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Banater Post

Banat-Thementag in der Botschaft von Rumänien in Berlin

Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben Peter-Dietmar Leber, der Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm, Dr. Swantje Volkmann, dem Botschafter von Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Lazăr Comănescu und dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Klaus J. Loderer. Foto: Thomas Konhäuser

Rumänische Jugendliche aus dem Banat und Jugendliche aus Deutschland stellen ihre Projekte zum Thema „Heimat“ vor. Am Rednerpult: Projektleiterin Corina Ostafi. Foto: Robert Fasching

Der aus Temeswar stammende Rundfunkjournalist Ernst Meinhardt referierte über die wechselvolle Geschichte des Banats. Foto: Robert Fasching

Unter dem Motto „Das Banat – bunte Vielfalt zwischen Donau und Karpaten“ fand am 19. Februar in der Botschaft von Rumänien in Berlin ein Thementag zum Banat statt. Zugegen waren zahlreiche Ehrengäste, so der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Werner Hans Lauk, deutscher Botschafter in Bukarest, Dr. Lazăr Comănescu, Botschafter Rumäniens in Deutschland, Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Klaus J. Loderer, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Dr. Harald Roth und Ministerialdirigent i.R Winfried Smaczny, Direktor bzw. Vorstandsvorsitzender des Deutschen Kulturforums östliches Europa, sowie Dr. Swantje Volkmann, Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm. Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk, hatte sich im Vorfeld der Veranstaltung mit Botschafter Werner Hans Lauk getroffen, um sich über die aktuelle politische Lage in Rumänien, insbesondere über die Situation der deutschen Minderheit zu informieren. Konzipiert und betreut wurden der Thementag und die vorausgegangene deutsch-rumänische Jugendbegegnung von Corina Ostafi, Stipendiatin des Programms der Bundeszentrale für politische Bildung „Europa gestalten – politische Bildung in Aktion“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa und Dr. Swantje Volkmann.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Ausstellung „Das Banat. Eine Reise nach Europa“ gezeigt, die von der Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm konzipiert und vorgestellt wurde. Während des Themenabends wurden auch die Ergebnisse einer deutsch-rumänischen Jugendbegegnung vorgestellt. Vom 17. bis 19. Februar hatten sich Schüler aus Temeswar und Reschitza mit deutschen Jugendlichen in Potsdam getroffen und sich über das Beziehungsgeflecht von Heimat und Identität ausgetauscht. Anhand von stimmungsvollen, im Banat aufgenommenen Fotografien veranschaulichten die Jugendlichen die kulturelle Verwurzelung der deutschen Minderheit im Banat.

In ihren Grußworten hoben der Botschafter von Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Lazăr Comănescu, und der Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa, Dr. Harald Roth, die politische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der Banater Schwaben hervor, die insbesondere zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region wesentlich beigetragen hätten. Rumänien könne sich glücklich schätzen, da man eine kulturelle und ethnische Vielfalt wie im Banat nur selten antreffe, so Botschafter Dr. Comănescu.

Der aus Temeswar stammende Redakteur der Deutschen Welle, Ernst Meinhardt, referierte über die wechselvolle Geschichte des Banats und stellte die verschiedenen landschaftlichen Regionen mit ihren Städten und Baudenkmälern von großer historischer Bedeutung vor. Er verwies auf die deutsche Besiedlung des nach den Türkenkriegen teilweise entvölkerten und verwüsteten Banats durch die Österreichische Hofkammer und machte auf die bislang wenig erforschte französische Besiedlung der Region und auf die mundartliche Verwandtschaft zwischen den Banater Schwaben und Lothringen aufmerksam, die bis heute dokumentiert sei. Meinhardt zeigte auf, dass die Banater Schwaben aus verschiedenen Teilen Süddeutschlands und aus Lothringen stammen, wobei die Mehrheit der Siedler aus Franken, Bayern,  Österreich, dem Elsass, Lothringen, Luxemburg, Baden und der Rheinpfalz kam. Auch kleinere Gruppen aus Mitteldeutschland und dem Sauerland seien nachweisbar. Nur ein kleiner Teil stamme aus schwäbischen Regionen im Bereich des ehemaligen Vorderösterreich. Der Referent ging auf die Abwanderungen zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre, die Teilnahme an Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg, auf Flucht und Verschleppung sowie auf die Auswanderungswellen in der kommunistischen Zeit ein – all dies habe die Banater Schwaben in Rumänien zu einer verschwindend geringen Minderheit schrumpfen lassen.

Im Gespräch mit dem in Temeswar geborenen Historiker Dr. Robert Born, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO), erläuterte die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Rodica Vârtaciu (Temeswar) anhand ausgewählter Beispiele die Barockarchitektur in verschiedenen Orten des Banats und bettete sie in den historischen Zusammenhang ein. Der österreichisch geprägte Barock ist ein bis heute sichtbarer Ausdruck der künstlerischen Entfaltung der Banater Schwaben in der Region. Die kulturelle und künstlerische Übernahme dieser Formenwelt wurde in dem Buch „Barock im Banat“ von Rodica Vârtaciu erstmals umfassend in ihren vielfältigen Ausdrucksformen und Auswirkungen dargestellt. Der aufwändig bebilderte Band stellt die Leistungen der Epoche in ihrer ganzen Bandbreite dar und verdeutlicht, wie verschiedene Einflüsse barocke Formen eigenständiger, regionalspezifischer Ausprägung hervorbrachten.

Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk wies darauf hin, dass Deutschland und Rumänien langjährige, gute Beziehungen verbinden. Grundlage dafür sei der Freundschaftsvertrag von 1992. Zwischen beiden Ländern bestehe ein reger Kulturaustausch. Der Freundschaftsvertrag sei auch die völkerrechtliche Grundlage für die Förderung der deutschen Minderheit in Rumänien. Die beiden Staaten hätten sich darin zur Unterstützung der deutschen Minderheit verpflichtet. Diese Förderung werde auch in Zukunft ein fester Bestandteil der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien sein. Die Donau verbinde nicht nur die beiden Länder, sondern führe sie auch in der intensiven Donaukooperation zusammen. Ein wichtiges Bindeglied stellten dabei auch die Banater Schwaben dar, die Koschyk als Brückenbauer zwischen beiden Ländern in einem Europa der Vielfalt auswies. Die Ausstellung „Das Banat. Eine Reise nach Europa“ habe diese Brückenfunktion der Banater Schwaben vor Augen geführt. Koschyk wertete es als Symbol der guten Beziehungen, dass an der Veranstaltung in der rumänischen Botschaft auch die Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben und der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn teilnahmen.    

Nach einem Bericht von Thomas Konhäuser