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Banater Post

Heimatortsgemeinschaft Saderlach wird dreißig

Saderlacher Treffen in Görwihl 1991.

Teilnehmer an der Gründung der HOG Saderlach in Heidelberg 1983. Fotos: Archiv der HOG Saderlach

Ereignisse sind nicht wiederholbar, sie leben in der Erinnerung weiter und erhalten oft erst aus der zeitlichen Ferne ihren Glanz. Für die Saderlacher bietet das 16. Heimattreffen in Königsbrunn am 22. Juni, zwei Tage vor der „Chilbi“, die Gelegenheit, an die Gründung ihrer Heimatortsgemeinschaft vor dreißig Jahren zu erinnern und auf drei Jahrzehnte erfüllter Tätigkeit stolz zurückzublicken. In ihrem Fall gab es keine Stunde Null, es war ein stetiger Aufbruch, getragen von der Hoffnung des Neuanfangs. Denn als am 23. April 1983 sich erstmals 180 Saderlacher in Heidelberg wiedersahen, war man entschlossen, die Heimat in der Erinnerung und im Herzen zu bewahren. Der Großteil der Landsleute lebte noch in der Heimat, doch der Wille zum Verlassen der angestammten Höfe lag wie ein böser Fluch über diesem gesegneten Landstrich. So war die Heimatortsgemeinschaft bei ihrer Gründung eher eine Notgemeinschaft, die ein Zeichen gegen das Vergessen setzen wollte. Zunächst stand die Hilfe für die in Saderlach verbliebenen Landsleute im Vordergrund, sodann waren Rat und Hilfe für die stetig ankommenden Aussiedler nötig. Bei der Bewältigung dieser Aufgaben konnte man auf die Erfahrungen der Kriegsgeneration zurückgreifen, die längst in gefestigten Verhältnissen lebte. So war es nur allzu verständlich, dass Josef Eisele (196), der jahrelange Wahrer Saderlacher Belange, zum ersten Vorsitzenden der HOG gewählt wurde. Um ihn herum sammelte sich alsbald eine Schar von Unterstützern, zu denen auch Vertreter der jüngeren Generation gehörten. Die HOG wuchs von Jahr zu Jahr und festigte sich organisatorisch.

Die Hinwendung zum Schwarzwald lag nahe, denn die Gründer Saderlachs waren überwiegend Alemannen aus dem Hotzenwald. Den Auftakt machte das große Trachtenfest in Schluchsee zu Pfingsten 1987, an dem über 400 Alt-Saderlacher und – dank einer glänzenden organisatorischen Leistung von Werner Weiss (Achern) – unzählige Heimatgruppen aus dem Schwarzwald und dem schweizerischen Aargau teilnahmen. Zu dieser 250-Jahr-Feier erschien auch eine umfangreiche Festschrift – die erste Nachkriegsmonographie Saderlachs. 1991 fand das erste Heimattreffen in Görwihl statt. Nur vier Jahre später, am 4. Mai 1995, übergab die HOG das Saderlacher Mahnmal in die Obhut der Gemeinde Görwihl. Die enge Bindung zur dortigen Bevölkerung erreichten die Saderlacher durch die sprachliche Nähe, die besondere Akzeptanz im Kreis Waldshut und die engen Kontakte zu Basen und Vettern, bei denen sie – verstreut über die Höfe des Hotzenwaldes – wohnten. Es war eine logistische Meisterleistung von Jakob Ferch (Singen), dem es gelungen war, die einzelnen Familien bei Namensvettern einzuquartieren. Die geistige und zwischenmenschliche Nähe zu den Schwarzwäldern ist ein wertvoller Schatz, den wir weiterhin hegen und pflegen werden. Nunmehr steht das Saderlacher Mahnmal schon 18 Jahre in Görwihl, an der Eingangspforte zum Schwarzwald. Es war die Erfüllung eines historischen Vermächtnisses, zu dem wir uns, angesichts des vorhersehbaren Endes der deutschen Gemeinde Saderlach, verpflichtet hatten. Die dabei entstandenen Kosten haben alle gemeinsam getragen, auch wenn so manche Landsleute erst wenige Jahre im Westen lebten und mühsam um ihre Existenzsicherung rangen. Es war ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, das uns stark machte und zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenschweißte.

Ein Vierteljahrhundert steht nun schon der Unterfertigte vorne als Sprecher der HOG. Deren Führung kann mit Stolz und Genugtuung auf das Geleistete zurückblicken. Auch wenn die Mitgliederzahl in den Stützpunkten schrumpft, auch wenn handelnde Personen kommen und gehen, finden sich immer wieder jüngere, freiwillige Mitarbeiter, so dass der Weiterbestand der HOG gesichert ist. Franz Eisele (203) betreut seit Jahren die Internetseite, und Franz Kreidl (165) hat die Heimatortskartei und die Übermittlung der Familiennachrichten an die Banater Post von Hans Weiszenberger übernommen. Mit großem Einsatz hat sich der Vorstand für die Instandsetzung der Heimatkirche und des Pfarrhauses engagiert und dabei stetige Unterstützung durch Franz Weiss erfahren. Die Turmsanierung ist inzwischen abgeschlossen; Sorgen bereiten lediglich das große Kirchendach und die Pflege des Friedhofs, zumal die Spendenbereitschaft spürbar zurückgeht und der ehemalige Feuerwehrkommandant Andreas Eisele, der sich jahrzehntelang vor Ort um den Friedhof gekümmert hatte, vor kurzem verstorben ist.

Die Begegnungen werden sich mehr und mehr auf die landsmannschaftliche Kreis- und Ortsebene verlagern. Die Saderlacher sind in Augsburg, Frankenthal, Mannheim und Singen stark vertreten. Franz Winterhalter (Tuttlingen) steht für die Kontakte zum Schwarzwald und organisiert seit 1995 die Treffen sowie die alljährlich am ersten Samstag im September stattfindenden Begegnungen am Denkmal in Görwihl. Klassen- und Jahrgangstreffen werden die Heimattreffen verdrängen, sobald sich der hohe Organisationsaufwand nicht mehr rechtfertigen lässt. Bei der Gründung der HOG waren es knapp 200 Teilnehmer, zur besten Zeit waren es 500, und beim letzten Treffen wurde gerade mal die Gründungszahl erreicht. Manche Landsleute können nicht mehr die weiten Anfahrten auf sich nehmen, andere wiederum könnten es, haben sich aber von der Gemeinschaft abgesetzt. Letztere haben die gebotenen Vorteile angenommen, fühlen sich aber weiter nicht mehr der Gruppe verpflichtet.

Dass zumindest die Erinnerung an Saderlach, das einstige Alemannendorf im Banat, weiterlebt, dafür hat die HOG unermüdlich gesorgt. Nicht zuletzt durch das im letzten Jahr erschienene Sippenbuch. Entstanden ist ein umfangreiches Datenkompendium für alle Familien, für die Ahnenforschung und für soziologische Analysen. Kaum erschienen, ist das Buch auch schon wieder Geschichte, denn die Auflage war alsbald vergriffen. In öffentlichen Bibliotheken bleibt aber das Werk für immer zugänglich. Auch wenn die Vereinzelung zunimmt und selbst familiäre Bindungen erlahmen, ist immer noch eine gewisse Sehnsucht nach tradierten Formen der Begegnung spürbar. Dazu zählt das traditionelle Heimattreffen. Das Organisationskomitee um Josef Schmalz hat es wieder möglich gemacht, und so kann das 16. Saderlacher Treffen am 22. Juni in Königsbrunn bei Augsburg stattfinden. Treffpunkt ist die Gaststätte „Zum Trachtenheim“ in der Donauwörther Straße 46. Saaleinlass ist ab 14 Uhr, Gottesdienst und Totenehrung finden um 16 Uhr statt. Es ist abermals eine Chance zur Einkehr, zur Besinnung auf längst vergangene Tage und zum Rückblick auf die ehemalige Heimatgemeinde im Banat. Auf ein freudiges Wiedersehen!