zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Das Gedächtnis der Deportation - Landsmannschaft Partner eines EU-Forschungsprojekts

Betroffene berichten in der Bundesgeschäftsstelle in München über die Jahre in der Deportation. Foto: Karin Bohnenschuh

Wie bereits berichtet, ist die Landsmannschaft der Banater Schwaben Partner des EU-Forschungsprojektsprojekts „Gedenken an die Deportation der Rumäniendeutschen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion“. Betreut wird das Projekt, an dem als weitere Partner das Demokratische Forum der
Banater Berglanddeutschen und die Universität „Aurel Vlaicu“ in Arad beteiligt sind, von dem 2009 in Rumänien gegründeten Verein für Politische Ökologie (Asociatia Romana de Ecologie Politica – AREP). Das Forschungsteam, dem die Historiker Dr. Lavinia Betea (Professorin an der Universität Aurel Vlaicu in Arad), Dr. Cristina Diac und Dr. Florin Razvan Mihai (wissenschaftliche Mitarbeiter am Nationalen Institut für die Erforschung des Totalitarismus in Bukarest) und Dr. Ilarion Tiu (Assistent an der Christlichen Universität Dimitrie Cantemir in Bukarest) angehören, ist bestrebt, das komplexe Thema der Deportation der über 75 000 Rumäniendeutschen in die ehemalige Sowjetunion in den Jahren 1945 bis 1949 unter den verschiedensten Gesichtspunkten und unter Berücksichtigung des regionalen, nationalen sowie europäischen Kontextes zu dokumentieren und zu analysieren. Das EU-Projekt versteht sich als ein Beitrag zur Aufarbeitung der Zeitgeschichte Rumäniens mit Akzentsetzung auf die Dokumentation der Menschenrechtsverletzungen in der Zeit der kommunistischen Diktatur und der damit verbundenen menschlichen Tragödien.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Erlebnisberichte der unmittelbar von der Russlanddeportation Betroffenen. In Anbetracht der Tatsache, dass diese bereits in einem fortgeschrittenen Alter sind, bemüht man sich zur Zeit, mit je mehr Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen und deren Berichte zu erfassen. Zu diesem Zweck reisten im April dieses Jahres drei Historiker aus Bukarest unter Leitung von Dr. Ilarion Tiu nach Deutschland. Durch die Vermittlung und mit Unterstützung unserer Landsmannschaft konnten sie in München, Ingolstadt und Landshut Interviews mit betroffenen Landsleuten aufzeichnen.

In der Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft in München trafen sich die rumänischen Forscher zu einem Informationsgespräch mit dem Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber, an dem auch der Vizekonsul Rumäniens in München, Michael Fernbach, teilnahm. Sie umrissen die Ziele des Projekts, berichteten über die bisher geleistete Arbeit und erläuterten die weiteren Schritte. Gleichzeitig sprachen sie der Landsmannschaft den Dank des Vereins für Politische Ökologie aus für ihre Kooperationsbereitschaft, das zur Verfügung gestellte Dokumentationsmaterial, die Vermittlung der Kontakte zu ehemaligen Russlanddeportierten und die Begleitung des Forscherteams nach Ingolstadt und Landshut.

In München wurden die Schilderungen von Katharina Tillich (Schöndorf) und Johann Noll (Sanktandres, wohnhaft in Augsburg) aufgezeichnet. Barbara Hirth (Schöndorf) konnte den Termin nicht wahrnehmen und stellte ihren Bericht in schriftlicher Form zur Verfügung. Am zweiten Tag ihres Deutschland-Aufenthaltes standen den Forschern im Banater Senio-renzentrum „Josef Nischbach“ in Ingolstadt folgende Landsleute Rede und Antwort: Nikolaus Bart-hold (Aurelheim), Anna Bauer (Segenthau), Michael Butto (Bethausen), Franz Engel (Bethausen), Anna Frombach (Jahrmarkt), Elisabeth Hoch (Jahrmarkt), Barbara Klug (Neuarad), Anna Lenhard (Jahrmarkt), Elisabeth Maltry (Jahrmarkt), Anna Muth (Jahrmarkt) und Elisabeth Rudlof (Slatina-Temesch). Letzte Station der Dokumentationsreise war Landshut. In Begleitung des Kreisvorsitzenden Hans Szeghedi besichtigten die drei Historiker zunächst das „Mahnmal wider das Vergessen“, ein Werk des Banater Bildhauers Walter Andreas Kirchner, wonach der Historiker und Schriftsteller Hans Bohn (Kleinsanktpeter) in einer zweistündigen Darlegung einen umfassenden Fragenkomplex des Forscherkollektivs beantwortete. Er war als 17-Jähriger verschleppt worden und überlebte als einziger von fünf deportierten Familienmitgliedern. Unter dem Titel „Wider das Vergessen“ berichtete auch die Landshuter Zeitung in ihrer Ausgabe vom 25. September über das „EU-Projekt zur Aufklärung der Massendeportation Rumäniendeutscher“ und Hans Bohns Kernaussagen.

Der Rumänische Verein für Politische Ökologie wird seine Erkenntnisse unter anderem mittels wissenschaftlicher Tagungen, Publikationen und eines Dokumentarfilms sowie auf seiner Internetseite www.memoriavie.eu der Öffentlichkeit vorstellen. Am 1. und 2. November findet in Arad eine internationale Tagung statt zum Thema „Die Zwangsarbeit der Rumäniendeutschen in der Sowjetunion“.