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Banater Post

»Getreu zur Tradition – zuversichtlich in die Zukunft«

Der traditionelle Aufmarsch der Trachtenpaare durch das Stadtzentrum von Temeswar musste wetterbedingt ausfallen, dafür wurde aber im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus zünftig gefeiert.

Die Gemeinde Guttenbrunn bereitete den Gästen einen herzlichen Empfang.

Banatschwäbische Trachten prägten am letzten Maiwochenende das Temeswarer Sadtbild. Fotos: Cornel Simionescu-Gruber

Elfte Heimattage der Banater Deutschen / Drei Trachtengruppen und eine Musikkapelle aus Deutschland feiern mit - Alle zwei Jahre, im Wechsel mit dem Heimattag der Banater Schwaben in Deutschland, finden die Heimattage der Banater Deutschen in der alten Heimat statt. Deren elfte Auflage am (24. bis 26. Mai stand unter dem Motto „Getreu zur Tradition – zuversichtlich in die Zukunft“. Die Feierlichkeiten fanden in Billed, Guttenbrunn und Temeswar statt. Im Zeichen der Verbundenheit und der Zusammengehörigkeit nahmen traditionell auch diesmal Banater Trachtengruppen aus Deutschland, Vertreter der Landsmannschaft der Banater Schwaben sowie aus Deutschland angereiste Landsleute teil. Die Reise ins Banat traten die Trachtengruppen aus Frankenthal, Karlsruhe und Singen in Begleitung der Weinbergmusikanten an, ebenso der Bundesvorsitzende unserer Landsmannschaft, Peter-Dietmar Leber, der stellvertretende Bundesvorsitzende und Vorsitzende des Hilfswerks der Banater Schwaben, Johann Metzger, sowie der Bundesvorsitzende der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen, Harald Schlapansky. Anwesend waren auch die Teilnehmer einer von der Heimatortsgemeinschaft Nitzkydorf organisierten Banat-Reise sowie einer vom Weltdachverband der Donauschwaben veranstalteten Reise in die ehemaligen donauschwäbischen Siedlungsgebiete. Die Möglichkeit, das Banat kennenzulernen, nutzten auch die beiden Tübinger Studentinnen Franziska Veit und Melanie Bitzer, die an dem Dokumentations- und Ausstellungsprojekt „Heimatsachen“ beteiligt waren.

Den Auftakt zu den diesjährigen Heimattagen der Banater Deutschen bildete der Besuch der Trachtengruppen aus Karlsruhe, Frankenthal und Singen in Billed am Donnerstag, dem 23. Mai. Die Gäste waren zu Gast im Billeder Forum und wohnten einem Gottesdienst in der Billeder Kirche bei. Am Abend trafen sich die Landsleute von nah und fern zu einem gemütlichen Beisammensein im Kulturheim des Dorfes, bei dem die Weinbergmusikanten aufspielten. Die Trachtengruppen präsentierten zum Schluss die Gemeinschaftstänze der DBJT.

Ein Tag für Adam Müller-Guttenbrunn
Der Freitag stand im Zeichen der Gedenkveranstaltungen zum 90. Todestag des Schwabendichters Adam Müller-Guttenbrunn in dessen Geburtsort. Marian Toader, der Bürgermeister der Gemeinde Guttenbrunn,  begrüßte in der Dorfmitte vor der imposanten katholischen Kirche und dem Adam-Müller-uttenbrunn-Gedenkhaus die zahlreich erschienenen Gäste, darunter den Abgeordneten des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Ovidiu Gant, den deutschen Konsul in Temeswar, Klaus Christian Olasz, die Vertreter des Bundesvorstands der Landsmannschaft der Banater Schwaben, den Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Dr. Karl Singer und seine Stellvertreter Erwin Josef Tigla (Reschitza) und Michael Szellner (Arad), die Temeswarer Forumsvorsitzende Helen Alba, den Ehrenvorsitzenden des Hilfswerks der Banater Schwaben, Peter Krier, sowie den Leiter der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, Helmut Weinschrott.

Eingeladen wurden die Gäste darauf zu einem Rundgang zu den geschichtsträchtigen Standorten der Gemeinde: Besichtigt wurden das kürzlich mit EU-Geldern sanierte  Adam-Müller-Guttenbrunn-Gedenkhaus, die nach dem Schwabendichter benannte Schule und das Feuerwehrmuseum. Anschließend fand in der katholischen Kirche eine Andacht zum Gedenken an Adam Müller-Guttenbrunn statt. Wie einst bei den großen Kirchweihfesten in Guttenbrunn, nahmen die Trachtenträger Aufstellung im Mittelgang der Kirche. Die Andacht wurde von Pfarrer Attila Andó, Seelsorger der Pfarrei Lippa, zelebriert, ihm assistierten Domkapitular Andreas Reinholz, Pfarrer von Maria Radna, und Dumitru Sabo, griechisch-katholischer Pfarrer von Guttenbrunn. In seiner Ansprache betonte Domkapitular Reinholz, es gebe wohl keinen heiligen Adam Müller-Guttenbrunn, doch einen bedeutenden Sohn dieses Dorfes, der der Banater Schwaben und unser aller Dank verdiene. Er habe das Seine getan und uns allen ein Beispiel gegeben. Im Park „Zum Feuerwehrturm“ wurde sodann ein Kranz vor der Büste des Schwabendichters niedergelegt.

Bei der Festveranstaltung im Kulturheim, dem ehemaligen „Großen Wirtshaus“, boten die aus Deutschland angereisten Tanzgruppen, die Banater Rosmareiner aus Temeswar sowie die Kleinsten der hiesigen Schule einen bunten Reigen von Volkstänzen. Begleitet wurden die Auftritte von den Weinbergmusikanten aus Metzingen und vom Orchester der Rosmareiner. Auf die Persönlichkeit Adam Müller-Guttenbrunns und die Bedeutung seines literarischen und kulturpolitischen Schaffens wiesen sowohl Guttenbrunns Bürgermeister Toader in seiner Eröffnungsansprache als auch Peter-Dietmar Leber in seinem Grußwort hin. „Für die Banater Schwaben könnte er heute mehr denn je als Beispiel für Emanzipation und Selbstbestimmung stehen, auch wenn unsere Landsleute vor allem durch seine historischen Romane angesprochen wurden“, sagte Leber. Eine solche Persönlichkeit könne man immer wieder neu entdecken, interpretieren und für die Öffentlichkeit interessant präsentieren. Dabei könne die Gedenkstätte in seinem Geburtsort einen ersten Zugang ermöglichen. Die wenigen Zeugnisse der einstigen deutschen Gemeinschaft wie die Kirche, der Friedhof und diese Gedenkstätte halten die Erinnerung an diese einstige Gemeinschaft hier aufrecht, so Leber weiter. Wenn dieses Erbe als ein gemeinsames betrachtet werde, könnte es ehemalige und neue Bewohner näherbringen. Dies sei keine leichte, aber eine lohnende Aufgabe, und dies wäre auch im Sinne des großen Mannes, dessen man heute gedenke.

„Wenn das Erbe Guttenbrunns als bleibender geistig-kultureller Bestandteil unserer Volksgruppe erhalten werden soll, muss es lebendig bleiben, immer wieder in unsere Mitte geholt und immer wieder neu im Bewusstsein unserer Volksgruppe verankert werden“, so Peter Krier in seiner eindrucksvollen Festrede. Adam Müller-Guttenbrunn habe durch sein Werk und sein Wirken zur Herausbildung eines Geschichts- und Stammesbewusstseins sowie einer Gruppenidentität der Banater Schwaben, der Donauschwaben im Allgemeinen wesentlich beigetragen. In den neunzig Jahren, die seit seinem Tode verstrichen sind, habe sich die Welt gewaltig gewandelt, geblieben sei aber sein Vermächtnis: das Recht des Menschen und das Recht der Volksgruppen auf freie Entfaltung ihrer Eigenart sowie die Bewahrung ihrer Muttersprache, ihrer Kultur und ihres angestammten Volkstums. Unsere Identität definiere sich durch ihn und sie verkomme, wenn wir diesen Quellbach aus dem „Guten Brunnen“ von Guttenbrunn versiegen lassen. „Wir sind heute hier, diesen Quell zu pflegen“, so Krier zum Schluss seiner Ansprache.

Reichen Beifall ernteten die Darsteller danach für die Theaterdarbietung in schwäbischer Mundart. Laienschauspieler, Mitglieder des Deutschen Forums aus Temeswar und Sanktanna sowie Trachtenpaare präsentierten vier Szenen aus dem Guttenbrunn-Roman „Meister Jakob und seine Kinder“ in der Dramatisierung von Stefan Heinz-Kehrer. Für die Spielleitung zeichnete Karina Reitsch aus Temeswar. Vor allem die Kirchweihszene mit den vielen schwäbischen Trachten erweckte Bewunderung bei den Zuschauern.

Schwäbische Trachten im Temeswarer Stadtbild
Am Samstagvormittag fand die feierliche Eröffnung der Heimattage im Saal der Temeswarer Oper statt. In seiner Festrede würdigte Gymnasiallehrer Michael Szellner, stellvertretender Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, das nachhaltige Wirken Müller-Guttenbrunns. Weitere Redner waren Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen aus Rumänien (DFDR), der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Gant, die stellvertretende Vorsitzende des Funkforums, Astrid Weisz, Konsul Klaus Christian Olasz und der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter Dietmar Leber. Dessen Grußwort wird in dieser Ausgabe veröffentlicht.

Im Rahmen der Festveranstaltung wurde Peter Krier für sein langjähriges vorbildliches Wirken im Banat geehrt. Der DFDB-Vorsitzende Karl Singer überreichte ihm die Ehrennadel in Gold – die höchste Auszeichnung des Banater Forums. Kriers Engagement entspringe seiner innigen Bindung an die Heimat, die banatschwäbische Gemeinschaft und deren landsmannschaftliche Organisation, sagte Singer bei der Verleihung. In Anerkennung ihrer Tätigkeit zur Förderung von Kultur und Freizeitgestaltung erhielt die junge Lehrerin Sonia Chwoika aus Reschitza den Stefan-Jäger-Preis für das Jahr 2012, der von der gleichnamigen Stiftung vergeben wird. Die Temeswarer Big Band unter der Leitung von Franz Hoffner umrahmte den Festakt.

Am Samstagnachmittag präsentierten die Volkstanzgruppen aus dem Banat und aus Deutschland ein Kulturprogramm im Capitol-Saal, bei dem unter anderem die Trachtengruppen aus Karlsruhe (Leitung Werner Gilde und Heidi Müller), Frankenthal (Leitung Gisela Schmaltz) und Singen (Leitung Hilde und Horst Redl) ihr Können zeigten. Begleitet wurden die Auftritte von den Weinbergmusikanten unter der Leitung von Johann Wetzler. Die Darbietungen der Gruppen wurden reichlich mit Applaus belohnt. Am Abend fand im AMG-Haus der traditionelle Schwabenball statt.

Die Heimattage der Banater Deutschen klangen am Sonntag mit einem gemeinsamen Tanz der Banater Schwaben von überall im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus aus. Das regnerische Wetter hatte in diesem Jahr den Aufmarsch der Trachtenpaare durch das Stadt-zentrum von Temeswar unmöglich gemacht. Mehr als 150 Trachtenpaare marschierten am Vormittag nur bis zum Dom, wo sie einer kurzen Andacht beiwohnten, und kamen danach zurück ins AMG-Haus, wo die Feier bis am Nachmittag weitergeführt wurde.