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Banater Post

Fünfzig Jahre Banater Trachtengruppe Uiwar-Rödental

Die Banater Trachtengruppe Uiwar-Rödental wird am 13. Oktober ihr fünfzigjähriges Bestehen im Casino Stöwer in Rödental feiern. Einsender des Fotos: Erwin Metterle

Dass die Uiwarer schon sehr früh zu einer Ortsgemeinschaft zusammengefunden haben, lag daran, dass etwa 70 Prozent der Bewohner im Herbst 1944 die Flucht in Richtung Westen angetreten haben. Die Flüchtlingszüge endeten im Raum Oeslau (Bayern), Chemnitz (Sachsen) und Braunau (Österreich). Schon damals zeigte sich, wie stark die Bindungen der Uiwarer untereinander waren, denn noch vor Kriegsende zog die überwiegende Mehrheit der Landsleute aus der Chemnitzer und Braunauer Gegend nach Oeslau (seit 1971 Stadtteil der durch den Zusammenschluss mehrerer bis dahin selbständigen Gemeinden neu entstandenen Gemeinde Rödental). Von Heimweh geplagt, kehrte 1946 etwa ein Viertel der Uiwar ins Banat zurück. Doch auch die in Oeslau und den umliegenden Ortschaften verbliebenen 600 bis 700 Uiwarer sehnten sich nach der Heimat. Um diese Sehnsucht zu stillen, veranstalteten sie 1949 die erste Uiwarer Kirchweih, die seither Jahr für Jahr gefeiert wird. Die Uiwarer Kirchweih ist somit die Banater Brauchtumsveranstaltung, die in Deutschland auf die längste Tradition verweisen kann. Und so kommt es, dass am 13. Oktober in Rödental bereits zum 64. Mal Banater Kirchweih gefeiert wird, verbunden mit einem Treffen der Heimatortsgemeinschaft Uiwar-Aurelheim. Höhepunkt dieser Veranstaltung wird das fünfzigjährige Jubiläum der Trachtengruppe Uiwar-Rödental sein.

Die Uiwarer Trachtengruppe wurde 1962 auf Initiative des damaligen Vorsitzenden der Südostdeutschen Landsmannschaft im Kreis Coburg, Hans Hoffmann, ins Leben gerufen. Über die Umstände der Gründung ist in der Banater Post vom 15. März 1963 folgendes zu lesen: „Im vergangenen Herbst haben unsere Uiwarer Landsleute, die besonders im Kreis Coburg eine neue Heimat gefunden haben, ihre Kirchweih gefeiert, wozu sie die Augsburger Trachtengruppe eingeladen hatten. Das so gut gelungene Fest und die schönen Trachten der Augsburger ließen ihnen das Wasser im Munde zusammenlaufen, und sie haben beschlossen, eine Uiwarer Trachtengruppe (...) zu bilden.“ Im Dezember 1962 meldeten sich 16 Paare: Helmut und Irmgard Allar, Peter und Anni Awender, Mathias und Maria Biebel, Peter und Katharina Dekorsy, Egon und Anna Franz, Lothar und Friederike Gehrlieher, Hans und Annemarie Groß, Uwe und Lieselotte Gessner, Erhard und Erika Hoffmann, Karl und Elisabeth Jung, Bruno und Gisela Kessel, Ernst und Helene Langbein, Walter und Katharina Liebkopf, Horst und Erika Reuß, Josef und Friederike Wissinger sowie Christof und Barbara Wittmann. Als Tanzleiter konnte Sepp Kamp gewonnen werden. Alle Trachten wurden damals von den Gründungsmitgliedern selbst originalgetreu angefertigt. Mit viel Enthusiasmus und Eifer bewältigten sie den damit verbundenen großen Arbeitsaufwand und widmeten sich den Tanzproben. Rückblickend lässt sich feststellen: Es war eine lohnende Investition, die es ermöglichte, einerseits überlieferte Werte der Volkskultur zu pflegen und zu bewahren, andererseits die Gemeinschaft zu stärken und die kollektive Identität zu fördern. 

Ihre ersten öffentlichen Auftritte hatte die Uiwarer Trachtengruppe am 24. April 1963 anlässlich der Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes Coburg und im Juni desselben Jahres beim Heimattag der Banater Schwaben in Schwäbisch Gmünd. Schon bald nach der Gründung wurde die Gruppe mit ihren schönen Trachten und gelungenen Tanzvorführungen ein gern gesehener Gast bei Veranstaltungen in ganz Deutschland. Zu verdanken war dieser Erfolg auch der aus Thüringen stammenden Puppenfabrikantin Helga Knoch. Als Tanzleiterin gab sie der Trachtengruppe in mühevoller Arbeit den letzten Schliff und ein unverkennbares Profil. Dank ihres Könnens erlangte die Uiwarer Trachtengruppe einen hohen Bekanntheitsgrad nicht nur in Banater und donauschwäbischen Kreisen, sondern über die landsmannschaftlichen und räumlichen Grenzen von Coburg hinaus. Auch von der einheimischen Bevölkerung erfuhr sie immer wieder viel Lob und Anerkennung. Im Laufe der vergangenen fünfzig Jahre absolvierte sie zahllose Auftritte beim jährlichen Kirchweihfest in Oeslau/
Rödental und bei landsmannschaftlichen Veranstaltungen in Schwäbisch-Gmünd, Göppingen, Nürnberg, Sindelfingen, Zirndorf, Kempten, Straubing, Homburg / Saar, Schuttertal, Heidenheim, Bamberg, Köln, Ulm, Kronach, Augsburg, Freiburg, Buchbach, Dinkelsbühl, Schweinfurt, Rothenburg, Landshut, Ingolstadt usw.

Ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Uiwarer Trachtengruppe war die dreiwöchige Tournee in die Vereinigten Staaten von Amerika und nach Kanada im Jahr 1977. Hierfür hatte sie unter der Leitung von Hans Hoffmann und seines Mitstreiters Sepp Kamp – der nach dem Tod von Helga Knoch die Tanzleitung übernommen hatte – ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet, das Volkstänze, Lieder, Gedichte und Einlagen in Mundart umfasste. An der Amerika-Fahrt nahmen zwölf Trachtenpaare und als Begleiter seitens der Landsmannschaft der Banater Schwaben Hansjörg Kühn (ein gebürtiger Uiwarer) und Hans Huniar teil. Die Gruppe wurde überall begeistert empfangen und überzeugte mit ihrem Zweistunden-programm bei Auftritten in den amerikanischen Städten New York, Trenton, Philadelphia und Cleveland sowie in den kanadischen Städten Leamington, Bradford, Toronto und Cambridge/Guelph. Zum Abschluss der Tournee nahm sie an dem alljährlich stattfindenden Tag der Donauschwaben aus den USA und Kanada am 3. und 4. September in Detroit teil. Ein ausführlicher Bericht über diese Tournee von Hans Huniar erschien in der Banater Post vom 15. Oktober und 15. November 1977.

Dass die Uiwarer Trachtengruppe ihre Tätigkeit ununterbrochen bis heute fortsetzen konnte, ist auch dem Einsatz von Hans Hoffmanns Nachfolgern Alexander Klinger (1984–1993) und Erwin Metterle (seit 1993) zu verdanken. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sie in der Pflege des Banater Brauchtums Beispielhaftes geleistet. Dafür ist die Trachtengruppe Uiwar-Rödental zu beglückwünschen und allen, die im Laufe der Jahre mitgewirkt haben, Dank und Anerkennung auszusprechen. Alles Gute für weitere gemeinsame Jahre!