zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Donauschwäbisches Zentralmuseum stellt sich vor

Über 140 HOG- und Kreisvorsitzende erörterten aktuelle Fragen der Verbandsarbeit. Fotos: C. Simionescu-Gruber

Christian Glass

Dr. Swantje Volkmann

Verbandstagung in Frankenthal: Austausch über Aufgaben und Ziele der Landsmannschaft (Teil 1)

Die jährlichen Verbandstagungen unserer Landsmannschaft haben eine lange Tradition. Die erste HOG-Tagung fand 1975 in Homburg/Saar statt. Somit war die diesjährige Tagung, auf die die Bezeichnung HOG-Tagung mittlerweile nicht mehr zutrifft, zumal der Kreis der Teilnehmer schon seit geraumer Zeit um die Vorsitzenden der Landes- und Kreisverbände erweitert wurde, bereits die vierzigste in dieser stattlichen Reihe. Seit gut zwei Jahrzehnten ist die Stadt Frankenthal Tagungsort. Der Begriff Frankenthal sei mittlerweile zu einem
Synonym für diese Tagung geworden, hob der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Peter-Dietmar Leber, in seiner Begrüßung hervor. Wenn es
eine Konstante in der wechselhaften Geschichte der Stadt Frankenthal
gegeben habe, so sei es der Wandel gewesen. Damit gäbe es auch Parallelen zur 300-jährigen Geschichte der Banater Schwaben, so Leber.

Darauf wies auch Frankenthals Bürgermeister Martin Hebich in seinem Grußwort hin. Die Geschichte der Stadt sei untrennbar mit Migration und Integration verbunden. Dies verdeutlichte Hebich anhand von Beispielen, wobei er vor allem den „großartigen Beitrag“ der Heimatvertriebenen, Flüchtlinge, Aussiedler und Spätaussiedler zur Entwicklung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg herausstrich. Die Aufbauleistung der Banater Schwaben erstrecke sich somit nicht nur auf das Gebiet des heutigen Banats, sondern auch auf die ursprünglichen Herkunftsregionen, so auch die Rheinpfalz, wohin viele im Laufe der letzten Jahrzehnte zurückgekehrt seien. Die Donaudeutsche Landsmannschaft bereichere seit über sechzig Jahren das gesellschaftliche Leben in Frankenthal. Die zahlreichen Veranstaltungen im Donauschwabenhaus zeugten von einem rührigen Verein, so der Redner.

Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm

Es gehört zur guten Tradition, dass sich auf der Verbandstagung Institutionen und Einrichtungen vorstellen, die für unsere Gemeinschaft von großer Bedeutung sind. Diesmal präsentierten sich das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm (DZM) und die Kulturreferentin für Südosteuropa am DZM. Die Stadt Ulm habe für die Banater Schwaben eine doppelte Bedeutung, sagte Bundesvorsitzender Leber einführend: zum einen wegen der Anfänge unserer Geschichte, zum anderen im Hinblick auf unsere Gemeinschaft in Deutschland. So sei Ulm die Stadt unserer Heimattage, aber auch die Stadt, die das Donauschwäbische Zentralmuseum beherberge. Die Vorstellung des im Jahr 2000 in der Oberen Donaubastion eröffneten Museums nahm Direktor Christian Glass vor.

Glass erläuterte zunächst den Entstehungsprozess und den Charakter der Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum, die von drei Ebenen der öffentlichen Hand – Stadt Ulm, Land Baden-Württemberg und Bund – sowie den vier donauschwäbischen Landsmannschaften getragen wird. Die Stiftung hat die Aufgabe, auf der Grundlage des Paragraphen 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) die kulturelle Tradition und das Kulturgut der Donauschwaben zu bewahren, indem sie Geschichte, Kultur und Landschaft umfassend dokumentiert, Kulturgut sammelt und präsentiert sowie der landes- und volkskundlichen Forschung über die donauschwäbischen Herkunftsgebiete zugänglich macht. Sie soll zugleich das Wissen über die südöstlichen Nachbarn verbreiten und vertiefen, um auf diese Weise einen Beitrag zur Verständigung in Europa zu leisten.

In den 14 Jahren seines Bestehens habe sich das Donauschwäbische Zentralmuseums einen guten Ruf in der deutschen Museumslandschaft und darüber hinaus erworben, so Glass, der zunächst die „sichtbare“ Arbeit des Museums präsentierte. Diese findet ihren Ausdruck in der Dauerausstellung, in Wechselausstellungen und vielerlei Veranstaltungen. Die Dauerausstellung „Räume, Zeiten, Menschen“ zeigt auf 1500 Quadratmetern in 26 Abteilungen die Geschichte der Donauschwaben von den Anfängen bis in die Gegenwart und hat alle ehemaligen donauschwäbischen Siedlungsgebiete im Blick. Bei den Wechselausstellungen handelt es sich meistens um Kooperationsprojekte mit unterschiedlichen Partnern, zu denen auch die Museen in Temeswar, Reschitza, Arad und Sathmar zählen. Mittels Ausstellungen, einer Vielzahl von Veranstaltungen und spezieller museumspädagogischer Angebote, worüber die regelmäßig erscheinenden Quartalsprogramme informieren, nimmt das DZM seine Übersetzeraufgabe wahr, Wissen über die Donauschwaben zu vermitteln.
Anhand ausgewählter Exponate vermittelte Christian Glass einen Einblick in die Dauerausstellung und präsentierte zugleich die Sammelgebiete des Museums und die wichtigsten Kategorien von Exponaten.

Das Ausstellen und Vermitteln sei nur eine Aufgabe des Museums, es sei das, was für den Besucher sichtbar ist, so Glass. Die ebenso wichtige „unsichtbare“ Arbeit des Museums beziehe sich auf das Sammeln, Bewahren, Forschen und Dokumentieren donauschwäbischen Kulturgutes. Der Referent gewährte einen Blick hinter die Kulissen, zumal – wie er betonte – den Reichtum eines Museums seine Sammlungsbestände ausmachen, die zu einem Großteil in den Depots lagern. So werde jedes Exponat inventarisiert, verschlagwortet und in einer Datenbank erfasst. Darüber hinaus müsse dafür gesorgt werden, dass die Exponate sachgemäß aufbewahrt werden, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

In der anschließenden Diskussionsrunde beantwortete Museums-
direktor Glass Fragen der Teilnehmer. Von Werner Griebel (HOG Lenauheim) kam die Anregung, die Quartalsprogramme auf der Homepage des Museums zum Herunterladen bereitzustellen, während Pauline Huschitt (HOG Tschanad) vorschlug, einen Kurzfilm über das Museum als wirksames Werbemittel auf YouTube einzustellen.

Kulturreferentin für Südosteuropa am DZM

Unter dem Titel „Interkulturelle Vielfalt und kulturelles Erbe. Breiten- und Bildungsarbeit entlang der Donau“ stellte die Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, Dr. Swantje Volkmann, ihre Arbeit vor. Die zunehmende Bedeutung des Donauraumes im Rahmen der Europäischen Union – Stichwort EU-Donauraumstrategie – eröffne Bildungsangeboten zur Vermittlung deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Mitteleuropa neue Perspektiven und damit der kulturellen Breitenarbeit der Kulturreferentin für Südosteuropa ein wachsendes Betätigungsfeld und neue Möglichkeiten der Kooperation, sagte die Referentin eingangs.

Die Institution der Kulturreferenten für die früheren deutschen Siedlungsgebiete in Mittel- und Osteuropa wurde 2002 auf der Grundlage des Paragraphen 96 BVFG geschaffen. Die sechs Kulturreferenten sind bei den entsprechenden Museen angesiedelt und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien unterstellt. Die Kulturreferentin für Südosteuropa ist für die kulturelle Breitenarbeit zur Vermittlung der Kultur und Geschichte der Donauschwaben (Banater Schwaben, Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien, Deutsche aus Ungarn, Sathmarer Schwaben), der Siebenbürger Sachsen und der Karpatendeutschen zuständig.

Die Kulturrefentin hält zum einen eigene Bildungs- und Vermittlungsangebote bereit, die zum Teil in Zusammenarbeit mit dem Donauschwäbischen Zentralmuseum und anderen Kooperationspartnern durchgeführt werden. Hierzu zählen Wanderausstellungen (darunter eine dem Banat gewidmete Austellung mit dem Titel „Das Banat – Eine Reise nach Europa“), deren hoher Verbreitungsgrad verschiedensten Zielgruppen den Zugang zur deutschen Kultur und Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas eröffnen, Workshops, Seminare, Vorträge usw. Eine besondere Priorität hatten und haben dabei Angebote für die Jugend. Wie Dr. Volkmann betonte, haben seit dem Jahr 2000 mehr als 3000 Jugendliche aus Deutschland, Rumänien, Ungarn, Serbien und Kroatien an den Jugendveranstaltungen „In weiter Ferne so nah – Südosteuropa gestern und heute“ teilgenommen, die sowohl in Deutschland als auch in den Donauländern stattfinden.

Zum anderen fördert die Kulturreferentin Projekte, sofern diese die Erforschung, Erhaltung und/oder Präsentation deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa zum Inhalt haben. Einer der Schwerpunkte in diesem Bereich ist die Förderung von Projekten der Landsmannschaften. Neben kulturellen Veranstaltungen (Chortreffen, Konzerte usw.), wissenschaftlichen Tagungen und Heimattagen werden beispielsweise auch Projekte gefördert, die dem Austausch mit den Herkunftsgebieten dienen oder Vermittlungsmaßnahmen im Jugendbereich zum Gegenstand haben.

Zum Schluss erläuterte die Referentin Fragen im Zusammenhang mit der Antragstellung bei Projektförderung. Diese bezogen sich auf die Fördervoraussetzungen, den Förderantrag und den Verwendungsnachweis, der nach Abschluss des Projekts erbracht werden muss. Im Anschluss an die Darstellung ihres Aufgabengebietes beantwortete Dr. Swantje Volkmann Fragen der Tagungsteilnehmer.

Aufgaben und Ziele der Landsmannschaft

Nach einer kurzen Vorstellung des am 15. Februar in Ulm neu gewählten Bundesvorstandes erörterte Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber aktuelle Aufgaben, Zielsetzungen und Perspektiven der landsmannschaftlichen Arbeit. Die Banater Schwaben dürften sich rühmen, Träger einer ganz besonderen Kultur und Geschichte zu sein. Wenn uns bewusst sei, dass die Landsmannschaft in Bezug auf ihre Mitglieder einen weiten Bogen nicht nur von Lebensjahren, sondern auch von Interessen, Wünschen und Hoffnungen umspanne, und wenn wir uns vergegenwärtigen, das gewisse Bindungen nur uns eigen  seien, eröffneten sich uns auch besondere Möglichkeiten, betonte Leber. Der Gewinn von Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstentfaltung müsse nicht zwangsläufig mit der Selbstaufgabe unserer Identität, unserer Gemeinschaft einhergehen.

„Sind wir denn nicht in der Lage, in 110 Heimatortsgemeinschaften, vier Landesverbänden und 50 Kreisverbänden mit noch knapp 14 000 Mitgliedern, aber doch mit 150 000 erfassten Landsleuten uns so einzubringen, dass wir einen Beitrag zur Stärkung dieser Identität, zur Festigung dieser Gemeinschaft leisten“, fragte Leber. Seine Antwort: Viele Beispiele aus den landsmannschaftlichen Gliederungen zeigten, dass dies möglich sei. Und auch der Bundesvorstand wolle seinen Beitrag hierzu leisten.

Der Bundesvorsitzende benannte einige Projekte, deren Verwirklichung in der neuen Amtsperiode angegangen werden soll. Hierzu zählt die Erarbeitung eines deutschsprachigen Reiseführers für das Banat, an dessen Erstellung und Herausgabe die Landsmannschaft sich beteiligen wird. In diesem Zusammenhang werden auch drei touristische Reiserouten erarbeitet. Die Landsmannschaft will erreichen, dass Stätten als wichtige Punkte unserer Geschichte Berücksichtigung finden.

Ein weiteres Projekt bezieht sich auf die Erfassung der im öffentlichen Raum in den Banater Ortschaften befindlichen Denkmäler im weiteren Sinne und deren Dokumentation in einem Band. Die Landsmannschaft wird diesbzüglich einen standardisierten Fragebogen erarbeiten und den Heimatortsgemeinschaften zukommen lassen.

Da unser Verband keine einzige Broschüre in rumänischer Sprache vorweisen könne, soll die Broschüre „Die Banater Schwaben“ ins Rumänische übersetzt werden. Es liege auch an uns, etwas dagegen zu tun, damit auch die heutigen Bewohner des Banats einen Zugang zu uns und unserer Geschichte finden, betonte Leber.

Angestrebt ist auch die Herausgabe einer deutschen Fassung des im Jahr 2012 erschienenen Buches „Lungul drum spre nicăieri“, das Interviews mit Zeitzeugen der Russlanddeportation enthält. Unsere Landsmannschaft war seinerzeit Kooperationspartner dieses von rumänischen Wissenschaftlern realisierten EU-Projekts.

Die in den Festschriften der Landsmannschaft dokumentierte Geschichte unserer Gemeinschaft in Deutschland soll fortgeschrieben und ausgebaut werden, ebenso soll eine Dokumentation über unsere Integration in Deutschland durch ein Institut, mit Unterstützung der Landsmannschaft, erarbeitet werden.

Bisher erinnert noch kein Denkmal im öffentlichen Raum im Banat an die Opfer der Flucht aus dem kommunistischen Rumänien. Der Bundesvorstand will deshalb ein solches Denkmal in einem grenznahen Ort errichten.    

(Ein weiterer Beitrag erscheint in der nächsten Ausgabe unserer Zeitung.)