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Banater Post

Licht bedeutet Leben, Hoffnung und Freude

Gott ist Mensch geworden und liegt als Christkind in der Krippe. So hat er sich uns Menschen offenbart. Diese Krippe (hier ein Detail) wird alljährlich zum Weihnachtsfest im Dom zu Temeswar aufgestellt. Foto: Claudiu Călin

„Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Jasaja 9, 1-2). So beginnt an Weihnachten die Lesung aus dem Buche des Propheten Jesaja. Licht bedeutet Leben, Hoffnung und Freude. Finsternis  bedeutet Verlorenheit, Hoffnungslosigkeit, Trauer und Tod. Die Menschen damals – nach dem Sündenfall – wuchsen auf, brachten Kinder zur Welt, arbeiteten und starben. Im Vergleich zu heute kann man keine besondere Finsternis in ihrem Leben feststellen, es sei denn, sie waren Gefahren ausgesetzt, gerieten in Kriegsnot, wurden krank und starben. Aber das gehört nun einmal zum menschlichen Leben.

Die Sonne ging täglich auf und wieder unter. Es herrschte keine totale Finsternis. Was meint dann der Prophet Jesaja mit dem Volk, das im Dunkel lebt? Der Prophet meint damit die Menschen, die in Unwissenheit, die im Dunkel der Sünde leben. Aber was folgt nach dem Tod dieser Menschen? Keiner wagte daran zu denken, und wenn er soweit dachte, dann kam tiefe Trauer, Hoffnungslosigkeit und Sorge auf, denn nach dem Tod war keine Aussicht auf irgendetwas. Jeder Mensch aber sehnt sich nach Leben, nach ewigem Leben, er will hoffen auf bessere Zeiten. Wenn er es in diesem Leben schon schwer hat, dann will er hoffen können, dass es wenigstens nach dem Tode besser wird. Diese Hoffnung konnten die damaligen Menschen nicht haben. Oder hatten sie doch so eine Hoffnung? Ja, sie ahnten, dass Gott die Seinen nicht im Stich lässt. Sie hatten eine Hoffnung, sofern sie glaubten. Gott verhieß ihnen durch den Mund der Propheten, dass er einen Erlöser, einen Messias senden werde, der das Volk von seinen Sünden erlöst. Auf diesen Messias hoffte das Volk und für diesen Tag lebte es. An diese Verheißung klammerte es sich zu allen Zeiten.

Als es dann soweit war, und der Messias geboren werden sollte, wollte ihn keiner bei sich aufnehmen. Kurz vor der Geburt suchten seine Eltern voller Sorge nach einer Unterkunft. Viele fanden eine Herberge, nur Maria und Josef nicht. Ja, so ist es manchmal im Leben. Die Menschen nehmen alle möglichen Dinge und Menschen in ihr Herz auf, sie kümmern sich um dies und jenes und warten auf das Wesentliche. Kommt es aber, dann verschließen sie sich, weil sie durch andere Aufgaben und Dinge abgelenkt werden und übersättigt sind.

Besetzt waren alle Herbergen, so dass der lang ersehnte Messias, der König des Himmels und der Erde und der Retter der ganzen Welt, in einem Stall geboren wurde. Ein Licht ging auf. Nicht nur der Stern, sondern Licht strahlte über dem Stall. Auf der ganzen Erde wurde es hell. Denn nun konnten die Menschen wieder hoffnungsvoll und zuversichtlich sein, hoffen auf Erlösung und vor allem auf ein Weiterleben nach dem Tode. Sie konnten hoffen auf die Erlösung, die sie im Sündenfall verloren hatten. Sie konnten hoffen auf Liebe und Wärme, die der Retter mit in die oft dunkle und lieblose Welt brachte.

Er wollte es so, dass die Armut um ihn sichtbar sei. Wie in ein Gewand hüllte sie ihn ein, begleitete ihn durch sein ganzes Leben, das schon im Säuglingsalter mit Not, Flucht und Sorgen begann. Er wollte es nicht besser haben als die ärmsten Menschen auf Erden. Er wollte zeigen, dass er für die Verlorenen, für alle Menschen guten Willens gekommen ist, um sie zu retten. Für die Armen ist er Mensch geworden, um ihnen nahe zu sein, um sie reich zu machen. Darum ist er gekommen.

Und die Reichen, die sich der Botschaft der Propheten und somit dem Plane Gottes verschlossen haben? Kein Mensch auf Erden ist reich. Alle sind durch die Folgen des Sündenfalls vom göttlichen Erbe getrennt und daher in gewissem Sinne bettelarm. Die Reichen gehen durch die Welt und sind dabei ganz arm. Sie machen sich bloß vor, etwas zu sein, Rechte zu haben, die sie zu besonderen Positionen befähigen. Und was geschieht dann? Dann kommt der Tod wie ein Dieb in der Nacht. Der Herr sagt: „Du Narr. Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern“. (Lk 12, 20)

Darum ist es kein Zufall, dass der Herr die Botschaft von der Menschwerdung durch die Engel zuerst den Hirten brachte. Die Hirten waren die ersten, die an der Krippe knieten. Die armen, einfachen Menschen wussten, dass sie nichts haben außer der Hoffnung auf Gottes Verheißung. Ihnen sollte der Messias zuerst geschenkt werden. Nur er kann ihnen das Tor zum ewigen Leben wieder öffnen. Die Hirten wussten dies von ihren Vätern, die in gläubiger Überlieferung diese Verheißung der Propheten weitererzählten. Ihr Herz aber war zu jeder Zeit offen und voller Sehnsucht nach dem Erlöser. Darum konnten sie diese Botschaft sowie ihn liebend aufnehmen und sie brachten ihre Geschenke: Felle, Lämmer, Kräuter und vor allem ihr gläubiges, betendes und liebendes Herz. Sie knieten nieder vor dem neugeborenen König. Sie fragten nicht, wieso der Messias, wo er doch ein König ist und viel Macht besitzt, ausgerechnet in einem Stall, in einer ärmlichen Krippe geboren wurde. Nein, sie brachten ihm Decken und alles, was ihn wärmen und ihm helfen könne. Sie waren offen für Gottes großes Geschenk, für Gottes Liebe und unermessliche Gnade gerade weil sie einfältig, offen, frei und gläubig waren, so wie unzählige Menschen nach ihnen.

Bereiten auch wir unsere Herzen, gleich den Hirten, auf das große Fest vor, damit wir frei und gelöst von irdischen Dingen an seiner Krippe knien und beten können und uns von ihm beschenken lassen – von ihm, der scheinbar arm dort liegt und doch so reich ist und die beschenken will, die ihn lieben und sich von ihm abhängig wissen. Lasst uns, liebe Landsleute, in dieser Weihnachtszeit dankbar dieser Sohnschaft gedenken, die wir durch ihn, unseren Bruder, vom Vater im Himmel erhielten.