zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen auf das Banat (1)

Landesinnenminister a.D. Heribert Rech

Leonore Laabs (Sopran), Wilfried Michl (Bariton), Karl Wilhelm Agatsy (Violine) und Franz Metz (Klavier) begeisterten auch diesmal das Publikum

Nachdem 2012 die politische Lage und kulturelle Entwicklung der deutschen Bevölkerung des Banats am Vorabend des Ersten Weltkrieges im Mittelpunkt der Sindelfinger Tagung stand, widmete sich die 49. Kulturtagung des Landesverbandes Baden-Württemberg am 23./24. November im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen dem Thema „Die Banater Schwaben und der Erste Weltkrieg. Kriegsgeschehen und Auswirkungen auf das Banat“.

Im Rückblick war der Erste Weltkrieg – der US-amerikanische Historiker und Diplomat George F. Kennan prägte dafür die Formel von der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ – eine entscheidende Wende für den Verlauf banatschwäbischer Geschichte im 20. Jahrhundert. Ziel der von Dr. Walter Engel konzeptionell vorbereiteten Tagung war es, an die Hintergründe des Kriegsgeschehens zu erinnern und insbesondere die Folgen des Ersten Weltkriegs für das Banat und die Banater Schwaben zu verdeutlichen.

Zur Eröffnung der Tagung begrüßte der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg, Josef Prunkl, die Ehrengäste der Veranstaltung: Dr. Sybille Müller, Ministerialrätin im Stuttgarter Innenministerium, Heribert Rech MdL, Vorsitzender des Vereins Haus der Donauschwaben, Henriette Mojem, Geschäftsführerin des Hauses der Donauschwaben, Dr. Swantje Volkmann, Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm. Prunkl dankte der Landesgeschäftsstelle für die organisatorischen Vorarbeiten, Dr. Walter Engel für die Gestaltung der Tagung und den Referenten für die Erarbeitung der Vorträge.

In ihrem Grußwort wies Dr. Sybille Müller auf die große Bedeutung der Kulturarbeit nach Paragraph 96 des Bundesvertriebenengesetzes hin und hob die visionäre Ausrichtung des vor sechzig Jahren verabschiedeten Gesetzes hervor, zumal die Kulturförderung nicht auf die Erlebnisgeneration beschränkt, sondern ganz bewusst darauf ausgerichtet sei, die deutsche Kultur der Vertreibungsgebiete zu erhalten. Sie sei als Daueraufgabe angelegt und heute noch aktuell. Das Land Baden-Württemberg sei sich schon immer seiner diesbezüglichen Verantwortung bewusst gewesen und werde auch in Zukunft die Kulturarbeit der Vertriebenen fördern, versicherte Dr. Müller.

Kultur müsse nicht nur verwaltet, sie müsse auch gelebt werden und bedürfe der Zuwendung (auch finanzieller Art) und Pflege, so Landesinnenminister a.D. Heribert Rech in seinem Grußwort. Das Haus der Donauschwaben in Sindelfingen sei ein beredter Beweis dafür, dass donauschwäbische Kultur in all ihren Facetten gelebt werde. Rech lobte die vorbildhafte Kulturarbeit der Banater Schwaben, wovon die traditionsreiche Sindelfinger Tagung zeuge.

In die Tagung einführend, begründete Dr. Walter Engel die Themenwahl, die zum einen anlassgebunden sei – 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal – und zum anderen in der Notwendigkeit begründet liege, die grundlegenden Auswirkungen der Pariser Friedensbeschlüsse auf die Kulturlandschaft Banat zu untersuchen und darzulegen. Nicht zuletzt wolle die Tagung zur weiteren Beschäftigung mit dieser Thematik anregen.

Den inhaltlichen Rahmen des Tagungsthemas steckten Wissenschaftler und Journalisten ab, die als ausgewiesene Kenner der Materie gelten. Referenten der diesjährigen Tagung waren: Prof. Dr. Günter Schödl, Professor für Osteuropäische und Neuere Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin, einer der profiliertesten Forscher zum Thema deutschsprachige Minderheiten in Südosteuropa; Prof. Dr. Rudolf Gräf, Historiker, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Geschäftsmanagement der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg, Prorektor (zuständig für die deutschen Studiengänge) und Leiter des Instituts für deutschsprachige Lehre und Forschung an dieser Universität; Hans Fink, Journalist und Publizist, langjähriger Redakteur bei der Tageszeitung „Neuer Weg“ in Bukarest; Josef Wolf, Historiker, Leiter des Forschungsbereichs Historisch-genetische Siedlungskunde am Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen; Franz Heinz, Schriftsteller und Publizist; Dr. Bernhard Böttcher, Historiker, Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragter an der Universität Paderborn, der  über Kriegerdenkmäler deutscher Minderheiten in Ostmitteleuropa in der Zwischenkriegszeit promovierte.

Das Programm des ersten Tages endete traditionsgemäß mit einem Konzertabend unter der Leitung von Dr. Franz Metz. Leonore Laabs (Sopran), Wilfried Michl (Bariton), Karl Wilhelm Agatsy (Violine) und Franz Metz (Klavier) begeisterten auch diesmal das Publikum mit ihren Darbietungen: Gesangs- und Instrumentalstücke von bekannten Komponisten wie Richard Wagner und Giuseppe Verdi oder von solchen, die einen Bezug zum Banat aufweisen und – wie beispielsweise Eduard August Molnár (ursprünglich Müller) – erst in letzter Zeit von Dr. Franz Metz entdeckt wurden.