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Banater Post

Die alte Heimat mit allen Sinnen erlebt

Zur Erinnerung an ihren Besuch in der alten Heimat stellten sich die Teilnehmer der Reisegruppe aus Deutschland einem Gruppenfoto vor der Traunauer katholischen Kirche. Foto: HOG Traunau

Bei einer musikalisch umrahmten Feier auf dem Friedhof gedachten die Traunauer ihrer Toten und legten ihnen zu Ehren einen Kranz am großen Kreuz nieder. Foto: HOG Traunau

Die heilige Messe wurde von Pfarrer Attila Andó zelebriert. Foto: Adrian Gabriel Pășcălău-Kollár

Angeregte Unterhaltung vor der katholischen Kirche. Foto: Adrian Gabriel Pășcălău-Kollár

HOG Traunau: Reisegruppe war von der in Traunau erfahrenen Gastfreundschaft überwältigt

Voller Neugierde, mit innerer Spannung und Herzklopfen, mit der einen oder anderen Erwartung, trat eine Gruppe von Traunauern im Juni  eine Reise in die alte Heimat an, die vom HOG-Vorsitzenden Eckhardt Petendra organisiert wurde. Das Hauptziel der Reise war unser Heimatdorf Traunau und die Stadt Arad. Aber wir wollten auch Temeswar besichtigen und einen Blick nach Siebenbürgen, in das Land inmitten des Karpatenbogens, werfen.

Ein betäubender, wohlriechender Duft umhüllte uns beim Aussteigen vor unserem Hotel im Zentrum von Arad. In der Mitte des schönen, breiten Boulevards blühten nämlich die Lindenbäume, die in einer Allee angelegt sind. Ein Stadtrundgang mit einem örtlichen Reiseleiter war für alle interessant und aufschlussreich, obwohl die meisten von uns diese Stadt von früher recht gut kennen. Von den restaurierten, imposanten Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert im Stadtzentrum waren wir beeindruckt. Bei Nachtspaziergängen, einer Nachtfahrt mit dem Bus und bei einem Blick von der Dachterrasse des Hotels, konnten wir die zurzeit schöne Beleuchtung dieser Gebäude und der gesamten Stadt bewundern. Spaziergänge am Maroschufer, Besuche am Strand und im schön angelegten Freibad, ein Einkaufsbummel auf dem Markt, das Genießen von rumänischen Spezialitäten in den Restaurants – das alles gehörte auch dazu.

Der Höhepunkt der Reise war jedoch der offizielle Tag in unserem Heimatdorf Traunau. Wir wussten zwar, dass sowohl die Gemeinde als auch die orthodoxe und die katholische  Kirchengemeinde Vorbereitungen für unseren Empfang getroffen hatten. Was aber dann auf uns zukam, übertraf all unsere Erwartungen und Vorstellungen. Als unser Bus langsam ins Dorf einfuhr, läuteten die Glocken unserer Heimatkirche. Beim Aussteigen empfingen uns der für Traunau zuständige katholische Pfarrer Attila Andó, der Bürgermeister der Gemeinde, Reginald Andronic, die Vizebürgermeisterin Irina Iovan, die Gemeinderäte, Trachtenpaare in rumänischer, ja sogar welche in banatschwäbischen Trachten und viele Dorfbewohner. Sie boten traditionell Brot und Salz an und hießen jeden einzelnen von uns mit einer Rose herzlich willkommen. Es waren bewegende Momente, und Tränen flossen bei dieser herzlichen Begrüßung.

Der orthodoxe Pfarrer Dan Mândra, der in der neuen orthodoxen Kirche soeben den sonntäglichen Gottesdienst beendet hatte, kam zusammen mit allen Gottesdienstbesuchern dazu. So füllte sich unsere Heimatkirche bis auf den letzten Platz. Seit der Einweihung der neu renovierten Kirche im Mai 2006 gab es so etwas nicht mehr. Traunau zählt nur noch eine Handvoll Katholiken und eine Messe findet selten statt. Pfarrer Attila Andó begrüßte alle Mitfeiernden bei diesem besonderen Gottesdienst. Er brachte seine Freude zum Ausdruck, nach so langer Zeit, hier, in einer mit vielen Blumen geschmückten Kirche und mit so vielen Gläubigen zusammen am Dreifaltigkeitssonntag eine Messe feiern zu können. Der Chor der Reisegruppe, an der Orgel von Albert Schankula begleitet, gestaltete die Feier mit.

Am Ende des Gottesdienstes ergriff Eckhardt Petendra das Wort. Es sei
eine Freude, in der Heimatkirche die heilige Messe wie einst feiern zu können. In diesem Gotteshaus seien viele der Angereisten getauft worden, hier hätten sie die Erstkommunion empfangen und sich vor diesem Altar das Jawort gegeben, hier habe man aber auch gebetet und Trost gefunden, wenn ein lieber Mensch gestorben ist. Es seien aber auch Personen dabei, so Petendra, die das Gotteshaus und das Dorf, das sie bisher nur aus Erzählungen kannten, zum ersten Mal sehen. Alle zusammen seien glücklich, das hier erleben zu dürfen. Der HOG-Vorsitzende dankte Pfarrer Andó, der diese Feier ermöglicht hatte, dem Bürgermeister, der orthodoxen Kirchengemeinde und den Dorfbewohnern für den überwältigenden Empfang sowie allen Mitfeiernden. Albert Müller, stellvertretender Vorsitzender der HOG, trug sein Gedicht „Heimat-
glocken“ vor und der Chor sang zum Schluss das Lied „Glocken der Heimat“.

Im Anschluss an die Messe zog die Prozession zum Friedhof, wo eine
Totengedenkfeier stattfand. Einige der Mitgereisten (Edi Binschedler, Erwin Didicher, Lotte und Eckhardt  Petendra) hatten ihre Instrumente dabei, so dass die Prozession unter feierlichen Klängen in den Friedhof einzog und die Feier instrumental umrahmt wurde. Lotte Petendra begleitete die Lieder des Chors – einige mit neuen, eigens für diesen Tag geschriebenen Texten – am Akkordeon. In ihrer Ansprache ließ sie längst vergangene Zeiten Revue passieren, wies auf die aktuelle Situation des Friedhofs und auf die mit dessen Instandhaltung verbundenen Schwierigkeiten hin. Sie verwies auf das neue Friedhofsbuch, welches zurzeit von der HOG  erstellt wird. Bei der Kranzniederlegung, die von Johann Didicher und Albert Müller vorgenommen wurde, intonierte die Kapelle das Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“.

Der Besuch an diesem Tag in Traunau wurde fortgesetzt mit einem Festessen im Kulturheim, zu welchem der Bürgermeister eingeladen hatte. Die rumänische Kulturgruppe des Ortes bot ein Programm dar, das viel Beifall erntete. Der Bürgermeister betonte in seiner Willkommensrede, dass die gesamte Dorfgemeinschaft sich auf diesen Tag gefreut habe, dass alle mitgeholfen hätten, das Dorf herauszuputzen und dieses Festessen zu organisieren. Der HOG-Vorsitzende bedankte sich im Namen der Gruppe und erinnerte an viele schöne Stunden in diesem Saal.

Auch neben dem offiziellen Programm duften wir einiges in diesen Tagen in Traunau  erleben. Es wurden Besuche im Elternhaus gemacht, Gespräche mit ehemaligen Nachbarn und Bekannten geführt, Erinnerungen ausgetauscht. Einige suchten anhand des Dorfplans das Haus ihrer Eltern beziehungsweise Großeltern, welches sie nur aus Erzählungen und von alten Fotos kannten. Die einen fanden ein ganz anderes, ein neues Gebäude vor,  andere nur eine Lücke zwischen den ehemaligen Nachbarhäusern, und so manche stießen auf ein vernachlässigtes, dem Verfall preisgegebenes Haus.

Eine Wallfahrt nach Maria Radna durfte auf unserem Reiseprogramm nicht fehlen. Die Baustelle rings um die Basilika konnte uns von unserem Vorhaben nicht abhalten. Mit einem gemeinsamen, auf dem Akkordeon begleiteten Marienlied starteten wir an der Maria- Lourdes-Kapelle. Wir durften den Wallfahrtsgottesdienst der Ministranten der Diözese mitfeiern. Bischof Martin Roos, der an diesem Tag anwesend war, und Domkapitular Andreas Reinholz begrüßten die Reisegruppe aus Traunau. Mit einem Marienlied verabschiedeten wir uns.

Nächste Station unserer Reise war die Stadt Temeswar, die wir mit einem örtlichen Reiseleiter durchstreiften und so näher kennenlernten. Doch wir wollten auch über den Tellerrand hinausschauen und warfen einen Blick nach Siebenbürgen. Acht Mädchen aus Traunau hatten in Hermannstadt das pädagogische Gymnasium besucht. Eine ehemalige Lehrerin dieser Schule empfing uns dort, erzählte über die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und zeigte uns diese wunderschöne Stadt. Die berühmte Kirchenburg von Birthälm, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, war unser nächstes Reiseziel. Ein junger evangelischer Pfarrer empfing uns und führte durch die Burganlage und die Kirche. Das Essen, von der evangelischen Kirchengemeinde im Burghof serviert, mit dem typisch siebenbürgisch-sächsischen „Hanklich“ zum Abschluss, schmeckte vortrefflich.

Mit vielen Eindrücken von all dem, was wir in diesen Tagen erlebt, gesehen und gehört hatten, überwältigt von der Gastfreundschaft in unserem Heimatdorf, von dem guten Essen überall und betäubt von dem Duft der Lindenbäume in Arad, nahmen wir Abschied und traten die Heimreise an. Wir haben dieses Land, unsere ehemalige Heimat, wirklich mit allen Sinnen erlebt.