusetzen und an einem regen Informationsaustausch mitzuwirken.

Vorab will ich mich nochmals bei den Landsleuten und Verbandsvertretern bedanken, die in vielen Telefonaten, Briefen und E-Mails ihre Glückwünsche und Hoffnungen zu meiner Wahl in das Amt des Bundesvorsitzenden ausgedrückt haben. Ich kann auch hier nur sagen, dass wir alle, die wir Verantwortung für unseren Verband übernommen haben, uns bewusst sind, dass wir – vielleicht wieder mal – an einem Punkt sind, wo es gilt, wirklich alle Kräfte zu mobilisieren um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. Diese arbeitet nämlich nicht für uns. Nein, wir sind uns dessen bewusst, dass fast siebzig Jahre, nachdem die ersten Landsleute das Banat verlassen haben und gut zwanzig Jahre, nachdem die letzten, die gehen wollten, zu uns gekommen sind, wir die Weichen so stellen müssen, dass wir sowohl für die aktiv sind, die zur ersten Gruppe gehören, als auch für jene, die der zweiten Gruppe zugehörig sind. Dazwischen aber sind diejenigen unter uns, mittlerweile auch schon zwei bis drei Generationen, die zum Teil schon in Deutschland geboren wurden, die hier groß geworden sind, hier geprägt wurden und doch immer wieder in der Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte ihrer Eltern und Großeltern auf uns stoßen. Auch aus dieser Gruppe kommen immer wieder Landsleute zu uns, die von uns ein Angebot auf ihre Fragen nach dem woher und wohin der Familie, der Sippe, der ehemaligen Dorfgemeinschaft erwarten. Das kann die Heimatortsgemeinschaft betreffen, den Kreis- oder Landesverband, aber genauso gut auch unsere Jugendorganisation, die DBJT, das Hilfswerk der Banater Schwaben oder den Freundeskreis Blasmusik. Schaffen wir es, offen zu sein für diesen weiten Bogen von Lebensjahren und Interessen, von Wünschen und Hoffnungen? Haben wir unseren Köcher mit Angeboten dafür immer gut gefüllt? Ist dies überhaupt möglich und vor allem, wie gehen wir damit um? Das sind die Fragen, die sich uns täglich neu stellen.

Ich könnte es mir jetzt natürlich leicht machen und sagen: In der Satzung ist das festgeschrieben. Das stimmt, aber jeder von uns weiß, dass diese Satzung nur einen Rahmen bildet, innerhalb dessen unsere Arbeit stattzufinden hat. Um die Inhalte müssen wir uns kümmern. Sie sind gespeist aus Überlieferungen und Traditionen, sie bilden historische Abläufe ab, sie sind in gewissem Sinne aber auch eine Reaktion unsererseits auf die Gesellschaft, in der wir leben. Wir prägten und prägen, im Banat, in Deutschland, aber wir wurden und werden auch geprägt, in Deutschland und im Banat. Auch diese unterschiedliche Wechselwirkung, die auch noch stark differenziert werden kann – schauen wir uns doch nur die Vielfalt der Sprach- und Kulturlandschaft im Banat oder in Deutschland an –, trug dazu bei, dass wir uns rühmen dürfen, Träger einer besonderen Kultur zu sein. Nicht besser oder schlechter als andere, nur etwas anders. Die Tatsache, dass wir mit diesem weit gespannten Bogen heute nicht nur über ganz Deutschland, sondern über den ganzen Erdball verstreut sind, eröffnet uns besondere Möglichkeiten. Banater Schwaben gibt es überall, und sie sind meistens froh, wenn sie als solche entdeckt werden, denn die meisten Landsleute sind sich noch dessen bewusst, dass gewisse Prägungen und Bindungen nur uns eigen sind. Sie wissen um die Besonderheit eines gemeinsamen, eines ähnlichen Schicksals, dessen prägendes Element der Verlust war. Der Verlust von Heimat, von Gemeinschaft, von gewachsenen Strukturen. Den materiellen meine ich jetzt gar nicht, denn der wurde relativ schnell ausgeglichen.

Es gibt jedoch noch die zweite Waagschale, die diesem Verlust gegenübersteht, nämlich der Gewinn: der Gewinn von Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstentfaltung. Muss dieser Gewinn zwangsläufig mit der Aufgabe all dessen einhergehen, was uns ausgemacht hat, unserer Identität? Sind wir denn nicht in der Lage, in 115 Heimatortsgemeinschaften, 55 Kreisverbänden, 5 Landesverbänden, mit 15000 Mitgliedern, mit 150000 erfassten Landsleuten uns so einzubringen, dass wir einen Beitrag zur Stärkung unserer Identität, zur Festigung unserer Gemeinschaft leisten, dass wir diese und unsere Umwelt durch uns bereichern, sie gar fortentwickeln? Viele Beispiele aus ihren Reihen, die Sie heute hier sind, zeigen, dass dies möglich ist, und auch der Bundesvorstand will seinen Beitrag hierzu leisten.

Konkrete Pläne

Ich will nun ganz konkret einige Aufgaben benennen, die unserer Meinung nach in den nächsten drei Jahren angepackt werden sollten: Einige beziehen sich nur auf den Bundesvorstand und die Bundesgeschäftsstelle, andere wiederum sind auch ein Angebot an Sie, die Heimatortsgemeinschaften, Kreis- und Landesverbände, verbunden mit der Bitte, diese zu prüfen und sich einzubringen.

Eine meiner Überlegungen ist, dass diese vier Generationen, die heute Mitglied unseres Verbandes sind und dadurch Interesse an unserer Gemeinschaft mit diesem weiten Bogen bekunden, nach wie vor Bezugspunkte zum Banat als geographische Region mit den Kirchen, den Friedhöfen, einigen markanten Gebäuden, aber auch manchen Besonderheiten suchen, über die wir jetzt lächeln werden, wenn ich sie erwähne: Mag das die gerade Landstraße sein, eine Pappelallee, eine versumpfte Kaule am Ortsrand oder ein Meer von Pipatschen und Kornblumen irgendwo am Feldrand. Selbst in der negativen Auseinandersetzung, dem Schimpfen über die Zustände heute dort, das Aussehen der Kirche, des Friedhofes zeigt sich, dass dies uns nach wie vor nicht unberührt lässt. Wenn dem so ist, dann müssen wir auch den Mut haben, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen und sagen: Ja, das gehört zu unserer Geschichte, das gehört zu uns, das nehmen wir auch an.

  • Projekt: Erstellung dreier touristischer Reiseroutendurch das Banat unter besonderer Berücksichtigung unserer Geschichte, aber auch unter Einbeziehung der wichtigsten Punkte für die allgemeine Geschichte des Banats. Eine Reiseroute könnte im Kreis Arad sein, mit Maria Radna, Arad, Guttenbrunn, die Bergsau, aber auch die Stadt Sanktanna, die noch eine deutschsprachige Schule und ein deutsches Gemeinschaftsleben aufweist. Eine Reiseroute im Kreis Temesch mit Temeswar, Lenauheim, Hatzfeld und anderen, mit der Besichtigung von Stätten, die für uns und für unsere Geschichte von Belang sind: Lenau-Gedenkstätte, Jäger-Gedenkstätte; wir haben nicht viele, nehmen wir sie doch an! Eine Reiseroute im Kreis Karasch-Severin mit dem Schwerpunkt auf dem Banater Bergland, die Donau. Diese könnten Eingang finden in einem
  • Projekt: Reiseführer Banat. Es gibt zur Zeit keinen einzigen deutschsprachigen „Reiseführer Banat“ auf dem Markt. Dieser sollte auch die historische Entwicklung des Banats widerspiegeln, die Orte des Mittelalters aufzeigen, die alten, längst verschwundenen Klöster und – auch das müssen wir sagen – die heute verschwundenen deutschen Dörfer. Ich erwähne nur den Ort Waldau, von dem nur noch einige Steine im Acker von dessen Existenz zeugen.
  • Projekt: Die Landsmannschaft sollte auch im Banat ein Büro haben, eine Dienststelle, die für unsere Mitglieder aktiv ist. Was könnte sie tun? Ich denke an die Beschaffung von Unterlagen, an eine Berichterstattung vor Ort, an Serien: durch die Dörfer des Banats heute, wie sie Werner Niederkorn vor Jahren verfasst hatte, ich denke an Termine vor Ort, die man auch im Internetzeitalter mit der physischen Präsenz vor Ort einfach besser regelt.
  • Projekt: Eine Broschüre, ein kleines Geschichtsbuch über die Banater Schwaben in rumänischer Sprache ist meines Erachtens im Banat überfällig. Auch dort ist eine neue Generation herangewachsen, die uns und unsere Geschichte nicht kennt. Ich hätte nie gedacht, dass sich der Spruch „Aus den Augen, aus dem Sinn“ auch in diesem Fall so schnell bewahrheiten sollte. Dies wäre ein Projekt, das man mit dem Forum, mit rumänischen Stellen anstoßen könnte. Ich erachte es als wichtig, dass es so etwas gibt.
  • Projekt: Eine jährliche Wallfahrt>der Landsmannschaft der Banater Schwaben nach Maria Radna. Dieser Vorschlag kam vom Bischof unserer Heimatdiözese, Msgr. Martin Roos, über den Pfarrer von Maria Radna, Domherr Andreas Reinholz, und er hatte auch schon einen Terminvorschlag: jeweils der 2. August im Jahr. Ich glaube, dass dies eine gute Möglichkeit ist, die grenzüberschreitende Ausstrahlung dieses Wallfahrtsortes zu unterstreichen, den wir einmal „unser“ nannten, und der verstärkt wieder in das Bewusstsein aller Gläubigen der alten Diözese Tschanad rückt.

Bei allen diesen fünf Projekten benötigen wir die Mithilfe diverser Einrichtungen vor Ort im Banat: der Kirche, des Forums, der kommunalen Ortsverwaltungen. Manche Heimatortsgemeinschaften haben beste Beziehungen in ihren Heimat-ort, die auch für diese Vorhaben zu nutzen sind. Sie haben vielleicht festgestellt, dass sich diese Vorhaben vielleicht eher an jene aus unserer Gruppe und unserem Verband wenden, die sich in dem eingangs erwähnten Bogen der Generationen an dem einen Ende befinden. Wir sollten aber nicht vergessen, dass heute im Banat mittlerweile auch zahlreiche Bundesdeutsche leben, die nicht aus dem Banat stammen. Sie sind Führungskräfte in Firmen, sie haben z. B. in Temeswar am Dom eine deutsche Buchhandlung gegründet, in der sie jetzt auch die Bücher der Landsmannschaft vertreiben, sie führen eine Landwirtschaft im Banat, sie können und sollen dort auch einen Zugang zu uns und unserer Geschichte finden.

Dokumentation unseres historischen Erbes

Wir wollen uns in den nächsten drei Jahren aber auch einen Beitrag zur Dokumentation unseres historischen Erbes leisten. Die Heimatortsgemeinschaften haben einen überarbeiteten Erfassungsbogen erhalten, in dem gezielt nach Kulturdenkmälern im Heimatort gefragt wird, nach Kriegerdenkmälern, Denkmälern, die an Krieg, Flucht und Deportation erinnern. Kürzlich ist im Böhlau-Verlag in der Reihe „Studia Transylvanica“ ein Buch erschienen: „Gefallen für Volk und Heimat. Kriegerdenkmäler deutscher Minderheiten in Ostmitteleuropa in der Zwischen-kriegszeit“. Es ist eine interessante, vergleichende Studie, die vierzig Seiten dem Banat und den Banater Schwaben widmet. Sie sollte ausgebaut werden, die Heimatortsgemeinschaften könnten hierfür sicher einen guten Beitrag leisten. Gefragt worden ist nach sakralen Denkmälern (Kreuze, Kapellen), die ebenfalls dokumentiert werden sollen, nach bedeutenden Bauten, Landschlössern, die im Zusammenhang mit unserer Geschichte stehen.

Wir benötigen für die mittlere und junge Generation einen einfachen, modernen, zeitgemäßen Zugang zu unseren Anliegen. Sie holen sich nicht die alten dicken Heimatbücher oder Heimatblätter hervor. Sie gehen ins Internet, greifen zu Comics, sie twittern und chatten, und sie hätten gerne einfaches, gedrucktes Material, eine Art „Fibel der Banater Schwaben“. Das Wichtigste zur Geschichte, zum Brauchtum, zur Kultur und zur heutigen Situation, illustriert, kurz und knapp formuliert, ein modernes Schulbuch. Ich könnte mir vorstellen, dass unter den vielen Banater Schwaben, die als Lehrerinnen und Lehrer gewirkt haben oder noch wirken, Persönlichkeiten zu finden wären, die sich bei der Durchführung eines solchen Projektes einbringen würden.

Wir benötigen als Gemeinschaft und als Verband eine engere Verzahnung und mehr Synergieeffekte aus der Arbeit der Institutionen, die sich wissenschaftlich und breitenwirksam mit unserer Geschichte beschäftigen. Das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen mit mehreren Wissenschaftlern, das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm, das Haus der Heimat in Stuttgart, das Haus des Deutschen Ostens in München sind wichtige Institutionen, deren Arbeitsergebnisse stärker in die Arbeit unseres Verbandes fließen müssen. Das setzt aber voraus, dass wir dorthin gehen, an deren Tagungen teilnehmen, in die Bibliotheken gehen und das an- und aufnehmen, was hier bereits erarbeitet worden ist.

Als weitere wichtige Projekte spreche ich an

  •   Die Dokumentation unserer Aussiedlung, beginnend von der Flucht 1944 bis zu den letzten großen Schwabenzügen in Richtung Deutschland 1990 und 1991. Es gab bereits entsprechende Ansätze: eine Ausstellung, Tagungen zum Thema Freikauf, umfassende Beiträge z. B. in den Heimatbüchern Alexanderhausen und Grabatz, Beiträge in Heimatblättern; allein die große Dokumentation des „Verlusts und des Gewinns“ – sie steht noch aus. Hierzu könnten sowohl die Heimatortsgemeinschaften aber auch die Kreisverbände einen substantiellen Beitrag liefern. In diesem Zusammenhang muss auch das Problem der Schmiergeldzahlungen angesprochen werden: Es wurde hier in diesem Raum bereits bei einer Tagung vor einigen Jahren erwähnt, ist kontrovers diskutiert aber nicht aufgearbeitet worden.
  •   Die Dokumentation der Integration der Banater Schwaben in Deutschland. Es gibt unterschiedliche Definitionen hierfür, schon interessante Studien, auf Teilbereiche bezogen (räumliches Verhalten, schulische Integration), aber es wäre sehr interessant, an Kriterien wie Heirat, Essensgewohnheiten, Besuche im Banat, Gebrauch der Mundart etc. eine größere Studie hierzu zu verfassen. Es gab das Ansinnen, ein solches Projekt vor drei Jahren zu starten – es ist in Ansätzen steckengeblieben. Der neue Bundesvorstand wird sich dieses Projektes wieder annehmen.
  •   Die Geschichte der Banater Schwaben unter dem Kommunismus: Verfolgung und Kollaboration. Hierzu gehört auch der Umgang mit den Securitate-Akten. Bei meinem einwöchigen Aufenthalt beim Nationalen Rat für das Studium der Archive der Securitate im Herbst vergangenen Jahres war dies auch Thema eines Gespräches mit der Leitung dieser Behörde hinsichtlich einer gemeinsamen Tagung. Wie wurde zum Beispiel ein Banater Dorf von der Securitate vereinnahmt, wie verschiedene Bereiche der Gesellschaft, welche Strategien setzte der Repressionsapparat ein, wie gingen unsere Landsleute damit um? Mehrere Wissenschaftler haben sich dort bereits mit solchen Fragen befasst. Und letztlich sind auch viele Fragen noch nicht geklärt, die im Zusammenhang mit der Einschleusung von Securitate-Spitzeln in Entscheidungsgremien der Landsmannschaft gestellt wurden. Der kommunistische Geheimdienst hat seine Akten nicht so abgelegt, dass sie uns gleich ein lückenloses oder erhellendes Bild offenlegen würden.
Entscheidung für das Tun

Die Landsmannschaft, der Bundesvorstand ist für alle Initiativen offen, die von außen kommen. Wir werden das Gremium des erweiterten Bundesvorstandes nutzen, um Persönlichkeiten einzubringen, die fähig und willens sind, Beiträge zur Dokumentation und Vermittlung unserer Geschichte und unseres kulturellen Erbes zu leisten. Wir brauchen und suchen das Gespräch und die Begegnung untereinander; das Internet leistet vieles, aber mitnichten ersetzt es eine Gemeinschaft, auch wie diese heute. Es ist wichtig, die Verbandsstrukturen zu erhalten; dort, wo es nicht mehr geht, sollen Ansprechpartner benannt und Kreisverbände zusammengeführt werden. Wir erleben aber auch heute noch Anläufe zur Schaffung neuer Strukturen, wie die Gründung einer Banater Unternehmervereinigung. Elf Banater Unternehmer haben ihre Bereitschaft erklärt, sich in diesem Gremium einzubringen, ihre Fähigkeiten, ihre Beziehungen;wir sollten dieses Unterfangen auch für unseren Verband nutzen. Wir sind dankbar für Vorschläge, Persönlichkeiten einzubinden. Wir haben mehrere Universitätsprofessoren als Mitglieder in unseren Reihen, die mitarbeiten, sich einbringen. Wuchern wir doch stärker mit diesem Pfund, binden wir sie stärker in die Außendarstellung unseres Verbandes und unserer Gruppe ein.

Stärker als bisher müssen wir unsere Verbandszeitung, die Banater Post, als Visitenkarte unserer Landsmannschaft nutzen. Historische Gedenktage bieten eine gute Möglichkeit, die Lokalgeschichte in größeren Zusammenhängen zu präsentieren. Gedenktage, die an Persönlichkeiten unserer Geschichte erinnern, können positive Identifikationsmuster schaffen. Wichtig ist, dass wir in der Zeitung auch die Lebenswege unserer Landsleute in Deutschland begleiten; wir müssen näher an den Menschen dranbleiben. Dazu gehört auch das Medium Internet. Unsere neue Internetpräsenz erfreut sich wachsenden Zuspruchs; es soll von den Gliederungen noch stärker als bisher als Kommunikationsangebot genutzt werden.

Wie so vieles ist auch unsere Geschichte eines: offen. Hätten sie gedacht, dass zwanzig Jahre, nachdem die letzten Aussiedler aus dem Banat gekommen sind, neue Kindergruppen und Jugendgruppen entstehen? Ich nicht. Und schauen Sie: Diese Entwicklung kam von unten, von der Basis. Dazu eine persönliche Anmerkung: Vor etwas mehr als 15 Jahren war ich als Vertreter der Landsmannschaft in der Stiftung Deutsches Kulturerbe in Rumänien in Holzmengen in Siebenbürgen. Mit dabei war der ehemalige Botschafter Deutschlands in Rumänien, Dr. Jürgen Terfloth. Wir waren zuvor durch zahlreiche ehemals sächsische Dörfer gefahren, deren Anblick erschütternd war. Sie wirkten verlassen, aufgegeben, trostlos, über allem herrschte eine Endzeitstimmung. In Holzmengen hatte die von dem deutschen Diplomaten initiierte Stiftung eine Kirchenburg renoviert. Nach einem Gottesdienst fragte ich Dr. Terfloth, vielleicht etwas zu unbefangen: „Herr Botschafter, welche Motivation steckt hinter ihrem Wirken hier, hat das denn noch einen Sinn?“ Er schaute mich etwas kritisch an, sagte dann aber mit weicher Stimme: „Man muss dafür sorgen, dass die Entwicklung offen bleibt, nur dann hat man Spielräume, nur dann kann ich sagen, ich mache dies so oder anders.“ Das war alte Diplomatenschule.

Nehmen wir als Leitsatz bitte eines an: Wir allein entscheiden durch unser Tun oder durch unser Unterlassen darüber, wie es weitergeht mit unserer Gemeinschaft, unserem Verband und unserer Arbeit. Wir allein. Wenn wir uns für ersteres entscheiden, für das Tun, dann schaffen wir Möglichkeiten; für letzteres gibt es keine Alternative mehr, man ist ausgeliefert, Objekt und nicht
Subjekt. In diesem Sinne: Fordern Sie uns und sich selbst, bringen Sie sich ein!