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Banater Post

25 Jahre Banater Heimathaus in Würzburg (II)

Der neu gegründete Chor des Kreisverbandes Würzburg (Leitung Sebastian Henzl) umrahmte die Jubiläumsfeier musikalisch. Foto: Walter Tonta

Bei der Adventsfeier des Kreiserverbandes Würzburg bescherte der Nikolaus die anwesenden Kinder. Foto: Walter Tonta

Die Glückwünsche der Stadt Würzburg überbrachte Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake. In ihrem Grußwort hob sie den Beitrag der Vertriebenen, ihrer Nachkommen und der später hinzugekommenen Aussiedler zum Wiederaufbau der fast völlig zerstörten Stadt und zu deren Aufblühen hervor. Die Landsmannschaften hätten entscheidend dazu beigetragen, dass die Vertriebenen und Aussiedler hier heimisch werden konnten, indem sie Beratung und Hilfe angeboten, den Gemeinschaftssinn gefördert und das kulturelle Erbe der Heimat gepflegt haben. Die Rednerin lobte die Tätigkeit des Banater Kreisverbandes und dessen Leistungen auf kulturellem Gebiet. Die Auftritte der Trachtentanzgruppe und des Chors gehörten zu den Highlights bei vielen Veranstaltungen in Würzburg und bereicherten das kulturelle Leben. Das 25-jährige Jubiläum des Brauchtums- und Trachtenpuppenmuseums sei für alle Würzburger ein Grund zur Freude und Dankbarkeit, betonte Schäfer-Blake.

Seine Sammlungen vermittelten einen anschaulichen Eindruck vom Leben und der Volkskultur der Deutschen im Banat und gäben interessante Einblicke in ihre Geschichte. Das Museum sei nicht nur für die ehemaligen Einwohner des Banats und deren Kinder und Enkel wichtig, die hier ein Stück Heimat bzw. Antworten auf Fragen zur Herkunft und Identität finden, sondern auch für die Würzburger Bevölkerung. Als Ort der anschaulichen Information und der Begegnung biete das Heimathaus gute Möglichkeiten, mit Unwissen und Vorurteilen aufzuräumen. Deshalb wünsche sie, dass das Banater Museum in Zukunft noch größere Beachtung in der Öffentlichkeit findet, als dies bisher der Fall ist. Die Bürgermeisterin dankte den Banater Schwaben für ihre vorbildliche Integration in Würzburg und dafür, dass sie das Andenken an die alte Heimat und ihr Brauchtum pflegen. Ohne sie wäre Würzburg etwas ärmer, und ohne Anni Mecher gäbe es das Banater Brauchtums- und Trachtenpuppenmuseum nicht, sagte Schäfer-Blake. Sie verdiene ein besonderes Dankeschön für ihr unermüdliches Wirken, für das, was sie 25 Jahre lang geleistet hat.

Peter Krier, als langjähriger Vorsitzender des Landesverbandes Bayern und stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben dem Banater Heimathaus auf das engste verbunden, blickte auf die Entstehungsgeschichte der Einrichtung zurück. Seine diesbezüglichen Ausführungen sind größtenteils in den ersten Teil des Berichts eingeflossen. Das 25-jährige Jubiläum des Banater Brauchtums- und Trachtenpuppenmuseums sei Anlass, all jenen zu danken, die das Vorhaben unterstützt und sich bei dessen Verwirklichung aktiv eingebracht haben und an jene zu erinnern, die damals dabei waren und dieses Jubiläum nicht mehr mitfeiern können. Stellvertretend für alle nannte Krier den langjährigen Kreisvorsitzenden Michael Pfeifauf. Der Redner wies daraufhin, dass das Projekt eine ganz kurze Anlaufzeit hatte und durch hohes ehrenamtliches Engagement binnen weniger Monate in die Tat umgesetzt worden sei. „Es gibt gewiss schönere, mit mehr materiellem Aufwand und modernen Medien gestaltete Ausstellungen, aber es gibt wenige, die mit so viel Herz und Liebe eingerichtet wurden“, sagte Krier.

Das Haus sei ein Stück Banater Heimat geworden. In komprimierter Form befänden sich unser ganzes Banat und unsere ganze Volksgruppe in diesem Haus. Gehe man von dem von Johann Gottfried Herder geprägten Kulturbegriff aus, wonach Kultur die Summe der typisch feststellbaren Lebensformen eines Volkes oder einer Volksgruppe ist, könne man feststellen, dass sämtliche Lebensformen der Banater Schwaben, ihre Arbeits-, Glaubens- und Volkskultur in diesem Haus dargestellt sind. Die Geschichte der Menschen sei verbunden mit der Geschichte der Dinge und erkennbar an der Geschichte der Dinge, die sie geschaffen, die ihren Alltag geprägt und ihr Leben bestimmt haben. Die im Würzburger Brauchtums- und Trachtenpuppenmuseum ausgestellten Dinge sind, so Krier, „unsere Geschichte und sie sind Geschichte gewordene Gegenstände“. Man müsse alles tun, um dieses Kleinod zu erhalten, mahnte der Redner.

In warmen Worten würdigte Peter Krier Anni Mechers langjährige Kulturarbeit im Dienste der Banater Schwaben. Als Initia-torin, Gestalterin und Leiterin des Heimathauses, als Kulturreferentin des Kreisverbandes und Motor der Kulturarbeit auf Kreis-, Landes- und Bundesebene, als Aussiedlerbetreuerin und als Buchautorin habe sie sich um unsere Gemeinschaft und unsere Kultur bleibende Verdienste erworben. Dafür dankte er Anni Mecher herzlich.

Ein besonders ergreifender Moment war die anschließende Ehrung Anni Mechers. Im Auftrag des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben überreichten ihr Ewald Kühn und Peter Krier die Adam-Müller-Guttenbrunn-Medaille unseres Verbandes „als Ausdruck der Dankbarkeit und Anerkennung für herausragende Leistungen um die Banater Schwaben“. „Danke an alle, danke für alles. Vergelt’s Gott! Es war eine schöne Zeit, und ich habe alles sehr gerne getan.“ Mit diesen schlichten Worten bedankte sich Anni Mecher für die Auszeichnung und für 25 Jahre gemeinschaftliches Wirken.

Musikalisch umrahmt wurde die Jubiläumsfeier von dem neu gegründeten Chor des Kreisverbandes Würzburg unter der Leitung von Sebastian Henzl, einem jungen, vielseitigen Musiker. Als Pianist war er beim Heimattag der Banater Schwaben 2012 in Ulm aufgetreten. Die vielen jungen Chormitglieder und der junge Dirigent lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, dass die lange Chortradition des Kreisverbandes nach einer kurzen Unterbrechung fortgeführt wird.

An die Jubiläumsveranstaltung schloss sich die Adventsfeier des Kreisverbandes im festlich geschmückten Gemeindesaal der Pfarrei Sankt Sebastian an. Die schön gestaltete und sehr gut besuchte Feier – vertreten waren alle Generationen – zeugt von einem aktiven Vereinsleben und engagierten Mitstreitern. Fleißige Frauenhände hatten ein reichlich bestücktes Kuchenbuffet hervorgezaubert – Augenweide und Gaumenfreude zugleich. Mit dem Besuch des Nikolaus, in dessen Rolle Diakon Karl Loch geschlüpft war, kamen die Kinder auf ihre Kosten. Ein paar Mutige bedankten sich bei der Bescherung mit Gedichten. Zwischendurch wurden Weihnachtslieder gesungen, auf der Gitarre von Günter Kaupa begleitet. Die Adventsfeier bildete den fröhlich-besinnlichen Abschluss eines Nachmittags, in dessen Mittelpunkt eine Einrichtung und eine Frau standen, denen unsere Gemeinschaft viel verdankt.