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Banater Post

Nach elf Jahren schlägt die Kirchenuhr wieder

Dank des Einsatzes von Lóránd Wonerth und Vasile Tincu ist die Turmuhr der Neudorfer Kirche wieder funktionsfähig. Fotos: Pfr. Daniel Lunic

Das mechanische Uhrwerk wurde gründlich gesäubert...

...und wieder auf Vordermann gebracht.

Nach fast elf Jahren völligen Schweigens begann die Turmuhr der Pfarrkirche „Besuch der Jungfrau Maria bei der Heiligen Elisabeth“ in Neudorf in diesem Frühjahr erneut zu schlagen. Sämtliche Reparaturen führten zwei motivierte Einheimische durch: Lóránd Wonerth und Vasile Tincu. Sie brachten zusammen mit dem Neudorfer Pfarrer Daniel Lunic ein Projekt zu Ende, das nicht bloß römisch-katholische Gläubige erfreut, sondern die gesamte Dorfgemeinschaft.
Zunächst mussten Vorbereitungen sowie Vorarbeiten im Glockenturm selbst erfolgen. So wurde der zermürbte, altersschwache Zwischenboden über den Glocken entfernt. Neue, etwa vier Meter lange Balken und Stützen mussten in Höhen gehievt werden, wo bereits eine Einzelperson kaum genügend Bewegungsspielraum hat. Nach all diesen Arbeiten konnte ein neuer, mit Leinöl eingelassener Zwischenboden eingebaut werden.

Erst jetzt konnte die eigentliche Uhrenreparatur beginnen. Zunächst wurden die großen Zahnräder gesäubert, welche die vier Turmuhren entsprechend den vier Himmelsrichtungen antreiben. Ebenso war eine Entfettung vieler Bestandteile erforderlich. Wichtigster Zwischenschritt war die Zeigersynchronisierung an sämtlichen Turmseiten, denn bis dahin zeigte jede der vier Uhren eine andere Zeit an. Dies erfolgte durch die Verbindung der Achsen der vier Zifferblätter mit der Hauptachse, die vom zentralen mechanischen Uhrwerk angetrieben wird. So ließen sich schließlich äußere Zeitanzeigen mit der Innenuhr harmonisieren. Vom Mechanikgetriebe selbst wurde früher verwendetes Traktorenöl von schlechter Qualität entfernt und stattdessen wurde feines Spezialöl besonders an den beanspruchten Verschleißteilen eingebracht.

Nach einer Stützenverstärkung ließ sich schließlich die Kirchturmuhr neu starten, auf dass sie nach so vielen Jahren wieder den Stundenfluss anzeige, der den Menschen nicht bloß ihre eigene Vergänglichkeit bewusst machen, sondern auch als Mahnung dienen soll, die uns gegebenen Jahre zum Lobe des Herrn ebenso zu nutzen wie zum eigenen Heil und zu jenem unserer Mitmenschen. Nach Abschluss der Arbeiten konnte festgestellt werden, dass das Pendel 39 Mal pro Minute schwingt, während die Uhr zu jeder Viertelstunde genauso schlägt wie zur vollen Stunde.

Sämtliche Arbeiten beanspruchten viele Tage im April und Mai, wobei manche Vorgänge mehrfach wiederholt werden mussten. „Die beiden Idealisten sind ja keine ausgebildeten Uhrenmechaniker. Doch durch Qualifizierung vor Ort lieferten sie mehr als ihr Gesellenstück ab. Und auf Anforderung könnten sie nun wohl jede Kirchturmuhr instandsetzen“, erklärte uns Pfarrer Daniel Lunic. Ebenso erzählte er, dass am ersten Probetag, als zahlreiche Funktionsüberprüfungen nötig waren, die Dorfbewohner an Totengeläut dachten. Auch berichtete ein örtlicher Katholik, das erneute Funktionieren dieser Kirchturmuhr nach elf Schweigejahren bringe ihm schöne Kindheitserinnerungen zurück.

Übersetzung : Ewald Kollmer