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Banater Post

Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen der Verbandstätigkeit

Der Temeswarer Diözesenbischof Martin Roos und der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Bernhard Krastl.

Gemeinsame Tagung der Vorsitzenden der Kreisverbände und der Heimatortsgemeinschaften

Die Reihe der Arbeitstagungen der Vorsitzenden der Kreisverbände und der Heimatortsgemeinschaften wurde in diesem Jahr am 13. und 14. März mit einem gemeinsamen Treffen in Ulm fortgesetzt. Treffpunkt war das Hotel „Ulmer Stuben“. Zur Eröffnung der Veranstaltung begrüßte der Sprecher der Heimatortsgemeinschaften, Josef Koch, die über hundert Vertreter der Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften, die Mitglieder des Bundesvorstandes und als Ehrengast den Diözesanbischof von Temeswar, Monsignore Martin Roos. Seitens des Bundes der Vertriebenen richtete der Ulmer Kreisvorsitzende Joachim Wendt ein Grußwort an die Tagungsteilnehmer.

Zu aktuellen Fragen der landsmannschaftlichen Arbeit nahm Bundesvorsitzender Bernhard Krastl in seinem Rechenschaftsbericht Stellung.
Ein Problem, dem sich wohl sämtliche Untergliederungen der Landsmannschaft stellen müssen, ist die stetig zurückgehende Zahl der Mitglieder. Grund dafür sind nicht Austritte aus dem Verband, sondern die demografische Struktur der Mitglieder. Auch der hohe Grad der Eingliederung der Landsleute in die deutsche Gesellschaft – was im Grunde positiv ist – könne als Grund dafür gesehen werden, dass die Bindungen zur Landsmannschaft allmählich schwächer werden. Die abnehmende Mitgliederzahl, so der Bundesvorsitzende, wirke sich auch auf den Haushalt des Verbandes aus. Weniger Mitglieder bedeuten weniger Einnahmen, und das wieder führt dazu, dass die Ausgabenseite künftig an die geänderte Situation angepasst werden muss.

Vorerst ist noch keine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags vorgesehen. Kürzungen im Haushalt werden künftig unausweichlich sein, jedoch soll ein Posten auf keinen Fall davon betroffen sein: die Förderung der Jugendarbeit. In diesem Zusammenhang brachte er auch seine Genugtuung zum Ausdruck, dass die Arbeit der Jugend- und Trachtengruppen gegenwärtig einen gewaltigen Schub verzeichne. Die bestehenden Gruppen haben neue Mitglieder gewonnen, und hin und wieder werden auch neue gegründet. Die Veranstaltungen der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen (DBJT) haben zurzeit Konjunktur. Das Interesse der Jugendlichen für das heimatliche Brauchtum ist nach wie vor groß wie auch der Wunsch, die Verbindung zum Herkunftsgebiet aufrechtzuerhalten.

Der Bundesvorsitzende erinnerte in seinem Bericht an die Höhepunkte der Verbandsarbeit im letzten Jahr. Eine herausragende Veranstaltung, an der Tausende Landsleute teilnahmen, waren die vom Landesverband Bayern organisierten Kultur- und Heimattage in Augsburg und das Festival der Jugend- und Trachtengruppen aus Baden-Württemberg in Göppingen. Im weiteren Verlauf seines Berichtes bezog sich der Bundesvorsitzende auf die Probleme hinsichtlich der Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit, auf die Zeit der kommunistischen Diktatur und die Bespitzelung durch den rumänischen Geheimdienst Securitate. Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen stelle auch den Verband vor neue Probleme, und es müsse geklärt werden, inwiefern die Umtriebe des rumänischen Geheimdienstes die landsmannschaftlichen Aktivitäten der zurückliegenden Jahre tangieren.

Der Bundesvorstand spreche sich für eine gründliche Aufklärung aus, bei der alle Tatsachen auf den Tisch müssen. Erst wenn Klarheit herrsche über das, was geschehen ist, könne auch eine Schuldzuschreibung vorgenommen werden. Voreilige Schlüsse und pauschale Verdächtigungen an die Adresse der Landsmannschaft müssen deshalb entschieden zurückgewiesen werden. Der Bundesvorsitzende unterstrich, dass von den leitenden Gremien der Landsmannschaft aus niemals gezielt gegen Schriftsteller oder andere Personen vorgegangen worden sei und dass sich der Verband an Verfolgungsmaßnahmen und Verunglimpfungen nicht beteiligt habe. Als Argument für diese Behauptung erinnerte Bernhard Krastl an die Diskussionen im Zusammenhang mit der Verleihung des Konrad-Adenauer-Preises an Herta Müller im Jahre 2004. Damals hat sich der Bundesvorsitzende beim Sitz der Stiftung in Bonn ausdrücklich für eine Vergabe des Preises an Herta Müller ausgesprochen.

Der Bundesvorsitzende versicherte, dass sich die Landsmannschaft um Akteneinsicht bei der zuständigen rumänischen Behörde in Bukarest bemühen werde. Erste Vorgespräche wurden bereits geführt. Die Aufklärungsarbeit wird gewiss nicht einfach werden. Als eine erste Stufe auf dem Wege einer verantwortlichen Aufarbeitung der Vergangenheit bezeichnete der Bundesvorsitzende die Aufforderung des Bundesvorstandes an die Funktionsträger der Landsmannschaft, eine Ehrenerklärung abzugeben, in der versichert wird, nicht mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet zu haben. Etwa 80 Prozent der angeschriebenen Personen haben die Erklärung unterschrieben. Der Bundesvorsitzende wertet das als ein Zeichen des Vertrauens.

Was das Thema Fremdrentengesetz betrifft, konnte der Bundesvorsitzende mit einer beruhigenden Nachricht aufwarten. In einem Gespräch, das Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Spitzenvertretern der Landsmannschaften der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im vergangenen Jahr geführt hat, habe sie versichert, dass es in absehbarer Zeit bei der finanziellen Ausstattung der Rentenversorgung in der Bundesrepublik Deutschland keine Änderung geben werde.

Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Tagungsteilnehmer die Ausführungen von Bischof Martin Roos, dem es gelang, einen umfassenden Überblick über die gegenwärtige Situation in der Temeswarer Diözese zu geben. Der massenhafte Exodus der Deutschen aus dem Banat, so der Bischof, habe deutliche Spuren hinterlassen. Von den einst 152 Pfarreien mit 360 000 Katholiken (Nachkriegszeit) sind nur noch 150 000 Gläubige zurückgeblieben. Sie sind in 72 Pfarreien erfasst. Von den insgesamt 75 Diözesanpriestern sind nur noch neun Angehörige der deutschen Minderheit. Schwer betroffen von der Auswanderung ist die Banater Heide und Hecke, wo die meisten Kirchen verwaist sind. Als ein Zeichen des Aufbruchs nannte der Bischof das neue Zentrum für Jugendseelsorge, wo sich 14 junge Männer auf den Priesterberuf vorbereiten. Im „Geraldinum“ (katholischen Gymnasium) in Temeswar lernen 127 Mädchen und Jungen. Auch die Orden erholen sich langsam wieder. Franziskanerinnen aus Deutschland und der Slowakei leisten ausgezeichnete Dienste im sozialen Bereich. Schwierig ist es mit dem Nachwuchs beim Orden der Armen Schulschwestern.

Nach der politischen Wende in Rumänien ist nun auch wieder eine Caritas-Arbeit möglich. Große Unterstützung erhält der Temeswarer Caritas-Verband von seinen Schwesternverbänden in Deutschland (Freiburg) und Österreich (Graz). In mehreren Ortschaften des Banats hat die Caritas Kleiderkammern, Suppenküchen und Medikamentenvergabestellen eingerichtet. In allen Städten des Banats und auch in größeren Dörfern konnten Pflegestationen der Caritas eingerichtet werden. In diesen Stationen kümmern sich Ordensschwestern um das Wohl der Hilfsbedürftigen und der Waisenkinder. Neu ist das Hospiz in der Elisabethstadt, das von den Franziskanern betrieben wird.

Als eine schwere Hypothek bezeichnete der Bischof die leerstehenden Kirchen, Kapellen und Pfarrhäuser. Dort, wo noch eine größere Zahl von Gläubigen vorhanden ist, gibt es eine Chance, die Bauten zu erhalten und durch Investitionen zu sanieren. Wo jedoch die zusammengeschrumpfte Gemeinde nicht mehr in der Lage ist, die Kirche zu erhalten, und wo in absehbarer Zeit ein weiterer Rückgang der Zahl der Gläubigen zu erwarten ist, empfiehlt das Bistum, in den Pfarrhäusern Kapellen einzurichten und den Gottesdienst dort zu feiern. Diese Notlösung – auch wenn sie nicht immer von allen Gläubigen befürwortet wird –  sei in der gegenwärtigen Situation die beste Alternative, so der Bischof. Unter dem Druck der Verhältnisse wurde mancherorts auch Pfarrhäuser verkauft. Mit dem Verkauferlös werden die genutzten Pfarrhäuser erhalten. Für den Erhalt der Friedhöfe soll die vom Ordinariat erarbeitete neue Friedhofsordnung beitragen. Sie ist bindend für jene Friedhöfe, die im Eigentum der Kirchengemeinden sind. Die Friedhöfe in Städten unterliegen den von den jeweiligen Gemeindeverwaltungen ausgearbeiteten Friedhofsordnungen. Der Bischof bedauerte es, dass immer wieder auch Friedhöfe geschändet werden und Grabsteine gestohlen werden.

Große Aufmerksamkeit schenkt das Ordinariat dem Aufbau des Diözesanmuseums und dem Diözesanarchiv. Die ältesten Dokumente des Archivs gehen auf das Jahr 1716 zurück, in die Zeit nach der Befreiung des Banats von den Türken. Im Archiv werden auch sämtliche schriftlichen Unterlagen aus verlassen Pfarreien aufbewahrt, und im Diözesanmuseum konnten die wertvollsten Kunstschätze aus den verlassenen Kirchen sicher untergebracht werden. Diese Kostbarkeiten wurden in Österreich restauriert und werden in einer ständigen Ausstellung gezeigt.

Bischof Martin Roos richtete einen herzlichen Dank an die Landsmannschaft für die Unterstützung, die sie seinerzeit dem Ordinariat bei der Instandsetzung des alten Bischofshauses in Temeswar gewährt hat. So war es möglich, die Bibliothek, das Archiv und das Diözesanmuseum in einem einzigen Gebäude unterzubringen. Der Bischof dankte den Heimatortsgemeinschaften für ihre Bereitschaft, sich an der Renovierung der Heimatkirchen zu beteiligen. Grundsätzlich gilt: Kirchen in jenen Ortschaften, in denen die Zahl der Gläubigen noch nicht die Hundertgrenze unterschritten habe, können in das Renovierungsprogramm der Diözese aufgenommen werden. Der Eigenbetrag der Kirchengemeinde liegt bei einem Drittel der Renovierungskosten. Deshalb ist die Hilfe der Landsleute aus Deutschland willkommen. Da es in den zurückliegenden Jahren auch immer wieder Missverständnisse gab zwischen einzelnen Heimatortsgemeinschaften und den für die Renovierung der Kirchen zuständigen Stellen im Ordinariat, listete Bischof Roos genau auf, welches die Voraussetzungen für eine Renovierungsarbeit sind: Pläne des Vorhabens, Kostenvoranschlag, Finanzierungsplan. Die genannten Unterlagen müssen zusammen mit einem Gesuch vom Ortspfarrer an die Diözese geschickt werden. Dann erst könne man konkrete Schritte zur Renovierung einleiten und auch Fördergelder von Sponsoren beantragen. Wichtig sei, dass man weiterhin bestrebt ist, die Zusammenarbeit zwischen Ordinariat, Kirchengemeinden vor Ort und Heimatortsgemeinschaften in Deutschland auszubauen.

Im Sinne des von den Tagungen der Kreisverbände angestrebten Erfahrungsaustausches stehen die seit Jahren vorgenommen Präsentationen ausgewählter Kreisverbände. Diesmal war der Kreisverband Karlsruhe an der Reihe. Der Kreisvorsitzende Werner Gilde stellte in einem Vortrag den 1978 gegründeten Kreisverband vor. Dieser Kreisverband gehört zu den größten und aktivsten Untergliederungen unserer Landsmannschaft. Allein schon das Aufzählen der einzelnen Veranstaltung im Laufe eines Jahres würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Unbedingt festgehalten werden sollte jedoch, dass im Kreisverband Karlsruhe zwei Chöre erfolgreich wirken und es hier auch mehrere Trachtengruppen gibt (für Kinder, Jugendliche und Erwachsene). Der Kreisverband organisiert für seine Mitglieder – und dabei wird an alle Altersstufen gedacht – ein reichhaltiges Programm, das von Gedenkveranstaltungen über Kulturabende, Ausfahrten und Freizeitveranstaltungen reicht. Anhand einer ansprechenden Lichtbildpräsentation ging Werner Gilde auf viele Einzelheiten ein und vermittelte den Tagungsteilnehmer so ein umfassendes Bild über einen – man könnte schon fast sagen – mustergültig funktionierenden Kreisverband.

Die Vorstellung einer Heimatortsgemeinschaft fiel diesmal originell aus. Josef Koch, der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld, präsentierte die neue von der Heimatortsgemeinschaft zusammen mit der Stadt Hatzfeld herausgebrachte Multimediakarte. Es handelt sich um eine Ansichtskarte mit integrierter CD, die eine Fülle von Informationen in Wort und Bild über das Heidestädtchen beinhaltet. Der Datenträger präsentiert eine beachtliche Dokumentation der Geschichte der Stadt und ermöglicht dem Nutzer der CD in Sekundenschnelle den Zugriff zu Informationen über wirtschaftliche Entwicklung, Kultur, Brauchtum, Persönlichkeiten, Kirche, Friedhof, Museen, Veranstaltungen und touristische Sehenswürdigkeiten. Die Gestaltung dieser modernen Präsentation wird höchsten Ansprüchen gerecht und dürfte für Hatzfelder wie auch für alle anderen Banater eine empfehlenswerte Dokumentationsquelle sein.

Den neuen Internet-Auftritt der Landsmannschaft präsentierte Jürgen Griebel, Mitglied im Bundesvorstand. Es handelt sich um eine komplett neue Homepage. Anhand von Lichtbildprojektionen führte Jürgen Griebel vor, wie man sich via Internet am besten über die Aktivitäten der Landsmannschaft informieren kann. Gleichzeitig richtete er an die Vorsitzenden der Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften die Bitte, mit Beiträgen zur Information der Internet-User beizutragen. Die neue Homepage wird am 15. April freigeschaltet und kann aufgerufen werden unter www.banater-schwaben.de.

Zum Abschluss der Tagung fand die satzungsgemäße Wahl der HOG-Sprecher und der Delegierten der Heimatortsgemeinschaften für die Hauptversammlung der Landsmannschaft im nächsten Jahr statt. Josef Koch, der Sprecher der Heimatortsgemeinschaften, wurde von den HOG-Vorsitzenden in seinem Amt bestätigt. Er wird die nächsten drei Jahre die Heimatortsgemeinschaften im Bundesvorstand vertreten. Sein Stellvertreter ist weiterhin Franz Schlechter. In geheimer Wahl wurden aus den Reihen der HOG-Vorsitzenden 19 Delegierte für die Hauptversammlung gewählt.