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Banater Post

Mitgestalter des Gemeinschaftslebens

Wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag verstarb Hans Bader, Realschuldirektor im Ruhestand, am 29. Juni in Elsenfeld. Nach dem Tod seiner Ehefrau trug Tochter Christel über ein Jahrzehnt die Hauptlast der Pflege ihres 1998 schwer erkrankten Vaters, eine Aufgabe, der sie sich aufopferungsvoll widmete. Mit Hans Baders Tod verkleinert sich der ohnehin stark gelichtete Kreis der Absolventen der Temeswarer Katholisch-Deutschen Lehrerbildungsanstalt (Jahrgang 1943) noch mehr. Auch an seinem Leben und Wirken zeigt sich die prägende Wirkung dieser Schulanstalt und ihres Leiters, Domherr Josef Nischbach. Denn Nischbach war nicht nur Priester und Seelsorger, sondern auch Pädagoge und Menschenbildner. Das ist auch Hans Bader selbst geworden und ein Leben lang geblieben: Lehrer, Erzieher und Mitgestalter des Gemeinschaftslebens.

Geboren wurde er am 2. August 1923 in Paulisch. Nach der Grundschule im Heimatort und dem Gymnasium in Lippa besuchte Hans Bader die Lehrerbildungsanstalt in der Banatia, wo er 1943 die Lehrbefähigung erwarb. Hier wurde auf eine solide Ausbildung der angehenden Lehrkräfte und die Formung einer vielseitigen Lehrerpersönlichkeit größten Wert gelegt. Außer den für den Lehrerberuf maßgeblichen schulischen Fächern wurde der musischen Bildung große Bedeutung beigemessen. Bader, musikalisch begabt, gehörte dem von Franz Klein geleiteten Musikzug der Banatia an, in dem er zunächst Bassflügelhorn spielte, um dann das Glockenspiel zu bedienen. Zudem sang er im gemischten Chor der von Hans Walter und Franz Stürmer geleiteten Spiel- und Singschar. Als bei einer Probe praktisches Üben der Chorleitung angesagt war, wurde Hans Bader ausgewählt, das Dirigat zu übernehmen. Selbstbewusst und selbstsicher nahm er die Aufgabe wahr, und die anderen waren froh, verschont geblieben zu sein. Es war insgesamt eine schöne Zeit in dieser Anstalt und in dieser Schulgemeinschaft.

Als Junglehrer war es Hans Bader nur für kurze Zeit beschieden, seinen Beruf auszuüben, denn von der Schulbank ging es sozusagen direkt in den Krieg. Nach einem Einsatz als Jagdflieger und zweijähriger Kriegsgefangenschaft 1946 nach Deutschland zurückgekehrt, wirkte er zunächst als Dolmetscher in Flüchtlingslagern im Raum Braunschweig, wo er seinen aus der Kriegsgefangenschaft und aus der Russlanddeportation entlassenen Landsleuten beistand. Schließlich fand er 1948 in Rück-Schippach, im Spessart, eine neue Heimat und eine Anstellung als Volksschullehrer. Im selben Jahr heiratete er die aus Uiwar stammende Lehrerin Ännchen Kühn. Nach einem Ergänzungsstudium in München wirkte er von 1961 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1985 als Realschullehrer in Obernburg am Main. Bader versah ab 1969 das Amt des Schulleiters und war knapp zwei Jahrzehnte Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes in Unterfranken. Sein breites kulturelles und gesellschaftliches Wirken in dieser Zeit sei hier nur in einigen Stichworten umrissen: Gründer der Schülerzeitschrift „Wir sind jung“, Tätigkeit in verschiedenen Vereinen, Leitung des Kirchenchors Rück-Schippach und der Schippacher Freilichtbühne, verschiedene Aufführungen, Tätigkeit als staatlich anerkannter Übersetzer, langjähriger Mitgestalter der „Banater Post“ usw.

Eine derartige Biographie war Hans Bader gewiss nicht in die Wiege gelegt; aber solide Bildung und gefestigte innere Ausrichtung dienten ihm im Leben als Kompass. Zum Verfassen dieses Nachrufs war intensives Erinnern nötig. Dies führte unter anderem zu Gedanken über Leben, Wirken und Vergänglichkeit. Dabei war mir, als hörte ich eine Stimme: „Ich trete aus der Zeit heraus in eine Zukunft jenseits aller Sterne.“ Wir, deine ehemaligen Klassenkollegen und Freunde, versichern: „Wir begleiten Dich in Gedanken, lieber Hans. Mögest du ruhen in Frieden.“               Franz Quitter

 

Anmerkung der Redaktion: In den 1980er Jahren trug Hans Bader Verantwortung in unserem Verband. Er war Referent für Öffentlichkeitsarbeit und von 1986 bis 1989 stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft. Damals zählte er zu den eifrigsten Mitarbeitern der „Banater Post“. Jahrelang betreute er die Rubrik „Aus dem Banat. Pressebericht zur Lage des Rumäniendeutschtums“ und informierte über die Verhältnisse im kommunistischen Rumänien und  die Lage der deutschen Minderheit, insbesondere der Banater Schwaben. Zudem leistete er einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung der Mundartrubriken „Heitere Ecke“ und „Zum Schmunzle un Lache“, für die er hunderte von Kurzgeschichten und Gedichten lieferte. Hans Bader war es auch, der die Umgestaltung der „Banater Post“ und die Änderung des Zeitungsformats anregte und diesen Erneuerungsprozess uneigennützig unterstützte. Auch bei der Herausgabe von Büchern konnte die Landsmannschaft mit seiner Hilfe rechnen. So war er für die Endredaktion des vierten Bandes „Schule und andere Kultureinrichtungen“ der Reihe „Das Banat und die Banater Schwaben“ verantwortlich. Für seine Leistungen wurde Hans Bader von unserer Landsmannschaft mit der Verdienstmedaille in Gold ausgezeichnet.